Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
  1. Startseite
  2. Podcasts
  3. BehindBlueEyes.de Podcast

Episoden

3 Minuten
Wer heute von der CDU verlangt, dass sie sich vorrangig als Hüterin der Brandmauer definiert, mit Straßenprotesten am Bebelplatz auf Linie gebracht werden soll und gefälligst wie eine SPD mit konservativem Anstrich aufzutreten hat, übersieht ein fundamentales Funktionsprinzip unserer Demokratie: Wähler wählen Parteien wegen ihres eigenen Profils und nicht wegen der Erwartungen ihrer politischen Gegner.

Wenn die größte Regierungsfraktion ihre eigentlichen Inhalte nicht mehr spürbar durchsetzt, verliert das System seine Glaubwürdigkeit. Das Phänomen ist längst messbar: Wähler, die ihr Kreuz bei der Union machen, erwarten eine pragmatische, Mitte-Rechts-orientierte Politik. Bekommen sie stattdessen Verwässerung und ständigen Rechtfertigungsdruck, führt das nicht zu mehr Ruhe in der Mitte. Es führt zu Politikverdrossenheit. Die Menschen wenden sich ab, gehen nicht mehr zur Wahl oder wandern im schlimmsten Fall an die Ränder ab.

Kommentieren und diskutieren:

⁠BehindBlueEye.de⁠

⁠Bluesky⁠

⁠Threads

⁠X
5 Minuten
Netflix wagt sich an eine der beliebtesten Fantasy-Welten der Literaturgeschichte und verpasst den Chroniken von Narniaein umfassendes Reboot. Unter der Regie von Greta Gerwig steht uns eine spektakuläre Rückkehr bevor – doch diesmal weicht der Streaming-Riese von seinen gewohnten Pfaden ab. Statt direkt in den verschneiten Wald hinter dem Kleiderschrank zu springen, geht das Projekt dorthin zurück, wo alles begann, und feiert gleichzeitig eine echte Kinopremiere.

Wer an Narnia denkt, hat meist sofort die Geschwister Pevensie, die weiße Hexe und den mächtigen Löwen Aslan vor Augen. Doch Greta Gerwig setzt für den Auftakt auf das Buch Der Neffe des Magiers, das chronologisch zwar die Vorgeschichte erzählt, bei bisherigen Verfilmungen aber stets übergangen wurde. Damit betritt das Projekt echtes Neuland auf der Leinwand. Die Geschichte führt uns direkt zur Entstehung Narnias: Wir erleben, wie der magische Gesang Aslans eine völlig neue Welt erschafft, wie die böse Hexe Jadis ihren Weg dorthin findet und welches Geheimnis sich hinter den magischen Ringen und dem Ur-Kleiderschrank verbirgt. Es ist eine faszinierende Ursprungsgeschichte voller Magie, Entdeckungsdrang und düsterer Geheimnisse, die das Narnia-Universum aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet.

Für Netflix bedeutet dieses Projekt aber auch in geschäftlicher und strategischer Hinsicht eine kleine Revolution. Lange Zeit galt beim Streaming-Dienst die eiserne Regel, dass eigene Produktionen exklusiv oder nur mit sehr kurzen Zeitfenstern im Kino gezeigt werden. Bei Narnia bricht Netflix nun bewusst mit Traditionen: Der Fantasy-Epos erhält ein echtes, weltweites Kinofenster inklusive IMAX-Start. Fans können das spektakuläre Weltenbauen also zuerst dort erleben, wo gigantische Bilder und imposanter Sound am besten wirken – auf der großen Leinwand. Erst im Anschluss wandert der Film in das Streaming-Angebot.

Doch Der Neffe des Magiers ist erst der Anfang. Netflix hat sich bereits die umfassenden Rechte an allen sieben Büchern von C.S. Lewis gesichert. Der Deal mit Regisseurin Greta Gerwig umfasst aktuell mindestens zwei Filme, wobei hinter den Kulissen längst an einer noch größeren Vision gearbeitet wird: Langfristig fasst Netflix ein ganzes Multiversum ins Auge, das neben mehreren Spielfilmen auch Serien-Spin-offs umfassen könnte. Nach der Ursprungsgeschichte soll der Weg wie gewohnt zu den bekannten Klassikern wie Der König von Narnia führen, um die Welt Stück für Stück auszubauen und erstmals die gesamte Buchreihe chronologisch zu verfilmen.

Inzwischen ist auch der erste offizielle Trailer erschienen – und wie so oft bei großen Neuinterpretationen gehen die Meinungen im Netz bereits weit auseinander. Während die einen die optische Umsetzung und Gerwigs Stil feiern, zeigen sich andere skeptisch gegenüber den ersten Eindrücken. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nach den ersten bewegten Bildern noch nicht hundertprozentig, was ich davon halten soll. Aber bevor man das Projekt wegen einzelner Szenen voreilig abschreibt, sollte man der Vision eine faire Chance geben. Am Ende entfaltet sich die wahre Magie einer solchen Welt auf der großen Leinwand – und genau dort sollte man sich erst ein eigenes Urteil bilden.

Kommentieren und diskutieren:

⁠BehindBlueEye.de⁠

⁠Bluesky⁠

⁠Threads

⁠X
4 Minuten
Manchmal fallen persönliche Empfindungen und die harte politische Realität auf eine Art zusammen, die nachdenklich stimmt. Der Rücktritt von Bärbel Bas von ihren Ämtern als Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende ist so ein Moment.

Ich gebe es ehrlich zu: Als Bundestagspräsidentin fand ich Bärbel Bas richtig gut. Sie hat das zweithöchste Amt im Staat mit Würde, Klarheit, Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern und der nötigen Unabhängigkeit ausgeübt. Als sie dann das Arbeitsressort übernahm, war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch.

Doch in der Rolle der Ministerin blieb sie für mich irgendwie merkwürdig blass. Es wirkte oft so, als hätte sie ihren Platz im Kabinett nie ganz gefunden. Zwischen den Zwängen der Koalitionsdisziplin und der harten politischen Debatte fehlte mir die gewohnte Präsenz, die sie im Parlament so ausgezeichnet hatte.

Die Beweggründe, die sie nun zu ihrem Rücktritt veranlasst haben, sind zutiefst traurig. Nach dem Tod ihrer Stieftochter braucht sie Zeit zur Trauer und Aufarbeitung. Dass sie in einer so belastenden Phase zusätzlich noch öffentlichen Angriffen und politischem Druck ausgesetzt war, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack. In solchen Momenten zeigt die Politik oft ihre unbarmherzigste Seite.

Was mich bei all dem jedoch maßgeblich stört, ist die Mechanik der Verkündung: Kaum war der Rücktritt öffentlich, stand mit Alexander Schweitzer bereits der Nachfolger fest. Natürlich ist mir völlig klar, wie Politik und Parteien funktionieren. Solche Entscheidungen werden intern nicht erst am Morgen der Bekanntgabe getroffen, und eine handlungsfähige Regierung braucht schnelle Klarheit. Doch muss man das der Öffentlichkeit punktgenau so servieren?

Hätte man sich mit der Verkündung der Nachfolge nicht vielleicht zwei oder drei Tage Zeit nehmen können? Einfach, um innezuhalten. Um Respekt vor der persönlichen Situation einer Kollegin zu zeigen und ein Signal zu senden: Hier arbeiten immer noch Menschen.

Durch diese unmittelbare Stafettenübergabe wird einmal mehr das typische Credo der modernen Arbeits- und Wirtschaftswelt befeuert: Jeder ist sofort ersetzbar. Die Rädchen greifen nahtlos ineinander, der Betrieb läuft ohne eine Sekunde Verzögerung weiter. Einem politischen Berlin, das ohnehin oft mit dem Vorwurf der Entfremdung und Gefühlskälte zu kämpfen hat, hätte ein kurzes Moment des Durchatmens guttun können.

Bärbel Bas verdient Respekt für ihren Schritt, Konsequenzen aus einer extrem schweren Lebensphase zu ziehen. Dem Politikbetrieb hätte etwas mehr Anstand gut zu Gesicht gestanden.

Kommentieren und diskutieren:

⁠BehindBlueEye.de⁠

⁠Bluesky⁠

⁠Threads

⁠X
8 Minuten
Wenn ich ehrlich bin, gehört Minecraft für mich in die Kategorie „Phänomene, die ich vor allem vom Hörensagen kenne“. Natürlich begegnet mir das Spiel immer wieder. Ich weiß, dass dort Millionen von Menschen – allen voran jüngere Generationen – aus bunten Klötzen ganze Städte, Fantasiewelten oder gigantische Bauwerke zusammensetzen. Eine digitale Welt aus bunten Pixeln, ein bisschen wie der Lego-Baukasten des 21. Jahrhunderts. Ganz nett vielleicht, aber ich persönlich kann mit dem Spiel absolut nichts anfangen.

Umso verblüffter bin ich, wenn ich auf Projekte stoße, die mein Bild von dieser Klötzchenwelt komplett auf den Kopf stellen. Denn Minecraft ist längst nicht mehr nur ein Spielplatz für kreative Köpfe oder ein Zeitvertreib für verregnete Nachmittage. Es ist Schauplatz eines der cleversten Projekte für die weltweite Pressefreiheit geworden: „The Uncensored Library“ – die unzensierte Bibliothek.

Die Idee dahinter ist genauso simpel wie genial. In zahlreichen Ländern der Erde – man denke an Staaten wie Ägypten, Vietnam, Saudi-Arabien, Mexiko oder Russland – herrscht eine strenge staatliche Zensur. Unabhängige Medien werden verboten, Internetseiten gesperrt oder kritische Journalisten werden mundtot gemacht, inhaftiert oder im schlimmsten Fall sogar ermordet. Die Mächtigen versuchen mit aller Macht, die Kontrolle über Informationen im eigenen Land zu behalten.

Doch während Nachrichtenseiten und soziale Netzwerke im Handumdrehen blockiert werden, gilt das für Videospiele meist nicht. Minecraft ist in fast all diesen Ländern weiterhin völlig frei zugänglich. Genau diese Lücke nutzte die Organisation Reporter ohne Grenzen gemeinsam mit der Designagentur Blockworks.

Sie bauten im Spiel einen gigantischen, neoklassizistischen Palast aus mehr als 12,5 Millionen digitalen Blöcken. Ein architektonisches Meisterwerk im Spiel, aber der wahre Schatz liegt im Inneren.

In den Hallen dieser virtuellen Bibliothek stehen unzählige Buchständer. Und die Bücher darauf kann man tatsächlich aufschlagen und lesen. Darin befinden sich Artikel, Recherchen und Berichte von Journalisten, die in ihrer Heimat längst verboten oder zensiert wurden.

Über das Spiel erhalten Menschen in Ländern mit unterdrückter Pressefreiheit plötzlich wieder Zugang zu verifizierten, unabhängigen Nachrichten. Die Texte sind schreibgeschützt, können von niemandem gelöscht werden und stehen sowohl auf Englisch als auch in der jeweiligen Originalsprache zur Verfügung

Kommentieren und diskutieren:

⁠BehindBlueEye.de⁠

⁠Bluesky⁠

⁠Threads

⁠X
6 Minuten
Es ist eine Strategie, die inzwischen mit mathematischer Präzision funktioniert: Man provoziert, bricht gesellschaftliche Konsense, relativiert Unrecht, und sobald die demokratische Zivilgesellschaft oder die freie Wirtschaft Konsequenzen zieht, schlüpft man augenblicklich in das maßgeschneiderte Gewand des Verfolgten. Die AfD hat die politische Opferrolle nicht nur perfektioniert, sie hat sie in Magdeburg zu ihrer Meisterdisziplin erhoben. Gleich zwei Ereignisse aus dieser Woche führen dieses Schauspiel lehrbuchhaft vor Augen, denn in beiden Fällen wird nach bewährtem Muster nur die Hälfte der Geschichte erzählt, um das Narrativ der armen, benachteiligten Partei zu füttern.

So wollte beispielsweise am Jahrestag des antisemitischen Anschlags von Halle der neugewählte stellvertretende Landtagspräsident Hans-Thomas Tillschneider an der Gedenkveranstaltung vor der Synagoge teilnehmen, woraufhin ihm jüdische Studierende den Zutritt versperrten. Das AfD-Echo ließ nicht lange auf sich warten und prangerte lautstark an, dass ein gewählter Repräsentant des Landtags ausgegrenzt und der Volkswille missachtet werde. Was diese Erzählung jedoch komplett verschweigt: Wer Respekt einfordert, muss ihn zuerst vorleben. Tillschneider selbst hat die rassistischen Anschläge in der Vergangenheit relativiert, indem er die Tat eines rechtsextremen Gewalttäters als das Werk eines bloß verwirrten Mannes abtat. Wer kontinuierlich den Nährboden für Antisemitismus und Hetze bereitet und Dinge anders sieht, als er sie an solchen Tagen vorgibt zu achten, kann nicht erwarten, am Ort des Traumas als Schein-Gedenkender willkommen zu sein. Es war kein Ausschluss aus Machtwillkür, sondern eine notwendige Grenzziehung der Zivilgesellschaft gegen Zynismus und Heuchelei.

Ein ähnliches Bild zeigte sich, als die BMW Group ihr Leasingangebot an den Landtag in Sachsen-Anhalt zurückzog. Auch hier schallte der Aufschrei aus den Reihen der Partei umgehend durch die Netzwerke, man sprach von Diskriminierung und der Verächtlichmachung staatlicher Institutionen. Doch auch in dieser Opfer-Erzählung geht die entscheidende Begründung des Konzerns völlig unter. Wirtschaft braucht Weltoffenheit, internationale Vernetzung und Toleranz. Genau diese Werte stehen im direkten Widerspruch zum Programm der AfD, das explizit vor kulturfremden Menschen warnt und den Wirtschaftsstandort durch Isolation gefährdet. Wenn ein Unternehmen entscheidet, dass seine Marke nicht als Kulisse für eine solche Politik herhalten soll, ist das kein politischer Übergriff, sondern schlicht die konsequente Ausübung von Unternehmerfreiheit.

Das eigentliche Problem reicht jedoch über die reinen Inszenierungen der Partei hinaus, denn es stellt sich die drängende Frage, warum auch die Medien immer wieder so geschickt in dieses Spiel involviert werden und mitwirken. In der Hektik der täglichen Berichterstattung wird die lautstarke Empörung oft unkritisch übernommen, während die entscheidenden inhaltlichen Hintergründe und Begründungen selten gleich mitgeliefert oder hinterfragt werden. Indem Journalisten die Behauptungen der Partei vorrangig als reine Verfolgung abbilden, ohne den Kontext und das eigene Fehlverhalten der Akteure sofort offenzulegen, werden sie ungewollt zu Erfüllungsgehilfen. Sie liefern der AfD genau die Bühne, die sie braucht, um sich in ihrer Opferrolle weiter einzurichten.

Um der Öffentlichkeit das „ganze Bild“ zu zeigen, braucht es Medien, die den Dingen unaufgeregt und konsequent auf den Grund gehen. Dieser Beitrag ist daher auch ein Plädoyer für einen starken, politisch unabhängigen Rundfunk.

Kommentieren und diskutieren:

⁠BehindBlueEye.de⁠

⁠Bluesky⁠

⁠Threads

⁠X
In Podcasts werben
Schalte jetzt Werbung in Podcasts.

Über diesen Podcast

BehindBlueEyes.de ist mein persönlicher Blick auf die Welt, geschrieben und gesprochen in Dresden. Hier gibt es klare Meinungen zu Politik und Zeitgeschehen, durchmischt mit spannenden Anekdoten aus dem Leben. Ehrlich, sarkastisch und immer hörenswert.
Podcast melden

„BehindBlueEyes.de“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz