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Episoden
18.02.2026
1 Stunde 13 Minuten
Mit Carla Meyer-Schlenkrich:
Wir sind in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Mainzer Johannes
Gutenberg hatte einen revolutionären Einfall. Er stellte einzelne
Buchstaben aus Metall her, die er für jeden Text beliebig zu
Wörtern, Sätzen und Absätzen zusammensetzen und wieder
auseinandernehmen konnte. Von den Weinbauern seiner Gegend
schaute er sich die Spindelpresse ab und mixte aus Leinöl und Ruß
Druckerschwärze. Schon in seinen ersten Druckwerken entwickelte
er eine Präzision, die noch heute bewundert wird. Um den
Blocksatz akkurat herzustellen, goss er jeden Druckbuchstaben des
Alphabets in zehn unterschiedlichen Breiten. Damit jede Zeile
exakt gleichlang war, konnte er mit den unterschiedlich breiten
Metallbuchstaben die Abstände haargenau anpassen. Sein erstes
gedrucktes Buch war die Bibel mit einer Auflage von 180 Stück. 49
sind davon noch heute erhalten unter anderem in Berlin, New York
oder Tokio. Kurze Zeit später schossen in ganz Europa
Druckerpressen aus dem Boden und die Medienrevolution begann...
Aber stimmt die Geschichte der Medienrevolution aus Mainz
eigentlich? Was hätte Gutenberg ohne Papier gemacht? Oder ohne
Leser? Die Revolution, sagt Carla Meyer Schlenkrich, hat
mindestens 100 Jahre früher eingesetzt, als immer mehr Menschen
lesen und schreiben lernten und sich die Erfindung des Papiers
langsam verbreitete. Ohne Papier kein Druck und ohne Leser keine
Bücher. Die eigentliche Medienrevolution schlich auf leisen
Sohlen durchs Spätmittelalter.
Die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
www.99xgeschichte.de
Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner
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"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der
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11.02.2026
59 Minuten
Mit Julia Burkhardt:
Als Sigismund 1411 König wurde, war er 43 Jahre alt. Ein bewegtes
Leben lag bereits hinter ihm. Seit 24 Jahren war er König von
Ungarn und hatte gelernt sich machtpolitisch durchzusetzen.
Als römisch-deutscher König stellte er sich der Aufgabe, das
große Schisma, also die Teilung der Kirche unter drei Päpste, zu
überwinden.
Sigismund lud im November 1414 Vertreter der gesamten
Christenheit zum Konzil nach Konstanz. Schätzungsweise waren es
mehr als 50.000 Konzilsteilnehmer, die in die kleine Stadt am
Bodensee strömten. 33 Kardinäle, 300 Bischöfe, 500 Äbte,
Heerscharen von Gelehrten, Unterhändlern und Bodyguards. Sogar
700 Prostituierte wurden offiziell registriert. Die 50.000
Menschen blieben jahrelang. Konstanz war für diesen Andrang gar
nicht geschaffen.
4 Jahre dauerte der Ausnahmezustand am Bodensee. Eine bewegte
Verhandlungszeit. Der Papst aus Pisa floh nach 5 Monaten
verkleidet als Stallknecht nach Freiburg. Der Papst aus Rom trat
freiwillig zurück und der aus Avignon wurde abgesetzt. Damit war
der Weg für eine neue Papstwahl frei. Die fand gleich in Konstanz
am Hafen statt. Das Gebäude steht heute immer noch. Ein
Warenlager funktionierte man zum Konklave um und einigte sich
endlich auf nur einen Papst: Martin V. Das große Schisma war
beendet. 7 Jahre nach seiner Königswahl hatte Sigismund sein Ziel
erreicht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Umso erstaunlicher, dass das Schicksal eines einfachen
tschechischen Predigers, das restliche Leben von Sigismund
dominieren sollte. Die Kirche machte dem Reformgelehrten Jan Hus
während des Konzils in Konstanz den Prozeß. Jan Hus starb auf dem
Scheiterhaufen, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit
zugesichert hatte. Daraufhin brachen in Böhmen die Hussitenkriege
aus, die Sigismund und die Reichspolitik Jahrzehnte in Atem
hielten.
Ich spreche mit der Julia Brukhardt, Professorin für
mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität
München, über den zupackenden König- und Kaiser und die
Voraussehbarkeit der Revolte in Böhmen.
Die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
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04.02.2026
49 Minuten
Mit Christian Oertel
Der römisch deutsche König Wenzel hält den Rekord an übler
Nachrede unter den Königen und Kaisern in der deutschen
Geschichte. Wenzel, der Sohn von Karl IV., regierte 22 Jahre lang
das römisch-deutsche Reich. Zumindest sah er das so. Die
Kurfürsten waren anderer Meinung und setzen Wenzel nach 22 Jahren
ab. Wegen Untätigkeit. Sie nannten ihn „unwürdig“ und „unnütz“.
Eine beispiellose Demütigung. Zusätzlich verunglimpfte ihn der
Papst. Wenzel hätte nicht nur einen verdorbenen Charakter,
sondern sei weitgehend untätig geblieben, schrieb er 50 Jahre
nach Wenzels Tod. Mit dem vernichtenden Urteil des Papstes bekam
Wenzel in der Geschichtsschreibung den Beinnamen: „der Faule“.
Schon zu seinen Lebzeiten häuften sich Horrogeschichten von
Peitschen und Kampfhunden mit denen er auf Untergebene
losgegangen sein soll. Er habe Löwen zur Einschüchterung seiner
Gegner gehalten, Reliquien zerstört und Prag angezündet. Dabei
wäre er der Völlerei und der Trunksucht verfallen.
Doch was ist dran an den Vorwürfen? Sie alle haben eines
gemeinsam: Sie stammen von seinen Gegnern. Der Papst verachtete
ihn, weil Wenzel als König von Böhmen den Reformator Jan Hus
unterstützte. Wenzel selber kümmerte sich nicht um
breitenwirksame Gegen-PR sondern ließ erlesene
Prachthandschriften herstellen, die seine Königswürde beweisen
sollten.
Vielleicht war er kein "natural born leader" sagt der Historiker
Christian Oertel, aber ganz so schlimm, wie ihn seine Gegner
zeichneten, wird er wohl nicht gewesen sein. Im Gegenteil:
Vielleicht war er seinen Zeitgenossen in manchen Punkten seiner
Herrschaftspraxis einfach weit voraus...
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28.01.2026
1 Stunde 1 Minute
Mit Gregor Rohmann:
Was bleibt von Klaus Störtebeker und der Seeräuberromantik des
Mittelalters, wenn man zeitgenössische Quellen erforscht? Darüber
sprechen wir heute.
Die Vitalienbrüder waren Gewaltunternehmer zur See und keine
sozialromantischen Freibeuter sagt Gregor Rohmann, Professor für
die regionale Kulturgeschichte Mecklenburgs in Rostock. Jede
Konfliktpartei auf der Ostesee konnte sie engagieren. Die
dänische Königin genauso, wie die Meckelnburger Herzöge oder die
Hanse. Die Vitalienbrüder wechselten oft die Seiten. In einer
Zeit ohne wirksames Gewaltmonopol waren sie legitime Unterstützer
zur Durchsetzung des privaten Rechts. So jedenfalls, sah der
jeweilige Auftraggeber seine Mitkombattanten. Für die jeweiligen
Gegner waren die Vitalienbrüder meistens die "Piraten".
Erst durch die Geschichtsschreibung entsteht die Legende von
Klaus Störtebeker, dem legendären Anführer. Gregor Rohmann
erforscht seit Jahrzehnten die zeitgenössischen Quellen und fand
keinen Hinweis auf einen "Klaus" Störtebeker im Zusammenhang mit
den Söldnern zur See. Vielleicht war "Johannes" Störtebeker aus
Danzig gemeint. Der wurde allerdings nie hingerichtet sondern am
Ende seines Lebens, friedlich in Rostock eingebürgert.
Über die Fahndung nach Klaus Störtebker und was wir heute
gesichert über die Vitalienbrüder wissen, darüber spreche ich mit
dem Historiker Gregor Rohmann in dieser Episode.
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21.01.2026
1 Stunde 9 Minuten
Mit Angela Huang:
Die Hanse war das größte Europäische Handelsnetzwerk im
Mittelalter. Es erstreckte sich über den ganzen Ostseeraum und
darüber hinaus. Die Hanse hatte Niederlassungen in Russland,
Norwegen, London und Brügge. Den ersten Hansetag, das Treffen
aller aktuellen Mitglieder der Hanse, datieren wir ins Jahr 1358.
Auch nach 668 Jahren ist sie bis heute in vielen Fragen eine
Black Box. Die Hanse führte kein Mitgliederverzeichnis. Es war
nie ganz klar, wer außer Lübeck, Köln und Hamburg gerade mit an
Bord war. Auch Paderborn, Soest oder Magdeburg gehörten ihr
zeitweise an. Aber seit wann und wie lange? Kein
Mitgliederverzeichnis, keine Angestellten und sowieso kein
Organigramm...Und trotzdem wurde sie die Hanse die mächtigste
Handelsorganisation des Mittelalters.
Ich spreche mit Dr. Angela Huang, der Leiterin der
Forschungsstelle zur Geschichte der Hanse und des Ostseeraums am
Europäischen Hansemuseum in Lübeck. Was war das Erfolgsrezept der
verschwiegenen Kaufleute und warum hielt ihr Ostseemonopol 300
Jahre lang?
Das alles und wie jeder von uns sich an der aktuellen
Hanseforschung beteiligen kann, hört ihr in dieser Folge.
Den link zum citizen science Projekt, die Reisetipps und viele
Bilder findet Ihr hier:
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Über diesen Podcast
Die deutsche Geschichte vom Neandertaler bis Angela Merkel. Die
Podcastserie reist in 99 Folgen durch die deutsche Geschichte. Du
lernst spannende Orte und Expertinnen kennen und bekommst den
Überblick über das, was war.
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