Klassentreffen

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Polizeigewalt als Mittel gesellschaftlicher Disziplinierung. Mit Gonca Sağlam von KOP
16.03.2026
55 Minuten
Racial Profiling, unbegründete Passkontrollen, diskriminierende Beschimpfungen und körperliche Aggressionen, bis hin zur Tötung – rassistische Realität, von der viele Menschen in Deutschland betroffen sind. Sprache oder Hautfarbe, aber auch bestimmte Verhaltensweisen, zugeschriebene politische Einstellungen und Klasse setzen fest, wie die Polizei mit Menschen umgeht. Das »Love-Triangle« zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht verhindert dann allzu oft, dass Betroffene rassistischer Polizeigewalt zumindest im Nachgang Recht erfahren.


Im Gespräch erklärt Gonca Sağlam von der Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt (KOP), dass die Polizei vor allem ein Instrument ist, um Menschen in ihre sozialen Rollen hineinzudisziplinieren. Vermeintlich abweichendes Verhalten wird zum Sicherheitsrisiko erklärt, das bekämpft und eingedämmt werden muss. Dafür werden polizeiliche Befugnisse immer mehr ausgeweitet. Die Behörde greift immer mehr in pädagogische und psychiatrische Bereiche ein, was »Gift für eine Gesellschaft« sei, so Sağlam. Fragen der gesellschaftlichen Konfliktregelung würden komplett an die dafür überhaupt nicht ausgebildete Polizei abgegeben. Eine gefährliche Entwicklung für jede freie Gesellschaft.


Dies ist die Premierenfolge unseres neuen Klassentreffen-Hosts Julian Daum. Olivier und Julian werden von nun an im Wechsel Gäst*innen zum Gespräch begrüßen.


Anmerkungen und Ergänzungen:


Zum Begriff der Kriminalisierung, über den Gonca Sağlam und Julian im Podcast mehrfach im erweiterten Sinn sprechen: Demnach bedeutet Kriminalisierung nicht unbedingt, dass etwas tatsächlich verboten und strafbar sein muss. Der Begriff beschreibt eher, wie Staat und Gesellschaft mit einem Verhalten umgehen. So sind bestimmte Protestformen vielleicht nicht grundsätzlich verboten, werden aber durch Polizeipraxis oder öffentliche Debatten faktisch kriminalisiert. Auch Menschen ohne Aufenthaltsstatus werden oft kriminalisiert, obwohl ihr bloßer Aufenthalt nicht immer eine klassische »Straftat« im moralischen Sinn ist, sondern eine verwaltungsrechtliche Frage.


23:48 und 25:34: Bei dem angesprochenen Artikel handelt es sich um einen Instagram-Beitrag für @punktnews, eine neue, von Julian mitgegründete, unabhängige Medienplatform.


38:35: Als »koloniales Projekt« im engeren Sinne lässt sich die Polizei vor allem in den USA beschreiben, wo diese teilweise direkt aus den früheren Sklavenpatrouillen hervorgegangen ist. In Deutschland hat die Polizei eine etwas andere Geschichte, wurde aber teilweise stark von kolonialen Praktiken und Denkweisen geprägt, was Gonca Sağlam korrekt, etwa mit dem Beispiel der Kessel-Methode beschreibt.


39:20: Die »Letzte« Generation ist in Deutschland nicht verboten. Es laufen jedoch aktuell mehrere Verfahren gegen die Bewegung wegen des Verdachts der Gründung einer kriminellen Organisation. Zum Begriff der Kriminalisierung siehe oben. 39:40: Auch »BDS« ist in Deutschland nicht direkt verboten, dieser Punkt gilt nur für Israel. Die Boykott-Bewegung ist in Deutschland aber politischer Repression ausgesetzt. Zum Begriff der Kriminalisierung siehe auch hier oben.


Weiterlesen:


Zu ASOG: Berliner Asog-Reform: »Go« für den übergriffigen Staat und Asog-Reform: Gegen den »autoritären Überwachungsstaat«
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Wer spricht eigentlich wie über Klasse und warum? Mit Julian Daum
18.01.2026
41 Minuten
Diese Folge ist etwas anderes als die anderen. Denn mit Julian Daum hat Olivier David diesmal einen Gast eingeladen, der von nun an auch als zweiter Host mit Menschen aus Aktivismus, Kultur und der Arbeitsrealität in Deutschland über »Klasse, Krise und Kultur« sprechen wird. Die Folge ist also so etwas wie eine längere Vorstellungsrunde.


Aber keine Sorge, es geht im Gespräch durchaus ums Eingemachte: Julian berichtet anhand des eigenen Lebenslaufs über die journalistische Arbeit zum Thema Rechtsextremismus, die eigene Klassenunsicherheit und karriereverändernde, postkoloniale Arbeitsbedingungen.


Außerdem gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf kommende Themen. Stichwörter: Klassenverhältnisse als Unterdrückungsinstrument im Westjordanland oder Polizeigewalt aus Klassenperspektive.


Und keine Angst: Olivier bleibt Klassentreffen natürlich erhalten. Stattdessen werden sich die beiden von nun an abwechseln.


Zum Weiterlesen


Die Autor*innenseite von Julian Daum beim »nd« mit den veröffentlichten Texten Als @julian.reports arbeitet Daum auch neben dem »nd« zu den Themen Faschisierung und rechte Politik in Deutschland, Europa und Westasien


Minute 06:13: Die Bezeichnung Westasien ist geografisch neutraler und bietet eine Alternative zur kolonial-eurozentrischen Bezeichnung Nahost.


Minute 12:26: Bei dem archäologischen Ausgrabungsprojekt in Tadschikistan handelt es sich um das Projekt »Torbulok - ein Heiligtum im hellenistischen Fernen Osten«. Julian spricht von einem Tempel. Im Forschungskontext korrekter ist die Bezeichnung Heiligtum.


Minute 37:34: Die sogenannte »Hilltop Youth« ist Teil der Besatzungsstrategie Israels im Westjordanland. Zu Annexionsbestrebungen vor dem Hintergrund der »Großisrael«-Ideologie hat Julian Daum im »nd« berichtet.
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Arbeiterklasse zwischen Spaltung und Solidarität. Mit Nicole Mayer-Ahuja
16.12.2025
1 Stunde 2 Minuten
Immer wieder wird über gesellschaftliche Spaltung gesprochen, der entscheidende Faktor Arbeit dabei aber ausgeblendet. In dieser Folge ist Nicole Mayer-Ahuja zu Gast. Die Professorin für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Universität Göttingen forscht zu prekärer Beschäftigung und Veränderungen der Arbeitswelt. Sie beleuchtet, wie unsere Gesellschaft tiefgreifend durch das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital geprägt ist: Individueller Aufstieg durch Leistung ist eine Erzählung, die selten aufgeht. Mit Olivier spricht sie über Alternativen und darüber, wie eine Umverteilung von gesellschaftlicher Zeit und Reichtum möglich wird.


Zum Weiterlesen:


»Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit spaltet - und wie es anders gehen kann.« von Nicole Mayer-Ahuja, erschienen bei C.H. Beck. »Konfliktfeld Arbeit«: die monatliche Kolumne von Nicole Mayer-Ahuja im »nd«


Der Podcast Klassentreffen läuft in Zusammenarbeit mit der linken Tageszeitung »nd«. Diese steht zum Jahresende vor einer Finanzlücke von 150.000 Euro. Doch das »nd« bleibt bei der Überzeugung: kein Ausschluss durch Paywalls, sondern freien Zugang zu linken Journalismus für alle – so wie diesem Podcast hier. Jede Spende hilft, dieses Angebot auch morgen noch herauszugeben: dasnd.de/bleibt
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Engagierte Kunst unter prekären Bedingungen. Live mit Miedya Mahmod
12.11.2025
1 Stunde 1 Minute
In dieser ersten Live-Folge spricht Olivier David mit Miedya Mahmod über Kunst und künstlerische Praxis unter prekären Bedingungen. Mahmod ist Autor*in und Teil des Künstler*innen-Kollektivs »Parallelgesellschaft«. 2024 las Mahmod auf Einladung der damaligen Jurorin Mithu Sanyal beim renomierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Im Rahmen des 0 +1 Festivals in Dortmund sprechen beide über bürgerliche Kulturräume und das Verhältnis von engagierter Kunst zu den Kulturräumen des Bürgertums.


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Militarisierung stoppen: Strategien linker Bewegungen – mit »Rheinmetall entwaffnen«
18.10.2025
60 Minuten
In dieser Folge ist Luca von der antimilitaristischen Kampagne »Rheinmetall entwaffnen« zu Gast. Die Kampagne organisiert seit einigen Jahren Camps und Bildungarbeit gegen Krieg, Aufrüstung und Wehrpflicht. Olivier David spricht mit ihm über Polizeigewalt und Strategien der Antikriegsbewegung und die Frage, was eine linke Bewegung der Aufrüstung überhaupt entgegensetzen kann.


Zum Nach- und Weiterlesen


Minute 2:38: Das diesjährige Protestcamp von Rheinmetall Entwaffnen in Köln ist deutlich größer als das bisher größte in Kiel im vergangenen Jahr – und auch die Blockaden sind erfolgreicher


Minute 7:20: Generalstreik legt Italien lahm. Anfang Oktober blockierten Hafenarbeiter die Beladung und Entladung aller Schiffe. Das ist der bisherige Höhepunkt einer Aktion der Hafenarbeiter, die schon vor Monaten begann und in Italien »Tradition« hat


Minute 11:50: 500 Soldaten der Bundeswehr führten in Hamburg die Übung »Red Storm Bravo« durch. Das Wochenende stand im Zeichen der Kriegsvorbereitung – und des Protests von links


Minute 13:36: Rheinmetall ist bisher ein Heereslieferant. Nun steigt der Düsseldorfer Konzern in die Marinerüstung ein. Die IG Metall ist mit Blick auf die Beschäftigten skeptisch


Minute 16:45: Bei der Debatte um die Wehrpflicht entscheidet die Bundesregierung über die Köpfe der Jüngeren hinweg. Für die gealterte Friedensbewegung könnte das die Chance sein, sich endlich zu erneuern, meint Anton Benz


Minute 18:45: Unfriedliche Kriegsgegner? Polizei verbietet Friedenscamp in Köln der Initiative »Rheinmetall Entwaffnen«


Minute 22:15: Durch Berufsverbote und Union Busting erleben Aktivist*innen zunehmend Repressionen. Einer von ihnen ist Benjamin Ruß, der dieses Vorgehen als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sieht, wie er im Podcast »Klassentreffen« erklärt (auf Spotify hören)


Minute 29:30: »Diese Gewalt ging bis 5 Uhr morgens«. Täter und Opfer äußern sich zu Kölner Polizeikessel und -gewalt – und kommen zu gegenteiligen Schlüssen


Sowie: »Zeitenwende und schlichte Rache«. Neue Details zum Kessel gegen Anti-Kriegs-Demo in Köln


Minute 47:10: Antimilitaristische Camps haben bereits Tradition, nun ziehen sie aber neue Zielgruppen an


Minute 50:15: Proteste gegen Manöver in Hamburg: Die Nato-Übung »Red Storm Bravo« war ein Test für die Mobilmachung der Zivilgesellschaft


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Über diesen Podcast

Der Podcast über Klasse, Krise und Kultur mit Olivier David und Julian Daum. Jeden Monat neu auf dasnd.de/klasse
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