Kalkar lass uns reden - Politisches aus dem Städtchen und der Welt

Kalkar lass uns reden - Politisches aus dem Städtchen und der Welt

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DocBerdi

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Kalkar

Episoden

Folge 28: Kalkar, Kohle und Konflikte: Ein Blick vom Mond auf unsere Stadt
13.04.2026
58 Minuten
Was hat die Umlaufzeit des Mondes mit der Kalkarer Kommunalpolitik zu tun? In der 28. Folge ihres Podcasts wagen Elli van Gemmeren und Korkut Berdi einen spannenden Perspektivwechsel. Inspiriert von aktuellen Mondmissionen blicken die beiden erst von ganz oben auf unsere Welt, um dann tief in die Details der Kalkarer Ratssitzungen und die Fallstricke der Bundespolitik einzutauchen.


Hier sind die Highlights der aktuellen Folge:


1. Kampf gegen den Leerstand: Ein „stumpfes Schwert“?


Die SPD hat mit einem Antrag zum Leerstandskataster ein kritisches Thema für die historischen Kerne von Kalkar und Grieth auf die Tagesordnung gebracht. Häuser, die über Jahre verfallen, blockieren dringend benötigten Wohnraum.


Die Kritik: Die Verwaltung lehnte das Kataster ab, da die Leerstände bekannt seien. Elli und Korkut sehen hier eine verpasste Chance und fordern mehr Mut: Statt nur zu listen, müsse man über Satzungen gegen Zweckentfremdung nachdenken, um Eigentümer durch Ordnungsgelder oder höhere Steuern zum Handeln zu bewegen.


2. Photovoltaik vs. Denkmalschutz: Ein Sieg für die Vernunft


Positiver verlief die Debatte um den CDU-Antrag zu Photovoltaikanlagen. Dank neuer Rechtsprechung hat der Klimaschutz nun Vorrang vor strengen Gestaltungssatzungen. Ein wichtiger Fortschritt für Bürger, die ihre Energiekosten senken wollen – solange die Verwaltung den Beschluss nicht wieder „verwässert“.


3. Das Finanz-Dilemma: Zwischen Kalkar und Berlin


Ein zentraler Teil des Gesprächs widmet sich der prekären Finanzlage. Elli kritisiert die „Fördermittel-Falle“: Kommunen bauen oft Dinge, die sie nicht brauchen (und deren Eigenanteil sie belastet), nur weil es Fördergelder gibt. Sie fordert stattdessen eine finanzielle Freiheit von etwa 20 % der Zuweisungen zur freien Verfügung.


In diesem Zusammenhang blicken die beiden auf die Pläne aus Berlin, insbesondere auf das Steuer- und Finanzmodell von Lars Klingbeil:


Die Milliarden-Spritze: Klingbeil plant eine Entlastung der Kommunen durch eine jährliche Finanzspritze von einer Milliarde Euro (davon 250 Millionen für Altschulden). Im Podcast wird dies jedoch als „Tropfen auf den heißen Stein“ kritisiert, da allein das Defizit der deutschen Städte im letzten Jahr bei rund 30 Milliarden Euro lag.


Das Klingbeil-Steuermodell: Diskutiert wird auch der Plan des Finanzministers, 95 % der Beschäftigten steuerlich zu entlasten. Die Gegenfinanzierung soll durch eine stärkere Belastung von Top-Verdienern und hohen Vermögen sowie eine Reform des Ehegattensplittings (hin zu einem „fiktiven Realsplitting“) erfolgen. Elli und Korkut hinterfragen, ob solche Reformen ausreichen, um die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen wirklich zu lösen.


4. Weltpolitik am Küchentisch: Der Iran-Konflikt


Zum Ende verlassen die beiden die lokale Ebene komplett. Mit Blick auf die Spannungen im Nahen Osten warnt Korkut vor gefährlicher Rhetorik. Drohungen, ein Land „in die Steinzeit zurückzubomben“, würden die Bevölkerung nur hinter das Regime treiben. Ellis Appell: Wir müssen „runterkochen“. Ohne tiefen Einblick in komplexe Vielvölkerstaaten wie den Iran sollten wir uns mit militärischer Rhetorik zurückhalten.


Fazit


Ob es um Solarpaneele in Kalkar oder Klingbeils Steuerpläne geht: Diese Folge zeigt, dass wir den Blickwinkel weiten müssen. Manchmal hilft es, sich vorzustellen, man betrachte die Erde vom Mond aus – die Probleme wirken dann kleiner, die Notwendigkeit für besonnenes Handeln aber umso klarer.
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Folge 27: Vom „Club 27“ bis zur Kommunalpolitik – Gedanken zu Kalkar, Wahlen und politischer Kultur
17.03.2026
51 Minuten
Nach einer kurzen Pause sind wir zurück! In dieser umfangreichen Episode spannen wir den Bogen von tragischen Musikmythen über hitzige Debatten im Kalkarer Stadtrat bis hin zur aktuellen Landes- und Bundespolitik.


Der „Club 27“ – Ein morbider Mythos


Die Episodennummer führt uns direkt in die Musikgeschichte. Wir sprechen über den Club 27: Weltstars wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Kurt Cobain und Amy Winehouse, die alle mit 27 Jahren starben. Warum fasziniert uns dieser Mythos bis heute, und wie blicken wir heute auf den damaligen Lifestyle zwischen Genie und Exzess?


Kalkar im Fokus: Radwege vs. Sanierungsstau


Ein Schwerpunkt liegt wieder auf unserer Heimatstadt. Aktuell sorgt der geplante Umbau rund um die Altkalkarer Straße für Zündstoff. Siehe auch unsere Folge 26 vom 25.Januar 2026!


Der Plan: Neue Fahrradstraßen und Vorrang für den Radverkehr. Die Kritik: Warum werden intakte Straßen für viel Geld umgebaut, während die Jan-Joest-Straße seit Jahrzehnten verfällt? Wir diskutieren über fragwürdige Prioritäten in der Stadtplanung.


Haushaltsdebatte: Die Fraktionen im Check


Der städtische Haushalt steht. Wir analysieren die Kernforderungen der Parteien:


CDU: Mahnt die hohen Verwaltungskosten an. FORUM: Erinnert an das Wahlversprechen zur Bekämpfung des Ärztemangels. Dazu auch unsere Folge 20 vom 19. September 2025! SPD: Fokus auf Leerstände und bezahlbaren Wohnraum. FDP: Stellt mutige (und heikle) Strukturfragen zu Schulstandorten und Feuerwehrhäusern. Die Linke: Fordert mehr staatliche Investitionen und soziale Programme.


Politik & Personalien: BW-Wahl und Parteienkrise


Zum Abschluss blicken wir über den Tellerrand:


Baden-Württemberg: Der Wahlkampf zwischen Cem Özdemir (Grüne) und Manuel Hagel (CDU) zeigt, wie sehr moderne Politik auf Personen statt auf Inhalte setzt. Parteien im Wandel: Warum tun sich SPD und FDP aktuell so schwer, ihre Stammwählerschaft zu halten?


Fazit: Ob im Kalkarer Rat oder im Landtag – am Ende geht es immer um die ehrliche Frage: Wofür geben wir unser begrenztes Geld wirklich aus?


Viel Spaß beim Hören von Folge 27!


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Folge 26: Kommunalpolitik in Kalkar: Wenn Bürgerbriefe versanden und Radwege Wälder fressen
25.01.2026
45 Minuten
Nach einer längeren Podcast-Pause melden wir uns mit einer Folge zurück, die mitten ins Herz der Kalkarer Kommunalpolitik zielt: Entscheidungen im Rathaus, die unseren Alltag verändern – aber selten wirklich öffentlich diskutiert werden. Im Fokus stehen die Hanselaer Straße, eine geplante Radfahrer-Umgehungsstrecke an den Wallanlagen und der millionenteure Schulhof mit seinem legendären „Ringtausch“.


Zum Auftakt spielen wir wie immer mit einer Zahl – diesmal der 26. Von 26 Fußknochen über 26 Oscars für Walt Disney bis zur 26. Schwangerschaftswoche, in der die Sehfähigkeit des ungeborenen Kindes entsteht, spannen wir einen leichten, humorvollen Bogen, bevor es konkret und lokalpolitisch wird.


An der Hanselaer Straße zeigt sich exemplarisch, wie groß die Diskrepanz zwischen Papierlage und Realität sein kann. Offiziell verkehrsberuhigt, wird die Straße faktisch als Durchfahrtsroute mit deutlich über Schrittgeschwindigkeit genutzt. Anwohnerinnen und Anwohner haben in einem Brandbrief mit 53 Unterschriften zu schnellem Fahren, fehlenden Kontrollen und Gefährdungen insbesondere für Schulkinder berichtet. Der Brief landete monatelang in der Warteschleife und tauchte schließlich nur als Unterpunkt in einer Bauausschusssitzung auf – ohne eigenen Tagesordnungspunkt und ohne sichtbaren politischen Willen, die Situation ernsthaft zu verändern. Die Argumente gegen einfache Temposchwellen wirken dabei eher wie Ausreden: angebliche Umweltbedenken, theoretische Erschütterungen durch schwere Fahrzeuge oder vermeintliche Probleme für Rettungswagen in einer Straße, in der eigentlich Schrittgeschwindigkeit gelten sollte.


Noch absurder wirkt die geplante Rad-Umgehungsstrecke an den Wallanlagen. Statt an einer kurzen, steilen Rampe einfach zu akzeptieren, dass Radfahrende einmal absteigen oder abbremsen müssen, soll nun eine neue, gepflasterte Trasse durch die Grünanlage gebaut werden. Dafür müssten Bäume und Büsche weichen. Das wird mit Klimaschutz und Förderung des Radverkehrs begründet, steht aber in klarem Widerspruch dazu, wenn dafür funktionierendes Grün geopfert und erhebliche Mittel ausgegeben werden. Für Fußgänger wächst das Risiko, dass schnelle Räder zukünftig aus der neuen Strecke direkt in ihren Weg „einschießen“.


Finanziell erinnert das Projekt gefährlich an den Schulhof und den damit verbundenen „Ringtausch“. Was einst als Paket unter einer Million Euro geplant war, endete bei rund 3,7 Millionen – allein der Schulhof schlägt inzwischen etwa mit einer Million zu Buche. Eine komplette Schülergeneration ist durch die Schulen gegangen, ohne spürbar von den Maßnahmen zu profitieren, während sich Baustellen und Begründungen über Jahre hinzogen. Dazu kommt der bis heute nicht fertige Wendehammer am ehemaligen Grundschulgelände.


Ein roter Faden durch all diese Themen ist die fehlende Transparenz: Ausschusssitzungen sind zwar formal öffentlich, werden aber nur von wenigen besucht; Protokolle sind stark verkürzt, Diskussionen kaum nachvollziehbar; Audio- oder Videoübertragungen werden mit fragwürdigen Argumenten abgelehnt. Gleichzeitig liegt Verantwortung auch bei uns Bürgerinnen und Bürgern: Wer bei Wahlen nicht genau hinschaut, wen er in die Gremien schickt, darf sich später nicht wundern, wenn eigene Anliegen keine Lobby finden. Und wer sich nur mit einem Brief an die Verwaltung wendet, aber keine Öffentlichkeit sucht, verschenkt politischen Druck.


Im Podcast – und in diesem Blog – wollen wir genau hier ansetzen: Dinge sichtbar machen, Hintergründe erklären, Kosten einordnen und zeigen, wo und wie Entscheidungen getroffen werden. Wenn du von Hanselaer Straße, Wallanlagen oder Schulprojekten betroffen bist, lohnt es sich, deine Ratsmitglieder anzusprechen, Sprechstunden zu nutzen, Öffentlichkeit herzustellen und dich mit anderen zu vernetzen. Denn kommunale Politik wird am Tisch entschieden – aber sie beginnt damit, dass jemand überhaupt hinschaut.
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Folge 25: Unnützes Wissen, Katastrophen und Kölsch – warum sinnloses Wissen so viel Spaß macht
21.12.2025
41 Minuten
Es gibt Folgen, da ist schon vorher klar: Die werden nicht schwer, nicht politisch, sondern einfach nur Spaß. Unsere Jubiläumsfolge 25 gehört genau in diese Kategorie – ein Podcast zum Weglachen, Mitstaunen und Kopfschütteln über lauter „unnützes“ Wissen, das sich erstaunlich gut im Kopf festsetzt.


Statt Politik gibt es Sprachkuriositäten, schräge Fakten über Militär, Tiere, Zähne, Supervulkane, Kölsch und mehr. Unnützes Wissen erzählt eine Menge über uns Menschen.


Silbernes Jubiläum: 25 Folgen in einem Jahr


25 Folgen in knapp 52 Wochen – im Schnitt jede zweite Woche neu. Rund 50 Hörer pro Folge, Spitze mit 350 bei den Bundestagsdirektkandidaten. Perfekter Anlass für Trivia und Fun Facts.


Warum Unnützes besser hängen bleibt


Wichtiges rutscht raus, Quiz-Trivia bleibt. Druck blockiert, Spaziergang löst 5000 Fakten aus. Unnützes Wissen ist spielerisch – deswegen klebt es.​


Sprache: Von „gehan“ zu „geh’n“


Althochdeutsch: „Gehan“. Heute: „Geh’n“ – wir verschluren, kürzen, beschleunigen. Gendern („Arbeiter:innen“) widerspricht dem Trend zur Vereinfachung.


Falschschreiber: „Lizenzieren“ statt „Lizensieren“


Wir schreiben, wie wir hören: „Lizenzieren“ wird falsch „Lizensieren“. Ähnlich „Skizze“, „Pferd“ (stummes P). Sprache ist ehrlich.


Dialekte & Gebärden: Sprache als Gefühl


Kölsch transportiert rheinische Freude, Platt Zustände. Gebärdensprache (200 weltweit) lebt von Mimik – spürbar emotional, auch ohne Worte.


Bürokratie-Höhepunkt: 32 Tattoo-Seiten


US-Marines: 32 DIN-A4-Seiten Tattoo-Regeln. Freiheit? Eher Formularwahn gegen Klagen.


Drei Millionen Wracks im Meer


Ozeane bergen ~3 Mio. Schiffwracks – Piratenschiffe, U-Boote, Giftstoffe. Gigantischer Menscheneingriff.


Aggro-Tiere: Amseln & Nilflughunde


Amselzwitschern? Revierkrieg! Nilflughunde streiten um Futter, Schlafplätze, Nachbarn – wie wir.


Zahnarzt erfindet Zuckerwatte


Ein Zahnarzt baute die Zuckerwattenmaschine. Tipp: Schokolade lieber auf einmal essen, nicht häppchenweise – Zucker klebt sonst ewig. Gouda auch (Milchzucker). Mikroskop-Belag: Großstadt-Chaos.


Sport-Trivia: High Five & Körbe


High Five seit 1977 (Baseball). Basketball: Anfangs echte Körbe – Ball rausfischen!​


Katastrophen: Mondbremse & Supervulkane


Mond bremst Erde: Tage werden länger, irgendwann Stillstand? Supervulkane (Yellowstone, Phlegräer) drohen Aschewinter. Sternenstaub denkt übers Universum nach.


Sonne-Wette: 8 Sekunden oder Minuten?


Licht Sonne-Erde: 8 Sekunden oder 8 Minuten? Hörer, klärt uns auf!


Körperkosmos: Milliarden Blutzellen


200 Mrd. neue Blutkörperchen/Tag, 1 Min. Umlauf. Winziger Kosmos im Vergleich zu Lichtjahren.


Kölsch & „Halver Hahn“


„Halver Hahn“ = Gouda-Brötchen, kein Hähnchen! Kölsch: Laberbier in kleinen Gläsern. Kleve „Früh“: Enge schafft Stimmung.


Fazit: Staunen statt Stress


Folge 25 lädt zum Lachen, Lernen, Staunen. Teilt euer unnützes Wissen in den Comments! Mit Kölsch genießen.


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Folge 24: Politik, Protokolle und Prinzipien: Was uns Kommunal- und Bundespolitik wirklich zeigen
14.12.2025
53 Minuten
Dieser Blogbeitrag fasst eine besondere Podcastfolge zusammen, die pünktlich vor dem 24. Dezember erschienen ist – in einer Zeit, in der viele lieber an Geschenke als an Politik denken. Im Gespräch von Elli van Gemmeren und Korkut Berdi wird deutlich, wie eng kommunale Entscheidungen, Bundespolitik und unser persönliches Freiheitsgefühl miteinander verknüpft sind.


Kommunalpolitik: Transparenz und Verantwortung


Ausgangspunkt ist die Lage in Kalkar: Protokolle von Ratssitzungen kommen verspätet, Tagesordnungen werden so spät veröffentlicht, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger Sitzungen kaum einplanen können. Ratssitzungen beginnen oft früh am Abend, was Berufstätige zusätzlich ausschließt und den Eindruck verstärkt, Politik wolle lieber „unter sich“ bleiben.


Hinzu kommen formale Probleme in Ausschüssen, wenn mehr sachkundige Bürger als gewählte Ratsmitglieder am Tisch sitzen und Sitzungen beinahe scheitern. Parallel läuft eine Debatte über Ortsvorsteher: Statt neue Posten zu schaffen, wäre es naheliegend, dass direkt gewählte Ratsmitglieder ihre Aufgabe vor Ort ernst nehmen – ansprechbar sein, zuhören, Themen in die Gremien tragen. Es gibt positive Beispiele engagierter Ratsleute, aber auch viele, die kaum sichtbar sind, während Wähler trotzdem Personen unterstützen, die sie nicht kennen und die nicht im Wahlkreis wohnen.


Meinungsfreiheit und Einschüchterung


Von der Kommunalpolitik führt das Gespräch zur Presse- und Meinungsfreiheit. Anhand eines AfD-Jugendparteitags wird beschrieben, wie Demonstranten versuchen, Journalisten an der Berichterstattung zu hindern – auch solche, die weder rechts noch parteinah sind. Drohungen wie „Wir wissen, wo du wohnst“ oder Boykottaufrufe gegen Arbeitgeber sollen Menschen einschüchtern und bringen viele dazu, ihre Meinung nicht mehr öffentlich zu äußern.


Gleichzeitig nutzt der Staat schärfere Paragrafen zum besonderen Schutz von Amtsträgern, wodurch Profipolitiker mit anwaltlicher Unterstützung massenhaft Anzeigen stellen können. Über Hate-Speech-Meldeportale werden Fälle so aufbereitet, dass selbst ironische oder überspitzte Äußerungen zu Ermittlungen führen können. Das Ergebnis ist Selbstzensur: Was im privaten Gespräch klar gesagt wird, wird online nur noch vorsichtig oder gar nicht geäußert, sodass Meinungsfreiheit zwar formal besteht, im Alltag aber deutlich enger wird.


Rente, Wahlkalkül und Generationenfrage


Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rentenpolitik. Die demografischen Probleme – immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Rentner – sind seit Jahrzehnten bekannt, gleichzeitig verschwinden klassische Betriebsrenten und private Vorsorge wird zentral. Dennoch scheut die Politik grundlegende Reformen, weil sie unpopulär wären, insbesondere bei den über 60-Jährigen, die einen großen Teil der Wählerschaft von CDU und SPD stellen.


Diese Konstellation erzeugt einen dauerhaften Konflikt zwischen kurzfristigem Wahlkalkül und langfristiger Verantwortung gegenüber jüngeren Generationen. Wer ernsthaft Renteneintrittsalter, Beitragssätze oder das System insgesamt anpacken möchte, riskiert deutliche Stimmenverluste – während die Jüngeren in ein System einzahlen, dessen Stabilität immer wieder vertagt wird.


Wehrpflicht, Dienst und Verantwortung


Zum Schluss geht es um Wehrpflicht und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Viele Jüngere haben weder Bundeswehr- noch Zivildiensterfahrung, während sich die sicherheitspolitische Lage verändert und der Glaube, andere würden schon für unsere Sicherheit sorgen, zunehmend brüchig wird. Wehrpflicht wird dabei nicht nur als militärisches Instrument diskutiert, sondern als möglicher Rahmen für einen Dienst an der Gemeinschaft – ob in Uniform, in Pflege, Rettungsdiensten oder sozialen Projekten.


Wie ernst nimmt eine demokratische Gesellschaft Transparenz, Meinungsfreiheit und Verantwortung – im Rathaus, im Bundestag und im eigenen Alltag.


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Über diesen Podcast

Dieser Podcast eignet sich besonders für alle, die verstehen möchten, wie Kommunalpolitik funktioniert und warum scheinbar einfache Entscheidungen in der Praxis oft komplex und bürokratisch sind. Die Gastgeber Elli van Gemmeren und Korkut Berdi aus Kalkar bieten dabei einen authentischen und unverfälschten Einblick in die Herausforderungen der lokalen Politik und freuen sich auf die Interaktion mit ihren Zuhörern.
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