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Beschreibung
vor 4 Tagen
Wer viel Kultur konsumiert, neigt mit der Zeit dazu, einen
gewissen Schutzpanzer aufzubauen. Die Ansprüche steigen, man hat
schon viel gesehen und es braucht immer mehr, um echte, tief
sitzende Begeisterung auszulösen. Mit genau dieser Haltung und,
um ehrlich zu sein, recht gemischten Erwartungen machte ich mich
gestern auf den Weg in die Staatsoperette Dresden, um mir die
Vorstellung von „Pippin – Die Kunst des Lebens” anzusehen. Ich
hatte mir im Vorfeld die Inhaltszusammenfassung durchgelesen und
mich gedanklich bereits auf ein schweres psychologisches Drama
eingestellt. Die Geschichte eines jungen Prinzen, der verzweifelt
nach dem absoluten, außergewöhnlichen Sinn des Lebens sucht,
klang nach existenziellem Tiefgang. Ich erwartete schwere Kost,
bei der man im Zuschauerraum die Stirn in Falten legt und
nachdenklich nach Hause geht.
Das Stück selbst verhandelt schließlich ein Thema, das uns allen
aus dem eigenen Spiegelbild bekannt ist. Es geht um die
universelle, oft schmerzhafte Suche nach dem eigenen Platz in der
Welt, um die Unzufriedenheit mit dem Gewöhnlichen und den Drang,
etwas Einzigartiges zu leisten. Pippin probiert alles aus: Krieg,
Fleischlichkeit, Politik und Revolution. Doch nichts davon füllt
die innere Leere. Dieses Gefühl, niemals ganz zufrieden zu sein
mit dem, was man hat, ist zutiefst menschlich. Doch wenn ich
jetzt, einen Tag später, an meinem Schreibtisch sitze und über
den gestrigen Abend berichte, merke ich noch immer ganz intensiv,
wie begeistert ich war und wie sehr dieser Funke nachwirkt. Von
schwerer Kost im Sinne eines zähen Theaterabends war absolut
keine Spur. Im Gegenteil: Es war ein Rausch.
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