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  4. Episode 62 - Von der Laus zur Schallplatte
Bevor Kunststoffe unseren Alltag bestimmten, gab es einen
Werkstoff, der Möbel glänzen ließ, Schallplatten zum Klingen
brachte, Briefe versiegelte und elektrische Geräte isolierte:
Schellack. 

Heute erlebt dieses fast vergessene Naturmaterial sogar eine
Renaissance in der nachhaltigen Elektronik.

Die Geschichte beginnt bei der Lackschildlaus. Die nur wenige
Millimeter großen Insekten leben vor allem in Indien und Thailand
und scheiden ein Harz aus, das sie und ihre Eier schützt. Dieses
Harz wird von den Ästen abgekratzt, gereinigt und durch Erhitzen
zu den bekannten Schellack-Flocken verarbeitet.

Schon im 19. Jahrhundert wurde Schellack vielseitig genutzt.
Besonders beliebt war er als Möbelpolitur, die Holzoberflächen
einen tiefen Glanz verlieh. Außerdem war er ein wichtiger
Bestandteil von Siegellack, mit dem Briefe und Dokumente
verschlossen wurden.

Seine größte Bedeutung erlangte Schellack jedoch in der
Tonaufzeichnung. Bis in die 1950er-Jahre bestanden die meisten
Schallplatten aus einer Mischung mit hohem Schellackanteil. Diese
78-Umdrehungen-Platten machten Musik erstmals massenhaft
verfügbar, waren jedoch schwer und zerbrechlich. Erst Vinyl
verdrängte sie schließlich vom Markt.

Auch in der Elektrotechnik spielte Schellack eine wichtige Rolle.
Aufgrund seiner guten Isolationseigenschaften wurde er zum Schutz
von Spulen, Transformatoren und anderen elektrischen Bauteilen
verwendet – lange bevor moderne Kunststoffe verfügbar waren.

Mit dem Siegeszug synthetischer Materialien verlor Schellack
viele seiner Einsatzgebiete. Ganz verschwunden ist er jedoch
nicht. Bis heute wird er bei der Restaurierung von Möbeln, im
Instrumentenbau sowie als Überzug für Medikamente und Süßwaren
eingesetzt.

Besonders interessant ist sein mögliches Comeback in den
sogenannten Green Electronics. Forscher untersuchen, ob Schellack
als biologisch abbaubare Isolationsschicht oder als
Trägermaterial für elektronische Bauteile genutzt werden kann. Da
er aus einer nachwachsenden Quelle stammt und gute elektrische
Eigenschaften besitzt, könnte er helfen, den wachsenden
Elektroschrott zu reduzieren.

Schellack zeigt damit eindrucksvoll, wie ein jahrhundertealtes
Naturmaterial auch in modernen Technologien eine neue Rolle
finden kann – von der Lackschildlaus über die Schellackplatte bis
hin zur nachhaltigen Elektronik der Zukunft.

Landung der Ilyushin IL-62 in Stölln

Sendung mit der Maus -  Wie werden Schallplatten gemacht?

 

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