#59 Buhlschaft und Streckbank - Die Hexenverfolgungen

#59 Buhlschaft und Streckbank - Die Hexenverfolgungen

vor 1 Woche
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Beschreibung

vor 1 Woche

Mit Gisela Muschiol: Das ist einer der populären Irrtümer in der
deutschen Geschichte: Die Hexenverfolgungen haben nicht im
Mittelalter stattgefunden, sie waren ein Phänomen der Neuzeit.
40.000 - 60.000 Menschen wurden in Europa wegen angeblicher
Hexerei hingerichtet.


Die Europäer hatten bereits begonnen, Amerika zu kartographieren,
auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig traf sich die
intellektuelle Elite und Johannes Kepler war schon davon
überzeugt, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht
umgekehrt.


Doch selbst der Begründer der modernen Naturwissenschaften
-Johannes Kepler - war vom Hexenglauben betroffen: Seiner Mutter
Katharina wurde der Prozess gemacht: wegen Anmischung eines
„Hexentranks“ und „Schadenzaubers“. Dabei war ihr Sohn zur Zeit
der Anklage der Hofastronom des Kaisers. Aber sein VIP-Status
schützte seine Mutter nicht vor der Hexenverfolgung. Eine
Nachbarin hatte seine Mutter beschuldigt, ihr einen Zaubertrank
verabreicht zu haben. Zusätzlich verspürte ein 8-jähriges Mädchen
einen heftigen Schlag, als Katharina Kepler sie im Vorbeigehen
berührte. Solche Nebensächlichkeiten reichten, um einen Prozess
mit Todesstrafe anzustrengen.


Hexen wurde die „Buhlschaft“, also der Beischlaf mit dem Teufel,
unterstellt. Männern auch: Eine tatsächliche sexuelle Beziehung
mit dem Teufel. Diese Beziehung, so glaubte man, verleihe ihnen
übernatürliche Kräfte. Hexen könnten in der Nacht fliegen,
einerseits um nach Kindern zu suchen, denen sie das Blut
aussaugen können und andererseits um sich mit anderen Hexen zum
Hexensabbat zu treffen. Heute hört sich das nach einer nicht ganz
jugendfreien Form von Bibi Blocksberg an. Vor 500 Jahren waren
aber viele Menschen davon überzeugt. Auch davon, dass Hexen mit
dem sogenannten „Schadenzauber“ jedes Elend über ihre Mitmenschen
bringen können.


Mit Gisela Muschiol, Professorin für Kirchengeschichte an der Uni
Bonn, spreche ich über den Wahn, den man damals für völlig
logisch hielt und die Frage, warum es 80 Jahre dauerte, bis
kritische Gedanken gegen die Hexenprozesse Gehör fanden.

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