Beim ersten Hahnenschrei Archiv
419 Episoden
4 Minuten
»Wer den Namen des Herrn anruft, lasse ab von Ungerechtigkeit!« Das ist das Kennzeichen der Kinder Gottes, dass sie von Ungerechtigkeit abstehen. Wie kann jemand dem gerechten Gott angehören, wenn er unrecht tut, wenn er in Werken sein Gegner ist, wenn er ihn durch seine Handlungen beleidigt? Immer wieder muss ich gegen die Ungerechtigkeit auftreten. Denn diese Leidenschaft hat die Seelen aller wie ein Tyrann in Besitz genommen. Und was noch schlimmer ist: nicht auf dem Wege des Zwanges und der Gewalt, sondern durch Verführung und Schmeichelei; man weiß ihr Dank für ihre Knechtschaft. Das ist wahrhaft entsetzlich. Würden die Menschen mit Gewalt darin festgehalten und nicht mit süßen Banden, dann würden sie ihr bald entsagen. Doch wie ist es möglich, dass uns ein so bitteres Ding süß, die so süße Ungerechtigkeit aber bitter erscheint? Wegen unserer Sinnlichkeit. So haben manche Menschen auch den Honig für bitter erachtet und schädliche Dinge mit Lust genossen. Der Grund liegt nicht in der Natur dieser Dinge, sondern in der Verkehrtheit der verdorbenen Menschen.
7 Minuten
Mir zieht der inzwischen ergriffene Beruf des Einsiedlers Grenzen, so dass ich nicht mehr die Freiheit besitze zu tun, worauf ich verzichtet habe. Deshalb bitte ich, und Du magst meine Bitte mit allem Nachdruck unterstützen, dass er Dir die Kommentare des ehrwürdigen Bischofs Reticius von Augustodunum zum Abschreiben überlasse, in denen dieser das Hohe Lied in gewählter Sprache erklärt hat. Es schrieb mir auch ein Greis aus der Heimat des genannten Bruders Rufin, namens Paulus, dass er noch seine Handschrift Tertullians in Besitz habe. Er lässt dringend um Rücksendung bitten. Ich ersuche Dich weiter, Du mögest die Bücher, die ich noch nicht besitze und die in der kurzen Nachschrift erwähnt sind, durch einen Schreiber für mich kopieren lassen. Sei so freundlich und schicke mir auch die Psalmerklärung des hl. Hilarius und dessen umfangreiches Werk über die Synoden, das ich einst in Trier mit eigener Hand für Rufin abgeschrieben habe. Du weißt ja, daß die Nahrung der christlichen Seele darin besteht, bei Tag und Nacht im Gesetz des Herrn zu betrachten. Du nimmst andere gastfreundlich auf, hast Worte des Trostes für sie und hilfst ihnen mit Geldspenden; erfüllst Du meine Bitte, dann hast Du mir viel geschenkt. Da ich mit Gottes Hilfe einen reichen Schatz biblischer Handschriften besitze, so verfüge Deinerseits, was ich Dir davon schicken soll. Fürchte nicht, mir mit Deiner Bitte lästig zu fallen. Ich habe hier junge Leute, welche in der Schreibkunst erfahren sind. Aber ich verspreche auch keine Vergütung für das, was ich verlange. Der Bruder Heliodor ließ mich wissen, dass Du allerlei über die Heilige Schrift suchst, aber nirgends finden kannst. Wenn Du aber auch alles haben solltest, so ist es doch das Vorrecht der Liebe, noch mehr verlangen zu dürfen.
4 Minuten
Auch die Sonne zeigt ein dreifaches Aussehen in drei verschiedenen Zeiten; hell und leuchtend von Anfang, heftig brennend in der Mitte, am Ende sanft und lieblich, wie eine Lampe, die verlöscht. Mild und leuchtend ist der Anfang, wenn sie kommt, um die Schläfer zu wecken, heiß und brennend ist sie am Mittag, um die Früchte zur Reife zu bringen, sanft und angenehm, wenn sie der Vollendung entgegengeht.
4 Minuten
Jetzt mahnt die Zeit zur Besprechung der Mysterien und zur Enthüllung des Wesens der Sakramente selbst. Hätten wir das vor der Taufe Nichttäuflingen mitteilen zu sollen geglaubt, hätte man uns das mehr als Verrat denn als Enthüllung verübeln müssen. Und noch ein Grund: es sollte den Ahnungslosen das Licht der Geheimnisse besser unmittelbar sich eingießen, statt dass ihm irgendeine Besprechung vorausging. So öffnet denn eure Ohren und kostet des süßen Wohlgeruches des ewigen Lebens, der euch mit der Gabe der Sakramente eingehaucht wurde! Denn das wollten wir euch zu verstehen geben, als wir bei der geheimnisvollen Zeremonie der apertio die Worte sprachen: „Epheta, das heißt öffne dich!“
6 Minuten
Wenn ihr mit der Gnade des allmächtigen Gottes zu unserem hochwürdigsten Bruder, dem Bischof Augustinus, kommt, dann sagt ihm, dass ich über eine Angelegenheit der Engländer lange mit mir zu Rate gegangen bin. Man soll nămlich bei jenem Volke die Götzentempel keineswegs zerstören, sondern nur die Götzenbilder darin vernichten, Man nehme geweihtes Wasser, besprenge die Götzentempel damit, erbaue Altäre und hinterlege Reliquien darin. Denn da diese Tempel gut gebaut sind, muss man sie aus Opferstätten der bösen Geister in Orte des wahren Gottesdienstes verwandeln. Sieht das Volk, dass man seine Tempel nicht zerstört, so wird es nichtsdestoweniger den Irrtum ablegen, aber sich mit um so größerer Freude zur Erkenntnis und Anbetung des wahren Gottes an die gewohnten Orte begeben. Und weil man dort viele Ochsen den bösen Geistern als Opfer zu schlachten pflegte, so muss auch dieser Gebrauch in irgendeine Festlichkeit umgewandelt werden. Am Tag der Kirchweihe oder am Feste der heiligen Märtyrer, deren Reliquien sich am betreffenden Orte befinden, sollen sie um die in Kirchen umgewandelten Götzentempel herum Zelte aus Baumzweigen aufschlagen und darin mit frommen Gastmählern ein Fest feiern. Nicht mehr für den Teufel sollen sie ihr Vieh opfern, sondern es zur Ehre Gottes und zur eigenen Nahrung schlachten und, indem sie sich sättigen, dem Geber aller Dinge Dank sagen. Wenn man ihnen auf solche Weise einige äußere Freude lässt, werden sie den inneren Freuden leichter zugänglich sein. Denn offenbar ist es unmöglich, noch unerweichten Gemütern alles auf einmal zu nehmen. So muss ja auch, wer den höchsten Punkt zu erreichen sucht, stufen- und schrittweise zu ihm emporsteigen, nicht mit Sprüngen.
5 Minuten
Eifersüchtig zu sein auf das Gute, das man sieht, und die Besseren zu beneiden, erscheint manchen nur als ein leichtes und geringes Vergehen, geliebteste Brüder, und indem man es nur für leicht und gering hält, fürchtet man es nicht, indem man es nicht fürchtet, achtet man nicht darauf, indem man nicht darauf achtet, lässt es sich nur schwer meiden, und so entsteht daraus ein verborgenes und verstecktes Unheil, das die unvorsichtigen Herzen unvermerkt zugrunde richtet; denn man durchschaut es zu wenig, als dass man sich vorsichtig davor hüten könnte. Nun hat doch aber der Herr uns befohlen, klug zu sein, und uns eingeschärft, mit ängstlicher Sorge zu wachen, damit nicht unser Widersacher, der selbst stets wachsam ist und beständig lauert, die Funken zum Brand entfache, sobald er in die Brust sich eingeschlichen hat, damit er nicht aus Kleinem Großes mächtig aufhäufe und durch Sturm und Wetter, die er erregt, den Zusammensturz des Glaubens und des Heiles und den Schiffbruch des Lebens herbeiführe, indem er die Lässigen und Arglosen mit milderem Hauch und sanfterem Wehen umschmeichelt.
4 Minuten
Hast du nicht gehört, was uns die alte Geschichte über Lot und seine Töchter berichtet? Ist er nicht mit seinen Töchtern, nachdem er den Berg erreicht hatte, gerettet worden, während sein Weib zu einer Salzsäule wurde, ein Denkmal für ewige Zeit, eine Erinnerung an ihr unseliges Verlangen und Umschauen. Habe acht auf dich! Wenn du die Hand an den Pflug gelegt hast, wende dich nicht wieder um nach dem salzigen Treiben dieses Lebens! Fliehe vielmehr auf den Berg zu Jesus Christus, dem Stein, der ohne menschliches Zutun sich losgerissen und den Erdkreis erfüllt hat!
5 Minuten
Wehe einem Wege, auf dem niemand wandelt, auf dem man keines Menschen Stimme hört! Er ist ein Aufenthaltsort wilder Tiere. Wehe einer Seele, in der der Herr nicht wandelt, aus der auf seine Stimme hin die geistigen Tiere der Bosheit nicht fliehen! Wehe einem Hause, in dem sein Herr nicht wohnt! Wehe einem Felde, das kein Landmann bebaut! Wehe einem Schiffe, das keinen Steuermann hat: es wird von den Meereswellen und Wogen umhergeworfen und geht zugrunde. Wehe einer Seele, die den wahren Steuermann, Christus, nicht in sich hat: sie wird auf dem bitteren Meer der Finsternis von den Wogen der Leidenschaften umhergetrieben und von den bösen Geistern bedrängt; Verderben ist schließlich ihr Los. Wehe einer Seele, die nicht Christus in sich hat, der sie sorgfältig bebaut, auf daß sie gute Früchte des Geistes bringen kann: sie ist eine Wüste voll Dornen und Disteln, und schließlich ist Verbrennen im Feuer ihr Anteil. Wehe einer Seele, in der nicht Christus, ihr Herr, wohnt: sie ist eine Wüste, erfüllt vom Gestank der Leidenschaften, eine Stätte der Bosheit.
6 Minuten
„Und sie gingen“, heißt es, „schnell vom Grabe weg in Furcht und großer Freude“. Die Frauen gehen in das Grab hinein, um teilhaftig zu werden des Begrabenseins, Genossinnen des Leidens zu sein; sie gehen aus dem Grab heraus, um im Glauben aufzuerstehen, noch ehe sie auferstanden waren im Fleische. „Sie gingen hinweg in Furcht und großer Freude.“ Wo bleibt denn nun das Wort: „Fürchtet euch nicht“? Die Furcht ist nicht hinweggenommen, sondern umgewandelt. Verschwunden ist die Furcht wegen der Schuld, geblieben aber die Furcht der Knechtschaft. Schlecht ist die Furcht ob der Schuld, gut aber die Furcht aus Verehrung.
4 Minuten
Wenn irgendeine Segnung der Patriarchen, die auf den Geist Gottes sich stützt, wenn irgendein Gut der geistigen Gesetzgebung in Folge der Verheißung von Denen gehofft wird, die einen guten Lebenswandel führen, wenn man glaubt, dass in den geschichtlichen Sinnbildern irgend eine Wahrheit vorher verkündet sei, wenn irgend eine prophetische Stimme das Übernatürliche als frohe Botschaft uns verkündet, so ist Das alles im heutigen Gnadengeschenke enthalten. Und wie in dem unseren Augen sich darbietenden Anblick ein Licht uns umstrahlt, das aus unzähligen Lichtquellen in unsere Augen strömt, so wird uns durch die ganze Segnung Christi, welche wie ein Feuermeer durch sich selbst leuchtet, dieses große Licht verschafft, das aus vielen und mannigfaltigen Strahlen der Schrift zusammengesetzt ist. Denn aus jedem der göttlichen Aussprüche kann man Etwas entnehmen, was der heutigen Festfeier entspricht.
4 Minuten
In unserer letzten Predigt haben wir euch, wie wir glauben, in wohlberechtigter Weise die Teilnahme am Kreuzestode Christi empfohlen; soll doch das Ostergeheimnis im Leben der Gläubigen ein Echo finden und auch in unserem Wandel zum Ausdruck kommen, was wir an diesem Festtag feiern! Welchen Nutzen eine solche Teilnahme bringt, das habt ihr an euch selbst erfahren: Aus eueren frommen Übungen habt ihr gelernt, wie sehr es für Leib und Seele von Vorteil ist, längere Zeit hindurch zu fasten, öfters zu beten und reichlicheres Almosen zu spenden; denn es gibt wohl keinen unter euch, der nicht durch diese Selbstverleugnung gefördert worden wäre und nicht in der Tiefe seines Herzens etwas geborgen hätte, worüber er sich mit Recht freuen könnte. Allein dieser Gewinn muss dauernd gehütet werden, damit sich unser frommer Eifer nicht in Lauigkeit verwandle und uns der neidische Satan nicht rauben kann, was wir durch Gottes Gnade erreicht haben. Da wir also deshalb das vierzigtätige Fasten beobachteten, um während der Leidenszeit des Herrn an uns selbst einigermaßen sein Kreuz zu verspüren, müssen wir auch darnach streben, als Teilnehmer an seiner Auferstehung zu erscheinen. Schon während unserer irdischen Wanderschaft müssen wir vom Tode zum Leben übergehen. Jeder Mensch, der irgendeine Umwandlung durchmacht, hört auf zu sein, was er war, und beginnt zu sein, was er nicht war.
3 Minuten
Gestern wurde ich mit Christus gekreuzigt, heute werde ich mit ihm verherrlicht. Gestern wurde ich mit ihm getötet, heute werde ich mit ihm zum Leben gerufen. Gestern wurde ich mit ihm begraben, heute werde ich mit ihm auferweckt. Wohlan, bringen wir Opfer dem, der für uns gelitten hat und auferstanden ist! Ihr denkt vielleicht an Gold oder Silber oder feines Gewebe oder glänzende und kostbare Steine, an vergängliche, irdische, niedrige Stoffe, woran immer die Bösen und die Diener der Erde und des Fürsten dieser Welt größeren Anteil haben. Opfern wir uns selbst, den Gott teuersten und eigensten Besitz! Geben wir dem Bilde das, was nach dem Bilde geschaffen ist, erkennen wir unsere Würde, halten wir das Urbild in Ehren! Erfassen wir die Bedeutung des geheimnisvollen Festes und den Zweck des Todes Christi!
3 Minuten
Lasst uns weder die Hoffnung aufgeben, noch auch nur der Trägheit verfallen: denn das ist beides verderblich. Denn die Verzweiflung lässt den, der da liegt, nicht erstehen, die Trägheit aber bringt auch den, der da steht, zum Falle; jene beraubt uns der Güter, die wir schon gewonnen haben; diese lässt uns nicht befreit werden von den Übeln, unter denen wir seufzen. Die Trägheit stößt uns aus dem Himmel selbst, die Verzweiflung führt bis auf den Abgrund der Bosheit, wie das Vertrauen schnell daraus erhebt. Betrachte nur die beiderseitige Kraft.
4 Minuten
Gott, der uns erschaffen hat, gab uns den Gebrauch der Rede, damit wir einander die Gesinnung des Herzens offenbaren und dank der gemeinsamen Natur einander die Gedanken mitteilen, die wir aus den Gründen des Herzens wie aus Vorratskammern hervorholen. Beständen wir nur aus Seele, so könnten wir unmittelbar gegenseitigen Gedankenaustausch pflegen. Nun arbeitet aber unsere Seele unter einer Fleischeshülle verborgen ihre Gedanken aus; sie braucht also Worte und Namen, um das in der Tiefe Ruhende kund zu tun. Hat dann unser Geist einen bestimmten Ausdruck gefunden, so fährt er in der Rede wie in einem Kahn dahin, durchfurcht die Luft und geht vom Redenden zum Hörenden über. Findet er tiefe Stille und Ruhe vor, so landet die Rede in den Ohren der Schüler wie in ruhigem, sicherem Hafen. Bläst ihr aber wie ein wilder Sturm der Lärm der Zuhörer entgegen, so verhallt sie in der Luft und erleidet Schiffbruch. Schafft also mit Schweigen Ruhe für die Rede: vielleicht enthält sie etwas Wertvolles, was ihr mitnehmen könnt.
4 Minuten
Gott, der uns erschaffen hat, gab uns den Gebrauch der Rede, damit wir einander die Gesinnung des Herzens offenbaren und dank der gemeinsamen Natur einander die Gedanken mitteilen, die wir aus den Gründen des Herzens wie aus Vorratskammern hervorholen. Beständen wir nur aus Seele, so könnten wir unmittelbar gegenseitigen Gedankenaustausch pflegen. Nun arbeitet aber unsere Seele unter einer Fleischeshülle verborgen ihre Gedanken aus; sie braucht also Worte und Namen, um das in der Tiefe Ruhende kund zu tun. Hat dann unser Geist einen bestimmten Ausdruck gefunden, so fährt er in der Rede wie in einem Kahn dahin, durchfurcht die Luft und geht vom Redenden zum Hörenden über. Findet er tiefe Stille und Ruhe vor, so landet die Rede in den Ohren der Schüler wie in ruhigem, sicherem Hafen. Bläst ihr aber wie ein wilder Sturm der Lärm der Zuhörer entgegen, so verhallt sie in der Luft und erleidet Schiffbruch. Schafft also mit Schweigen Ruhe für die Rede: vielleicht enthält sie etwas Wertvolles, was ihr mitnehmen könnt.