Bei meiner morgendlichen Andacht hörte ich einen Vers aus
Offenbarung 3: Hör doch! Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer
meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich
eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir.
Allerdings hörte ich den Vers in Englisch und da lautet der
letzte Satz: Ich werde bei ihm eintreten und mit ihm zusammen
essen und er mit mir.
Ich hörte diesen Satz während des Frühstücks. Ganz gemütlich saß
ich auf unserer Terrasse, leckeren Kaffee und Marmeladenbrot vor
mir, der Wind rauschte, angenehme Temperaturen, grün um mich
herum - und mein Herz horchte auf.
Jesus klopft bei mir an. Freut sich, wenn ich ihn einlasse - um
dann mit mir zusammen am Tisch zu sitzen und zu essen.
Gemeinschaft mit mir zu haben. Zu sein.
Es hat mich an einen Satz einer mir lieben Pfarrerin erinnert -
als sie das Kirchenfest „Die Kirche bleibt im Dorf“ mit folgenden
Worten eröffnete: In unseren Häusern haben wir viele Räume. Jeder
Raum hat einen bestimmten Zweck - so wie wir auch bestimmten
Rollen in unserem Leben haben.
Die Kirche - das Gotteshaus - ist ein Raum, der zwecklos ist. Ein
Ort, wo wir einfach kommen dürfen - und sind. Wo Gott da ist - am
Tisch sitzt und mit uns ist.
Wie oft meine ich, dass es in Gottes Haus darum geht heiler,
reifer, lebendiger, gottesfürchtiger, frommer zu werden…
gestärkt zu werden, Klarheit zu bekommen, Angst hinter mir zu
lassen, keinen Mangel mehr zu empfinden, Bedürfnisse gestillt zu
bekommen…
JA, das ist für mich eigentlich das RADIKALE an Jesus - an dem
Dreieinigen Gott - dass ICH sein darf vor ihm. Er empfängt mich,
nimmt mich in die Arme - ohne dass ich irgendwas davor oder
danach tun muss. Ich muss nicht erst „rein, fromm“ werden, um zu
kommen, sozusagen richtig „christlich“ leben - und ich muss auch
danach nicht „sündfreier“, heiler, richtiger leben -
Ich darf sein, weil JESUS zu mir kommt, weil JESUS überwunden
hat.
Ich glaube und erlebe - dass die Gemeinschaft mit Jesus, das mit
ihm am Tisch sitzen, SEIN, immer etwas in mir wirkt - das geht
mit Gott gar nicht anders -
ABER das ist nicht der Grund des Zusammenseins - das ist nicht
der Zweck der Gemeinschaft.
Ich merke, wie schwer mir das im Tiefen zu leben fällt: mit Gott
zu sein - am Tisch zu sitzen, Zeit mit ihm zu genießen - OHNE
dass es mir oder ihm zu irgendetwas „dienen“ muss.
Das buchstabiere ich diesen Sommer. Zu sein. Mich auszuhalten mit
meinen unangenehmen Gefühlen - ohne sie „wegzubeten“ oder von
Jesus zu erwarten, dass er sie wegnimmt. Sondern mit ihm zusammen
da zu sein - in seinem Haus, in seiner Gegenwart.
Wie schön, dass unsere Kirche im Dorf ist, die Tür offen - so
dass ich einfach eintreten kann und mich zu ihm setzen kann. Er
ist da und wartet. Auch auf dich.
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