Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Archiv
305 Episoden
1 Stunde 39 Minuten
New York, 1967. Peak Hippie! Im Januar hat ein großes Human Be-In San Francisco zum Zentrum des Hippietum gemacht, das Time Magazine veröffentlicht einen großen Leitartikel, der sich mit der Hippie-Kultur auseinandersetzt und Woodstock lässt auch nicht mehr lange auf sich warten. Und dann sind da diese beiden Broadway-Schauspieler, die ein Musical über die Bewegung machen. Hair popularisiert als vielleicht erstes großes Rock-Musical die Hippies, sorgt für so manchen kleineren und größeren Skandal und füllt die Hallen der Musiktheater. Ein ebenso überraschender wie folgerichtiger Erfolg. Hollywood 1979. Der Vietnamkrieg ist vorbei, die Mansons haben Amerika schockiert, und die Hippiekultur hat lange Platz gemacht für Disco, Punk und Metal. Und dann ist da dieser tschechische Regisseur, Milos Forman, der das Musical Hair zehn Jahre nach dem Hippieboom von der Bühne auf die Leinwand holt. Die Songs behält er bei, aber der ursprünglich sehr losen, episodischen Handlung des Konzeptmusicals verpasst er eine dramaturgische Generalüberholung: In seinem Film geht es um das amerikanische Landei Claude, der, bevor er eingezogen wird, ein paar Tage in New York verbringt. Dort trifft er auf die Hippie-Clique des charismatischen Berger und verliebt sich obendrein in Sheila, eine junge Frau aus besserem Haus. Die Hippies helfen ihm, die Aufmerksamkeit der Angebeteten auf sich zu ziehen und gemeinsam erleben sie eine Zeit von Sex, Drugs, Rock & Roll, Peace und Love. Bis die Realität - und das amerikanische Militär - Claude zurückfordern. Doch einen letzten Moment der Freiheit darf er vor seinem Trip nach Vietnam noch genießen, wenn Berger mit ihm kurz die Rollen tauscht und seiner statt im Militärlager spalier steht. Dumm nur, dass es genau in diesem Moment in den Krieg geht. Der unbeholfene Hippie muss nach Vietnam und am Schluss bleibt von ihm nur ein weißer Grabstein auf dem Soldatenfriedhof, wie es in dieser Zeit viel zu viele gab. Ich habe Hair als junger Mann sowohl auf der Bühne als auch auf der Leinwand gesehen. Und obwohl ich nie ein Hippie war, haben mich beide Versionen damals sehr bewegt, selbst über 20 Jahre nach der Peak-Hippie-Zeit. Johannes, hast oder hattest du irgendwann mal in deinem Leben einen Bezug zur Hippiekultur?
1 Stunde 51 Minuten
Rupert Pupkin pflegt eine Obsession mit Late Night Host Jerry Langford. Er ist sein Lebensinhalt, seine Inspirationsquelle, sein Grund zu leben. Rupert will so sein wie Jerry: Berühmt, lustig und der Mittelpunkt allen Seins. Er träumt davon als gefeierter Comedian Gast in Jerrys Show zu sein. Und als Jerry, in real life, seltsamerweise nicht sein bester Freund sein will und ihm nicht sofort einen Gastauftritt verschafft, beschließt er Jerry zu entführen, um den ihm zustehenden Platz im Promi Olymp zu erpressen. Die Produzenten der Show willigen zähneknirschend ein und Rupert bekommt, was er will. Er darf auftreten, bekommt seine fünf Minuten Ruhm und danach ein paar Jährchen Gefängnis. Ein Film voller unangenehmer Momente, in denen Rupert soziale Normen und Realitäten ignorieren darf. So viele Momente der Fremdscham. Ein Genre der Komik, bei der nicht jeder befreit auflachen kann. Vielen Zuschauern tut diese Art des schwarzen Humors zu sehr weh, als dass sie es lustig finden könnten. Plor, wie gehst du damit um?
1 Stunde 32 Minuten
Enter the Void aus dem Jahr 2010 vom französischen Filmemacher Gaspar Noé wird konsequent aus der Ich-Perspektive seines Protagonisten Oscar erzählt… nur, dieser Oscar stirbt bereits nach den ersten 25 Filmminuten. Wie also diese radikale POV beibehalten? Frei nach dem Motto “Beim Sterben siehst du dein ganzes Leben an deinem inneren Auge vorbeirasen” erlebt Oscar noch einmal seine Geschichte, die ihn zu diesem Ende geführt hat: Wie er und seine jüngere Schwester Linda eine glückliche Kindheit erleben. Wie ihre Eltern bei einem Verkehrsunfall sterben. Wie sich die innig verbundenen Geschwister ewige Treue schwören und dann doch voneinander getrennt werden. Oscar lebt schließlich als junger Erwachsener in Tokio und holt Linda zu sich. Während Sie in einem Stripclub arbeitet, versucht er sich als Drogendealer über Wasser zu halten. Das Schicksal schlägt erbarmungslos zu, als Oscar von einem seiner Kontakte an die Polizei verraten wird. Zugedröhnt mit DMT begeht er einen fatalen Fehler und wird auf der Toilette einer heruntergekommenen Bar erschossen. Der Kreis zum Beginn schließt sich… …Nur in diesem Moment sind gerade mal die ersten 85 Minuten von diesem fast dreistündigen Ungetüm von einem Film vorbei. Was folgt, ist ein Mäandern von Oscars Seele durch Raum und Zeit. Weil er versprochen hat, Linda nie zu verlassen, schwebt er als Geist über den Neonlichtern Tokios: Eindrücke von den Ereignissen nach seinem Tod mischen sich mit Erinnerungen, mit Farben, mit abstrakten Strukturen. Er betritt die Wahrnehmung anderer Menschen und verlässt sie wieder. Wir sehen die brutale Realität, alptraumhafte Visionen, Träume, Hoffnungen, Ängste. Ideen des tibetischen Totenbuches, Drogentrips, flackernde Lichter, Sex und Gewalt, bis wir schließlich durch die POV einer Vagina der Zeugung von neuem Leben beiwohnen dürfen (wenn ihr wisst, was das visuell bedeutet, dann wisst ihr es)… vielleicht die Wiedergeburt Oscars, vielleicht aber auch nur die letzten Eindrücke eines Sterbenden auf einem schlechten Trip. Enter the Void, hinein in die Leere: Spiritualität, Rausch, das Mäandern einer rastlosen Seele, Padmasambhava, Bach, Haeckel, Anger und vor allem flackernde Neonlichter und Motion Sickness. Ein gefühlt endloses Wabern durch Raum und Zeit… Film als Trip, Film als spiritueller Porno... Uff. Johannes, wenn ich dir so etwas gebe, kann - wie schon in der Vergangenheit - die erste Frage eigentlich nur so lauten: Wie erschöpft hast du dich nach diesem Film gefühlt?
1 Minute
Ein Herz und eine Krone, was für ein schlimmer Titel für einen so wunderbaren Film! Wir dürfen Audrey Hepburn in ihrem ersten Großen Film dabei zusehen, wie sie das Dasein als Prinzessin mit strengen Zeitplänen, all work and no play, satt hat und sich aus der Botschaft fort stiehlt um Rom auf eigene Faust zu erkunden. Der Journalist Joe, der die Prinzessin eigentlich hätte interviewen sollen, stolpert in der Nacht über sie, ohne sie zu erkennen. Bei der ersten Begegnung kann er nicht allzu viel mit ihr anfangen, aber als er die Prinzessin in ihr erkennt, sieht er seine Chance DIE Sensationsstory schreiben zu können, wenn er ihr nur lang genug auf den Fersen bleibt und private Details aus ihr heraus holt. Nun, ihr ahnt es vielleicht schon. Natürlich verliebt er sich in sie, sie verliebt sich in ihn, und die beiden haben einfach die beste Zeit, die man in Rom haben kann. Dass Audrey als Prinzessin andere Verpflichtungen hat, kickt in den letzten Minuten des Films erst wieder rein. Und das Unvermeidliche passiert. Sie muss sich entscheiden und entscheidet sich für… ihre Pflichten der Krone, statt für die Liebe. What? Plor, hast du damit gerechnet beim Gucken? Oder hast du die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie doch noch angerannt kommt, wie bei so vielen RomComs aus der Zeit üblich?
1 Stunde 36 Minuten
Alle 5000 Jahre muss die Erde sich gegen das pure Böse verteidigen. Und nein, es geht nicht um die Epstein Gang. Das Böse in "Das Fünfte Element" ist ein riesiger schwarzer Ball, der durchs All irrt. Damit es die Erde nicht platt macht, braucht es die vier Elemente und ein geheimnisvolles Fünftes, das rituell das Böse bannt. Dieses fünfte Element ist nun, da wieder das Böse vor der Tür steht, dringend von Nöten. In Form einer halbnackten Frau. Nur von Kostüm gewordenen Zensurbalken bedeckt, irrt das fünfte Element durch das New York der 2260er Jahre. Mit Hilfe eines Priesters und eines Taxifahrers findet sie die vier Steine die die Elemente darstellen sollen und kann mit Hilfe der Liebe des verdammt nach Actionheld aussehenden Taxifahrers das uralte Ritual vollenden um das Böse für weitere 5000 Jahre zu bannen. Soweit die Geschichte. Viel interessanter ist aber vielleicht die Darreichungsform. In teils wunderbar bekloppten Szenen hangelt er sich mit extrem viel Spaß von Plothole zu Plothole. Quietschbunt, laut und voller Selbstironie. Plor, du hast mal Spaceballs als das bessere Star Wars bezeichnet. Wo ordnest du denn das fünfte Element dort ein?
2 Stunden 21 Minuten
Frankreich im frühen 15. Jahrhundert. Das französische Königshaus befindet sich seit einer Ewigkeit in einem Konflikt mit der britischen Krone und den Burgundern, der später als der Hundertjährige Krieg in die Geschichte eingehen sollte. Die Verluste auf französischer Seite sind groß: Fast ganz Nordfrankreich ist besetzt, Paris in Hand der Burgunder. Orleans von den Engländern belagert. Plötzlich ist da diese junge Frau, nicht mal volljährig. Sie behauptet, Gottes Stimme gehört zu haben. Und diese hat ihr aufgetragen, die Engländer aus Frankreich zu vertreiben und den rechtmäßigen Thronfolger, Karl VII. zum König krönen zu lassen. Ihr wird geglaubt, mehr noch, sie bekommt eine kleine Armee zur Seite gestellt. Und tatsächlich gelingt es ihr, die Belagerung Orleans zu beenden, Reims zu befreien und der Krönung Karl VII. beizuwohnen. Aber der Erfolg hält nicht lange. Aufgerieben in Kämpfen um Paris wird sie schließlich von ihren Gegnern gefangen genommen und von den Engländern vor ein geistliches Gericht gestellt: Der Vorwurf: Ketzerei, Häresie, ein Pakt mit Dämonen… Ein Prozess, der schließlich zu ihrem Tod auf dem Scheiterhaufen führen wird. Carl Theodor Dreyers Film La Passion de Jeanne d’Arc aus dem Jahr 1928 erzählt die Geschichte dieses Prozesses. Er ist nicht der erste und nicht der letzte Film über diese französische Nationalheldin, aber mit Sicherheit der berühmteste. Eine Passion im wahrsten Sinne des Wortes, eine Geschichte des Leidens und des Sterbens. Mit religiösem Ernst und extrem vielen Nahaufnahmen, insbesondere des Gesichts der geschundenen und gequälten Jeanne. Wenn man dem internationalen Kanon Glauben schenkt, einer der besten Filme aller Zeiten. Und wenn man dem französischen - und christlichen - Kanon Glauben schenkt, das Porträt einer heiligen Märtyrerin.
1 Stunde 43 Minuten
Das Dschungelbuch ist eigentlich eine Sammlung von vielen kurzen Geschichten über einen Menschen-Jungen der im Dschungel aufwächst. Als Walt Disney (Der Mann, nicht nur die Firma) in den 60ern den Stoff in der Entwicklung an Larry Clemmons, sollte er sich nicht an die Vorlage aus dem Jahr 1894 halten, sondern die Charaktere ausarbeiten und Spaß mit ihnen haben. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die inhaltliche Beschreibung des Films "Das Dschungelbuch" in der Kurzfassung des Autoren sehr einfach und schnell liest: Ein Junge muss vom Dschungel ins Menschendorf gebracht werden, weil ein Tiger hinter ihm her ist. Auf dem Weg dorthin versuchen verschiedene Tiere, ihn entweder zu unterstützen oder aufzuhalten. Zitat Ende. Die erwähnten Tiere sind mal lustig, mal gefährlich, mal gefährlich, obwohl die das richtige wollen, und mal lustig obwohl sie gefährlich sein wollen. Eine bunte Truppe auf einem Road Trip der in einem Kampf mit dem Endgegner endet. Shir Khan wird besiegt. Den Kampf mit dem Endgegner "Hormone" verliert Mogli allerdings und so müssen der Bär und der Panther allein zu zweit zurück in den Dschungel. Plor hast du die Geschichten von Kipling gelesen? Oder ist das hier die einzige gültige und dir bekannte Version davon?
1 Minute
Praktisch jeder kennt die Geschichte: Das größte Passagierschiff der Welt bricht 1912 zu seiner Jungfernfahrt auf, kollidiert auf dem Atlantik mit einem Eisberg und geht unter. Über 1500 Menschen sterben, weil es zu wenig Rettungsboote auf dem vermeintlich unsinkbaren Schiff gibt. James Camerons Titanic aus dem Jahr 1997 erzählt die Geschichte des wahrscheinlich berühmtesten Schiffsunglücks aus der Perspektive von Rose DeWitt Bukateer, einer jungen Frau aus besseren Kreisen, die 1912 mit ihrem Verlobten Cal auf dem Luxusliner von Southampton nach Amerika übersetzt. Rose empfindet ihre nahende Ehe mit dem arroganten, herrischen Cal als lebenslange Gefangenschaft und will sich in ihrer Verzweiflung während der Überfahrt von Bord stürzen. Zur Rettung eilt der Herumtreiber Jack, der als Passagier der dritten Klasse sein Schiffsticket einer glücklichen Hand beim Poker verdankt. Rose und Jack verlieben sich, und aller Widerstände zum Trotz beschließen sie ihr Leben in Zukunft miteinander zu verbringen… und dann geschieht das Unglück. “Romeo und Julia an Bord der Titanic” waren Idee und Pitch von James Cameron bevor er alles eskalierte: Mit unglaublicher Akribie, geradezu größenwahnsinnigen Set Pieces und damaliger State of the Art Computertechnik inszeniert er ein gewaltiges Epos, das sich zwischen Monumentalfilm, Liebesfilm und Disaster Movie bewegt: Groß und unerhört. Der damals teuerste Film aller Zeiten… und allen Erwartungen zum trotz auch der erfolgreichste. Ein Riesenhit bei vor allem weiblichen Teenagern, die Geburt Leonardo DiCaprios als großer Leinwandstar und ein Beweis dafür, dass desaströse Budget-Eskalationen von wahnsinnigen Filmemachern nicht immer floppen müssen. Johannes, wir waren damals Teenager… na dann, leg mal los mit deiner persönlichen Anekdote.
2 Stunden 25 Minuten
Die Familie Torrance hat einen neuen Wohnort. Nachdem Jack seine Lehrerstelle verloren hat, nimmt er ein etwas ungewöhnliches Jobangebot an. Er soll in einem Hotel über den Winter nach dem Rechten sehen und die notwendige Pflege übernehmen, während das Hotel off-season leer steht. Mit seiner Frau und seinem Kind zieht er für fünf kalte Monate in das riesige einsame Labyrinth eines Hotels und will an seinem Buch schreiben, während seine Frau alle eigentlichen Aufgaben, für die er bezahlt wird, übernimmt. Die Einsamkeit und offenbar auch das Hotel als geisterhafte Entität kriechen langsam in sein Hirn, das eh schon nicht das gesündeste zu sein scheint, wenn man Jack Nicholsons Augenbrauen zuschaut. Nach und nach verliert er den Zugang zur Realität und Vernunft und gibt sich den Wahnvorstellungen, die ihm das Hotel vorgaukelt hin. Bis er beschließt, seine Frau und sein Kind mit der Axt zu erziehen. Wer uns öfter zuhört, weiß, dass ich mit Horrorfilmen nicht so viel anfangen kann. The Shining allerdings schafft es die Horrortropes, die mir nicht zusagen, auf ein Minimum zu reduzieren oder gut darauf hin zu arbeiten. Der Film legt ein einigermaßen langsames Tempo an den Tag. Er verzichtet weitestgehend auf billige Jump Scares und Blut als Schauwert. Naja, mal vom Fahrstuhl abgesehen. Und er ist verdammt psychologisch und seltsam kopflastig und geht damit weit über das Horror Genre hinaus. Das kenne ich eigentlich nicht so aus den 80ern, sondern eher aus den 2010ern. Aber so gut kenn ich mich halt nicht im Horrorgenre aus, dafür ist Plor hier! Plor, wenn The Shining heute rauskommen würde, würde man ihn als Post-Horror einsortieren?
1 Stunde 23 Minuten
Durch einen Anruf seiner Mutter erfährt der Regisseur Salvatore, dass sein Freund der alte Filmvorführer Alfredo gestorben ist. In Rückblenden erzählt der Film aus der Kindheit und Jugend Salvatores, Toto genannt. Toto wächst in einem einfachen sizilianischen Fischerdorf auf. Dessen großer Anziehungspunkt ist das Kino Cinema Paradiso, in dem sich Toto als Kind mit dem Filmvorführer Alfredo anfreundet und sehr zum Leidwesen seiner Mutter jede freie Minute verbringt. Er sammelt die Filmrollenteile mit Küssen und Nacktszenen, die Alfredo auf Zuruf des Dorfpfarrers aus den öffentlich gezeigten Filmen herausschneiden muss. Er lernt bei Alfredo das Handwerk der Filmvorführung und übernimmt schließlich dessen Job, nachdem dieser bei einem Kinobrand sein Augenlicht verloren hat. Wir sehen, wie das Kino die Menschen in dem kleinen Dorf bewegt, wie es sie zusammenbringt und ihnen ein Stück Welt vermittelt. Toto wird vom Kind zum Jugendlichen, er verliebt sich, sein Herz wird gebrochen, er wird erwachsen. Und schließlich muss er sich die Frage stellen, ob er mehr will, als Filmvorführer in seiner Heimat zu bleiben. Cinema Paradiso aus dem Jahr 1988: Eine Liebeserklärung an das Medium Film und den magischen Ort Kino. Aber auch eine Auseinandersetzung mit dem, worum es im Leben geht, und welchen Platz Nostalgie darin einnimmt. Ein Film, der mich auch heute noch zum, Lachen, Schwelgen und auch Weinen bringt. Johannes, hast du geweint?
1 Stunde 32 Minuten
“Sie haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!” Dieses Zitat verfolgt Marie Antoinette seit sie in Paris beim Volk und am Hofe in Ungnade gefallen ist. Ist dieses Zitat doch die beste Illustration für Prunksucht, Realitätsfremde und demonstratives Desinteresse. Der Film von Sofia Coppola aus dem Jahr 2006 will all das untersuchen: Die Prunksucht zeigen, die Realitätsverschiebung und das angebliche Desinteresse an allem, was nicht mit ihr zu tun hat. Aber spannenderweise nicht indem Wert auf biografische Daten gelegt wird - die natürlich auch abgearbeitet werden - sondern vor allem als Vibe. Alles was wir sehen, von der Ankunft mit 14 als verkaufte Braut in Versailles bis zum missglückenden Ehevollzug, wird uns als Vibe inszeniert und wir können mit dieser jungen Frau mitviben. Und das nicht nur weil wir das gefühlte Leben am Hof einatmen, sondern weil wir in 90er Jahre New Wave und Post-Punk baden, während die Königin wie jede andere jugendliche versucht ihr Leben zu genießen und angemessen viel scheiße zu bauen. Wir erkennen die universelle Jugend in ihr und die Einsamkeit und Depression einer Frau in einer Zeit in der an allgemein anerkannten Feminismus noch nicht zu denken war. Und alles andere? Die Politik? Die Armut der Menschen? Die wirtschaftlichen Probleme? Werden für uns zu großen Teilen ausgeblendet. Wie Marie Antoinette es eben vielleicht auch gern getan hätte. Tja. Hätte… Plor. Hätte Marie Antoinette denn wirklich alles ausblenden wollen? Hat sie es geschafft? Wieviel mitfühlende Fiktion sehen wir hier oder wie nah kommen wir ihr wirklich? Was meinst du?
1 Stunde 55 Minuten
Richard und Seth Gecko, zwei brutale Gangster auf der Flucht. Jacob Fuller, ein Priester, der wegen des Todes seiner Frau seinen Glauben verloren hat und seine beiden Kinder Kate und Scott, unterwegs mit ihrem Wohnwagen… Die Wege der beiden ungleichen Kleinfamilien werden sich kreuzen. Nachdem Richard und Seth einen Liquor Store überfallen haben, vergewaltigt und ermordet Richard ihre letzte Geisel. Sie sollte eigentlich die Fahrkarte nach Mexiko sein. Die Brüder brauchen einen neuen Plan. Und so entführen sie Jacob und seine Kinder und fahren mit deren RV über die Grenze. In der mexikanischen Wüste, um dort vom Gangsterfürsten Carlos abgeholt zu werden. Der Treffpunkt: Die Biker- und Truckerbar “The Titty Twister”. Hier wollen die Geckos mit ihren Geiseln die Nacht bis zu Carlos’ Ankunft die Nacht verbringen. Aber sie haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die gesamte Belegschaft der Bar entpuppt sich als eine Horde blutdurstiger Vampire, die den Gästen an den Kragen will. Es beginnt ein Kampf ums Überleben, der bis zum Morgengrauen andauert. From Dusk Till Dawn aus dem Jahr 1996, eine Kollaboration zweier Größen des damaligen Independent-Kinos. Robert Rodriguez trifft Tarantino, Pulp Fiction trifft Splatterhouse. Johannes, ins Jahr 2025 sind wir mit Pulp Fiction gestartet. Ins Jahr 2026 jetzt mit From Dusk Till Dawn. Welcher dieser beiden Tarantino Kultfilme ist besser gealtert? Hat euch diese Episode gefallen? Spendiert uns dann gerne einen Kaffee unter https://buymeacoffee.com/mussmansehen
1 Minute
Das Leben Charles Chaplins teilt sich in zwei große Bereiche. Charles Chaplin und Charlie Chaplin. Der Slapstick-Tramp und der politische Satiriker… naja, vereinfacht dargestellt zumindest. In seinem ersten großen Politischen Werk spielt Chaplin einen kleinen jüdischen Barbier der bei einem Unfall im ersten Weltkrieg sein Gedächtnis verlor. So hat er nicht mitbekommen, wie sein Land eine politische Kehrtwende gemacht hat. Ein Diktator hat das Ruder übernommen und den Juden wird das Leben schwer gemacht. Japp. Natürlich eine satirische Darstellung von Hitler-Deutschland. Da unser jüdischer Barbier keine Ahnung hat von all dem, muss er es auf die harte Tour lernen. Im Kampf mit den Nazis die ihn beinahe an einer Laterne aufknüpfen und durch die Zerstörung seines Friseurladens. Mit seiner Love-Interest aus der Nachbarschaft träumt er von einer besseren Welt, in der wir friedlich miteinander leben. Da er sich ein wenig zu vehement gewehrt hat, wird er ins Konzentrationslager gebracht, aus dem er es irgendwann schafft auszubrechen. Der Clou an der Sache: er sieht dem Führer zum verwechseln ähnlich. Chaplin spielt natürlich eine Doppelrolle und spielt den Führer unvergleichlich lachhaft. Und so halten den Tramp alle für den Führer, als er in geklauter Uniform mit seinem Kumpel auf den Straßen auftaucht. Um sein Leben zu retten, muss er für einen Moment Hitler sein, aber alles in ihm weigert sich und so holt er stattdessen zu einer Rede für die Freiheit und die Nächstenliebe aus. Und hier endet der Film. Ein Tolles und Kraftvolles Ende… und doch sitzt der 13 Jährige Johannes vor dem Fernseher und denkt: “Und jetzt? Was passiert jetzt? Überlebt er? Wird er gelyncht? Wird die Welt eine Bessere?” diese Panik, nicht zu wissen was passiert, verfolgt mich bis heute. Ich will dass es ihm gut geht. Plor, willst du nicht auch wissen was mit ihm passieren wird?? ---- Hat euch diese Episode gefallen? Dann spendiert uns doch einen Kaffee unter https://buymeacoffee.com/mussmansehen
1 Minute
Am Pokertisch kann man schon mal sein letztes Hemd verzocken – außer man hat natürlich gerade einen Butler als Wetteinsatz parat. Das ist die Prämisse der wundervollen und leider komplett in Vergessenheit geratenen Komödie "Ein Butler in Amerika" aus dem Jahr 1935. Nun, nicht ganz vergessen, denn immerhin haben einst die Coen-Brüder in ihrem Werk "Barton Fink" eine kleine Liebeserklärung an den Film versteckt. Es ist aber auch ein Traum, mit welcher Leichtfüßigkeit der für seine Improvisationskünste berüchtigte (und bei Schauspieler:innen gefürchtete) Regisseur Leo McCarey hier seine arme Hauptfigur dem größtmöglichen Culture Clash aussetzt. Ausgerechnet einem vulgären amerikanischen Millionär soll der bisher in Paris residierende feine englische Butler Ruggles von nun an gehorchen – und wird dazu auch noch in das amerikanische Provinzkaff Red Gap versetzt. Sehr zur Freude des Publikums, denn mit welcher unglaublichen Leichtigkeit der Film dieses Fish-out-of-Water-Szenario für das größtmögliche Chaos nutzt, ist schlicht großartig. Und zeigt eindrucksvoll, dass es neben Chaplin, Keaton oder den Marx Brothers noch so viele andere Komödien-Perlen aus der Frühzeit des Kinos zu entdecken gibt. Matthias Oscar History findet Ihr hier: https://www.filmszene.de/kategorie/matthias-oscar-history Und hier findet ihr seine Rezension zu Ruggles of Red Gap: https://www.filmszene.de/filme/ein-butler-amerika Übrigens! Filmszene.de sucht noch Mitstreiter die hier und da eine Rezension schreiben. Bei Interesse, meldet euch gerne bei Matthias: matthiaskastl@filmszene.de
1 Stunde 10 Minuten
Aus dem Publikum wurde uns der Murder Mystery Christmas Slasher "Carnage for Christmas" aus dem Jahr 2024 ans Herz gelegt: Ein weihnachtlicher Horrorfilm von einer jungen Regisseurin, verwirklicht mit einem extrem niedrigen Budget und sehr viel LGBTQ Empowerment. Die True-Crime Podcasterin Lola muss zu Weihnachten nach Haus zur Familie. Soweit so tragisch. Da Lola als Transfrau nicht umsonst ihrem feindlichen Geburtsort den Rücken gekehrt hat, hält sich ihre Begeisterung verständlicherweise in Grenzen. Allerdings kommen wir gar nicht so richtig dazu, ihre Familie kennenzulernen, denn als ein Mord passiert, kann sie gar nicht anders als ihren True-Crime Instinkten zu folgen und den Fall aufzuklären. Dabei merkt sie, dass der Fall mehr mit ihr persönlich zu tun hat, als sie ahnte. Eine Schnitzeljagd à la Drei Fragezeichen, die nach und nach zum Killer führt, der, wie sich herausstellt, sich auf Trans-Opfer und Museale Wirtschaftskunde spezialisiert hat. True-Crime Podcasts haben sich in den letzten Jahren von einer Nische Thema, zu einem Massenphänomen und damit auch zu einem immer häufiger auftauchenden Aufhänger für Crime Geschichten entwickelt. Ob es der True-Crime Podcaster ist der selbst Verbrechen begeht, um Futter für den Podcast zu haben, oder selbst als sogenannter “Armchair Detective” eine Fall löst. Ein faszinierendes kleines neues Sub-Sub-Genre, das sich aber schnell in Klischees erschöpft, wenn man nicht noch ein paar gute weitere Ideen hat, um das ganze zu unterfüttern. Plor, hat Alice Maio Mackay genug weitere Ideen um die Idee der True-Crime Detektivin spannend zu gestalten?
Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen
Wir lieben Filme und wir lieben es, über Filme zu diskutieren. Die Sache ist nur, wir haben einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack. Daher drückt jeder von uns dem jeweils anderen für die aktuelle...