Kennt Ihr die Faszination des Neuen? Etwas Neues erleben, einen
Tapetenwechsel, mal ein neues Outfit kaufen oder neue
Gedankenansätze hören.
Das wollen wir doch immer wieder. Menschen suchen Neues. Wir
lesen in den Evangelien, dass sich viele aufmachten, um Johannes
den Täufer zu hören und später, um Jesus zu hören. Da hat jemand
etwas Spannendes, Neues zu bieten.
Und auf der anderen Seite tun wir uns mit Veränderungen so
schwer. Selbst kleine Routinen, wie das Aufstehen zu einer
anderen Uhrzeit oder mit dem anderen Bein zuerst in die Hose zu
steigen, kosten uns Überwindung.
Große Veränderungen wie ein Umzug oder eine Lebensstilveränderung
machen uns Angst. Wir versuchen diese Veränderungen zu vermeiden.
Ich denke, es sind viel mehr Menschen aus Neugier zu Johannes in
die Wüste gegangen, als seiner Aufforderung nach Umkehr, nach
Veränderung auch zu entsprechen.
Aber was ist der Unterschied zwischen unserem Wunsch nach Neuem
und der mir erst einmal unangenehmen Veränderung?
Einmal geht es um die Entscheidung bzw. die Freiwilligkeit. Es
ist etwas anderes, ob ich mich entscheide umzuziehen, weil ich
einen Tapetenwechsel brauche oder ob ich umziehen muss, weil ich
mit dem Bestehenden überfordert bin oder der Vermieter kündigt.
Der andere Aspekt sind die Konsequenzen. Wenn ich mir etwas Neues
kaufe, so sind die Konsequenzen, der Preis bekannt. Ich weiss,
was ich opfern, einbringen muss. Ist mir der Preis zu hoch,
verzichte ich auf das Neue.
Bei größeren Veränderungen ist uns häufig der Preis zu hoch.
Damit ist nicht Geld gemeint, sondern Verzicht auf etwas, was uns
wichtig ist. Das kann zum Beispiel die gute Nachbarschaft sein,
die Schokolade am Abend oder das Loslassen von Feindbildern. Die
Veränderung ist es mir nicht wert, darauf zu verzichten.
Oder ich kenne die Konsequenzen nicht. Die Unsicherheit, wie es
sein wird, ist oft noch schlimmer, als zu wissen, was passiert.
Was hilft trotzdem eine Veränderung einzugehen oder auch zu
akzeptieren:
Erstens: Begleitung. Jesus verspricht uns, jeden Weg mitzugehen
und mitzutragen. Egal, was passiert, Jesus ist bei mir und hält
zu mir. Wir müssen nicht allein durch, auch dann nicht, wenn wir
einen Fehler gemacht haben; auch den müssen wir nicht allein
ausbaden.
Zweitens: Erlauben wir uns den Verlust zu betrauern und dann auch
bewusst loslassen. Dazu gehört auch ehrlich zu mir selbst zu
sein, was ich als Verzicht erlebe. Trauen wir uns, diesen Verlust
an Gott zu klagen.
Drittens: Sehen wir das Positive, das die Veränderung bringt.
Bringt sie mir mehr Lebendigkeit, mehr Freiheit, mehr Liebe?
Führt sie mich mehr zu mir selbst oder näher zu Jesus? Wir
brauchen die positive Perspektive, ein Ziel.
Ich wünsche uns allen den Mut, uns an Jesu Hand auf Veränderungen
einzulassen. Eure Christine Sommer
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