Mythos Marathon

Mythos Marathon

vor 1 Woche
Warum der Marathon-Lauf 42,195 Kilometer lang ist.
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Lügen, Legenden, Irrtümer der Geschichte

Beschreibung

vor 1 Woche
Die überlieferte Geschichte des Marathon-Laufs geht so: Nach der
Schlacht von Marathon im Jahr 490 vor Christus, bei der die
Griechen die eindringenden Perser zurückschlagen konnten, läuft ein
griechischer Bote nach Athen, und ruft: „Wir haben gesiegt!“ Und
fällt dann tot um. Eine perfekte Geschichte. Ein Mann, eine
Botschaft, ein Opfer. Das ist Hollywood, lange bevor Hollywood
erfunden wurde. Was stimmt: Die Perser landen bei Marathon, etwa
vierzig Kilometer nordöstlich von Athen. Für Athen ist das eine
existenzielle Bedrohung. Die Perser sind die Großmacht der Zeit.
Die Athener wissen, allein wird das schwierig. Wir müssen Hilfe
holen. Also schicken sie einen professionellen Botenläufer los.
Einen sogenannten Hemerodromos, einen Tageläufer. Diese Männer
waren die Expressdienste der Antike. Und dieser Läufer heißt bei
Herodot, der wichtigsten frühen Quelle, Pheidippides, manchmal auch
Philippides. Er läuft nicht von Marathon nach Athen, sondern von
Athen nach Sparta. Das sind ungefähr 240 Kilometer. Aber jetzt
kommt der entscheidende Punkt: Herodot erwähnt an keiner Stelle den
berühmten Lauf von Marathon nach Athen mit anschließendem Tod.
Diese Geschichte taucht erst viel später auf, bei Autoren wie
Plutarch und Lukian und dort auch noch mit unterschiedlichen Namen.
Das heißt, der Marathonlauf, wie wir ihn kennen, beruht auf einer
späteren Verdichtung. Aus einem überlieferten Botenlauf nach Sparta
wird irgendwann ein dramatischer Todeslauf nach Athen. Eigentlich
müsste die Disziplin also nicht Marathon heißen, sondern
Spartathlon. Aber der Mythos Marathon hatte etwas, das der
Sparta-Lauf nicht hatte: Er war knapp, dramatisch, einfach zu
erzählen. Ein Mann, ein Sieg, ein Tod. Zeitsprung: Die modernen
Olympischen Spiele werden geplant. Pierre de Coubertin will ein
internationales Sportfest schaffen, das an die Antike anknüpft. Und
dann kommt Michel Bréal, ein französischer Sprachwissenschaftler,
mit einer Idee: Warum nicht einen Lauf von Marathon nach Athen
veranstalten? 1896, bei den ersten modernen Olympischen Spielen in
Athen, wird dieser Lauf tatsächlich ausgetragen. Die Strecke
beträgt ungefähr 40 Kilometer. Und ausgerechnet ein Grieche gewinnt
den Lauf. Spiridon Louis läuft als Erster ins Panathinaikos-Stadion
ein und wird ein Volksheld. 2 Stunden, 58 Minuten, 50 Sekunden. Für
damalige Verhältnisse eine Sensation. Griechenland gerät in einen
nationalen Rausch. Der Marathon ist geboren, nicht als exakt
vermessene Sportdisziplin, sondern als patriotisches Theater..
Wohlgemerkt: Um 1900 herum war Marathon eher eine Idee als eine
Zahl. Mal 40 Kilometer, mal etwas mehr, mal etwas weniger. Das
hielt nicht so genau. Aber dann kommt Olympia London 1908. Und
jetzt wird es very britisch: Der Marathon soll am Windsor Castle
starten und im White City Stadium enden. Ursprünglich denkt man an
26 Meilen. Das wären, wir nehmen es jetzt mal ganz genau, 41,8429
Kilometer gewesen. Dann kommen Wünsche des Königshauses ins Spiel.
Der Startpunkt soll möglichst so liegen, dass die königlichen
Kinder ihn vom Castle aus sehen können. Und das Ziel soll vor der
königlichen Loge liegen. Also wird die Strecke etwas angepasst. Und
landet bei exakt bei 42,195 Kilometern. Und so ist es bis heute
geblieben.

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