#30 2026 Medienförderung NEU - Die Studie - mit Andy Kaltenbrunner

#30 2026 Medienförderung NEU - Die Studie - mit Andy Kaltenbrunner

vor 20 Stunden
In dieser Folge spricht Stefan Lassnig mit Medienforscher Andy Kaltenbrunner über seine neue Studie zur Reform der österreichischen Medien‑ bzw. Journalismusförderung und die dramatische Krise im heimischen Mediensystem. Im Zentrum stehen die Ursachen des
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Beschreibung

vor 20 Stunden

Ausgehend von der vielbeachteten Studie, die Medienforscher Andy
Kaltenbrunner für das Medienministerium erstellt hat, beschreibt
er bei Host Stefan Lassnig eine „Branche am Abgrund“: Werbegelder
fließen mehrheitlich zu internationalen Plattformen, Social Media
löst klassische Medien als Nachrichtenquelle ab und
journalistische Arbeitsplätze sind seit 2006 um rund ein Drittel
zurückgegangen. Anhand des Bildes vom „Wasserfall“ und
internationalen Vergleichen (USA, andere europäische Länder)
macht er deutlich, wie schnell sich die Erosion der
Geschäftsmodelle und der publizistischen Infrastruktur nun auch
in Österreich beschleunigt. Zugleich betont er, dass eine
geschwächte Medienlandschaft demokratiepolitische Folgen hat – wo
Journalismus in Schwierigkeiten ist, gerät auch die Demokratie in
Gefahr, wie Beispiele aus Ungarn, den USA oder Brasilien zeigen.


Ein wichtiger Strang des Gesprächs ist die bisherige, teils
intransparente Rolle öffentlicher Inserate als faktische
Medienförderung und deren jüngste drastische Kürzung, die den
Reformdruck zusätzlich erhöht. Kaltenbrunner kritisiert, dass
bestehende Förderinstrumente Oligopole eher stützen als Vielfalt
und Markteintritt neuer Angebote. Die vorgeschlagene
Neuausrichtung hin zu einer echten Journalismusförderung umfasst
einen Kern von 110 Millionen Euro, der zu jeweils 30 Millionen in
journalistische Arbeitsplätze und redaktionelle Infrastruktur
fließen soll, ergänzt um Digital‑Abo‑Förderung, Innovations‑ und
Start‑up‑Töpfe, thematische Calls sowie Mittel für
Qualitätssicherung, Aus‑ und Weiterbildung und Medienkompetenz.
Zugangsvoraussetzungen wären unter anderem öffentlicher
Informationszweck, vollständige Eigentümer‑ und Erlöstransparenz,
professionelle redaktionelle Strukturen, angemessene Bezahlung,
Redaktionsstatuten sowie die Unterwerfung unter ethische Kodizes
und eine gestärkte Selbstkontrolle (z.B. ausgebaute Presseräte).


Besonders ausführlich diskutieren Lassnig und Kaltenbrunner den
Vorschlag einer strikt politikfernen, unabhängigen
Förderkommission unter höchstrichterlichem Vorsitz, in der neben
einem KommAustria‑Mitglied auch internationale Expertinnen und
Experten vertreten sein sollen, um das „Arm’s‑length‑Principle“
gegenüber der Tagespolitik sicherzustellen. 


Kaltenbrunner unterstreicht die Dringlichkeit: Angesichts des
Kipppunktes bei Werbegeldern, der wachsenden Plattformdominanz
und EU‑beihilferechtlicher Vorlaufzeiten brauche es rasch klare
politische Entscheidungen, die auf der nun vorliegenden, im
Parlament beauftragten Studie und ihren umfangreichen
Brancheninterviews aufbauen. Am Ende plädiert er dafür, die
Medien‑ und Journalismusförderung als Infrastruktur für
demokratische Öffentlichkeit zu begreifen – nicht als bloßes
wirtschaftliches Rettungspaket – und hofft, dass der nun
angestoßene Diskurs an vielen Stellen konstruktiv weitergeführt
wird.


Links zur Folge:


Studie zum Download


Die Dunkelkammer #91 Grell, rasant, gefährlich: Über Tiktok und
den Fall Mois


Österreichischer Presserat


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