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Thomas Laufersweiler 307 Episoden Neueste vor 1 Tag

Der erste Eindruck direkt nach dem Kino

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Episoden

11 Minuten
Ich bewundere Regisseurin Jane Schoenbrun für die unbekümmerte Art, wie sie eine Meta-Slasher-Groteske inszeniert, ohne sich auch nur einen Deut um Genre-Gesetze und Publikumserwartungen zu scheren. Allein schon die ersten Minuten, die Geburt, Ruhm, Ausbreitung, Absturz und Verachtung eines Horror-Franchises im Schnelldurchlauf zeigen, sind eine liebevolle, kreative und sachkundige Hommage und Parodie der großen Slasher-Reihen. Aber Schoenbrun arbeitet sich nicht an diesen Filmen ab – sie zeigt eine ganz eigene Geschichte: Eine Independent-Regisseurin (Hannah Einbinder), die die abgewirtschaftete Camp-Miasma-Slasher-Reihe irgendwie woke, irgendwie frisch, neu starten soll. Aber sie weiß nicht wie – bis sie auf die Hauptdarstellerin bzw. das Final Girl (herausragend als Diva: Gillian Anderson) des ersten Camp Miasma-Films stößt.

Die beiden charismatischen Frauen nähern sich auf verschiedenen Ebenen an. Es entsteht ein faszinierender Reboot mit unerwarteten Wendungen, der schnell die Oberfläche der üblichen Genreparodien hinter sich lässt und irgendwo zwischen Freud und Marx, zwischen Erotik und Blutfontänen dahin geht, wo weder ein Arthouse-Film noch ein Slasher-Film jemals zuvor gewesen ist. Ein richtiger Festivalfilm – und das ist ein Kompliment. Filmwissenschaftler werden sich die Finger wundtippen bei der Analyse von CAMP MIASMA: die queere Anziehung, das Spannungsfeld von Angst, Gefahr, Gewalt und Sexualität, die Abrechnung mit dem Film-Business, der ebenso subtile wie groteske Humor. Viel Stoff zum Nachdenken auf der einen Seite, aber auch einfach ein großer Spaß auf der anderen Seite. Absolut sehenswert. Direkt nach dem Film gut gelaunt am Mikrofon: Anke, Marc und Thomas.
13 Minuten
Erika Mann fährt ihren berühmten Vater Thomas Mann 1949 durch das zerstörte und geteilte Deutschland. Der Westen Deutschlands buhlt dabei genauso um den Literaturnobelpreisträger wie die Sowjetzone. Thomas Mann (gespielt von Hanns Zischler) sieht sich selbst als Relikt eines vergangenen Bildungsbürgertums und verlässt trotz dieser Reflektion mit seiner Goethe-Rede in Weimar den Elfenbeinturm der deutschen Hochkultur nicht. Als gäbe es Deutschland gar nicht mehr, wenn er auch das noch preisgeben würde. Selbst als Sohn Klaus stirbt, setzt er seine Reise unbeirrt fort. Seine Tochter Erika ist hingegen nah an der Wirklichkeit und nah an ihren Gefühlen – Tränen, Schreie und eine überfällige Ohrfeige inklusive.

Interessiert uns Thomas Mann noch, oder geht es eigentlich darum, wie sich zwei verschiedene Ideologien ein Land aufteilen und versuchen die gleiche Kultur ganz unterschiedlich in Besitz zu nehmen? Geht es nicht nur um die Trauer um einen Bruder und Sohn sondern auch mitten in den Ruinen um die Trauer, was Deutschland hätte sein können? Darüber, über berührende Momente, über Gründgens und Bach sprechen wir direkt nach dem Kino im Podcast. Und als SandaHüllerUltras natürlich auch über Sandra Hüller. Am Mikrofon: Katharina, Bettina, Johanna, Anke, Marc und Thomas.
19 Minuten
Achtung, diesmal SPOILERN wir, sowohl hier im Text als auch im Podcast. Nach dem Trailer hatte ich etwas anderes erwartet: einen postapokalyptischen Actionthriller, düster und niederschmetternd, weil einem Protagonisten ans Herz wachsen, die dann nach und nach sterben. So sind die Genre-Vorgaben.

Es geht erst einmal langsam los, wir begleiten den Piloten Hig (Jacob Elordi) auf seinen Streifzügen durch das fast menschenleere Denver. Es fühlt sich lange Zeit an, wie eine realistische und ruhige Version von THE OMEGA MAN (I Am Legend) und dann wie A BOY AND HIS DOG. Aber irgendwann trifft Hig auf Cima, eine junge Frau (Margaret Qualley). Beide haben in der pandemischen Apokalypse ihre Partner verloren und nähern sich ganz langsam an.

Auch wenn zwischendurch marodierende Banden für Lebensgefahr und Spannung sorgen, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um eine postapokalyptische Version von JENSEITS VON AFRIKA handelt. Es geht um Hig und Cima und die respektvolle und anständige Art, wie diese beiden Menschen in einer gesetzlosen Welt nach dem Ende der Zivilisation miteinander umgehen. Es geht um die Frage, ob man gut sein und bleiben kann in einer bösen, gescheiterten Welt.

Ridley Scott wählt dafür zurecht eine ruhige Erzählweise und dreht wunderbare Bilder fast komplett in einer Natur, von der wir erkennen, dass sie bleiben wird, wenn wir längst verschwunden sein werden – durch eine Pandemie oder was auch immer. Im Podcast direkt nach dem Kino sind wir ganz unterschiedlicher Meinung und diskutieren zu siebt über Pacing und Musik, über ein absurdes Zwischenspiel, über Higs Hund und ein Happy End unter Sternen. Am Mikrofon: Johanna, Anke, Gabriele, Heidi, Marc, Tom und Thomas.
7 Minuten
Da gehört schon eine Portion Mut dazu, das mittlerweile ausgelutschte Genre „Menschen kämpfen gegen Dinosaurier“ zu bedienen. Grundidee des Films: Eine spielbergeske amerikanische Vorstadtstraße wird in die Zeit der Dinosaurier versetzt. Die Reptilien freuen sich über frisches Fleisch und unsere vierköpfige Familie kämpft ums Überleben. Die Mutter (gut aufgelegt: Anne Hathaway) hat dabei die besten Nerven. Der Vater bemüht sich, eignet sich aber nicht für die Heldenrolle, die Kinder sind ganz realistisch sehr ängstlich. Auch die Saurier sehen glaubwürdig aus – und damit weniger beeindruckend als im Jurassic-Franchise. Überhaupt ist THE END OF OAK STREET düsterer und expliziter. Regisseur David Robert Mitchell kennen wir vom sehr sehenswerten IT FOLLOWS. Hier bleibt er etwas unentschieden, er hätte den Film als humoriger Familien-Action-Film oder als knallhart realistischen Survivalthriller anlegen können. Es ist ein bisschen von beiden – durchaus kurzweilig aber kein großer Wurf. Und über das cheesige Ende kann man auch streiten. Im Podcast direkt nach dem Kino sind wir sehr unterschiedlicher Meinung :-) Am Mikrofon: Harald, Tom und Thomas.
14 Minuten
Peter Parker steht wieder am Anfang: Nach all den Abenteuern, sogar mit den Avengers im All, ist er plötzlich wieder ein Niemand. Selbst sein bester Freund Ned kennt ihn nicht mehr und viel schlimmer noch: MJ kann sich überhaupt nicht an Peter Parker erinnern. Wir erleben ihn wieder als sehr nahbaren Charakter, ein junger Mann, der sich vor lauter Liebeskummer kopfüber in die Superheldenarbeit wirft, bis ihn der Stress in die Knie zwingt. Da ist genau die Coming-of-Age-Melancholie zu spüren, die Spider-Man schon in den Comics zum interessantesten Superhelden gemacht hat. Mit ihm konnten wir uns als junge Leser identifizieren. Und niemand konnte das bislang so gut verkörpern wie Tom Holland.

In SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY schwingt ein düsterer Ton mit – von Trauer um die Mutterfigur May, Trauer um die verlorene große Liebe, Trauer um den verlorenen besten Freund und Angst die Kontrolle zu verlieren und die eigenen Werte preiszugeben. Die Gegenspielerin erweist sich ebenfalls als verzweifelter Charakter: Sadie Sink, die mit STRANGER THINGS berühmt wurde, steigt hier in das Marvel Cinematic Universe ein und ich fresse einen Besen, wenn sie nicht in kommenden Filmen noch eine große Rolle spielen wird. Ihr Auftritt hier ist auf jeden Fall sehr beeindruckend und erinnert stark an den unterschätzten Film FALLEN (1998) mit Denzel Washington.

Im Podcast direkt nach dem Kino kommen acht verschiedene Stimmen und Meinungen zu Wort – vom Wunsch in dieser Welt von Spider-Man zu bleiben und einfach im Kino gleich sein nächstes Abenteuer anzuschauen, über den Wunsch nach weniger vorhersehbaren Geschichten bis hin zur Enttäuschung über einzelne Nebendarsteller ist alles dabei. Aber die Runde ist sich einig: SPIDER-MAN: BRAND NEW DAY ist visuell sehr gelungen und sehr unterhaltsam. Das Kino auf jeden Fall war an einem Werktag ausverkauft und Applaus gab es auch. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Anke, Johanna, Gabriele, Katharina P., Marc, Harald, Tom und Thomas.
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Über diesen Podcast

Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.
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