Podcaster
Episoden
13.05.2026
14 Minuten
Zweihundert Jahre lag Haydns D-Dur-Cellokonzert in der Prager Nationalbibliothek, und keiner kannte es. Oder besser: alle dachten, es habe ein anderer komponiert. Erst 1951 wurde die Originalhandschrift gefunden, und heute ist das virtuose und gleichzeitig kantable Werk aus den Konzertsälen der Welt nicht mehr wegzudenken. Elgars Streicherserenade, die das Konzert eröffnet, war der erste „Hit“ des Komponisten. Gleich zu Beginn entsteht durch ein rätselhaftes Pizzicato eine besondere Atmosphäre, und den langsamen mittleren Satz lieben die Engländer so sehr, dass er bis heute oft bei Gedenkfeiern und auf Hochzeiten gespielt wird. William Lawes war einer der prägnantesten und eigensinnigsten Komponisten des elisabethanischen Zeitalters, seine wunderschöne Fantasie g-Moll war ursprünglich ein Werk für Gambenconsort. Arthur Bliss’ "A Colour Symphony" schließlich ist inspiriert von den symbolischen Bedeutungen verschiedener Farben. Hier verschmelzen musikalische und visuelle Ebenen zu einer vielschichtigen Interpretation von Farbe und Klang
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12.05.2026
11 Minuten
Warum nicht mal mit Heiterkeit? Zum ersten Mal in ihrer 49-jährigen Geschichte werden die Dresdner Musikfestspiele von der Dresdner Philharmonie eröffnet, und zum ersten Mal ist auch der bekannte Dresdner Comedian Olaf Schubert dabei und wird sicher einige humoristische Schlaglichter auf den Konzertbetrieb werfen. Die Musik selbst ist aber gar kein Witz, sondern schillert im Cellokonzert von Henri Dutilleux in den verschiedensten Klangfarben. Gespielt wird es von Jan Vogler, der als Intendant der Musikfestspiele damit ein Ausrufezeichen zum Festivalbeginn setzt. Farbenreich geht es auch in den „Bildern einer Ausstellung“ zu, diesem berühmten Werk des Russen Modest Mussorgski, in dem er mit dem Klangpinsel Gemälde nachzeichnet. Ein Ohrenschmaus, den unsere erste Gastdirigentin Tabita Berglund vom Pult aus leitet.
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28.04.2026
13 Minuten
Bach – Britten - Pärt – MacMillan: zum „Tag der Befreiung“ am 8. Mai schlagen wir mit unseren Philharmonischen Chören musikalisch eine Brücke nach Großbritannien und präsentieren ein Programm, das unterschiedliche musikalische Zugänge zu Themen wie Frieden, Gedenken und Spiritualität beleuchtet. In seiner „Sinfonia da Requiem“ verbindet Benjamin Britten liturgische Elemente mit seiner persönlichen Tonsprache. Entstanden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, steht die Komposition als Mahnmal und Plädoyer für Frieden und Menschlichkeit. Arvo Pärts „Da pacem Domine“ verbindet meditative Ruhe und eine klare, schlichte Ästhetik. Pärts minimalistische Klangsprache erhebt die lateinische Bitte um Frieden in eine zeitlose, universelle Dimension. Musikalischer Kern des Konzerts sind jedoch zwei Werke unseres Composers in Residence, der auch selbst am Pult steht. Besonders eindringlich sind seine „Cantos Sagrados“. „Beim Schreiben dieses Werks wollte ich etwas komponieren, das sowohl zeitlos als auch zeitgenössisch, sowohl heilig als auch weltlich ist“, meint er selbst. Entstanden ist ein berührendes Werk für Chor und Orchester, das unter seiner Leitung besonders ergreifend wirkt. Die Konzertdauer beträgt insgesamt etwa zwei Stunden und umfasst eine Pause von rund 25 Minuten.
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22.04.2026
14 Minuten
Mieczysław Weinbergs Sinfonietta Nr. 1 ist ein Werk voller Leichtigkeit und Zugänglichkeit. Doch hinter dem optimistischen Klang steckt eine beklemmende Geschichte. 1948 komponiert, entstand das Stück inmitten von Stalins antisemitischer Kampagne. Offiziell als „hell und optimistisch“ gefeiert, diente es den politischen Erwartungen, ohne Weinbergs fortschrittliche Kompositionsweise zu verraten. Mit Anklängen jüdischer Volksmusik, cleveren Variationen und einem Hauch von Schostakowitsch bleibt es ein faszinierender Spagat zwischen Konformität und künstlerischer Freiheit. Mozarts Klavierkonzert KV 466 erscheint dazu wie ein Kontrast, in seiner Tonart d-Moll ist es jedoch ebenfalls ein Werk voller dramatischer Tiefe. Mozart schrieb es in einer Zeit persönlicher Umbrüche und Leiden. Quasi versöhnlich schließt das Konzert: Glasunows „Die Jahreszeiten“ lässt die Natur in schillernden Orchesterfarben lebendig werden.
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21.04.2026
10 Minuten
Bruckners Zweite Sinfonie wird oft als „Sinfonie der Pausen“ bezeichnet. Aber keine Sorge: Diese Pausen sind nicht still, sondern voller Spannung und geben der Musik Raum zum Atmen. Einer Musik, die für die Zeitgenossen zunächst als unspielbar galt. Die Wiener Philharmoniker lehnten das Werk erst einmal ab, es sei auch viel zu lang. Bruckner kürzte, mietete auf eigene Kosten den großen Saal im Musikverein, probte gründlich mit dem Orchester – und hatte Erfolg. Und was für einen, der Beifall des Publikums der Uraufführung am 26. Oktober 1873 wollte nicht enden. Bruckner selbst sprach später vom „denkwürdigsten Tag meines Lebens“. Heute steht die Sinfonie etwas im Schatten ihrer Nachfolgerinnen, aber zu unrecht. Alles, was Bruckner-Liebhaber schätzen: die großen Spannungsbögen, die zarten wie die gewaltigen Momente, die abrupten Pausen und Neuanfänge – sie sind hier alle schon da. Robert Treviño liebt Bruckner und hat seine Werke vielfach dirigiert. Leider musste Christoph Eschenbach die Leitung der beiden Konzerte am 25. und 26. April 2026 aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wir freuen uns, dass Robert Treviño, der bereits mehrfach bei der Dresdner Philharmonie gastiert hat, das Dirigat übernehmen wird. Das Programm bleibt unverändert.
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Über diesen Podcast
Sich auf die Werke des anstehenden Programms, ihre kompositorischen
Eigenheiten, ihre Einordnung in die Musikgeschichte und das
Schaffen der Komponisten vorzubereiten, vertieft das musikalische
Erlebnis und bringt Erkenntnisgewinn. Um noch mehr Publikum zu
erreichen und auch um die Beschäftigung mit einem Werk weiter zu
intensivieren, stellen wir Ihnen unsere Einführungen mit der Reihe
"Konzerteinführung digital" nun auch als Podcast zur Verfügung.
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