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Beim ersten Hahnenschrei Archiv

419 Episoden
5 Minuten
So nehmen wir denn gegen all eure Grausamkeit den Kampf auf, indem wir sogar aus freien Stücken dagegen auftreten, und freuen uns mehr, wenn wir verurteilt, als wenn wir freigesprochen werden. Und so habe ich dieses Schriftchen nicht aus Besorgnis für uns überreicht, sondern aus Besorgnis für euch und alle unsere Feinde, nicht etwa für unsere Freunde. Denn unser Lehrsystem befiehlt uns, auch unsere Feinde zu lieben und zu beten für die, welche uns verfolgen, und darin besteht die uns eigentümliche und vollkommene Güte, die nicht die gewöhnliche ist. Denn die Freunde zu lieben ist Brauch bei allen; die Feinde, nur bei uns Christen allein. Da uns also eure Unwissenheit Kummer und Schmerz bereitet und wir Mitleid haben mit den Irrtümern der Menschen, da wir die Zukunft vorausahnen und deren Vorzeichen jeden Tag dräuen sehen, so ist es notwendig, auch auf diese Weise einen Ausfall zu machen und euch Dinge zu sagen, die ihr öffentlich nicht hören wollt.
4 Minuten
Armseligen Menschen mit verdorbenem Sinn verschafft eine gelenke Zunge und eine wohlklingende Phrase Wohlgefallen, Lob und eitlen Ruhm. Wer aber die Wahrheit liebt, kehrt sich nicht an Geflunker, sondern untersucht, welches und wie beschaffen die mit dem Worte verbundene Tat ist. Du bist nun, lieber Freund, heftig auf mich losgefahren mit leeren Prahlereien über deine Götter aus Holz und Stein, von getriebener und Gussarbeit, geschnitzt und gemalt, die nicht sehen und hören; denn sie sind nur Bilder und Werke von Menschenhand. Dann nennst du mich auch einen Christen, indem ich damit, wie du meinst, einen schlechten Namen trage. Ich bekenne nun denn, dass ich ein Christ bin, und trage diesen Gott wohlgefälligen Namen mit der Hoffnung, ein für Gott brauchbarer Mensch zu sein. Denn es ist nicht so, wie du meinst, dass der Name Gottes ein schlechter Name sei, vielmehr denkst du darüber nur deshalb also, weil du vielleicht für Gott noch nicht zu brauchen bist.
5 Minuten
Jetzt zeigt sich der Grund für die Wahrheit, warum der vierte Tag der Tetras genannt wird, warum wir sogar bis zur neunten Stunde fasten oder sogar bis zum Abend, oder warum es sogar einen Übergang zum nächsten Tag geben sollte. Folglich besteht unsere Welt aus vier Elementen – Feuer, Wasser, Himmel, Erde. Diese vier Elemente bilden daher die Quaternion der Zeiten oder Jahreszeiten. Auch die Sonne und der Mond bilden im Laufe des Jahres vier Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst, Winter; und diese Jahreszeiten bilden eine Quaternion. Und um von diesem Grundsatz noch weiter auszugehen: siehe, es gibt vier Lebewesen vor Gottes Thron, vier Evangelien, vier Flüsse, die im Paradies fließen; vier Generationen von Menschen von Adam bis Noah, von Noah bis Abraham, von Abraham bis Moses, von Moses bis Christus, dem Herrn, dem Sohn Gottes; und vier Lebewesen, nämlich einen Menschen, ein Kalb, einen Löwen, einen Adler; und vier Flüsse, der Pison, der Gihon, der Tigris und der Euphrat. Der Mensch Christus Jesus, der Urheber dieser Dinge, von denen wir oben gesprochen haben, wurde von bösen Händen, von einer Vierergruppe von Soldaten, gefangen genommen. Deshalb, wegen seiner Gefangenschaft durch eine Vierergruppe, wegen der Majestät seiner Werke, - damit auch die Jahreszeiten, gesund für die Menschheit, freudig für die Ernten, ruhig für die Stürme, weitergehen können, - deshalb machen wir den vierten Tag zu einer Station oder einem überzähligen Fasten.
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So irrt derjenige, der eine Darlegung des Gesetzes (Glaubensinhaltes) schon als Glaube betrachtet; er vermischt zwei ganz verschiedene Dinge. Eine Darlegung entwickelt einerseits das Gesetz nach seinem Inhalt, aber andererseits entwurzelt sie den Glauben; denn Glaube ist nicht mehr vorhanden, wenn man nach ihm sucht. Und dann: Das Gesetz ist für alle gemeinsam, der Glaube ist Privatsache des einzelnen. Das Gesetz ist immer aus dem Buche der Genesis zu entnehmen; der Glaube hat seine feste Wurzel allein im freien eigenen Entschluss. Das Gesetz wandert von dem einen zum andern; der Glaube geht unter, wenn er einmal auch nur in einer Richtung von seinem Standpunkt abweicht. Das Gesetz kann sich nur an das Gewissen des Menschen wenden, aber nicht in dasselbe hineinsehen; der Glaube reinigt das Gewissen bis ins Mark, damit es auch nicht im Innersten noch eines Vergehens sich schuldig fühle; denn ein Mensch, der sein Gewissen nicht fürchtet, fürchtet auch Gott nicht. Und weiter: Das Gesetz wird nur in Bruchstücken gelernt und gelehrt; es wird nicht in seinem ganzen Inhalt erfasst und nicht in seinem ganzen Inhalt im Gedächtnis behalten; es werden für dasselbe von jedermann die Beweisgründe geltend gemacht, wie sie seiner Geistesanlage entsprechen; es wird von allen erstrebt und von keinem erfüllt. Es bringt nur den Willen Gottes zur Kenntnis, aber nicht seinen Ursprung oder sein Wesen.
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Es wurde vom apostolischen Stuhle bestimmt, dass, immer aus allen Theilen Galliens, welchen kirchlichen Grades immer zu uns nach Rom kommen will oder anderswohin zu reisen beabsichtigt, nicht anders die Reise antrete als wenn er die Formaten des Metropolitanbischofes von Arles erhalten hat, durch welche er mittelst dessen Bestätigung seinen Priesterstand oder seine sonstige kirchliche Stellung nachweist. Dies haben wir aus dem Grunde beschlossen, weil sehr Viele, welche sich für Bischöfe, Priester oder Geistliche ausgeben, aus Mangel der Formaten, durch welche sie widerlegt werden könnten, sich einen verehrungswürdigen Namen erschleichen und eine ungebührliche Ehrenbezeigung verschaffen. Wer immer also, teuerste Brüder, ohne des oben Genannten Formaten, er sei Bischof, Priester, Diakon oder auf einer niederen Stufe, zu uns kommt, der wisse, dass er durchaus keine Aufnahme finden könne. Dieses Schreiben2 schickten wir bekanntlich überall hin, damit es allen Gegenden bekannt werde, dass unser Beschluss auf alle Weise beobachtet werden müsse. Wer immer aber diese heilsame Anordnung zu verletzen wagt, wisse, dass er sich durch eigenen Willen von unserer Gemeinschaft lossagt.
4 Minuten
Er hat keinen Namen; denn alles, was einen Namen hat, gehört mit zum Geschaffenen. Er hat keine Gestalt und keine Zusammensetzung von Gliedern; denn wer solches hat, gehört mit zu den Gebilden. Er ist nicht männlich und nicht weiblich. Der Himmel umfasst ihn nicht, vielmehr wird der Himmel und alles Sichtbare und Unsichtbare von ihm umfasst. Er hat keinen Gegner; denn es gibt niemand, der stärker wäre als er. Er hat nicht Grimm und Zorn; denn es gibt nichts, das ihm widerstehen könnte. Irrtum und Vergesslichkeit liegt nicht in seiner Natur; denn er ist ganz und gar Weisheit und Einsicht und durch ihn besteht alles, [was besteht]. Er heischt nicht Schlacht- und Trankopfer, noch eines von den sichtbaren Dingen; [von niemand heischt er etwas,] aber alle Lebewesen heischen von ihm.
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Die Philosophie der Christen wird als einfach bezeichnet. Aber sie widmet der Bildung von Sitten sehr viel Aufmerksamkeit und deutet rätselhaft Worte von sichererer Wahrheit über Gott an; das Prinzip davon werden alle verstanden haben, wenn sie, soweit es um einen ernsthaften und ernsthaften Zweck in diesen Angelegenheiten geht, eine wirksame Ursache annehmen, die sehr edel und sehr alt ist und die den Ursprung aller Dinge darstellt, die existieren. Denn Christen überlassen ethischen Studenten mühsamere und schwierigere Angelegenheiten, wie zum Beispiel, was Tugend ist, moralisch und intellektuell; und denen, die ihre Zeit damit verbringen, Hypothesen über die Moral, die Leidenschaften und die Neigungen aufzustellen, ohne ein Element herauszustellen, durch das jede Tugend erreicht werden soll, und die sozusagen willkürlich weniger subtile Vorschriften anhäufen - das einfache Volk macht, wenn es diese hört, wie wir aus Erfahrung lernen, große Fortschritte in der Bescheidenheit, und ein Charakter der Frömmigkeit prägt sich in sein Benehmen ein, wodurch die moralische Gesinnung, die sich aus solchen Gepflogenheiten bildet, belebt wird und es nach und nach zu dem Wunsch nach dem geführt wird, was ehrenhaft und gut ist.
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Denn wie du weißt, war es Gottes Wille, dass die Freundschaft, die seit unseren Vorfahren zwischen uns besteht, ungebrochen erhalten bliebe, ja vielmehr an Inbrunst und Stärke zunahm. Denn wir kennen jene gesegneten Väter gut, die den Weg vor uns gegangen sind und zu denen auch wir bald gehen werden: nämlich Pantaenus, diesen wahrhaft gesegneten Mann, meinen Meister; und auch den heiligen Clemens, der einst mein Meister und mein Wohltäter war; und alle anderen, die ihnen ähnlich sein mögen, durch die ich auch dich kennengelernt habe, mein Herr und Bruder, der du alles übertriffst.
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Charaktervolle und ein für allemal in unerschütterlicher Festigkeit auf Felsengrund stehende Männer lassen sich nicht einmal durch Wind und Sturm, geschweige denn durch einen leichten Lufthauch er-schüttern; sonst würde ja ihr schwankender und unsicherer Geist von den verschiedenen Meinungen wie von dem Wehen anstürmender Winde immer wieder hin und hergeworfen und von seinem Vorsatz mit einer gewissen tadelnswürdigen Leichtfertigkeit abgebracht. Damit die Zuschriften des Novatianus weder bei dir noch bei irgendeinem anderen diese Wirkung erzielen, will ich dir, mein Bruder, deinem Wunsche gemäß kurz dar-legen, wie es sich mit der Angelegenheit verhält. Da habe ich nun zuerst, weil du anscheinend auch an meiner Handlungsweise irre geworden bist, meine eigene Person und Sache zu rechtfertigen. Sonst könnte man schließlich glauben, ich sei so ohne weiteres meinem Vorsatz untreu geworden, und es könnte den Anschein erwecken, als hätte ich zwar zuerst und anfänglich die evangelische Strenge verteidigt, sei aber hinterher von der vorigen Haltung und Zucht wieder abgekommen und hätte mich zu der Ansicht bekehrt, man müsse denen, die durch Opferzeugnisse ihr Gewissen befleckt oder sündhafte Opfer verrichtet haben, die Erlangung des Friedens erleichtern. In diesen beiden Fällen habe ich aber vorher die Gründe für und wider erst lange geprüft und abgewogen.
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Keine furchtbarere Leidenschaft wuchert ja im Herzen des Menschen als der Neid, der (zwar) der Außenwelt am wenigsten wehe tut, aber für den damit Behafteten ein ganz besonderes und höchstpersönliches Übel ist. Wie Rost das Eisen, so verzehrt der Neid die von ihm besessene Seele. Ja noch mehr, wie die Nattern bei ihrer Geburt den Leib der Mutter durchnagen sollen1, so pflegt auch der Neid die ihn mit Wehen gebärende Seele zu verzehren. Denn der Neid ist der Ärger über das Wohlergehen des Nächsten. Deshalb wird der Neidische Kummer und Missmut nie los. Trägt der Acker des Nachbars reichlich Frucht, ist sein Haus mit allem zum Leben Erforderlichen reichlich versehen, ist der Mann seelenvergnügt, so gibt all das der Krankheit des Neiders Nahrung und steigert seinen Schmerz. So gleicht er ganz einem Nackten, der von allen Seiten verwundet wird. Ist jemand rüstig und gesund, so verwundet das den Missgünstigen; hat jemand eine schönere Gestalt, so ist das eine neue Wunde für ihn. Überragt einer die Menge an Geistesgaben, wird er wegen seiner Klugheit und Rednergabe geachtet und bewundert, ist ein anderer reich und zeigt sich splendid im Geben und Mitteilen an Dürftige und wird er darob von den wohltätig Bedachten recht gelobt, dann sind das lauter Schläge und Wunden, die den Geizhals mitten ins Herz treffen. — Und das Schlimmste bei dieser Krankheit ist, dass er sie nicht einmal offenbaren kann. Er schlägt nur die Augen nieder, ist traurig, verwirrt, klagt und geht am Übel zugrunde. Frägt man ihn nach seinem Leiden, so schämt er sich, sein Weh zu verraten und zu sagen: Ich bin neidisch und verbittert; es kränkt mich das Glück des Freundes; ich bin traurig ob der Freude meines Bruders und kann fremdes Glück nicht sehen; das Wohlergehen des Nächsten macht mich unglücklich. So müsste er nämlich reden, wenn er die Wahrheit sagen wollte.
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Der Aufgang des Sternes aber, welcher zuerst von den Weisen bemerkt wurde, zeigt an, dass bald die Heiden an Christus glauben, und dass Menschen, deren Glauben weit von der Kenntnis der göttlichen Wahrheit entfernt war, das Licht, welches sogleich bei seinem Aufgange leuchtete, erkennen würden. Ferner drückte die Darbringung der Geschenke die Erkenntnis der ganzen Wesenheit in ihm aus; da er durch das Gold als König, durch den Weihrauch als Gott, durch die Myrrhe als Menschen anerkannt wurde,1 S. 56 Und sonach ist durch ihre Verehrung die Erkenntnis des ganzen Geheimnisses vollkommen dargestellt; im Menschen das des Todes, in Gott das der Auferstehung, im Könige das des Gerichtes. Dadurch aber, dass sie abgehalten werden, den nämlichen Weg zurückzugehen, und zum Herodes nach Judäa zurückzukehren, wird angedeutet, dass es uns nicht gestattet sei, Kenntnis und Weisheit von Judäa zu holen, sondern dass wir auf Christus alles Heil und alle Hoffnung setzen, und von dem Wege des vorigen Lebens, ablassen sollten.
21 Minuten
Hier gibt es ein Weihnachts-Neujahrs-Special: Ein Märchen des Volksschriftstellers Ludwig Ganghofer mit dem Untertitel: Eine Weihnachtserzählung.
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Welch große und erhabene Geduld aber zeigt Gott, indem er die von den Menschen zur Schändung seiner Herrlichkeit und Ehre errichteten heidnischen Tempel, ihre aus Erde geformten Bildwerke und ihre gottlosen Opfer mit der größten Geduld erträgt und dennoch über Gute und Böse in gleicher Weise Tag werden und das Licht der Sonne aufgehen lässt, und wenn er die Länder mit Regen tränkt, keinen von seinen Wohltaten ausschließt, sondern den Gerechten ebenso wie den Ungerechten ohne jeden Unterschied sein Nass spendet! Wir sehen, wie mit unzertrennlicher, gleichmäßiger Geduld Schuldigen und Unschuldigen, Frommen und Gottlosen, Dankbaren und Undankbaren auf Gottes Wink die Jahreszeiten gefügig sind, die Elemente dienen, die Winde wehen, die Quellen strömen, wie die Fülle der Ernten gedeiht, der Ertrag der Weingärten heranreift, die Baumpflanzungen Obst in Fülle hervorbringen, wie die Wälder sich belauben und die Wiesen blühen. Und obwohl Gott durch häufige, ja durch fortwährende Kränkungen erbittert wird, beherrscht er dennoch seinen Unmut und wartet geduldig den einmal vorausbestimmten Tag der Vergeltung ab, und obgleich er die Rache in seiner Gewalt hat, will er doch lieber noch längere Zeit Geduld üben, indem er eben voll Milde [die Kränkungen] hinnimmt und [die Rache] hinausschiebt, damit womöglich die lange fortgesetzte Bosheit sich endlich doch noch ändere und der Mensch, nachdem er sich in dem befleckenden Schmutze des Irrtums und der Verbrechen gewälzt, wenn auch spät erst, sich zu Gott bekehre, der ja selbst mahnt und sagt: „Ich will nicht so sehr den Tod des Sterbenden als vielmehr, dass er sich bekehre und lebe“.
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Nicht fremd sind dem Landmann die Mühen der Landwirtschaft, nicht unerwartet kommt dem Matrosen der Sturm auf dem Meere, nicht seltsam ist dem Lohnarbeiter der sommerliche Schweiß, nicht etwas Ungewohntes sind denen, die sich für ein gottesfürchtiges Leben entschlossen haben, die Plackereien der umgebenden Welt. Vielmehr hat jeder Stand, den ich genannt, seine eigene Plage, die jeder Beruf kennt. Nicht um ihrer selbst willen trägt man sie, sondern zur Erlangung verheißener Güter. Hoffnungen, die den Menschen sein ganzes Leben lang halten und begleiten, erleichtern ja einem jeden seine Bürde. Von denen nun, die um der Erde Güter oder um irdischer Dinge willen sich abmühen, sahen sich die einen überhaupt in ihren Hoffnungen betrogen, indem ihnen die verheißenen Güter nur in der Phantasie verblieben. Denen aber wirklich der erwünschte Enderfolg beschieden war, ward wieder nötig eine neue Hoffnung, da die alte vorüberglitt und in Bälde verwelkte. Nur denen, die sich um die Frömmigkeit bemühen, vermochte keine Lüge die Hoffnungen zu rauben, kein Ende die Mühen zu verdrießen, da ihrer ein sicheres und dauerndes Himmelreich harrt.
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Ich bin erstaunt darüber, nach welcher Höhe unsere Vermessenheit strebt. Nicht darüber bin ich erstaunt, dass sie dieselbe schon erreicht hätte, sondern darüber, dass sie wähnte, sie überhaupt erreichen zu können. Wenn nämlich jemand etwas zu erreichen wähnt, so hat er es noch lange nicht erreicht. Durch das bloße Meinen erreicht man nichts; freilich ist es sehr leicht, es zu meinen. Auch die Grübler meinten, ihr Ziel erreicht zu haben; aber dadurch, dass sie dies meinten, erreichten sie es doch nicht. Denn erhaben über jede Vernunft ist der Schöpfer aller Vernunftwesen. Unerforschlich ist er den Menschen und selbst den Engeln unbegreiflich. Das Geschöpf ist mit seiner Einsicht nicht imstande, über seinen Schöpfer zu sprechen, vermag es ja nicht, einmal zu sagen, wie es selbst gebildet wurde. Begreift es nun seine eigene Entstehung nicht, wie könnte es imstande sein, seinen Schöpfer zu begreifen? Der Verstand vermag nicht, die große Höhe seines Schöpfers zu erreichen, weit unter jener Höhe bleibt die Forschung der Forscher.