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Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen Archiv

305 Episoden
1 Stunde 44 Minuten
Der schüchterne und sensible Bear erleidet das schlimmste Schicksal, das einem jungen Mann widerfahren kann. Er steckt in der Friendzone fest. Die Angebetete, Nikki, Kollegin, Pub-Quiz-Gefährtin, Saufkumpane, zeigt keinerlei romantisches Interesse für ihn. Auch die Tipps von seinem besten Kumpel, dem Chad Ian (“Ähh… ärger sie doch einfach mal mit dem Spitznamen, mit dem sie als Kind gemobbt wurde”) können an der Incel-Misere nichts ändern. Rettung verspricht ein kleines Magieladen-Accessoire. Ein so genannter One Wish Willow, ein unscheinbares Stück Holz. Wenn es zerbrochen wird, soll es einem genau einen Wunsch erfüllen. Bear wünscht sich, dass Nikki ihn liebt wie niemanden sonst auf der Welt. Und tatsächlich, das Teil funktioniert. Nikki erkennt ihre tiefe Liebe zu Bear, die beiden werden ein Paar und leben glücklich bis an ihr Lebensende. … Wait … wir sind ja im Spooktobre. Natürlich kommt die Wunscherfüllung nicht ohne Nebenwirkung daher. Wie Bear es sich gewünscht hat, ist Nikki ihm hoffnungslos verfallen. Sie ist geradezu besessen von ihm, und das Verhalten dieser neuen Nikki ist alles andere als normal: Katzensandwiches und schräge Hänsel-und-Gretel-Geschichten gehören da noch zu den harmloseren Begleiterscheinungen. Nikki ist wie von einem rasenden Dämonen besessen: Besitzergreifend, eifersüchtig, unheimlich, mörderisch… und Bear möchte so schnell wie möglich - tschuldigung, nach etwas Bedenkzeit - den ursprünglichen Wunsch modifizieren… zumindest ein bisschen… Die lapidare Antwort der Supporthotline: Er hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder jemand anderes wünscht sich einen Gegenwunsch, oder Bear stirbt. Sonst bleibt Nikki in ihrem Fluch gefangen. Obsession, Youtube goes Cinema Nummer zwei. Wie schon Backrooms mit kleinem Budget ein Riesenhit an den Kinokassen. Youtuber Curry Barker krallt sich das “Be careful what you wish for”- und “Overly Attached Girlfriend”-Meme und macht daraus eine gehässige Horrorkomödie über Beziehungsstress und … Obacht… toxisches männliches Verhalten. “Kill me!” fleht Nikki, als der Dämon für einen Augenblick ruht: “Ist es wirklich so schlimm, mit mir zusammen zu sein?” ist die lapidare Antwort unseres sympathischen Protagonisten. Johannes, ich weiß, du tust dich schwer mit Filmen ohne sympathische Charaktere, an denen du dich festhalten kannst. Ich befürchte ein bisschen, das war hier auch der Fall… Fragezeichen?
1 Stunde 58 Minuten
Marion Crane ist mit sehr viel Geld unterwegs. 40.000 Dollar, die sie ihrem Arbeitgeber geklaut hat und einfach losgefahren ist, um sich mit ihrem Geliebten abzusetzen. Als sie sich unterwegs in Bates Motel einquartiert, trifft sie auf Norman, den unterdrückten Sohn der Besitzerin des Motels. Als sie mit anhören muss, wie Norman von seiner Mutter beschimpft wird, versucht sie ihn vorsichtig zu ermutigen, sich von seiner Mutter loszusagen und ein eigenes Leben zu starten. Einige überraschend heftige Abwehrreaktionen seinerseits und ein karges Abendessen später ist Marion wieder allein in ihrem Zimmer. Während sie sich eine Dusche gönnt, kommt von hinten eine Gestalt hineingeschlichen, hebt ein Messer und sticht mehrfach auf Marion ein. Norman schreit auf, als er am nächsten Tag die Tote findet und ist entsetzt von der Tat seiner Mutter, räumt aber alles sehr professionell auf und lebt weiter, als wäre nichts geschehen. Da Marion inzwischen wegen Diebstahls gesucht wird, bekommt Bates Motel kurz darauf Besuch von Ermittlern. Sie wollen mit Norman und mit seiner Mutter reden, doch die Mutter wird allen verweigert. Das finden alle verdächtig und als Milton sich heimlich Zugang verschafft, wird auch er von der Mutter mit dem Messer niedergestreckt. Lila, unser final Girl, hat da mehr Glück. Bei ihrer Suche entdeckt sie im Keller Schreckliches: die mumifizierte und sehr tote Mutter von Norman Bates. Ein Psychologe sortiert das ganze Elend am Ende nochmal ein: Norman sich immer wieder in Frauenkleider warf, um die Menschen, die ihnen zu nahe kamen, umzubringen, sei psychisch krank und von seiner toten Mutter besessen. Plor, sollten wir über deine Kastrationsangst sprechen, oder bringst du mich dann um?
2 Stunden 6 Minuten
Im Sommer 1990 entdeckt der erfolglose Möbleverkäufer Clark im Keller seines Möbelhauses einen merkwürdigen Glitch in der Wand. Man kann hindurch gleiten und landet in den titelgebenden Backrooms: Eine endlos scheinende Kaskade von leeren Gängen und Räumen. Irgendwie wie ein verlassenes Bürogebäude, irgendwie aber auch eine verzerrte Widerspiegelung der Realität. Da ihm seine Therapeutin Mary keinen Glauben schenkt, beschließt Clark, Beweise zu sammeln. Zusammen mit seinen Angestellten Kat und Bobby und ausgerüstet mit einer Kamera begibt er sich erneut nach unten. Doch bald müssen er und seine kleine Reisegruppen feststellen, dass sie nicht allein sind. Wochen später erhält Mary eine ominöse Anrufbeantworterbotschaft ihres Patienten. Sie beschließt Clark zu suchen und landet ebenfalls in den Backrooms. Dort hat sich Clark mittlerweile ein neues Leben eingerichtet, dessen bizarre Details Mary - und dem Publikum - das Blut in den Adern gefrieren lassen. Backrooms aus dem Jahr 2026, Youtube goes Cinema, Creepypasta als Mainstreamhorror, ein riesiger Publikumserfolg, der das Konzept der Liminal Spaces einer breiten Öffentlichkeit präsentierte. Johannes, machen dir Liminal Spaces und Uncanny Valleys Angst?
1 Stunde 51 Minuten
Ephraim Winslows Traum ist es, genug Geld zu verdienen, um sich eine kleine Hütte mit ein bisschen Land leisten zu können, und sich dort in Ruhe zurückzuziehen. In den 1890ern bedeutet das für einen einfachen Arbeiter, von einem potenziell gefährlichen Knochenjob zum nächsten zu ziehen. Bei seiner Arbeit im Leuchtturm wird er von einer erbarmungslosen Natur und seinem hartgesottenen Kollegen Thomas schikaniert, aber er zieht es stoisch durch, soll es doch nach nur vier Wochen schon zu Ende sein. Doch ein Jahrhundertsturm verhindert seine schwer ersehnte Abfahrt und so beginnt ein Abstieg in die dunkelsten Ecken der Psyche beider Männer. Als herauskommt dass Ephraims Vorgänger dem Wahnsinn verfallen gestorben ist, ahnen wir warum: Die Einsamkeit, die harte Arbeit, der unweigerliche Streit und der Aberglaube an übermächtige mystische Kreaturen macht den Männern zu schaffen. Eine Meerjungfrau liegt wie eine Sirene verführerisch auf den Klippen, Möwen scheinen reinkarnierte Seemänner zu sein und das Licht des Leuchtturms einen Sog zu haben der die beiden in erbitterten und tödlichen Konkurrenzkampf stürzt. Ein Film, der von Seemannsgarn, von Mythen und Legenden lebt und toxische Männlichkeit als Vorhölle erzählt. Frei nach Sartre “Die Hölle sind die Anderen”. Plor, was glaubst du welches Schicksal würden wir erleiden, 4 Wochen in einem Leuchtturm ohne Internet gefangen?

Episode 300

1 Stunde 42 Minuten
Wir feiern Jubiläum und widmen uns in dieser Episode allen möglichen Fragen, Kritikpunkten, Nörgeleien von euch, die sich über die letzten Jahre angesammelt haben.
2 Stunden 40 Minuten
Tommy Wiseau ist ein Phänomen: Ein hagerer muskulöser Kerl, irgendwo zwischen Pirat und Vampir, mit langen schwarzen Haaren, die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Greg Sestero lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche und auch leicht toxische Freundschaft. Wiseau macht ein Geheimnis aus seinem Privatleben: Seinem Alter, seiner Herkunft, und vor allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist. Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig, motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Greg seine Wohnung in L.A. zu einem Spottpreis, pusht ihn in seinem Vorhaben, in Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch finanziell. Und schließlich engagiert Tommy Greg für seinen Debütfilm: Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren Millionen Dollar. Wiseau ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller… und keine dieser Rollen beherrscht er auch nur Ansatzweise. Die Dreharbeiten werden zum puren Chaos, der Film der 2003 daraus entsteht - The Room - erarbeitet sich über die Jahre den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein. In The Room geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny - gespielt von Wiseau -, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem besten Freund Mark - gespielt von Sestero - betrügt. In Sideplots sehen wir einen 15jähriger Waisenknaben (gespielt von einem fast 30jährigen Schauspieler), ein Footballspiel in schicken Anzügen, einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen, noch mehr Stockfotos von Löffeln, Chicken Tscheep Tscheep Tscheep.. Und das alles umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem Machwerk ist. Zehn Jahre später wird Greg Sestero seine Freundschaft zu To,,my Wiseau und seine Erlebnisse bei den Dreharbeiten in dem Roman “The Disaster Artist- My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made” verarbeiten. Und die Gang um Seth Rogen wird eben jenen Roman 2017 als The Disaster Artist verfilmen. Zwei Filme besprechen wir also heute: Einen der mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten: The Room aus dem Jahr 2003, eine krude Mischung aus Erotikdrama, Thriller und What the Fuck. Und den Buddy Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017, eine warmherzige Komödie über die Entstehung von The Room und die Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure. Johannes, wir wissen beide: “So bad, it’s good!” ist ne Sache, die existiert. Und deswegen finde ich diese Einstiegsfrage durchaus berechtigt: Bei welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten gefühlt?
1 Stunde 51 Minuten
Was macht man wenn man als Wissenschaftler eine wilde Theorie zu den Bausteinen des Lebens hat, die von der allgemeinen Wissenschaftswelt für unhaltbar gehalten wird? Ganz klar - man wird Grundschullehrer. Und Ryland Grace ist gerne Grundschullehrer, bis ihn ein Spezialkommando abholt, um ihn zu seiner unhaltbaren Theorie zu befragen. Er soll helfen, die Welt zu retten, die von sogenannten Astrophagen bedroht wird. Einem Organismus, der nach und nach die Sonne abdunkelt, weil er sich von ihrer Energie ernährt. Zumindest grob gesagt. Als er in einem Raumschiff aufwacht, weiß er davon erst einmal nichts. Sein Kopf muss sich erstmal vom Bullshit-Coma erholen und erinnert sich erst nach und nach daran, wie er dort gelandet ist. Zu allem Überfluss sind seine Raumschiff-Buddys gestorben und er irrt alleine im Weltall umher. Weit weg von zu Hause. Bis er von einem Alien, das auch weit weg von zu Hause ist, eine Botschaft erhält, der Start einer interspezifischen Freundschaft. Überraschend wissenschaftlich nachvollziehbar lernen sie die Sprachen des anderen zu verstehen und machen sich gemeinsam auf eine Mission. Die Erde und den Heimatplaneten von Rocky zu retten. Ein Buddy-Movie-Science-Fiction Streifen mit Betonung auf Science - aber echter Science? Plor, du als Astronomie-Profi.. wie würdest hier du die Fakten von Fiktion trennen? Gefällt euch diese Episode? Gebt uns doch gerne einen Kaffee aus: https://buymeacoffee.com/mussmansehen Lasst gerne auch einen Like oder Kommentar, einen Stern, einen Thumb up oder sonstwas da. Danke. :)
1 Stunde 25 Minuten
Lola rennt. Warum? Weil sie es eilig hat. Warum hat sie es eilig? Weil ihr Freund Manni Mist gebaut hat. Der Kleinkriminelle sollte für seinen Boss, den Hehler Ronnie, 100.000 Mark nach Berlin bringen und hat sie ausversehen in der U-Bahn liegen gelassen. Und jetzt ist die Kacke am Dampfen. Wenn er nicht irgendeine Möglichkeit findet, Ronnie in den nächsten 20 Minuten das Geld zu beschaffen, ist er dran. Sein Plan, einen Supermarkt um die Ecke überfallen. Lola sagt: “Warte, mir fällt schon was ein. Mir fällt immer was ein.” Und sie rennt los. Quer durch Berlin, um das Geld aufzutreiben und rechtzeitig bei Mann zu sein, bevor er was anstellt. Ihr Plan: Bei ihrem Vater, der Filialleiter in einer Bank ist, um das Geld zu bitten. Der hat jedoch andere Sorgen. Seine Affäre hat ihm gerade gesagt, dass sie schwanger ist. Und so versagt er Lola nicht nur die Hilfe, sondern lässt sie auch gleich rauswerfen. Lola hat die 100.000 Mark nicht, kommt zu spät, und muss mit ansehen, wie Manni den Supermarkt überfällt. Auf der gemeinsamen Flucht vor der Polizei wird Lola von einer Kugel getroffen, fällt und stirbt. Und nun? Rewind, wie die Battle Rapper sagen würden. Zurück auf Anfang, den Beat von vorne abgespielt und erneut losgerannt. Lola erhält vom Schicksal eine zweite Chance, einen zweiten Lauf. Und ganz nach dem klassichen Butterfly Effect führen geringe Veränderungen in der Handlung zu weitreichenden Folgen. Lola rennt von Tom Tykwer aus dem Jahr 1998, ein schneller, wilder, auf 90er Jahre Beats abgestimmter Trip. Dreimal 20 Minuten, drei Läufe, drei unterschiedliche Schicksalswege. Inszeniert in 35mm, und digital Video, und Polaroids, und Zeichentrickanimation: Wild ungezügelt, Videoclipästhetik trifft Arthaus trifft Actionkino und lässt sein Publikum atemlos zurück. Johannes, du kennst auch das Berlin der späten 90er und frühen 2000er. Was glaubst du, wie war Strecke du hier zu Fuß zurückgelegt hast? Und vor allem, hast du deine Fußwege hier ähnlich wahrgenommen wie Lola in ihrem Marathonlauf? Gefällt dir, was du hörst? Spendiere uns doch einen Kaffee (oder Mate): https://buymeacoffee.com/mussmansehen
1 Stunde 39 Minuten
Hank ist gestrandet, er ist am Ende, er kann nicht mehr. Auf seiner einsamen Insel, die aussieht, als wäre sie von einem 4-Jährigen erdacht, beschließt er, sich umzubringen. Aber halt, da ist doch was! Was liegt denn da am Strand? Ein Mensch? Ach shit, der Typ ist tot. Eine angespülte Leiche. Der kann ihm nicht weiterhelfen. Oder etwa doch? Die Leiche hat Blähungen, irgendwo müssen die Zersetzungsgase im Körper ja hin. Der Furz, der dann kommt, ist so massiv, dass Hank das Potential endlich sieht: er schiebt die Leiche ins Wasser, setzt sich darauf und nutzt die entweichenden Gase als Bootsantrieb. Uuund schon sind wir im Bereich des Fantastischen und das nutzt der Film schamlos aus. Nicht nur Furzt die Leiche, wann immer es nützlich ist, sie kann auch Trinkwasser speien, als Rasierapparat herhalten, Dinge in hohem Tempo aus seinem Mund schießen, den Weg mit seinem Peniskompass weisen und mit der Zeit… wieder reden. Da kommt wieder Leben in den Körper und wir sehen dabei zu, wie sich eine Freundschaft zwischen Hank und der Leiche Manny entwickelt. Da Manny sein Gedächtnis verloren hat, muss Hank ihm erklären, was das Leben so lebenswert macht. Gemeinsam suchen sie den Weg nach Hause, zurück in die Zivilisation, die, wie sich herausstellt, nur um die Ecke, eine Böschung entfernt auf sie wartet. Ein massiv absurder, weirder Roadmovie, voller Jokes unter der Gürtellinie, aber auch viel Liebe für das Leben. Es geht um Scham, Außenseiterdasein und gesellschaftliche Normen. Die Regisseure, die Daniels, haben den Film damals folgendermaßen verkauft: “Wir wollen einen Film machen, in dem der erste Furz dich zum Lachen bringt und der letzte zum weinen.” - Plor, hat das bei dir funktioniert?
1 Stunde 38 Minuten
Bernhard Lotz befindet sich auf der Flucht. Er ist kein Krimineller, kein Geheimagent, kein Superheld. Nichts weiter als ein einfacher Leverkusener, der von drei erbarmungslosen Killern gejagt wird. Der Grund: TV-Unterhaltung. Bernhard Lotz ist Kandidat der großen Spielshow “Das Millionenspiel”, die im Einklang mit dem Gesetz zur aktiven Freizeitgestaltung vom 7. Januar 1973 ihrem Kandidaten ermöglicht, eine Million Deutsche Mark zu gewinnen, wenn er es schafft, sieben Tage lang am Leben zu bleiben. Während Bernhard versucht, der auf ihn angesetzten Köhler-Bande zu entkommen, wird das Publikum im Studio von Showmaster Thilo Uhlenhorst für das große Finale angeheizt. Dazwischen gibt es Interviews mit Zuschauern, Auftritte des Fernsehballetts und natürlich die obligatorischen Werbeeinspieler für Diätpillen und Potenzmittel. Das Millionenspiel aus dem Jahre 1970, ein Fernsehfilm des WDR, wegen Nutzungsrechtsstreitigkeiten Jahrzehnte lang im ARD-Giftschrank eingeschlossen, aber Dank der damaligen Publikumsreaktionen schon immer ein kleiner Kultfilm: Dystopisch, zynisch und mit bereits damaliger und späterer TV-Prominenz in Form von Didi Hallervorden und Dieter Thomas Heck besetzt. Johannes, Dank der Tribute von Panem, den Squid Games und Running Man erfreuen sich tödliche Spielshows als Sujet dystopischer Science Fiction bis heute großer Beliebtheit. Wie ordnest du Das Millionenspiel in dieser Reihe ein? Wenn dir unser Podcast gefällt, unterstütze uns doch auf https://buymeacoffee.com/mussmansehen. Wir freuen uns über jeden Kaffee (oder Tee). Vielen Dank.
2 Stunden 6 Minuten
Im Mittelpunkt von There will be Blood steht der unabhängige Unternehmer Daniel Plainview, der im frühen 20. Jahrhundert in den USA umherreist, um nach Öl zu bohren. Von einem gewissen Paul Sunday erhält er den Tipp, dass es in Kalifornien in einem kleinen Städtchen namens Little Boston noch ein riesiges, nicht erschlossenes Erdölgebiet gibt. Zusammen mit seinem Sohn H.W. gelingt es Daniel relativ schnell, den dort ansässigen Farmern ihre Grundstücke abzukaufen und Bohrtürme zu errichten. Sein ambitionierter Plan: Eine Pipeline, die direkt von den Türmen zum pazifischen Ozean führt, um unabhängig von Rockefellers Standard Oil und deren horrenden Transportpreisen zu sein. Aber er stößt auch auf Widerstände: Pauls Zwillingsbruder, der evangelikale Pastor Eli Sunday, will ein Stück des Kuchens abhaben, sowohl monetär als auch spirituell. Zwischen den beiden Männern entspinnt sich ein Zweikampf um Land, Seelen und die Deutungshoheit über Sinn und Zweck des amerikanischen Traums. Als schließlich HW bei einem Unfall seine Hörfähigkeit verliert und Daniels unbekannter Halbbruder Henry auftaucht, spitzt sich die Lage zu, und der prophetische Filmtitel findet seine Erfüllung: Es wird Blut fließen. There will be Blood, Baby! Paul Thomas Anderson, der große Visionär und Sezierer des amerikanischen Traums, 2007 mit seinem wohl mainstreamtauglichsten Film: Ein opulenter Abgesang auf den Kapitalismus und die Religion im Amerika des 20. und vielleicht auch 21. Jahrhunderts. Und im Gegensatz zu Andersons vorherigen großen Filmen kein Ensemblestück, sondern ein Blick in die düstere Seele eines einzelnen leidenschaftlichen Menschens. Johannes, was denkst du? Wie viel Daniel Plainview steckt in dir? Steckt in jedem von uns?
2 Stunden 4 Minuten
Wien ist nach dem Zweiten Weltkrieg eine geteilte Stadt. Vier Besatzungszonen der vier großen Mächte, die den Krieg gewonnen haben. Untereinander nicht eins. Die Stadt ist arm und es mangelt an Allem. Und so floriert der Schwarzmarkt. Düstere Verzweiflungsgeschäfte machen Menschen reich, die skrupellos sind, moralisch zweifelhafte Tauschgeschäfte zu betreiben. In diese Stadt kommt Holly, ein Amerikaner der von seinem besten Freund Harry ein Jobangebot bekommen hat. Bei seiner Ankunft allerdings ist Harry tot. Frisch vom Auto überfahren und wird gerade beerdigt. Aber irgendwie wirken die Todesumstände merkwürdig, und schnell denkt Holly es sei Mord gewesen. Er fühlt sich verantwortlich der Sache auf den Grund zu gehen und macht sich auf die Suche nach einem geheimnisvollen dritten Mann, den ein Portier am Unfallort gesehen haben will. Doch alle anderen Beteiligten schwören, dass es nur zwei Männer gab. Immer tiefer in den Wiener Sumpf gezogen, stellt Holly irgendwann fest, dass er nicht nur sichergehen muss, WIE Harry gestorben ist, sondern OB er wirklich tot ist. Denn wie sich herausstellt, ist Harry am Leben und der Strippenzieher eines Verbrechens das Menschenleben kostet. Soll er seinen besten Freund an die Polizei verraten? Die Verfolgungsjagd am Schluss, endet tödlich. Für Harry und für Hollys amerikanische Naivität. Plor, ist es ein schlechtes Zeichen, dass eine Beschreibung des Filmplots auch vollkommen ohne die Erwähnung der weiblichen Hauptfigur auskommt? Denn eigentlich passiert am Ende des Films etwas sehr ungewöhnliches für die End-40er.
2 Stunden 1 Minute
Es war das Jahr 1922, als der irische Autor James Joyce einen Roman schrieb, der irgendwie als der meiste Roman in die Geschichte des 20. Jahrhunderts eingehen sollte. Ein Großstadtroman, ein Roman der Moderne mit allen Spielereien, die die Epik zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergibt: Bewusstseinsströme, symbolische Überhöhung, Tiefenpsychologie, Metatextualität, Kryptizismus, ein wilder Ritt durch alle Genres: Erzählung, Drama, Yellow Press, freie Assoziation, dialektisches Frage- und Antwortspiel… achja, just for the record: Ich liebe liebe liebe dieses Buch! Aber wir sind nicht hier, um über dieses unverfilmbare Stück Prosa zu reden, sondern über seine Verfilmung aus dem Jahr 1962, die sich zumindest auf dem Papier sehr nah an der Vorlage orientiert. Erzählt wird ein Tag in der irischen Hauptstadt Dublin. Im Zentrum stehen zwei Personen: Der grüblerische junge Schriftsteller Stephen Dedalus und der gutherzige Jude Leopold Bloom, der versucht darüber hinwegzukommen, dass er von seiner Frau Molly betrogen wird. Die Wege der beiden werden sich an diesem Tag mehrmals kreuzen, bis es schließlich am späten Abend zu einem echten Miteinander kommt. Aber was passiert dazwischen? Stephen ist am Strand unterwegs und verliert sich in seinen Gedanken, Leopold ist permanent antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Wir erleben eine Beerdigung und eine Geburt, Zeitungsannoncen werden gesetzt, philosophische und politische Diskussionen werden geführt, irgendwann geht es ins Bordellviertel, wo der Film zu einem bizarren Fiebertraum wird. Und am Ende dürfen wir dem Gedankenstrom einer einschlafenden - oder orgasmierenden - Frau beiwohnen. Aber was passiert da eigentlich wirklich? Die Odyssee natürlich, also in irgendeiner pervertierten, eklektischen, modernen Version. Okay, ich habe natürlich leicht reden, weil ich die Vorlage gut kenne, die Cheat Codes zum Verstehen im Kopf und diverse Komplettlösungen gelesen habe. Hast du bestimmt auch im Nachhinein, Johannes. Aber die spannende Frage ist: Wie wirkt dieser kaleidoskopische Film auf jemanden, der das Buch nicht kennt, der noch nie vom Gilbert-Schema gehört hat? Kommt man da überhaupt rein oder bleibt es von Anfang bis Ende unverständliches akademisches Gewichse?
1 Stunde 27 Minuten
Die siebenjährige Olive hat eine Obsession für Schönheitswettbewerbe. Vor dem Fernseher ahmt sie die weinenden Gewinnerinnen nach und arbeitet selbst hart an einer Choreographie, die ihr bei Wettbewerben die Trophäe sichern soll. Ihr Opa Edwin hat sich des Kindes angenommen und verbringt viel Zeit damit, mit ihr im Keller zu üben und zu choreografieren. Dann kommt der unverhoffte Anruf: Olive kann als Zweitplazierte nachrücken, weil die Gewinnerin mit Diätpillen betrogen hat. Damit ist sie berechtigt, am bundesweiten Wettbewerb in JWD teilzunehmen. Da die Familie sich keinen Flug leisten kann, fahren sie mit ihrem klapprigen VW-Bus los, um auf einem Roadtrip allerlei Scheiße mitzunehmen: die Kupplung gibt den Geist auf, was bedeutet dass alle anschieben und aufspringen müssen, der Buchdeal des Vaters platzt, der Sohn entdeckt seine Farbenblindheit und muss seinen Traum als Jetpilot begraben - und der Großvater der Familie stirbt an Drogenmissbrauch. Von all dem will sich die Familie nicht abhalten lassen. Sie wollen Olive unbedingt den Wunsch erfüllen und schaffen es gerade so, sich in den Wettbewerb einzuschreiben. Die Bühnenperformances der Kinder allerdings schlagen bei den Familienmitgliedern Alarm. Viel zu professionalisiert, viel zu perfektioniert und aufgehübscht ist die Welt der Kinderschönheitswettbewerbe. Olive ist keinem der bis zur Traumatisierung hochgezüchteten Kinder gewachsen. Olive will trotzdem auf die Bühne, und nun zeigt sich das Erbe des Großvaters: der Tanz des Mädchens gleicht der Stripshow eines billigen Sex-Schuppens. Das Publikum ist entsetzt, die Familie völlig überrascht. Aber in einem Akt der Solidarität kommen Vater, Mutter, Bruder und suizidaler Freund der Familie auf die Bühne und tanzen mit. Ein gemeinschaftlicher Mittelfinger an die toxische Professionalität der Wettbewerbsmaschinerie. Zwar ist der Schönheitswettbewerb der Aufhänger, aber eigentlich sehen wir einer vermeintlich dysfunktionalen Familie dabei zu, wie sie zusammenwachsen und als Individuen zueinander finden. Plor, ich habe unter massiven Schmerzen recherchiert, wie Schönheitswettbewerbe für Kinder und auch Erwachsene in Amerika und auch anderen Teilen der Welt aussehen. Bist du bereit, den amerikanischen Traum rituell auf dem Schlachtfeld der Beauty Pageants zu töten und deren Reste an die Proust und Nietzsche Fans dieser Welt zu verfüttern? Wenn euch dieser Podcast gefällt, unterstützt uns gerne auf: https://buymeacoffee.com/mussmansehen
1 Stunde 44 Minuten
New York, Anfang der 80er Jahre. Die Stadt ist im letzten Jahrzehnt gerade so der drohenden Insolvenz entkommen. Die Rettung lag - zumindest wenn es nach dem Neoliberalismus geht - in Revitalisierung und Redevelopment. Konkret: Vermeintlich heruntergekommene Stadtviertel werden abgerissen um neuen schicken Bauten Platz zu machen. Einer der prominentesten Investoren dabei ist der Immobilienmagnat Christopher Van der Veer. Als dieser eines Nachts zusammen mit seiner Frau und seinem Bodyguard ermordet wird, scheint die Sache ziemlich klar: Irgendwelche linksradikalen Terroristen müssen dafür verantwortlich sein. Der ehemalige Ermittler Dewey Wilson wird daraufhin von der NYPD zurückgeholt, gemeinsam mit der Psychologin Rebecca Neff soll er den Fall aufklären. Schnell jedoch entdeckt Wilson, dass es wohl keine linken Terroristen sind, die für die Morde verantwortlich sind: Die Leichen wurden regelrecht zerrissen, es gibt keine Spuren irgendwelcher Waffeneinwirkung, stattdessen finden sich Wolfshaare am Tatort. Wilsons Ermittlungen führen zu einem alten indigenen Kult, in dessen Zentrum der Wolf eine große Rolle spielt: Zum Morden dressierte Tiere? Gestaltwandler? Werwölfe? Was wir hier vor uns haben, ist nicht sicher. Sicher ist nur, dass es alles andere als Menschlich ist. Und das Morden geht weiter. Wolfen aus dem Jahr 1981, ein Horrorthriller aus einer Zeit, in der das Genre gerade einen kleinen Werwolf-Craze erlebte. Aber Obacht: Michael Wadleighs Vision ist weit weg vom europäischen Werwolfsmythos. Stattdessen vermischt er indigene Mythologie mit einem zynischen Blick auf die New Yorker Stadtentwicklung und einer ebenso ökologischen wie sozialdarwinistischen Botschaft. Und ob die Wölfe wirklich die Bösen sind, wird dann auch eher ambivalent beantwortet. Johannes, was macht dir mehr Angst: Wölfe in der Wildnis oder Kapitalismus im urbanen Raum?
Der mussmansehen Podcast - Filmbesprechungen

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Wir lieben Filme und wir lieben es, über Filme zu diskutieren. Die Sache ist nur, wir haben einen sehr unterschiedlichen Filmgeschmack. Daher drückt jeder von uns dem jeweils anderen für die aktuelle...