Podcaster
Episoden
16.02.2026
17 Minuten
Wo gehöre ich hin? Was ist der Sinn meines Lebens? Wie lebe ich
weiter, wenn ich einen großen Verlust erlitten habe? Das sind die
Fragen, die sich der Holzfäller Robert (Joel Edgerton) stellt.
Erst als Gladys (Felicity Jones) in sein Leben tritt, fühlt er
sich nicht mehr verloren. Aber es geht nicht nur um die
Vergänglichkeit des eigenen Lebens sondern auch um den Abschied
von der alten Welt, die noch präsent ist, als Robert zu Beginn
Bäume fällt und die verschwunden ist, als Robert am Ende einen
Menschen im Weltall sieht. Regisseur Clint Bentley und sein
Kameramann Adolpho Veloso nehmen uns mit ein Leben voller harter
Arbeit, großer Natur und kleinem Glück. Ein optisch
herausragender Film, der auf künstliches Licht verzichtet und ein
berührender Film, gerade wo er Liebe zeigt. Einen Wermutstropfen
stellt der Erzähler dar, der zu oft als Stimme aus dem Off aus
der Novelle zitiert – da gerät der Film unversehens zu einem
bebilderten Hörbuch und wird in diesen Stellen manchen Zuschauer
auf Distanz halten. Direkt nach dem Film sprechen wir über
Zeitsprünge, Geister und Töchter. Am Mikrofon direkt nach dem
Film: Johanna und Thomas.
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01.02.2026
10 Minuten
Die wahren Monster sind die Menschen – nicht die Infizierten, die
Zombies. Im Mittelpunkt steht eine Gang, als satanische Sekte
geführt vom sadistischen Sir Lord Jimmy Crystal, der nicht
zufällig seine Initialien mit Jesus Christus teilt. Spike, der
jugendliche Protagonist des Vorgängerfilms gerät in ihre Fänge
und weiß nicht, wie er lebend dort heraus kommen soll. Die Gang
zieht umher und foltert und mordet andere Überlebende. Dr. Kelso
hat derweil eine besondere Begegnung mit einem Alphazombie.
Unter anderem ist THE BONE TEMPLE eine Auseinandersetzung mit
religiösem Wahn und Religion als Theater. Nachdem der
Vorgängerfilm das Verlassen des Paradieses beschreibt, ist BONE
TEMPLE der Abstieg in die Hölle, vielleicht ist der nächste Film
die Eroberung des Himmels. THE BONE TEMPLE ist geradlinig und
folgt nur wenigen Handlungssträngen. Der gelegentliche Humor ist
schwarz, die Gewalt ist blutig und explizit, belastend aber nur,
wenn Menschen grausam (hier sehr grausam) zu anderen Menschen
sind.
Besonders Ralph Fiennes hinterlässt einen bleibenden Eindruck:
Sein Dr. Kelson steht als fast einzige Figur für die Bewahrung
von Menschlichkeit in einer völlig zusammengebrochenen
Zivilisation. Er steht auch für die kleine Hoffnung, dass die
Zukunft mehr bieten könnte als sadistische Menschen, ständige
Flucht und die Schreie der Zombies, die immer näher kommen.
Sehenswert. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Marc, Tom und
Thomas.
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31.01.2026
9 Minuten
Agnes (Jessie Buckley) steht im Mittelpunkt, nicht der Sohn eines
Handschuhmachers, in den sie sich verliebt und den sie heiratet.
Agnes, die Tochter einer Kräuterfrau, die aus dem düsteren Dunkel
des Waldes gekommen ist. Auch Agnes behält ihre magische
Beziehung zur Natur, erkennt die Zukunft durch eine Berührung,
aber ihre Heilkräfte verlassen sie als eines ihrer Kinder sich
mit der Pest infiziert. Ihr Mann Will kehrt aus London zurück. Er
ist dort mittlerweile erfolgreich als Bühnenautor und leitet eine
Theatertruppe. Die kommenden Schicksalsschläge hinterlassen ihre
Spuren in seinem Theaterstück „Hamlet“.
HAMNET ist ein berührender und bewegender Film mit magischen
Momenten - über die Liebe zwischen zwei Menschen, zwischen einer
Mutter und ihren Kindern, über die Liebe unter Geschwistern, über
Trauer, Verlust und Verzweiflung. Meisterregisseurin Chloe Zhao
baut eine dichte Atmosphäre auf und schließt am Ende den Kreis,
wenn der Wald, aus dem Agnes kommt, sich in der Bühnenkulisse
spiegelt. Großartiges Ensemble rund um eine charismatische Jessie
Buckley, großartige Inszenierung, großartiger Film. Am Mikrofon
direkt nach dem Kino: Johanna und Thomas, der sich erst nach die
Tränen trocknen muss.
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25.01.2026
16 Minuten
Eine Gesellschaft, die verarmt, starke Umweltzerstörung,
Einwanderer als Sündenböcke, die in Käfigen gehalten, deportiert
oder getötet werden von bis an die Zähne bewaffneten
Einsatzkräften, ein autoritärer Polizeistaat – klingt vertraut?
Jedesmal, wenn ich diesen Film von 2006 anschaue, rückt der Film
näher an die Realität und kommt er mir weniger wie ein
Science-Fiction und mehr wie eine Reportage vor.
Aber CHILDREN OF MEN ist nicht nur eine große und berührende
Erzählung über die Zerbrechlichkeit von Zivilisation und das
Bewahren von Hoffnung, er ist auf vielen Ebenen auch ein
herausragender Film. Vielleicht das realistischste World Building
der Filmgeschichte, ein fantastisches Drehbuch mit einer
Dramaturgie, die einen nicht mehr loslässt, atemberaubende
Kameraarbeit, vielschichtige Charaktere und herausragende
Schauspieler von Hauptrollen bis in die exzellent geschriebenen
Nebenrollen.
Wir haben CHILDREN OF MEN in einer Wiederaufführung im Capitol in
Mainz gesehen – und auch die Unterbrechung durch einen Feueralarm
im Kino konnte unsere Begeisterung nicht schmälern. Am Mikrofon
direkt nach dem Kino: Johanna und Thomas. (Ausnahmsweise spoilern
wir von Anfang an.)
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19.01.2026
9 Minuten
Es dauert nicht lange, bis man vergisst, dass man einen
Animationsfilm schaut – so greifbar und lebendig sind die
Figuren, so perfekt sind die „Kameraeinstellungen“ und so real
ist die Stadt Tokio. Düster und komisch, spannend und immer
schneller erzählt Satoshi Kon die Geschichte von drei
Obdachlosen. Drei gescheiterte Figuren, die ein Baby finden und
sich auf die abenteuerliche Suche nach den Eltern des kleinen
Mädchens begeben. Dabei kommt es immer wieder zu magischen
Zufällen und urkomischen Situationen. Aber das hier ist kein
harmloses Weihnachtsmärchen: Spielsucht, Alkoholismus und
Selbstbetrug sind genau so wenig zu übersehen, wie Jugendbanden,
die aus Langeweile mit Stahlrohren auf die Obdachlosen
einprügeln. Wir empfehlen TOKYO GODFATHERS als ganz besonderen
Weihnachtsfilm. Am Mikrofon direkt nach dem Film mit dem ersten
Eindruck im #Japanuary2026: Johanna und Thomas.
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Über diesen Podcast
Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und
spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten
echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction
und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte
Klassiker.
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