In der aktuellen Folge des systemischen Psychotherapie-Podcasts „Nicht wahr, aber nutzbar“ sprechen Enno und Sebastian mit Dr. Rudolf Klein, dem führenden Experten für systemische Therapie bei Alkoholabhängigkeit. Rudolf blickt auf über 46 Jahre Praxiserfahrung zurück und teilt faszinierende Einblicke in die Entwicklung und Praxis der Suchttherapie. Er erklärt, warum er sich im Laufe seiner Karriere von starren Settings und der strikten Abstinenzforderung als unabdingbare Voraussetzung für eine Therapie gelöst hat, um Hürden für Klient:innen abzubauen.
Highlights dieser Episode:
Zwei Muster der Abhängigkeit: Rudolf beschreibt die Unterschiede zwischen sozial integrierten Klienten und Menschen, die aus allen Bezügen herausgefallen sind, und wie diese Ausgangslagen völlig unterschiedliche therapeutische Haltungen erfordern.
Existentielle Fragen & therapeutische Neugier: Erfahre, warum chronifizierte Sucht oft mit dem Verlust von Zukunftsperspektiven einhergeht und wie Therapeuten durch "Neugierde-Vorschüsse" Klienten dabei helfen können, sich existenziellen Fragen zu stellen ("Wer bin ich geworden? Wer will ich nicht mehr sein?").
Paardynamik & „Haarrisse“: Warum der Glaube von Angehörigen, dass ohne den Alkohol "alles wieder gut" wäre, ein Trugschluss ist. Rudolf zeigt auf, wie Alkohol oft tiefere Konflikte (Haarrisse) in Beziehungen verdeckt und wie man durch Einzel- und Paargespräche wieder eine kommunikative Augenhöhe herstellt.
Alternativen zur Selbstregulation: Wie Klienten durch körperliche Aktivierung (z.B. Laufen oder der Einsatz von Chilischoten) neue Wege finden können, sich selbst zu regulieren und mit dem Suchtdruck umzugehen.
Tipps für Therapeut:innen: Rudolf rät angehenden Therapeut:innen, nicht zu „methodengläubig“ zu sein, sondern sich intensiv mit dem Phänomen des Menschen hinter der Sucht auseinanderzusetzen und Rückfälle als wertvolle Lernchancen zu begreifen.
Eine tiefgründige, lehrreiche und inspirierende Folge für alle, die in der Beratung und Therapie tätig sind oder tiefere Einblicke in die systemische Arbeit mit Suchtphänomenen gewinnen möchten.
Fragen und Anregungen wie immer sehr gerne an: nwan@gmx.de
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