Die Schwarze Witwe von La Porte

Die Schwarze Witwe von La Porte

vor 2 Wochen
Wie Belle Gunness verschwand – und ein Massengrab zurückließ
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Wahre Fälle. Wahre Täter. Wahnsinn pur.

Beschreibung

vor 2 Wochen

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Einstieg: Der Brand in der Nacht 



Es war die Nacht des 28. April 1908, als Flammen den Himmel über
einer abgelegenen Farm nahe La Porte, Indiana, färbten. Das
Holzhaus stand in Vollbrand, Funken stoben in den Wind, während
Nachbarn aus ihren Betten eilten. Es war ein vertrautes Gebäude,
gehörte einer Frau, die man in der Gegend kannte: groß, kräftig,
zurückgezogen. Ihr Name: Belle Gunness. 



Als das Feuer schließlich erlosch, blieb nur ein verkohltes
Skelett zurück – und die Erwartung, dass die Besitzerin tot sei.
Doch die Ermittler fanden etwas, das nicht passte: eine kopflose
Leiche, deutlich kleiner als die Frau, die sie darstellen
sollte. 



Was zunächst wie ein tragischer Hausbrand erschien, entwickelte
sich rasch zu einem der rätselhaftesten und erschütterndsten
Kriminalfälle der amerikanischen Geschichte. 



 


Hintergrund: Eine Frau aus Norwegen 



Geboren wurde Belle Gunness 1859 als Brynhild Paulsdatter
Størseth in Selbu, Norwegen. Ihre Kindheit verlief in einfachen
Verhältnissen, geprägt von harter Arbeit und sozialer Enge.
Berichte aus ihrer Jugend zeichnen das Bild einer stillen, aber
robusten jungen Frau. Eine oft zitierte, jedoch nicht eindeutig
belegte Episode beschreibt, wie sie schwanger gewesen sein soll
und nach einem gewaltsamen Angriff ihr Kind verlor. Ob dieses
Ereignis tatsächlich stattfand, bleibt ungewiss – doch es wurde
später als möglicher Wendepunkt in ihrer Biografie
interpretiert. 



1881 wanderte sie in die Vereinigten Staaten aus. Wie viele
Einwanderer suchte sie dort ein besseres Leben. Sie ließ sich
zunächst in Chicago nieder, heiratete und begann ein Leben, das
äußerlich stabil wirkte. 



Doch hinter dieser Fassade häuften sich auffällige
Todesfälle. 



 


Die ersten Verluste – und
Versicherungen 



Ihr erster Ehemann, Mads Sorenson, starb 1900. Offiziell an
Herzversagen. Doch auffällig war, dass er an einem Tag starb, an
dem zwei seiner Lebensversicherungen gleichzeitig ausliefen –
beide wurden ausgezahlt. 



Zuvor waren bereits mehrere Kinder des Paares unter
ungewöhnlichen Umständen gestorben. Offiziell wurden Krankheiten
als Ursache angegeben, doch spätere Ermittlungen stellten diese
Diagnosen infrage. 



Nach dem Tod ihres Mannes zog Belle Gunness nach Indiana und
kaufte eine Farm nahe La Porte. Dort begann ein neues Kapitel –
eines, das bald von einer Serie mysteriöser Vermisstenfälle
begleitet wurde. 



 


Tatmuster: Kontaktanzeigen und verschwundene
Männer 



Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nutzte Belle Gunness ein Medium,
das damals weit verbreitet war: Zeitungsannoncen. Sie gab
Kontaktanzeigen auf, in denen sie sich als wohlhabende Witwe mit
Farm präsentierte, die einen zuverlässigen Mann
suche. 



Die Resonanz war groß. Männer aus verschiedenen Teilen der USA –
oft alleinstehend, häufig mit etwas Vermögen – antworteten auf
ihre Anzeigen. Einige reisten nach La Porte, angeblich mit
Ersparnissen im Gepäck, um ein neues Leben zu
beginnen. 



Viele von ihnen wurden nie wieder gesehen. 



Nachbarn berichteten später, dass immer wieder fremde Männer auf
der Farm ankamen – und ebenso regelmäßig verschwanden. Belle
erklärte dies damit, dass sie weitergereist seien oder sich
anders entschieden hätten. 



Doch es gab keine Briefe, keine Spuren, keine
Rückmeldungen. 



 


Der zweite Ehemann und weitere
Ungereimtheiten 



1902 heiratete sie erneut: Peter Gunness, ein Witwer mit Kindern.
Kurz nach der Hochzeit starb eines seiner Kinder unter
ungeklärten Umständen. Wenige Monate später kam auch er ums Leben
– angeblich durch einen Unfall, bei dem eine schwere
Fleischmaschine auf ihn gefallen sei. 



Auch hier wurde eine Versicherungssumme ausgezahlt. 



Die Häufung von Todesfällen in ihrem Umfeld begann aufzufallen –
doch konkrete Beweise fehlten zunächst. 



 


Das Massengrab auf der Farm 



Nach dem Brand im Jahr 1908 begannen die Ermittler, das Gelände
der Farm systematisch zu durchsuchen. Was sie fanden,
erschütterte selbst erfahrene Beamte. 



Im Garten, unter frisch umgegrabener Erde, entdeckten sie
menschliche Überreste. Zunächst einzelne Knochen, dann
vollständige Skelette – zerstückelt, teils verbrannt, teils
vergraben. 



Insgesamt wurden die Überreste von mindestens einem Dutzend
Menschen gefunden. Einige Schätzungen gehen von deutlich mehr
Opfern aus. 



Die Identifizierung war schwierig. Doch persönliche Gegenstände,
Briefe und Zeugenaussagen führten zu einer erschreckenden
Erkenntnis: Viele der Vermissten waren Männer, die auf ihre
Kontaktanzeigen geantwortet hatten. 



 


Ermittlungen: Ein Netz aus Täuschung 



Die Ermittlungen konzentrierten sich zunehmend auf Belle Gunness
selbst. War sie unter den Toten – oder hatte sie ihren eigenen
Tod inszeniert? 



Ein entscheidender Hinweis kam von Ray Lamphere, einem ehemaligen
Angestellten der Farm. Er war zuvor wegen Belästigung verhaftet
worden und hatte eine komplizierte Beziehung zu
Gunness. 



Lamphere wurde verdächtigt, das Feuer gelegt zu haben. Während
seiner Verhöre äußerte er den Verdacht, dass Belle Gunness noch
lebte. Er beschrieb, wie sie Männer betäubt oder vergiftet habe,
bevor sie ihre Körper zerstückelte und vergrub. 



Seine Aussagen waren detailliert, aber nicht in allen Punkten
überprüfbar. 



 


Der Prozess gegen Lamphere 



Ray Lamphere wurde wegen Brandstiftung angeklagt. Der Prozess zog
große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Frage, ob Belle
Gunness tot oder auf der Flucht sei, dominierte die
Berichterstattung. 



Lamphere wurde schließlich wegen Brandstiftung verurteilt, jedoch
nicht wegen Mordes. Er starb später im Gefängnis an
Tuberkulose. 



Vor seinem Tod soll er einem Pfarrer gegenüber erklärt haben,
dass Belle Gunness das Feuer selbst geplant habe, um ihre Spuren
zu verwischen und zu verschwinden. 



 


War Belle Gunness unter den Toten? 



Die Identität der im Haus gefundenen Frauenleiche blieb
umstritten. Die Körpergröße passte nicht zu Gunness, ebenso wenig
das Gewicht. Zudem fehlte der Kopf – was eine Identifizierung
zusätzlich erschwerte. 



Einige Ermittler hielten es für wahrscheinlich, dass sie eine
andere Frau als Doppelgängerin genutzt hatte, um ihren Tod
vorzutäuschen. 



Berichte über Sichtungen einer Frau, die ihr ähnelte, tauchten in
den Jahren danach immer wieder auf – jedoch ohne definitive
Bestätigung. 



Bis heute gilt ihr Schicksal als ungeklärt. 



 


Motiv: Gier, Kontrolle und Täuschung 



Die Ermittlungen deuteten darauf hin, dass finanzielle Motive
eine zentrale Rolle spielten. Viele der Opfer hatten Geld bei
sich oder hatten zuvor ihr Vermögen liquidiert. 



Doch es ging offenbar nicht nur um Geld. Die systematische
Vorgehensweise, die Täuschung über lange Zeiträume und die
Kontrolle über ihre Opfer weisen auf ein komplexeres Motivbild
hin. 



Belle Gunness agierte planvoll, geduldig und mit hoher sozialer
Anpassungsfähigkeit. Sie nutzte gesellschaftliche Erwartungen –
etwa die Rolle der hilfsbedürftigen Witwe – gezielt
aus. 



 


Medien und Öffentlichkeit 



Der Fall sorgte landesweit für Schlagzeilen. Zeitungen
berichteten ausführlich über die „Lady Bluebeard“, wie sie bald
genannt wurde – eine Anspielung auf die Märchenfigur, die seine
Frauen ermordete. 



Die Berichterstattung war oft sensationsgeladen, doch sie
spiegelte auch die Faszination und das Entsetzen wider, das der
Fall auslöste. 



Eine Frau als Serienmörderin widersprach den damaligen
Vorstellungen von Geschlechterrollen – und machte den Fall
besonders außergewöhnlich. 



 


Rückwirkungen und Einordnung 



Der Fall Belle Gunness gilt bis heute als einer der bedeutendsten
Serienmordfälle der USA. Er zeigt, wie Täuschung, soziale
Isolation und fehlende Vernetzung der Behörden kriminelles
Handeln begünstigen konnten. 



Er wirft auch Fragen auf:
 Wie viele Opfer gab es tatsächlich?
 Wie konnte sie so lange unentdeckt bleiben?
 Und: Entkam sie wirklich? 



Die Antworten darauf bleiben unvollständig. 



 


Schlussbetrachtung 



Die Geschichte von Belle Gunness endet nicht mit einem Urteil. Es
gibt keinen abschließenden Beweis, kein klares Ende. Stattdessen
bleibt ein Feld aus Indizien, Zeugenaussagen und offenen
Fragen. 



Der Brand von La Porte war kein Abschluss – sondern der Beginn
eines Mythos. 



Bis heute steht ihr Name für ein Verbrechen, das sich nicht
vollständig aufklären ließ. Für eine Täterin, die möglicherweise
spurlos verschwand. Und für Opfer, deren Geschichten erst
Jahrzehnte später ans Licht kamen. 

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