ZEIT-Podcast "Nur eine Frage"
Diese Podcastfolge klingt anders - weil KI sie übersetzt hat
Hitzige Debatte: Im Podcast "Nur eine Frage" spricht Jonathan Haidt über die Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder. Doch nicht nur das Thema des Podcasts ist äußerst spannend, sondern auch die technische Umsetzung: eine KI übersetzte das englische Gespräch ins Deutsche – ist das ab jetzt immer so?
Immer und überall erreichbar sein, das Smartphone dauernd dabei haben und ständig auf Social Media gehen - Hauptsache abgelenkt sein. Instagram, TikTok und Co. sind aus dem Alltag vieler Menschen kaum mehr wegzudenken. Doch während sie Menschen auf der ganzen Welt vernetzen, verbergen sich auch Gefahren in den sozialen Medien - gerade für Kinder und Jugendliche.
Genau mit diesem Thema beschäftigt sich auch die aktuelle Folge Sind unsere Kinder glücklicher ohne soziale Medien? des Zeit Online-Podcasts Nur eine Frage. Gast ist dabei kein Geringerer als der renommierte US-amerikanische Sozialpsychologe Jonathan Haidt. In Nur eine Frage versucht Jochen Wegner die weltbesten Experten zu interviewen und von ihnen eine klare Antwort auf die Ausgangsfrage zu erhalten.
Das Gespräch führten die Hosts auf Englisch, eine KI übersetzte es ins Deutsche. Mit dieser KI-Übersetzung probiert sich Zeit Online an einem Podcast-Feature, das es so in Deutschland bisher kaum gibt.
Sozialpsychologe Jonathan Haidt im Podcast: "Social Media ist eine Plage für unsere Kinder."
Inhaltlich ist die Position von Haidt ziemlich eindeutig: Er sieht in der Verbreitung von Smartphones und sozialen Netzwerken einen wichtigen Grund dafür, dass es vielen Jugendlichen psychisch schlechter geht als früher. Er beschreibt, dass seit den frühen 2010er-Jahren Probleme wie Angst oder Depressionen deutlich zugenommen hätten.
Vor allem die dauerhafte Präsenz von sozialen Medien spiele dabei für ihn eine große Rolle, weil sie den Druck auf junge Menschen erhöhe, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Gleichzeitig wird im Gespräch aber auch klar, dass sich solche Entwicklungen nicht ganz einfach beweisen lassen. Es gibt zwar Zusammenhänge, aber keine eindeutigen Beweise dafür, dass Social Media allein die Ursache für die steigende Depressionsrate bei Kindern und Jugendlichen ist.
Viel Potenzial: Aktuelle Folge vom Zeit-Podcast wurde mit KI übersetzt
Ähnlich wie die Debatte, ob soziale Medien nun für Kinder und Jugendliche verboten werden sollten, dürfte auch KI-Übersetzung in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Mit der deutschen Übersetzung einer englischen Podcast-Folge gibt Zeit Online einen Vorgeschmack darauf, wie Künstliche Intelligenz Podcasts zukünftig revolutionieren könnte.
Eine KI-Übersetzung kann Podcasts international zugänglicher machen und ermöglicht es, Interviews mit nicht-deutschsprachigen Gästen einfacher zu veröffentlichen. So kann jeder überall auf der Welt Podcasts hören, egal auf welcher Sprache sie sind. Das wäre ein enormer Fortschritt für Publisher und bietet viel Potenzial für die internationale Verbreitung von Podcasts.
Noch leidet die Qualität: Künstliche Übersetzung von Podcasts
Bis dieser Punkt erreicht ist, braucht es aber noch technische und redaktionelle Anpassungen. Ein Podcast lebt normalerweise von Authentizität und Verständlichkeit - von dem Gefühl, ganz nah am Geschehen zu sein. Faktoren wie Klang, Stimmfarbe und natürliche Pausen sind wichtig, damit Hörer gerne zuhören und nicht abschalten. Eine KI-Stimme kann hierbei jedoch eine gewisse Distanz verursachen. Durch den leicht unnatürlichen Klang der KI und unpassende Pausen entsteht ein ungewohnter Sprechfluss, der teilweise anstrengend zu verfolgen ist.
Zudem fällt gerade bei den Passagen von Jonathan Haidt auf, dass die KI nicht alles akzentfrei übersetzen kann. So betont sie deutsche Wörter teilweise englisch, obwohl das bei der Übersetzung von Wegner und Hegemann nicht der Fall ist. Auch die Stimmfarbe der KI hört sich eher technisch an und es wird klar, dass hier kein echter Mensch spricht - worunter auch die Hörqualität etwas leidet. Daher wirkt das Gespräch mehr wie ein vorgelesener Text, was Haidt in übersetzter Version gewissermaßen die Persönlichkeit nimmt.
Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Podcaster und ihre Hörer
Nichtsdestotrotz löst die KI-Übersetzung aber vor allem ein grundlegendes Problem: Sprache als Barriere. Bisher war es oft so, dass Interviews mit internationalen Gästen entweder gar nicht übersetzt wurden oder man mit Untertiteln, Zusammenfassungen oder nachgesprochenen Versionen arbeiten musste. Mit KI kann ein Gespräch dagegen relativ schnell in eine andere Sprache übertragen und direkt als Podcast veröffentlicht werden. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, weil Inhalte nicht mehr so stark an eine Sprache gebunden sind.
Auch die Vielfalt der Podcast-Landschaft könnte durch künstliche Übersetzungen deutlich erweitert werden. So können Podcasts in Zukunft internationale Experten leichter einbinden, ohne ihr Publikum einzuschränken - ein enormer Mehrwert für Hörer, sowie für die Experten.
Letztendlich zeigt die Folge aber auch deutlich, wo momentan noch die Grenzen der künstlichen Intelligenz liegen. Gerade bei Podcasts, die stark von Verständlichkeit und Gesprächsdynamik leben, fällt eine künstliche Übersetzung besonders auf. Es ist aber gut vorstellbar, dass sich genau das mit der Weiterentwicklung solcher Technologien schon bald deutlich verändern wird - und der KI-Übersetzung bei Podcasts somit nichts mehr im Wege steht.
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