Podcaster
Episoden
04.02.2026
38 Minuten
Die sechste Staffel von »Kultur denken« – produziert von Hanna
Ronzheimer – behandelt das Thema weibliche Wut. Anlass war eine
Tagung im April 2025 am Internationalen Forschungszentrum
Kulturwissenschaften ifk in Wien mit dem Titel »All the Rage. The
Challenges of Female Anger«. Die Tagung griff damit ein auch in den
Medien sehr präsentes Thema auf. Heutzutage scheinen mehr Frauen
denn je ihre Wut und ihren Unmut in der Öffentlichkeit kundzutun.
Zahlreiche Beispiele aus Politik, Theorie, Kunst und Literatur
sprechen für die Verbreitung weiblicher Wut, von Femens »Naked War«
bis hin zu zahllosen neuen literarischen und wissenschaftlichen
Titeln. In Folge 1 geht es um die Frage: Ist die weibliche Wut
immer nur gut? Ist Wut immer der Beginn einer Solidaritätsbewegung,
eines revolutionären weiblichen Wandels, wie es Inna Shevchenko,
die prominente Aktivistin der ukrainischen feministischen Gruppe
Femen formulierte? Oder gibt es auch eine gefährliche Wut? Die
Transgression in (ungerechtfertigte) Gewaltakte? Die
Literaturwissenschaftlerin Julia Boog-Kaminski, stellvertretende
Direktorin am ifk, spricht über die Tradition wütend mordender
Frauen in der Literatur und die Pädagogin Esther Lehnert von der
Alice Salomon Hochschule in Berlin über die zunehmende Darstellung
weiblicher Wut in der rechtsextremen Szene.
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04.02.2026
27 Minuten
In dieser Folge geht es mit der Historikerin Ute Frevert um die
Geschichte weiblicher Wut. Sie war bis 2024 Direktorin des
Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und leitete
dort den Bereich »Geschichte der Gefühle«. Sowohl Zorn als auch
Ehre bedeuteten für Männer und Frauen früher Verschiedenes. Diese
Differenzen wurden vor allem im 19. Jahrhundert scharf akzentuiert
und schlugen sich in unterschiedlichen Zornpraktiken nieder.
Während Männer auf Ehrverletzungen mit Zorn antworten durften,
versanken Frauen in passiver Scham, einem Gefühl, das Wut und Zorn
unmöglich machte. Der Feminismus der 1970er-Jahre sagte dieser
Scham den Kampf an und forderte den Zorn heraus. Ein halbes
Jahrhundert später wiederholte das die Me-Too-Bewegung – mit
welchen Erfolgen?
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04.02.2026
29 Minuten
Wut und Rache mit der Kulturwissenschaftlerin Iris Därmann. Am 7.
Oktober 1944 ging von der Widerstandsgruppe des letzten
»Sonderkommandos« von Auschwitz die einzige Revolte in der
Geschichte des Vernichtungslagers aus. Iris Därmann, Professorin
für Kulturtheorie und Kulturwissenschaftliche Ästhetik am Institut
für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, erzählt
über die zentrale Mitwirkung weiblicher Häftlinge an dieser
Revolte. Ein konspiratives Netzwerk von etwa dreißig Frauen
schmuggelte Schwarzpulver von ihrem Arbeitsplatz an das
»Sonderkommando« in Auschwitz. Ein Ereignis, in dem weibliche Wut
in Mut umschlägt und gewaltsame ebenso wie antisadistische,
musikalische, prophetische und performative Widerstandsformen
findet.
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04.02.2026
26 Minuten
Die Kulturwissenschaftlerin Marina Rauchenbacher beschäftigt sich
mit Feminismus und Transgender in Comics. Zentral für ihre
Auseinandersetzung mit dem Thema sind die sogenannten ›Underground
Comics‹, die in den 1970er Jahren in den USA aufkamen. Wut,
beziehungsweise wütende Frauen, sind ein wichtiges Stilmittel. Das
Cover der ersten und bahnbrechenden, ausschließlich von Frauen
geschaffenen Sammlung »It Ain’t Me, Babe«, die 1970 von Trina
Robbins veröffentlicht wurde, zeigt sechs bereits etablierte
Comicfiguren, darunter Olive Oyl und Wonder Woman, die wütend ihre
Fäuste erheben. Die Entwicklungen dieses Genres zeugen seitdem von
der facettenreichen Auseinandersetzung von Comiczeichnerinnen mit
Wut – sie reicht von autobiografischen Ansätzen bis hin zu
gesellschaftspolitischen und kulturhistorischen Analysen.
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04.02.2026
19 Minuten
In dieser Folge geht es um den Roman »Ellbogen« der Autorin und
Journalistin Fatma Aydemir. 2017 bei Hanser erschienen, erhielt
Aydemir für ihr Debüt den Klaus-Michael-Kühne-Preis und den
Franz-Hessel-Preis, 2024 wurde der Roman verfilmt. Aydemir liest
einen Ausschnitt aus »Ellbogen« vor, gibt Einblick in ihre eigene
Biographie und die Entstehungsgeschichte ihres Werkes. Der Roman
erzählt die Geschichte der 17-jährigen Hazal, die in Berlin-Wedding
aufwächst, von der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert wird und
nach einem gewalttätigen Vorfall nach Istanbul flieht. Es ist eine
wütende Coming-of-Age-Geschichte über das Recht auf Gefühle,
Zugehörigkeit und Abgrenzung.
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Über diesen Podcast
KULTUR DENKEN: Der Podcast des ifk. Die Befragung von Kultur, von
Raymond Williams als »ganze Lebensweise« definiert, verzahnt
Kulturwissenschaft mit gesellschaftlichen und politischen
Fragestellungen. Das wissenschaftliche Arbeiten – theoretisch,
empirisch, historisch, kunstbezogen – wird damit zu einer Praxis
mit akademischen und außerakademischen Schauplätzen. Der Podcast
nimmt beide Wirkungssphären ernst, indem er sowohl ihre
Arbeitsweisen als auch die Rolle von Kulturwissenschaft in der
Öffentlichkeit thematisiert. »Kultur denken«, der Podcast des ifk,
entsteht in Zusammenarbeit mit Radiomacher*innen und
Wissenschaftskommunikator*innen. Angelehnt an die Themen der
ifk-Tagungen, präsentiert jede Staffel mehrere Episoden zu einer
Fragestellung. Die erste Season von Julia Grillmayr und Hanna
Ronzheimer, beleuchtet in 25-minütigen Features
kulturwissenschaftliche Themen, Ideen und Diskussionen. Die
Sendungen zielen darauf ab, kulturelles Wissen für Interessierte zu
erschließen und so einen lebendigen Austausch zu fördern.
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