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Episoden

55 Minuten
Ein Datum, ein Ort, eine Frage, die nicht loslässt. Christopher Street Day, Berlin, Juli 2026. Ein islamistisch motivierter Anschlag auf Menschen, die feiern wollten. Der Täter war bekannt, galt als Hochrisikogefährder — und war trotzdem auf freiem Fuß. Unser heutiger Gast Ahmad Mansour hat anschließend gefragt: Wie lange wollen wir noch wegsehen?

Was ihr in dieser Folge erfahrt:

Der Anschlag und das Systemversagen. Mansour war nach dem CSD-Anschlag nicht überrascht — er war enttäuscht. Enttäuscht, weil er seit Jahren vor einer Radikalisierungswelle warnt, die für alle sichtbar ist. Er analysiert, was auf mehreren Ebenen gleichzeitig schiefgelaufen ist: Ein Attentäter, der in Berlin aufgewachsen ist und unsere Schulen besucht hat. Ein Hochrisikogefährder, der nach einem versuchten IS-Anschluss mit einer Bewährungsstrafe davonkam. Deradikalisierungskurse als Ersatz für Haft — ein Konzept, das laut Mansour grundlegend falsch gedacht ist. Seine klare These: Deradikalisierung funktioniert nur parallel zur Strafe, nicht als Alternative.

Wie Radikalisierung wirklich entsteht — und Mansours eigene Geschichte. Der bewegende Moment dieser Folge: Mansour erzählt, wie er selbst mit 13 Jahren in eine islamistische Gruppe geriet. Er war Streber, wurde gemobbt, saß in seinem Zimmer und weinte. Der Einzige, der es merkte, war der Imam von nebenan — der ihm Halt, Zugehörigkeit und das Gefühl gab, zu einer Elite zu gehören. In fünf Jahren in dieser Gruppe hatte er nicht eine Sekunde das Gefühl, radikal zu sein. Erst an der Universität Tel Aviv, umgeben von Menschen, die nicht seinen Vorurteilen entsprachen, begann der Weg zurück. Seine Botschaft: Radikalisierung entsteht in Leerstellen — dort, wo jemand sucht und niemand antwortet. Außer den Falschen.

Das persönliche Gewicht: Leben unter Polizeischutz. Seit über zehn Jahren lebt Mansour unter Personenschutz. Er beschreibt, was das wirklich bedeutet: eine Tochter, die zwei Jahre lang nicht alleine in ihrem Zimmer schlafen wollte. Die tägliche Frage, ob es sich lohnt. Energie, die es jeden Tag kostet, weiterzumachen. Und doch: Er ist dankbar für einen Rechtsstaat, der ihn schützt — und findet Kraft in den Begegnungen mit jungen Menschen in Schulen, die am Ende einer Veranstaltung noch länger bleiben wollen, um weiterzudiskutieren.

Der Mutmacher-Ausblick. Krisenzeiten, sagt Mansour, sind auch Zeiten, in denen Chancen entstehen. Demokratie ist nicht selbstverständlich und wird nicht vererbt — sie muss jeden Tag neu erkämpft werden. Wenn Schulen Medienkompetenz lehren, wenn Kinder lernen, zwischen Desinformation und Wahrheit zu unterscheiden, wenn wir wieder anfangen, eine positive Geschichte über dieses Land zu erzählen — dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Über den Gast: Ahmad Mansour ist Diplom-Psychologe, Extremismusforscher und Autor. Er wurde 1976 als arabischer Israeli geboren, lebt seit 2004 in Berlin. Mansour ist Mitglied des Expertengremiums zur Islamismus-Bekämpfung beim Bundesinnenministerium und Gründer von Mind Prevention. Sein neues Buch „Haltung ohne Hass" ist gerade erschienen. Für seine Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Moses-Mendelssohn-Preis und dem Johanna-Eck-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Heute begleitet er Familien von radikalisierten Jugendlichen, Aussteiger und verurteilte Terroristen.

Unser Buch zur Staffel: „2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich.

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49 Minuten
Der 6. September 2026 ist kein abstraktes Datum. An diesem Tag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag — und die Umfragen sehen die AfD mit rund 41 Prozent als klare Favoritin. Das wäre mehr als eine Verdoppelung des Ergebnisses von 2021. Erstmals seit 1945 steht Deutschland vor der Möglichkeit, dass eine Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, Regierungsverantwortung auf Landesebene übernimmt.

Michael Reinhard und Thomas Kirchberg sprechen in dieser Folge mit Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler an der TU Chemnitz und einem der profiliertesten Kenner ostdeutscher Politik. Höhne forscht zu Parteien, Populismus und dem Regierungssystem der Bundesrepublik — mit besonderem Fokus auf Ostdeutschland. Er ist in Lutherstadt Wittenberg geboren, kennt Sachsen-Anhalt von innen — und analysiert die Lage nüchtern, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen.

Was ihr in dieser Folge erfahrt:

Wie wahrscheinlich ist eine AfD-Regierung — und in welcher Form?

Höhne erklärt, warum die AfD trotz 41 Prozent Stimmenanteil keine absolute Stimmenmehrheit braucht, um eine absolute Mandatsmehrheit zu erringen — und welche Rolle das BSW dabei spielt. Er schildert drei mögliche Szenarien: AfD-Alleinregierung, AfD mit BSW-Unterstützung, CDU-Minderheitsregierung — und was jeweils dafür und dagegen spricht.

Was eine AfD-Regierung konkret verändern würde:

Nicht die Migrationspolitik — die ist Bundesangelegenheit. Sondern die Bereiche, die tatsächlich Ländersache sind: innere Sicherheit, Bildung, Kultur, Wissenschaft. Höhne benennt konkret: geplante „Bürgerwehren“ beim Ordnungsamt, ein „Corona-Tribunal" für Richter und Beamte, Abschaffung der Schulpflicht, Eingriffe in Hochschulberufungen, Kürzung der Zivilgesellschaftsfinanzierung — und den erklärten Angriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Schützt uns das Grundgesetz — oder droht der Ungarn-Effekt?

Höhne differenziert: Deutschland ist eine Konsensdemokratie mit vielen Vetospielern — das macht schnelle Machtübernahmen schwierig. Aber: Verfassungsinstitutionen sind nur so stark wie ihr Rückhalt in der Bevölkerung. Und der ist im Osten strukturell schwächer — nicht weil Ostdeutsche per se rechtsextremer eingestellt wären, sondern weil Zivilgesellschaft, Kirchen und Gewerkschaften dort weniger tief verwurzelt sind.

Was die Demokratie stark macht — und was jetzt zu tun ist:

Höhne plädiert für eine deutlich stärkere Brandmauer, kritisiert Medien für die Normalisierung der AfD durch zu viele Talkshow-Einladungen und warnt davor, AfD-Themen zu übernehmen — das stärkt die Originale, nicht die Kopien. Und er macht einen konkreten Vorschlag: Wer noch Zeit hat, soll nach Sachsen-Anhalt fahren und vor Ort für demokratische Parteien werben.

Der Mutmacher-Ausblick:

Höhne glaubt, dass viele Menschen — auch solche, die Rechtsaußen gewählt haben — spüren, dass einfache Konzepte die großen Herausforderungen nicht lösen. Eine vielfältige Gesellschaft bringt die besten Voraussetzungen für neue Ideen. Parteien müssen mutiger werden. Und die Zivilgesellschaft muss sie dabei begleiten — und darf sie nicht allein lassen.

Unser Buch zur Staffel:

„2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten — was hoffen lässt" ist im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich.

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1 Stunde 2 Minuten
Warum fällt es uns immer schwerer, miteinander zu streiten, ohne uns gegenseitig abzuwerten? Weshalb werden Kompromisse heute oft als Schwäche verstanden – obwohl sie das Herzstück jeder Demokratie sind? Und wie können wir wieder zu einer Debattenkultur finden, die verbindet statt spaltet?

Darüber sprechen wir mit Julia Reuschenbach, Politikwissenschaftlerin, Demokratieforscherin und Expertin für Parteien, politische Kommunikation und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gemeinsam mit dem Journalisten Korbinian Frenzel hat sie das Buch „Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen“ veröffentlicht.

Im Gespräch erklärt Julia Reuschenbach, warum Debatten nicht deshalb scheitern, weil wir unterschiedliche Meinungen haben, sondern weil wir immer häufiger in Feindbildern statt in Argumenten denken. Sie beschreibt, weshalb Verantwortung nicht nur bei Politikerinnen und Politikern liegt, sondern ebenso bei Medien und bei uns allen als Teil der Öffentlichkeit.

Dabei geht es nicht nur um die Diagnose. Julia Reuschenbach zeigt auch Wege auf, wie demokratische Debatten wieder gelingen können: durch mehr analoge Begegnungen, ehrliche Kompromissbereitschaft, politische Verantwortung und die Bereitschaft, Komplexität auszuhalten.

In dieser Folge geht es um:

Warum Debatten heute häufig schon beginnen, bevor überhaupt Argumente ausgetauscht werden.

Weshalb Verantwortung bei Politik, Medien und Bürgerinnen und Bürgern liegt.

Warum Kompromisse keine Niederlagen, sondern demokratische Stärke sind.

Weshalb analoge Begegnungen Polarisierung abbauen können.

Warum Vereinfachung selten gute Politik hervorbringt.

Wie wir wieder lernen können, fair zu streiten, ohne den anderen zum Gegner zu machen.

Ein Gespräch über Streitkultur, Verantwortung, Demokratie – und darüber, warum guter Streit nicht trennt, sondern die Grundlage einer lebendigen Demokratie ist.

Buchtipp

Julia Reuschenbach & Korbinian Frenzel:

Defekte Debatten – Warum wir als Gesellschaft besser streiten müssen

Suhrkamp Verlag

Wenn Sie unsere Gespräche auch jenseits des Podcasts nachlesen möchten:

Unser neues Buch ist erschienen:

„2 alte wei(s)se Männer: Mutmacher für schwere Zeiten – was hoffen lässt“

Jetzt im Buchhandel und auf allen gängigen Plattformen erhältlich.

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55 Minuten
Unsere Demokratie steht unter Druck. Viele Menschen haben das Gefühl, dass Vertrauen schwindet, gesellschaftlicher Zusammenhalt brüchig wird und Politik die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr erreicht. Doch woran liegt das eigentlich? Und was macht trotzdem Hoffnung?

Darüber sprechen wir mit Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe, Publizist und einer der bedeutendsten Gesellschaftsdenker im deutschsprachigen Raum. Sein zentraler Gedankengang: Demokratie lebt nicht allein von Institutionen oder Argumenten – sie lebt von Vertrauen, Zugehörigkeit und Zuversicht.

Im Gespräch erklärt Welzer, warum Angst zwar das stärkste politische Gefühl ist, warum Populisten genau davon profitieren und weshalb demokratische Politik die emotionale Ebene häufig unterschätzt. Er beschreibt, wie schleichend Erwartungssicherheit verloren gegangen ist, warum viele Menschen sich von der Politik nicht mehr verstanden fühlen und weshalb Vertrauen die eigentliche Währung einer funktionierenden Demokratie ist.

Doch dieses Gespräch bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Harald Welzer zeigt auch, warum unsere Gesellschaft sehr viel widerstandsfähiger ist, als sie oft erscheint. Er spricht über die enorme Kraft des Ehrenamts, über sein Projekt „Wohnzimmer der Gesellschaft“, über Orte der Begegnung und darüber, warum wir wieder viel häufiger Geschichten des Gelingens erzählen sollten.

In dieser Folge geht es unter anderem um:

Warum Angst politisch so wirkungsvoll ist

Weshalb Vertrauen wichtiger ist als perfekte Programme

Warum Populisten von den Fehlern der anderen leben

Die stille Stärke der demokratischen Mehrheit

Wie Begegnung Einsamkeit und Polarisierung überwinden kann

Weshalb wir mehr über das Gelingen unserer Gesellschaft sprechen sollten

Ein Gespräch über Demokratie, Vertrauen, Gemeinschaft – und darüber, warum Zuversicht keine naive Haltung, sondern eine gesellschaftliche Ressource ist.

Buchtipp

Harald Welzer: Das Haus der Gefühle

Warum Demokratie nicht nur von Vernunft, sondern vor allem von Vertrauen, Zugehörigkeit und gemeinsamen Gefühlen lebt. Verlag: S. FISCHER, 304 Seiten.

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1 minute
Unternehmen stehen längst unter Dauerbeobachtung: von Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden, Medien, NGOs, Politik und Investoren. Wer Verantwortung verspricht, muss zeigen können, was davon wirklich im Geschäftsmodell steckt — und was nur Kommunikation ist.

In dieser Folge von „2 alte wei(s)se Männer“ sprechen Michael Reinhard und Thomas Kirchberg mit Tim Breitbarth, Professor für Nachhaltiges Management und Corporate Social Responsibility an der CBS International Business School in Köln.

Tim Breitbarth macht deutlich: Unternehmen müssen nicht perfekt sein. Aber sie müssen sich ernsthaft mit ihrer Verantwortung auseinandersetzen. Entscheidend ist, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen wirklich verankert ist — in Strategie, Lieferketten, Kommunikation, Kultur und alltäglichem Handeln.

Ein zentrales Thema ist der Konflikt zwischen Kurzfristigkeit und Langfristigkeit. Gerade in Krisenzeiten geraten langfristige Fragen wie Klimaschutz, ökologische Grenzen und gesellschaftliche Verantwortung schnell unter Druck. Breitbarth warnt davor, diese Themen beiseitezuschieben: Die Probleme verschwinden nicht, nur weil sie politisch gerade weniger prominent diskutiert werden.

Außerdem geht es um die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitskommunikation. Wann ist sie seriös? Wann wird sie Greenwashing? Und wie können Unternehmen offen über Ziele sprechen, auch wenn sie noch nicht alles erreicht haben?

Der Mutmacher dieser Folge: Nachhaltigkeit ist nicht nur Risiko, Pflicht oder Berichtswesen. Sie kann Unternehmen widerstandsfähiger, innovativer und glaubwürdiger machen — wenn sie ernsthaft gelebt wird.

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Über diesen Podcast

Sie nennen sich selbstironisch „2 alte weis(s)e Männer“, die noch etwas zu sagen haben: Dr. Thomas Kirchberg, bis zu seinem Ruhestand Vorstandsmitglied eines Industrieunternehmens, und Michael Reinhard, zuletzt 21 Jahre lang Chefredakteur der Main-Post in Würzburg. In ihrer aktuellen Mutmacher-Staffel geht es jeden Freitag um das, was in aufgewühlten Zeiten besonders kostbar ist: Orientierung, Zuversicht und Mut. Wo liegen Lösungen? Was macht Mut? Was gibt konkreten Anlass zur Zuversicht? Antworten darauf suchen die beiden alten wei(s)sen Männer bei Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die klug einordnen, Orientierung geben – und für die eine hoffnungsvolle Zukunft keine Utopie ist. Wir lehnen Häme und Verunglimpfung gegenüber Andersdenkenden ab und werben in „2alte wei(s)se Männer“ für Respekt, Toleranz und Offenheit.
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„2 alte wei(s)se Männer“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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