Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche

Beim ersten Hahnenschrei Archiv

419 Episoden
5 Minuten
Wer die Kunst nicht versteht, Schlangen zu beschwören, der bleibe davon, oder er setzt sich der Gefahr aus, von ihnen gebissen zu werden. Der echte Mönch sucht weder die Wahrheit zu verdrehen noch seinen Bruder in Folge eigener Weichlichkeit zu beargwöhnen noch sich auf eine Weise das Leben zu erleichtern; denn wer es tut, läuft Gefahr abzufallen. Der wahre Mönch hält sich für den Niedrigsten und Sündhaftesten und bemüht sich, der Diener Aller zu sein. Seine Ohren sind offen zum Hören, seine Hände bereit zur Arbeit, sein Mund schweigsam, sein Geist umsichtig, hört nicht aus eitles Gerede, dagegen aufmerksam auf die Lehren der göttlichen Schriften und die Reden heiliger Männer, ahmt den tugendhaften Vorgängern nach, ringt nach höheren Tugenden, ohne die niedrigeren zu versäumen, achtet kein Vergehen gering, richtet nicht über fremde Fehler und ist immer bußfertig.
7 Minuten
Da war unter den Christenbrüdern ein Mann namens Vettius Epagathus, überströmend von Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Er führte ein so heiliges und tadelloses Leben, dass man ihm trotz seiner Jugend mit vollem Recht das lobende Zeugnis ausstellen konnte, das von dem Priester Zacharias geschrieben steht: „Er wandelte tadellos in allen Geboten und Satzungen des Herrn.“ Unverdrossen war er zur Hand, wenn es einen frommen Dienst am Nächsten galt, Eifer für Gottes Sache erfüllte ihn, und „sprudelnd kochte es in seinem Geiste“. Ein Mann von solcher Art musste es unerträglich empfinden, wie schmählich man über uns Recht sprach. In flammendem Zorn forderte er, man möge auch ihm das Wort erteilen, er wolle seine Brüder verteidigen und rechtens nachweisen, dass sie nicht gottlos und unsittlich seien. Aber die Menge, die um den Richterstuhl stand, brüllte ihn nieder, ihn, den Mann von Rang und Stand, und der Statthalter ging in seiner Wut auf diese durchaus gerechte Forderung gar nicht ein. Er fragte ihn nur: „Bist du auch ein Christ?“ Vettius bekannte sich mit triumphierender Stimme als Christ. So wurde auch er in die auserwählte Zahl der Blutzeugen aufgenommen.
4 Minuten
Was uns Christen zur Ausübung der Geduld bestimmt, ist nicht das Streben nach übertriebener Gleichmütigkeit, deren Wesen in Stumpfsinn besteht, sondern es ist vielmehr die göttliche Eigentümlichkeit der lebensvollen und himmlischen Lehre, die uns bereits Gott selbst, das erste Vorbild der Geduld, vorhält. Denn er gießt den Licht-glanz des Tages gleichmäßig über Gerechte und Ungerechte aus, er lässt die Wohltaten der Jahreszeiten, die Dienste der Elemente, die Gaben jeder zeugenden Kraft Würdigen und Unwürdigen in gleicher Weise zukommen; er erträgt die undankbaren Heiden, die den Tand der Künste und die Werke ihrer Hände anbeten, die seinen Namen und seine Kinder verfolgen, ihre Unzucht, Habgier, Gottlosigkeit und Bosheit, obwohl sie täglich frecher werden, so dass seine Langmut seiner Ehre Abbruch tut. Denn viele glauben deswegen nicht an den Herrn, weil sie von seinem Zorn gegen die [heidnische] Welt so lange Zeit nichts merken.
5 Minuten
Was also geht in der Seele vor, dass sie sich mehr freut, wenn sie Gegenstände, die sie liebt, wiederfindet oder wiedererhält, als wenn sie sie ständig besessen hätte? Dass dem so ist, dafür sprechen noch viele andere Zeugnisse, und überall rufen uns solche entgegen: "So ist es". Es triumphiert der siegreiche Kaiser; und er hätte nicht gesiegt, wenn er nicht gekämpft hätte, und je größer die Gefahr in der Schlacht, desto größer die Freude des Triumphes. Ein Sturm schleudert die Seefahrer hin und her, und Schiffbruch droht; alle erblassen angesichts des nahen Todes; aber Himmel und Meer werden ruhig, und übergroß wird ihre Freude, wie ihre Furcht übergroß war. Ein Freund ist krank, sein Puls verkündet Schlimmes; alle Herzen, die seine Genesung wünschen, leiden mit ihm. Aber er erholt sich; zwar wandelt er noch nicht mit der früheren Kraft umher, aber die Freude ist schon größer als damals, da er noch in Gesundheit und Kraft einherging. Selbst die rein sinnliche Freude des menschlichen Lebens erwerben sich die Menschen nicht durch unerwartete und gegen ihren Willen auf sie eindringende Beschwerden, sondern durch solche, die sie absichtlich herbeiführen. Essen und Trinken macht kein Vergnügen, wenn nicht die Beschwerde des Hungers und Durstes vorhergeht. Die Trinker genießen etwas Gesalzenes, so dass ein lästiges Brennen entsteht; der Genuss entsteht dann, wenn sie das Brennen durch Trinken löschen. Überall geht der größeren Freude größeres Leid voraus.
6 Minuten
Wenn einer ein vielartiges Ungeheuer von vielerlei Formen, das aus vielen großen und kleinen, zahmen und wilden Tieren zusammengesetzt wäre, leiten und bändigen wollte, so obläge ihm wahrlich keine kleine Arbeit und kein kleiner Kampf, um über ein solch seltsames, unnatürliches Wesen Herr zu werden, da nicht alle Tiere die gleiche Stimme, die gleiche Nahrung, die gleiche Berührung, den gleichen Pfiff, die gleiche Behandlung lieben, sondern jedes je nach seiner Natur und Anlage wieder andere Freuden und andere Launen hat. Was hätte ein solcher Tierbändiger zu tun? Vielseitig und umfassend müsste seine Geschicklichkeit sein; jedem Tiere müsste er entsprechende Behandlung angedeihen lassen, damit es gut erzogen werde und lange am Leben bleibe. In gleicher Weise ist es absolut notwendig, dass der Vorsteher dieses einheitlichen, aus vielen und verschiedenen Bräuchen und Lehren zusammengesetzten Kirchenkörpers, der einem einzigen, aber zusammengesetzten und vielartigen Wesen gleicht, einerseits etwas Einheitliches sei, wenn es gilt, auf die Masse einzuwirken, anderseits aber recht geschmeidig und vielseitig sich zeige, wenn es sich um Einzelseelsorge handelt und um eine Belehrung, von welcher jeder Vorteil und Nutzen haben soll.
4 Minuten
Wer mit heiterem Sinn das Leben ordnet,

Wer das stolze Geschick sich zwingt zu Füßen,

Wer das wechselnde Glück mit festem Auge

So betrachtet, dass nie ihm zuckt die Wimper,

Den beugt nimmer die Wut, das Dräu'n des Meeres,

Das bis tief auf den Grund die Woge aufwühlt,

Nie der Zorn des Vesuv, der immer neue

Schlote reißend im Bauch die Flamme wirbelt;

Der den ragenden Turm zermalmt, der Blitzstrahl

Selbst, er wird seinen Geist niemals erschüttern.

Und nun, Arme, bestaunt ihr feig Tyrannen,

Die mit wildem Sinn nur kraftlos toben?

Banne Hoffnung und Furcht, im Augenblicke

Sinkt die Waffe des Zorns gelähmt darnieder.

Doch wer, bebend das Herz, ob zagt ob wünschet,

Nimmer steht er fest, ist nie sein eigen,

Feige warf er den Schild, verließ die Reihe,

Knüpft die Fessel sich selbst, die ewig bindet.
5 Minuten
Ich schäme mich, von den häufigen Besuchen zu reden; denn Tag um Tag gehen wir zu anderen oder erwarten diese bei uns. Dabei kommt man ins Geplauder, führt müßige Reden, fällt über die Abwesenden her, hechelt ihre Lebensweise durch, und wir zehren einander auf, indem wir uns gegenseitig beißen. Unter solchen üblen Gesprächen geht man zu Tisch und erhebt man sich wieder von der Mahlzeit. Haben sich die Freunde entfernt, dann geht die Rechnerei los. Schließlich wird man wütend wie ein Löwe und macht sich überflüssige Sorgen um die Zukunft auf viele Jahre hinaus. Aber an das Wort des Evangeliums, das da lautet: „Tor, in dieser Nacht wird man dein Leben von dir fordern. Wem wird dann gehören, was du zusammengerafft hast?“ denken wir nicht. Man begnügt sich keineswegs mit der notwendigen Kleidung, sondern die Modefrage gehört mit zur Unterhaltung und Zerstreuung. Wo ein Vorteil herausschaut, macht man sich sofort auf den Weg, spart kein Wort und spitzt die Ohren. Erfährt man von einem Verlust, wie er öfters im Haushalte vorkommt, dann läßt man vor Traurigkeit den Kopf hängen. Ein gewonnener Pfennig macht uns glücklich, ein verlorener Groschen macht uns betrübt. Weil nun das Bild der Seele im gleichen Menschen so verschieden erscheint, deshalb bittet auch der Prophet den Herrn; „Entferne, o Herr, ihr Bild aus deiner Stadt!“ Obwohl wir nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen sind, spielen wir in unseren Sünden die mannigfaltigsten Rollen. Wie auf der Bühne ein und derselbe Schauspieler bald als strammer Herkules auftritt, bald wie ein Weichling im Kult der Venus sich aufreibt, bald wie ein Priester der Kybele in Ekstase gerät, so spielen auch wir, die die Welt hassen würde, wenn wir nicht von der Welt wären, mit jeder Sünde eine neue Rolle.
3 Minuten
Gott will umsonst verehrt sein. Umsonst will er geliebt sein, d. h. keusch will er geliebt werden. Er will nicht darum geliebt werden, weil er etwas außer sich gibt, sondern weil er sich selbst gibt. Wer also Gott anruft, dass er reich werde, ruft Gott nicht an; denn er ruft an, was er will, dass es zu ihm komme. Was heißt anrufen, wenn nicht in sich hineinrufen? In sich also hineinrufen, das heißt anrufen. Denn wenn du sagst: »Gott, gib mir Reichtum!«, so willst du nicht, dass Gott selber zu dir komme, sondern du willst, dass Reichtum zu dir komme. Wovon du willst, dass es zu dir komme, das rufst du an. Wenn du aber Gott anriefest, käme er selber zu dir, er selbst wäre dein Reichtum. Nun aber willst du eine volle Truhe und ein leeres Gewissen. Doch Gott füllt nicht die Truhe, sondern das Herz. Was frommt dir äußerer Reichtum, wenn dich innere Armut drückt?
6 Minuten
Nachdem Galerius Maximus sich mit seinen Räten besprochen hatte, fällte er mit Widerwillen das Urteil etwa in folgendem Wortlaut: Du hast lange mit verbrecherischem Sinne gelebt, hast viele Menschen in deine gottlose Verschwörung hineingezogen und hast dich zum Feinde der römischen Götter und der heiligen Gesetze gemacht; auch haben dich die frommen und geheiligten Fürsten, die Kaiser Valerianus und Gallienus und der erlauchte Cäsar Galerianus nicht zur Gemeinschaft ihrer Religionsgebräuche zurückführen können. Darum sollst du, nachdem du als der Urheber und Bannerträger der gemeinsten Verbrechen gefasst worden bist, denen zum warnenden Beispiel werden, die du in deine Freveltat hineingezogen hast; dein Blut soll die Weihe für das Gesetz sein. Als er das gesagt hatte, las er von einer Tafel das Urteil: Thascius Cyprianus soll mit dem Schwerte hingerichtet werden. Der Bischof Cyprian sagte: Gott sei Dank!
5 Minuten
Man kann vom Neide nur umstrickt werden, wenn man sich ihm in Vertraulichkeit naht. Laut einem weisen Worte Salomos „kommt dem Menschen die Eifersucht von seinem Genossen.“ Und so ist es in der Tat. Der Skythe beneidet den Ägypter nicht, sondern ein jeder seinen Landsmann. Und unter Landsleuten beneidet man nicht die Unbekannten, sondern die unmittelbare Verkehrswelt, und unter dieser wieder die Nachbarn, die Geschäftsgenossen und die sonstwie Nahestehenden, unter diesen wieder die Gleichaltrigen, Verwandten und Brüder. Kurz, wie der Mehltau eine besondere Krankheit des Getreides ist, so ist der Neid eine Pest für die Freundschaft. Indes wäre vielleicht an diesem Laster das eine zu loben: Je heftiger es auftritt, desto schmerzlicher wird es für den, der daran leidet. Wie mit Ungestüm abgeschossene Pfeile, die einen harten und widerstandskräftigen Gegenstand treffen, auf den Schützen zurückprallen, so schädigen die Regungen des Neides nicht den Beneideten, sondern schlagen dem Neider Wunden. Wer hat je mit seinem Ärger die Güter des Nebenmenschen verringert? Er hat sich nur selbst im Gram verzehrt und abgehärmt.
4 Minuten
Gib, was du hast, denn Gott verlangt nichts Unmögliches. Du gib Brot, ein anderer gebe einen Becher Wein, ein anderer ein Kleid, und so wird das Unglück eines Einzigen durch das Zusammenwirken Mehrerer gehoben. Auch Moses nahm den Aufwand für das Zelt nicht von einem einzigen Steuerzahler, sondern vom ganzen Volke. Denn von den Reichen brachten ihm der Eine Gold, der Andere Silber, der Arme dagegen Felle, und wer noch ärmer als arm war, Haare. Du siehst, dass auch der Heller der Witwe mehr galt als die Opfergaben der Reichen. Denn diese gab Alles hin, was sie besaß, die Letzteren aber verminderten den Besitz um eine Kleinigkeit.
4 Minuten
Wünschest du ein fröhliches Herz, so strebe nicht nach Schätzen, nicht nach Gesundheit des Leibes, nicht nach Ehre und Macht, nicht nach einem üppigen Leben, nicht nach köstlichen Gelagen, nicht nach seidenen Gewändern, nicht nach einträglichen Landgütern, nicht nach glänzenden und prunkenden Häusern und nicht nach anderen ähnlichen Dingen: trachte nur nach gottgefälliger Weisheit und erfasse die Tugend, so wird dich nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges betrüben können. Was sage ich »betrüben«? Im Gegenteil: was anderen Trauer verursacht, wird deine Freude erhöhen; denn Geißelhiebe, Tod, Verluste, Verleumdungen, Unrecht, das uns widerfährt, und alle ähnlichen Leiden erfüllen unser Herz mit tiefem Glück, wenn sie uns um Gottes willen treffen und darin ihren Ursprung haben. Niemand kann uns unglücklich machen, außer wir tun das uns selber, wie uns auch - außer der Gnade Gottes - nichts selig machen kann, wenn wir uns nicht selbst darum bemühen.
3 Minuten
Kritisiere nie die Schwächen anderer und suche dich nicht selbst in ein günstiges Licht zu setzen, indem du andere tadelst. Lerne lieber, dein eigenes Leben zu schmücken, als das des Nächsten seines Schmuckes zu berauben. Denke immer an das Wort der Schrift: »Liebe nicht deinen Nächsten herabzusetzen, damit du nicht mit der Wurzel ausgerissen werdest!« Nur wenige wollen auf diesen Spruch verzichten, und selten findet man einen, der sein Leben so tadellos führen will, dass er die Lebensführung anderer nicht gerne tadelt. So groß ist der Hang des Menschen zu diesem Laster, dass selbst solche, die andere Fehler längst abgelegt haben, sich doch in diesen einen verstricken, als sei er die letzte Schlinge des Teufels. Du aber sollst dieses Übel so sehr scheuen, dass du nicht nur selber niemand herabsetzest, sondern auch keinem glaubst, der das tut. Wenn du jemand dabei zustimmst, so bestärkst du ihn in seinem Fehler....
4 Minuten
Es fuhren mir die Vögel durch den Sinn, die beim Schlafengehen noch »die Luft mit süßem Sang erfüllen«, als freuten sie sich des vollbrachten Tagewerkes. Und sie erneuern ihn regelmäßig wie zu Tagesanbruch so zu Tagesende, um nach Ablauf und zu Beginn der Nachtzeit ebenso wie der Tagzeit ihrem Schöpfer Lob und Preis darzubringen. So hatte ich mir denn einen mächtigen Ansporn für uns zur Frömmigkeit entgehen lassen. Denn welcher menschlich Fühlende würde sich nicht schämen, ohne feierlichen Psalmengesang den Tag zu beschließen, nachdem sogar die kleinen Vöglein in gewohnter Andacht und mit süßem Lied den Anbruch der Tage und Nächte begehen? Schon suchen die verschiedenen Vögel, die der Abend zwingt, der Nacht zu weichen, ihre Behausungen auf und verbergen sich in ihren Verstecken, dem untergehenden Tag noch ein helles Lied weihend, dass er nicht ohne den Zoll des Dankes scheide, den jedes Geschöpf lobpreisend seinem Schöpfer mitdarbringt.
3 Minuten
Unanständiger Reden müssen wir uns gänzlich enthalten; und jene, die solche Reden führen, müssen wir zum Schweigen bringen durch einen strengen Blick und durch Wegwenden des Gesichts und durch das sogenannte Nasen-rümpfen, oft auch durch ein rauhes Wort. »Denn was aus dem Munde herauskommt«, heißt es, »verunreinigt den Menschen«, zeigt ihn als gemein, heidnisch, unerzogen und zuchtlos, nicht aber als eigenartig, anständig und gesittet. Wie die Knaben beim Ringen, damit ihre Ohren nicht beschädigt werden, Ohrenschützer anlegen, so verwendet der göttliche Erzieher zum Schutz gegen das Anhören von unanständigen Reden und das Anschauen von ebensolchen Dingen die sittsamen Reden, damit es dem Schlag der Unzucht nicht gelinge, die Seele zu schädigen; er lenkt die Augen auf den Anblick des Schönen, indem er sagt, es sei besser, mit den Füßen als mit den Augen auszugleiten.