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Episoden

47 Minuten
Transformation ist im Tourismus keine Option mehr, sondern Bedingung. Klimawandel, Individualisierung, demografischer Wandel, Digitalisierung und KI setzen die Branche unter Druck – und trotzdem kommt die Veränderung nicht so recht in Gang. Es wird angepasst, adaptiert, repariert; das System hält sich selbst am Laufen. Aber ist das schon eine Antwort auf das, was gerade passiert?

In unserer letzten Folge vor der Sommerpause gehen wir einer Frage nach, die uns seit Längerem beschäftigt – auch aus dem impulse4travel Manifest heraus: Warum verändert sich so wenig, obwohl wir so viel wissen? Unsere These, zugleich der Kern dieser Folge: Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich nicht daran, ob er ein Stück nachhaltiger oder gemeinwohlorientierter wird. Sie entscheidet sich an der Handlungsmacht. Oder, wie wir es nennen: an der Agency.

Wir sprechen darüber, warum Beteiligung eben nicht automatisch Handlungsmacht bedeutet – und warum Partizipation ohne echte Wirksamkeit oft nur ein Verfahren bleibt. Wir schauen dabei auf die Gäste, auf die Mitarbeitenden und auf die Orte selbst und fragen: Wer darf eigentlich mitgestalten, wer kann Nein sagen, wer trägt Verantwortung – und bekommt auch die Möglichkeit, sie zu tragen? Denn Agency ist keine Mengenfrage, sondern eine Frage der Verteilung.

Dahinter steht ein Perspektivwechsel, der uns wichtig ist: weg von der Konsum- und Produktlogik, hin zu einer gestaltenden Logik im Lebensraum. Auch die Overtourism-Debatte lesen wir so neu – nicht als Kapazitäts-, sondern als Legitimitätsfrage.

Und wir spielen verschiedene Zukünfte durch: vom „Weiter so" über das „Patchwork" (für uns aktuell der wahrscheinlichste Pfad) und die „Selektion", in der Reisen wieder zum Privileg wird, bis zum Kategoriebruch, in dem sich das touristische Modell ganz auflöst. Ihnen gegenüber steht ein fünftes, wünschenswertes Szenario: die „Kultur der Wahl", in der Agency zum systemischen Prinzip wird. Der Haken: Sie verlangt Mut. Denn geteilte Handlungsmacht heißt auch, Kontrolle abzugeben.

Unsere Botschaft: Wer über die Zukunft des Tourismus sprechen will, muss über Handlungsmacht sprechen. Sonst reden wir nicht über Transformation.

Zu diesem Thema veröffentlichen wir in den kommenden Wochen mehr – schaut gern auf nextstopfuture.de vorbei. 

Next Stop: Future

Agency First

Catharina Fischer

Anja Kirig
1 Stunde 2 Minuten
Diesmal sind wir wieder zu zweit und nehmen euch mit zu den Orten, an denen wir in den letzten Wochen unterwegs waren. Catharina war bei den VIR Innovationstagen in Berlin und hat dort gemeinsam mit Florian Bauhuber (Realizing Progress) mit einer Keynote zum impulse4travel Manifest eröffnet: Warum die Vision des Zukunfts- und Lebensraumgestalters gerade jetzt so aktuell ist und warum sie nicht nur Destinationen betrifft, sondern alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette, von der Buchungsplattform bis zum Zahlungsdienstleister. Denn am Ende buchen Menschen kein Interface, sondern ein Produkt: den Ort, den Lebensraum.

Anja war auf dem Alpenklimagipfel auf der Zugspitze, wo Wissenschaft und Praxis zusammenkommen — und wo sich eine Erkenntnis durchzieht: Mehr wissen können wir eigentlich kaum noch. Die Daten liegen vor, die Szenarien sind gerechnet. Die entscheidende Frage ist, wie wir vom Wissen ins Handeln kommen. Und beim Österreichischen Tourismustag in Wien ging es im Inspiration Lab um den Ganzjahrestourismus: Wie entsteht Relevanz jenseits der klassischen Saisonlogik?

Über all diesen Themen steht die Frage der Gestaltungshoheit: Wer nimmt sie ein — und wer will sie einnehmen? Und quer durch alle Gespräche zeigt sich, woran das konkret hängt: an Kooperation. Start-ups, die an Datensilos scheitern. Ganzjahrestourismus, den niemand allein entscheiden kann, wenn Bergbahn und Gastronomie nicht mitziehen. Und eine handelnde Mehrheit im Klimaschutz, die sich für eine Minderheit hält, weil das Thema politisch gegenwärtig wenig Aufmerksamkeit bekommt. Gestaltung ist keine Solo-Disziplin — sie braucht das Denken in größeren Räumen, gemeinsame Visionen und den Mut, aus alten Mustern auszubrechen. Zugleich sprechen wir ehrlich über die Reibung, die entsteht, wenn Transformation auf bestehende Systeme trifft: Vieles ist längst in Bewegung, und doch üben alte Strukturen in Politik, Unternehmen und Kommunen noch viel Macht und Druck aus. Große Veränderungen brauchen Zeit. Genau deshalb lohnt es sich, dranzubleiben.

Next Stop: Future

impulse4travel

Catharina Fischer

Anja Kirig
1 Stunde 8 Minuten
Wir erzählen uns gerade ziemlich viele düstere Geschichten – über Deutschland, die Wirtschaft, die Zukunft. Das Problem: Negative Narrative drücken die Stimmung, und mit gedrückter Stimmung gestaltet niemand Zukunft. Höchste Zeit also, übers gute Erzählen zu reden.

In dieser Folge sprechen wir mit Managementdenkerin und Keynote-Speakerin Anne M. Schüller über die Kraft konstruktiver Narrative und darüber, wie aus „Man müsste mal …" echtes Gestalten wird. Es geht um den Unterschied zwischen Story und Narrativ, ums Zuhören, bevor man erzählt (Story Listening), und um die Frage, warum Zahlen, Daten, Fakten unser Hirn aussteigen lassen, während eine gute Geschichte hängenbleibt. Anne zeigt, wie Lou Gerstner IBM mit einem einzigen Bild – dem „tanzenden Elefanten" – in Bewegung brachte, warum Optimismus keine naive Spielerei, sondern trainierbar ist, und welche Rolle Engelsadvokat und First Follower spielen, damit gute Ideen nicht im Keim erstickt werden.

Zum Schluss schlagen wir die Brücke zu einem unserer Herzensthemen: Warum die angst- und faktengetriebene Klimakommunikation Menschen eher lähmt als bewegt und weshalb wir keine CO₂-Werte verkaufen, sondern die Vorstellung von einer lebenswerteren Welt.

Über unsere Gästin

Anne M. Schüller ist Managementdenkerin, Keynote-Speakerin, mehrfach preisgekrönte Bestseller-Autorin und Business-Coach. 2015 wurde sie in die Hall of Fame der German Speakers Association aufgenommen.

Bücher von Anne M. Schüller (Auswahl):

Narrative für eine bessere Zukunft. Wie kraftvolle Erzählungen unser Leben und die Arbeitswelt positiv wandeln (das Buch zu dieser Folge)

Zukunft meistern. Das Trend- und Toolbook für Übermorgengestalter

Die Mitarbeitenden der Zukunft. Übermorgengestalter, Innovatoren, Pioniere, Vernetzer und Generalisten

Die Orbit-Organisation. In 9 Schritten zum Unternehmensmodell für die digitale Zukunft

sowie zahlreiche Bestseller rund um Touchpoint Management und kundenzentrierte Unternehmensführung (u. a. Touchpoints, Das Touchpoint-Unternehmen, Touch.Point.Sieg.)

Mehr zu Anne M. Schüller: https://www.anneschueller.de

Next Stop: Future

Catharina Fischer 

Anja Kirig
59 Minuten
Mobilität ist viel mehr als die Frage, wie wir von A nach B kommen. Sie entscheidet darüber, wer teilhaben kann, wer unabhängig ist, wer Zugang zu Arbeit, Bildung, Begegnung, Versorgung und Alltag hat. Und sie zeigt sehr deutlich, welche Bedürfnisse in unserer Gesellschaft gesehen werden und welche oft unsichtbar bleiben.

In dieser Folge von Next Stop: Future sprechen Catharina und Anja mit Katja Diehl über Mobilität als eines der großen Zukunftsthemen. Katja ist Mobilitätsexpertin, Autorin, Speakerin und eine der profiliertesten Stimmen für eine inklusive und gerechte Mobilitätswende. Sie setzt sich dafür ein, Mobilität nicht nur vom Auto oder einzelnen Verkehrsmitteln her zu denken, sondern von den Menschen, ihren Lebensrealitäten und ihren sehr unterschiedlichen Bedürfnissen.

Bekannt wurde Katja Diehl unter anderem durch ihr Buch „Autokorrektur – Mobilität für eine lebenswerte Welt“, in dem sie für eine inklusive und klimagerechte Verkehrswende plädiert. In „Raus aus der AUTOkratie – rein in die Mobilität von morgen!“ schaut sie auf die gesellschaftlichen und systemischen Hürden, die Veränderung oft ausbremsen. Gemeinsam mit Mario Sixtus hat sie „Picknick auf der Autobahn – Wie wir in Zukunft unterwegs sein werden“ geschrieben, ein Buch über konkrete Zukunftsbilder einer anderen Mobilität. Außerdem ist sie Autorin des Kinderbuchs „Komm mit in die Welt von morgen! – Eine Geschichte über Mobilität, Klimagerechtigkeit und Miteinander in der Zukunft“ sowie Mitautorin von „Nehmen wir das Leben wieder selbst in die Hand – Eine Einladung zum Kampf für das gute Leben für alle“.

Im Gespräch geht es um die Frage, welche Mobilität eine Gesellschaft braucht, die sich längst verändert hat. Wir sprechen über Kinder, ältere Menschen, Menschen ohne Führerschein, Menschen mit Behinderung, Menschen mit wenig Geld und Menschen in Regionen, in denen Alternativen fehlen. Es geht aber auch um Routinen, Privilegien, Einsamkeit, Begegnung, öffentliche Räume und die vielen Wenns und Abers, mit denen wir uns alternative Zukünfte oft selbst verstellen.

Eine Folge über Mobilität, aber eigentlich über Teilhabe, Gerechtigkeit und die Frage, wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen.

Info: Aufgrund technischer Herausforderungen ist dies keine Video-Folge. 

Mehr zu Katja Diehl: https://katja-diehl.de/

Next Stop: Future

Catharina Fischer

Anja Kirig
56 Minuten
Was, wenn die wichtigste Ressource im KI-Zeitalter eine ist, die wir gerade gleichzeitig schwächen?

Im Noema Magazine wurde sie kürzlich auf den Punkt gebracht: die "Judgment Economy". Eine Ökonomie, in der nicht mehr das reine Produzieren von Wissen, Texten oder Analysen den größten Wert schafft, sondern die Fähigkeit, Ergebnisse einzuordnen, abzuwägen und tragfähige Entscheidungen zu treffen. Eine wohltuende Vision, denn sie sagt: Der Mensch bleibt relevant.

Aber sie hat einen blinden Fleck. Denn Urteilskraft ist kein Download. Sie wächst über Erfahrung, Fehler, Reibung mit Realität — über jene frühen Berufsjahre, die durch KI gerade besonders unter Druck stehen. Eine Stanford-Studie zeigt erste Hinweise darauf, dass junge Beschäftigte in stark KI-exponierten Berufen heute weniger nachgefragt werden — auch wenn die Forscher selbst betonen, dass neben KI verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Und auch erfahrene Profis sind nicht außen vor: Eine aktuelle Lancet-Studie deutet darauf hin, dass selbst Ärztinnen und Ärzte durch regelmäßige KI-Nutzung in ihrer eigenständigen Diagnosefähigkeit nachlassen können.

In dieser Folge sprechen Anja und Catharina darüber, wie Urteilskraft eigentlich entsteht, warum sie nicht selbstverständlich vorhanden ist und welche Rolle dabei Bildung, Erfahrungsräume und der Zugang zu echter Praxis spielen. 
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Über diesen Podcast

Next Stop Future – der Podcast über Zukunft, Verantwortung und gesellschaftlichen Wandel. Zwei Zukunftsexpertinnen sprechen mit Vordenker:innen, Praktiker:innen und Visionär:innen über das, was unsere Welt bewegt: Künstliche Intelligenz, nachhaltige Transformation, Arbeit der Zukunft, Tourismus im Wandel und lebenswerte Orte. Ob digitale Gesundheit, Event-Legacy oder nachhaltige KI – Next Stop Future macht komplexe Entwicklungen verständlich und zeigt, wie Wandel aktiv gestaltet werden kann. Perfekt für alle, die in Beruf und Alltag mitdenken, mitlenken und neue Perspektiven suchen. Anja Kirig (Zukunftsforscherin) und Catharina Fischer (Fachfrau im Bereich des nachhaltigen und digitalisierten Tourismus) liefern dir regelmäßig neue Folgen – 14-tägig, immer Dienstags, überall, wo es Podcasts gibt.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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