Freiräume als 1:1 Modelle

Freiräume als 1:1 Modelle

vor 3 Tagen
Wie Strasse und öffentlicher Raum die Planungskultur herausfordern
43 Minuten
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Beschreibung

vor 3 Tagen
Strassen, Plätze und öffentliche Freiräume sind in dichten urbanen
Zentren die augenfälligsten Orte, an denen widersprüchliche,
zuweilen konflikthafte Nutzungen, Interessen und Wertvorstellungen
öffentlich kollidieren – politische Situationen, die sich als
«Wicked Problems» (Rittel) zeigen und für die es keine eindeutigen
Lösungsmöglichkeiten gibt. Eine neue Planungskultur setzt nicht
mehr auf einfache Antworten, sondern auf Prozesse des Aushandelns,
Experimentierens und Lernens. Freiräume werden dabei selbst zu 1:1
Modellen urbaner Transformation: Sie machen heterogene Motive und
Akteur:innen sichtbar und verändern, welche Wissensformen und
welche neuen Governance-Modelle eine Kultur «lernender Planung» von
Eigentümer:innen und Verwaltungen erfordern. Diese Episode bringt
zwei exemplarische Freiraumentwicklungen in den Dialog, die auf
unterschiedliche Weise zu Lernorten einer neuen Planungskultur
geworden sind: Die Schützenmatte in Bern – Altstadtparkplatz,
Skatertreff, autonomes Kulturzentrum, Drogenszene, Hitzeinsel: ein
zentraler, hochgradig politischer Stadtraum, der exemplarisch für
die widersprüchlichen Anforderungen an öffentliche Räume steht.
Durch zahlreiche gescheiterte Planungsanläufe über Jahrzehnte
blockiert, wurde der Ort ab 2012 über einen ergebnisoffenen Prozess
neu erschlossen. Ausgehend von der Schützenmatte vollzog die Stadt
Bern einen strategischen Kurswechsel: An die Stelle klassischer
Lösungslogiken treten Dialogformate, Testnutzungen und
Pionierprojekte im Massstab 1:1. Teile von Tiefbau Stadt Bern
verstehen sich heute bewusst als «lernende Verwaltung» mit einer
offenen Fehlerkultur. Der Gleisbogen Dreispitz in Basel, ein
stillgelegtes Gleisfeld auf dem 50 Hektar grossen Dreispitz-Areal
der Christoph Merian Stiftung, das nicht nur die Frage aufwirft,
wie man Gleisfelder als Freiräume entwickelt, sondern wie sich
Planungsprozesse ändern müssen, wenn grosse Planungswürfe an
räumlich und zeitlich fragmentierten Bedingungen scheitern, der
Grossteil des Areals noch als Logistik- und Gewerbeareal in Betrieb
ist, Klimaveränderungen zu Hitzebelastungen führen und Fragen der
Biodiversität und des Planungsrechts aufeinandertreffen. Das Studio
Gleisbogen, eine Dialogplattform von Denkstatt sàrl, vernetzte
Eigentümerschaft, Nutzer:innen und Planende über vier Jahre
(2020–2024) und mündete in die Gründung des Vereins Studio
Dreispitz als dauerhafte Dialogstruktur zwischen Nutzung und
Planung am Ort. Judit Solt (espazium) und Lena Wolfart (ehem.
Denkstatt sàrl) sprechen mit Nadine Heller (Tiefbau Stadt Bern,
Bereich Gestaltung + Nutzung; ZORA – Zentrum öffentlicher Raum),
Walter Schenkel (Synergo), Nico Scholer (ehem. Co-Projektleiter
CMS) und Vedrana Zalac (Denkstatt sàrl) über Freiräume als
Lernräume urbaner Transformation. Wie gelingt es, politisierte
Blockaden über ergebnisoffene Prozesse aufzulösen? Was braucht es,
damit Verwaltungen den Mut finden, Fehler als Lernbedingungen
zuzulassen und in 1:1 Modellen zu testen? Welche Rolle spielen
Pioniernutzungen und temporäre Interventionen für das Lernen in
Planungsprozessen? Wie entstehen neue Organisationsarchitekturen,
wie Vereine, als zivilgesellschaftliche Trägerschaften und
Kümmerer-Strukturen, aus dem Prozess selbst? Wohin verschieben sich
Aufgabenfelder und Rollenprofile bei Politik, Verwaltungen und
Gestalter:innen? Produziert in Zusammenarbeit von Denkstatt, B/IAS
und espazium im Rahmen der Carte Blanche XX im Architekturforum
Zürich (Dez. 2024 – März 2025). Die Podcast-Gespräche sind Teil
eines Forschungsprojektes von B/IAS zu urbanen Lernprozessen. Die
Transkripte sind mit DOI versehen, zitierfähig und dauerhaft
archiviert. Ben Pohl (B/IAS / Denkstatt sàrl) — Konzeption und
Research.
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