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1 minute
Ein Passwort mit sechs Nullen und zwei Siebnern: Das war für Kevin einst maximale Sicherheit. Matthias hingegen fand, er schlage jedem Hacker ein Schnippchen, wenn er im Wort «Maschendrahtzaun» das T durch ein Pluszeichen ersetze. Und wer erinnert sich noch an Windows 98? Dort konnte man sich der Passworteingabe nach dem Start durch einen Klick auf den «Abbrechen»-Knopf entziehen. Heute rächt sich solcher Schlendrian bitter: Wir lesen, dass in Dänemark Millionen von Personendaten abhandenkamen, weil ein Administrator anscheinend das Passwort «123456» benutzte. Die Frage im Titel beantwortet sich daher einfach: Indem man das Passwort «123457» benutzt. In dieser Folge setzen wir bei den unschuldigen Zeiten in den 1990er-Jahren an und unternehmen eine Zeitreise durch die Geschichte der Passwortsicherheit: von den ersten Mailkonten und Excel-Listen voller Zugangsdaten über immer absurdere Passwortregeln bis zu Passwortmanagern und Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wir erinnern uns an die Papierlisten der Banken, erklären, weshalb auch ein sechsstelliger Sicherheitscode vor Phishing nicht unbedingt schützt, und diskutieren den ewigen Konflikt zwischen Sicherheit und Bequemlichkeit. Zum Schluss blicken wir in eine Zukunft, in der wir uns keine Passwörter mehr ausdenken müssen. Fingerabdruck, Gesichtserkennung, «Windows Hello» und Passkeys versprechen mehr Sicherheit bei weniger Aufwand. Verspricht das maximalen Komfort bei maximaler Sicherheit? Wir bleiben skeptisch.
32 Minuten
Dominik Landwehr hat sich mit Chiffriermaschinen, digitaler Kultur, Technikgeschichte und humanitärer Arbeit beschäftigt – und ist seit diesem Sommer Präsident von Wikimedia CH. Wir fragen ihn, wie diese Dinge zusammenpassen und warum er ausgerechnet jetzt Verantwortung für eines der sonderbarsten Projekte des Internets übernimmt. Denn Wikipedia steckt mit 25 Jahren in einer paradoxen Lage: Menschen besuchen das Online-Lexikon etwas weniger, dafür lesen KI-Systeme umso eifriger mit. ChatGPT, Gemini und Co. brauchen das von Freiwilligen zusammengetragene Wissen – könnten aber gleichzeitig dazu führen, dass immer weniger Menschen dessen Quelle sehen. Wir reden über Neutralität, gesellschaftliche Polarisierung und die Frage, wer eigentlich entscheidet, was als verlässliches Wissen gilt. Und natürlich über Elon Musks Grokipedia: Ist eine KI-generierte Enzyklopädie die Zukunft des Wissens – oder zeigt sie vor allem, warum die manchmal mühsamen menschlichen Streitereien auf Wikipedia unverzichtbar sind?
36 Minuten
Ein Prinzip entpuppte sich als erfolgreich – vielleicht zu erfolgreich? Die Gamifzierung stammt aus der Sphäre der Videospiele und besteht aus psychologischen Mechanismen, uns bei der Stange zu halten und zu Höchstleistungen anzuspornen. Dieses Prinzip ist längst in andere Bereiche übergeschwappt: Wearables wie smarte Uhren belohnen uns mit «Badges», wenn wir unsere tägliche Schrittzahl erreichen. Manche Krankenkassen gamifizieren den gesunden Lebensstil mit finanziellen Boni. Sprach-Apps wie Duolingo belohnen regelmässiges Üben und Unternehmen wie Disney und Uber lassen ihre Angestellten gegeneinander antreten und belohnen das fleissigste Arbeiterbienchen mit dem Platz 1 auf dem «Leaderboard». Das ist aber nicht alles: Auch in der Politik wird dieses Instrument für Kampagnen eingesetzt und bei den Prognosemärkten (Prediction markets) wird es auf die Spitze getrieben: Es lässt sich auf reale Ereignisse wetten, wie auf Pferderennen. Die Risiken sind enorm, wie man in den USA sieht, wo dieser Mechanismus zu einer Art Korruptions-Gamification führt. Man könnte den Eindruck bekommen, dass ein unschuldiger, schöner Mechanismus nach der Logik der Märkte in ein kapitalistisches Monster verwandelt wurde. Stimmt das? Und sollten wir uns darüber ärgern – oder das vielmehr als Gelegenheit erkennen, uns gegen derlei Mechanismen zu wappnen, um uns mündig zu entscheiden, wann wir uns gamifizieren lassen und wann nicht?
28 Minuten
Kevin unterstützt regelmässig kleinere Unternehmen bei Digitalisierung, Automatisierung und der Integration von KI. Dabei stellt er fest, dass das grösste Hindernis häufig gar nicht die Technik ist: Viele Unternehmen wissen schlicht nicht, was heute möglich ist, welche ihrer Arbeitsabläufe sich verbessern liessen und wo sie überhaupt anfangen sollen. Wie geht man vor, um eingespielte Routinen zu hinterfragen? Wir debattieren die Tücken der Digitalisierung anhand konkreter Beispiele: vom Reservationsbuch im Restaurant über Arbeitsrapporte im Gartenbau bis zum Excel-Chaos, bei dem vier Leute damit beschäftigt sind, Zahlen von einer Tabelle in die nächste zu übertragen. Dabei zeigt sich, dass digital nicht automatisch besser ist. Manchmal ist ein Notizzettel praktischer als eine App, und eine ausgeklügelte Software kann mehr Probleme schaffen, als sie löst. Auch die KI kommt zur Sprache: Sie eröffnet neue Möglichkeiten, lästige Routinearbeiten zu automatisieren, ohne dass man dafür programmieren können muss. Allerdings muss man erst einmal wissen, was sich damit alles anstellen lässt. Und Matthias berichtet von einer überraschenden Erkenntnis: Seit sein Arbeitgeber eine moderne Software zur Zeiterfassung eingeführt hat, sehnt er sich nach den guten alten Stundenblättern aus Papier zurück. Ist die künstliche Intelligenz am Ende die Rache der Digitalisierungsverweigerer?
31 Minuten
Übers Wochenende konnte man den Eindruck bekommen, die Menschheit stünde kurz vor der Auslöschung. Doch nicht die Klimakatastrophe, der mögliche Zusammenbruch der Biodiversität oder die neuen rechten Potentaten werden uns mit ihren Kriegsgelüsten vom Angesicht der Erde tilgen. Nein, es ist die künstliche Intelligenz, die sich angeblich kein Stück um unser Wohlergehen sorgt. Am Anfang stand die Warnung eines ehemaligen Forschers beim KI-Unternehmen Anthropic. Jacob Coxon schrieb auf X, dass «die Menschen, die KI entwickeln, ernsthaft glauben, dass sie uns alle bis zum Ende des Jahrzehnts töten könnte». Nicht nur Anthropic-Chef Dario Amodei stimmte zu und forderte mehr Regulierung und ein langsameres Tempo bei der Entwicklung, sondern in der Folge auch Sam Altman, Demis Hassabis und Elon Musk. Manche Medien sprangen freudig auf: Manche (wie die FAZ, Euronews und Watson) räumten den Untergangsprophezeiungen viel Raum ein. Andere (wie «The Guardian») stellten sich auf den Standpunkt, die «Terminator-Szenarien würden von den wirklichen Gefahren ablenken». Unsere These: Die Extinktionsfrage ist nicht völlig absurd – aber sie ist derzeit die am schlechtesten belegte aller grossen KI-Gefahren. Gerade deshalb lohnt sich die Frage, warum ausgerechnet sie die Debatte dominiert. Darüber diskutieren wir: Was sind sie denn, die wirklichen Gefahren? Was können wir dagegen tun? Und warum findet es anscheinend niemand fragwürdig bzw. scheinheilig, wenn diejenige, die die Entwicklung so rasant vorantreiben, nun so auftreten, als hätten sie nichts mit der Sache zu tun?
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