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15.01.2024
22 Minuten
In dieser letzten Folge kulminiert der Streit: ich bringe die wichtigsten Streitpunkte der von uns besprochenen drei Positionen im Streit um Kategorien im Feminismus zusammen. Der erste spitzt sich zu in der Frage, ob Kategorien Werkzeuge der Herrschaftsausübung oder der Herrschaftskritik sind. Das ist der Streitpunkt, der zwischen dem queerfeministischen Ansatz von Isabell Lorey und dem marxistisch-feministischen von Tove Soiland ausgefochten wird. Der zweite Streitpunkt ist damit eng verbunden und liegt in der Frage, was Kategorien eigentlich bezeichnen: Gruppen- bzw. personale Identität (wie Soiland und Lorey den Intersektionalitätsdebatten und Soiland wiederum Lorey unterstellt) oder gesellschaftliche Herrschaftsordnungen (wie Soiland meint)? Und der dritte Streitpunkt ist einer zwischen jenen, die mithilfe von Kategorien Herrschaft kritisieren wollen. Sie streiten um die Anzahl, die Anordnung und um die Frage nach Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von Herrschaftssystemen. Während Cornelia Klinger drei relativ autonome, aber miteinander verwobene Herrschaftssysteme ausmacht, postuliert Tove Soiland die Klassenherrschaft als alleiniges und bestimmendes, gegendertes und rassifiziertes Herrschaftssystem.
Sind diese drei Streitpunkte offengelegt und näher besprochen, präsentiere ich euch meine vorläufige Position zum ersten Streitpunkt und plädiere für die Wichtigkeit queerfeministischer Kategorienkritik und marxistisch-feministischer Gesellschaftsanalyse. Mit dieser Folge schließt unsere Staffel.
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Sind diese drei Streitpunkte offengelegt und näher besprochen, präsentiere ich euch meine vorläufige Position zum ersten Streitpunkt und plädiere für die Wichtigkeit queerfeministischer Kategorienkritik und marxistisch-feministischer Gesellschaftsanalyse. Mit dieser Folge schließt unsere Staffel.
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15.01.2024
14 Minuten
Isabell Lorey holt in ihren Artikeln „Von den Kämpfen aus. Eine Problematisierung grundlegender Kategorien“ (2011) und „Konstituierende Kritik. Die Kunst, den Kategorien zu entgehen“ (2012) zu einer umfassenden Kritik sowohl an marxistisch-feministischer Gesellschaftskritik als auch an den Intersektionalitätsdebatten aus. Erstere würden durch kategoriale Normierungen Herrschaft ausüben. Letztere durch ihren Fokus auf identitäre Kategorien diesen Normierungen nicht entkommen, sondern viel mehr herrschaftliche Logik wiederholen. Lorey kritisiert Kategorien und Kategorisierungen als feststellend, starr und Inkohärenzen verhindernd sowie als Ordnungs- und Herrschaftswerkzeuge. Wie wir in dieser Folge erfahren, plädiert Lorey stattdessen für eine Theorie und Praxis, die sich den Kategorien entzieht und so Möglichkeitsräume schafft, im Sinne Foucault, anders regiert zu werden.
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15.01.2024
20 Minuten
Tove Soiland formuliert in ihrem Artikel „Die Verhältnisse gingen und die Kategorien kamen. Intersectionality oder Vom Unbehagen an der amerikanischen Theorie“ (2008) eine radikale Kritik an den Intersektionalitätsdebatten. Diese Debatten verunmöglichten Gesellschaftskritik. So Soilands Kritik auf den Punkt gebracht. Wie sie diese Kritik begründet, welches Bild von Intersektionalität dahintersteckt und welche durch und durch marxistische Konzeption von Kategorien Soiland diesem Bild entgegenhält, klären wir heute. Dabei erfahren wir, was laut Soiland die Erfordernisse für die ‚Artikulation von Herrschaft‘ sind.
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15.01.2024
17 Minuten
Cornelia Klinger plädiert in ihrem Artikel für eine Neukonstruktion der Kategorien Klasse, Rasse und Geschlecht, für die es vor dem Hintergrund der Intersektionalitätsdebatten eine historische Chance gäbe. Dabei würden gerade die Intersektionalitätsdebatten diese verspielen, würden sie doch nicht zwischen Kategorien der Makroebene und Kategorien der Mikroebene unterscheiden. Vielmehr würden sie gesellschaftliche Strukturkategorien und personale Identitätskategorien vermischen und damit Herrschaftsanalyse und -kritik erschweren. In dieser Folge gehen wir Klingers Verständnis von Kategorien auf den Grund und arbeiten die Logik von Strukturkategorien heraus.
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15.01.2024
16 Minuten
Die Kategorie Geschlecht wird erst von der zweiten westlichen Frauenbewegung als eigenständiges Thema auf das Tableau des wissenschaftlichen Nachdenkens gehoben. Was nicht heißt, dass es vorher kein Thema z.B. der Philosophie war. Das Gegenteil ist der Fall: Geschlecht ist an Wichtigkeit für die europäische Philosophietradition kaum zu überschätzen. Doch selten war Geschlecht und mit Geschlecht die Geschlechterdifferenz explizites wissenschaftliches Thema und noch seltener Gegenstand kritischer Analyse. Bis zur Frauenbewegung. Diese und die in ihren Fußstapfen Arbeitenden deckten die Schwierigkeiten, die Fallstricke und die Problematiken auf, die mit dem Denken von Geschlecht einhergingen. So auch Astrid Deuber-Mankowsky in ihrer Vorlesung „Geschlecht als philosophische Kategorie“ von 2001, die ich in dieser Folge besprechen werde. Sie legt die Ungereimtheiten offen, die Aristoteles’ Nachdenken über Geschlecht mit sich bringt. Doch anstatt diese Ungereimtheiten lösen zu wollen, plädiert Deuber-Mankowsky für ein „forschendes Fragen“ entlang der Geschlechterdifferenz. Was das heißt und warum Deuber-Mankowsky von der Unmöglichkeit, die Geschlechterdifferenz zu bestimmen, spricht, erfahrt ihr in dieser Folge.
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Über diesen Podcast
Im Streit um Kategorien im Feminismus kommen ein paar der
wichtigsten Streitpunkte und Reibungsstellen feministischer
Strömungen zusammen: Sind Kategorien Werkzeuge zur Offenlegung
von Herrschaft? Oder sind sie vielmehr Ausdruck von Herrschaft?
Ist die Forderung der Intersektionalitätsdebatten, die Kategorien
race, class und gender zusammenzudenken, eine historische Chance,
vergangene Analysefehler auszugleichen? Oder verharren die
Intersektionalitätsdebatten in einer Konzeption von Kategorien,
die wenig sinnvoll ist? Und wenn Kategorien Analysewerkzeug
wären: Wie viele solcher Werkzeuge braucht Gesellschaftskritik?
Welche und in welcher Reihenfolge?
Diesen Fragen gehen wir in dieser Staffel nach. In den ersten
drei Folgen wird der Grundstein zum Verständnis des Streits um
Kategorien im Feminismus gelegt. Die erste führt in den Streit
ein, indem ich mein Forschungsvorhaben und -anliegen vorstelle.
In der zweiten werden mithilfe von Blitzlichtern aus der
europäischen Philosophietradition die Bedeutungs- und
Assoziationsräume von Kategorien eröffnet. Die dritte
thematisiert, was es heißt, der Kategorie Geschlecht im Modus des
„forschenden Fragens“ (Deuber-Mankowsky) zu begegnen und warum es
unmöglich sein könnte, die Geschlechterdifferenz zu denken.
Ist der Grundstein gelegt, werden die Streitpunkte anhand von
drei beispielhaften Positionen erarbeitet. Folge vier bespricht
Cornelia Klingers Plädoyer für eine Neukonstruktion der
Kategorien Klasse, Rasse und Geschlecht. Folge fünf geht auf Tove
Soilands marxistisches Kategorienverständnis ein und Folge sechs
vertieft sich in Isabell Loreys queerfeministische Kritik an
Kategorien und Kategorisierungen.
In der letzten Folge werden die Streitpunkte dieser sehr
unterschiedlichen Positionen zu Kategorien im Feminismus auf ihre
jeweiligen Nenner gebracht:
‚Kategorien sind Mittel der Herrschaftsausübung‘ vs.
‚Kategorien sind Mittel der Herrschaftskritik‘‚Kategorien
bezeichnen Gruppen- bzw. personale Identitäten‘ vs. ‚Kategorien
bezeichnen gesellschaftliche Herrschaftsordnungen‘‚Die Kategorien
Klasse, Rasse und Geschlecht bezeichnen drei autonome
Herrschaftsordnungen‘ vs. ‚die Kategorie Klasse hat Priorität
gegenüber den Kategorien Rasse und Geschlecht‘.
Dies ist die erste Staffel des Podcasts „Philosophie und
Feminismus“, in der ich, Ulrike Nack, Doktorandin der Philosophie
an der Universität Hildesheim, ein von apl. Prof. Katrin Wille
und mir gehaltenes Blockseminar zum „Streit um Kategorien im
Feminismus“ allgemein zugänglich und zum Nachhören aufbereite.
Das Seminar fand im August 2023 am Institut für Philosophie der
Universität Hildesheim statt. Ohne die großartige Arbeit von
Katrin Wille, aber auch der Studierenden, die bereit waren, fünf
Tage mit uns in dieses verzwickte Thema einzutauchen, wäre diese
Staffel nicht möglich gewesen. Ihnen allen gilt mein Dank, ebenso
wie Christoph Kiem und Robert Schmidt, die nicht müde wurden
durch ihre Anmerkungen die Folgen zu verbessern, und Momo
Steinert für seine technische Unterstützung!
Ihr habt keinen Zugang zu den besprochenen Texten?
Ihr würdet gern die Transkriptionen der einzelnen Folgen
nachlesen?
Oder Eindrücke, Lob und Kritik teilen?
Dann schreibt mir: philosophieundfeminismus@gmail.com
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