Franz Fühmann - für die einen ist er der größte Autor der DDR, für andere schlichtweg unbekannt. Mit dem Recherche-Theater-Projekt "Häutungen Franz Fühmanns" vermisst Vajswerk den Lebensweg eines Autors, der sich als Schriftsteller und Parteipolitiker in den Dienst des Neuen Deutschland stellt und mit seinem Staat, seinem Werk, seiner Wandlung zunehmend in Konflikt gerät und sich fortan schreibend die Haut abzieht.
Die vierteilige Podcast-Reihe "Häutungen Franz Fühmanns. Eine Spurensuche" rekonstruiert und kontextualisiert da, wo das Theaterstück verdichten, springen und auslassen muss. Sie taucht ein in Werk und Biografie Fühmanns und beleuchtet den Entstehungsprozess des Theaterabends, den Künstler:innen und Wissenschaftler:innen des Kollektivs bei der Arbeit über die Schulter schauend – nicht als Selbstzweck, sondern um Fühmann besser zu verstehen.
Episode 3 widmet sich dem Thema "Heimat", der Suche nach Heimat, die Fühmanns Leben geprägt hat und sich durch sein gesamtes Werk zieht. Warum verbot sich Fühmann schreibend seine böhmische Heimat? Warum konnte ihm der Märkische Wald nur Ersatz, nicht die Landschaft seines Herzens werden? Warum konnte ihm die DDR, in der zu leben er sich so hoffnungsvoll entschieden hatte, dauerhaft keine geistige Heimat sein? Und warum wollte und konnte er sie dennoch, anders als viele seiner Schriftstellerkolleg*innen nie verlassen? Was hoffte er auf seinen Studienreisen nach Österreich zu finden, die er zur Vorbereitung des Trakl-Essays „Vor Feuerschlünden“ machte? Und was in den Bergwerkstollen, in die er sich am Fragment gebliebenen „Im Berg“ schreibend tiefer und tiefer hineingrub? Fühmanns Leben – lässt es sich als Versuch beschreiben, Heimat, den verlorenen Ort, in der Literatur, als geistige Heimat, zurück zu gewinnen?
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