#54 Bauernkrieg und Ritteraufstände - Die Verlierer der Neuzeit

#54 Bauernkrieg und Ritteraufstände - Die Verlierer der Neuzeit

vor 1 Tag
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Beschreibung

vor 1 Tag

Mit Hiram Kümper:


Zum ersten großen Bauernaufstand kam es 1476 im Taubertal. Der
Prediger Hans Böhm scharrte 40.000 Menschen um sich. 17 Jahre
später gründete sich im Elsass die „Bundschuhbewegung“. Die
Verschwörer wählten ihren einfachen Schnürschuh zum Symbol des
Aufstandes. 1514 begehrte in Württemberg der „arme Konrad“ auf.
Die Wut über den Landesherren, Herzog Ulrich, war grenzenlos. Der
Herzog hatte seine Hochzeit mit einem luxuriösen Fest gefeiert:
7000 Gäste schlemmten, tanzten und vergnügten sich 14 Tage lang
in Stuttgart. Und weil sein Lebensstil so teuer war, trieb er
neues Geld ein. Er ließ die offiziellen Marktgewichte reduzieren
und trieb die Preise und seine Einnahmen in die Höhe. Bis dahin
ungekannte Proteste der einfachen Stadtbevölkerung waren die
Folge.


Alle diese Aufstände wurden vom Adel brutal niedergeschlagen, die
Rädelsführer gevierteilt und an den Landstraßen aufgehängt.


Im Sommer 1524 kommt es zu ersten großen Bauernerhebungen im
Süden Württembergs, in der Nähe von Nürnberg und in Mühlhausen in
Thüringen. Im Jahr darauf formen sich bewaffnete Bauernhaufen von
jeweils mehreren tausend Kämpfern. Im April 1525 dann der
Höhepunkt.  Ausgerechnet am Ostermontag, dem Hochfest
der Auferstehung Christi, ließ der Bauernführer Jäcklein Rohrbach
den Grafen Ludwig von Helfenstein und seine Mitstreiter so lange
Spießrutenlaufen, bis sie erstochen und erschlagen niedersanken.
Die Brutalität der „Weinsberger Bluttat“ schockierte viele
Menschen bis ins Mark. Martin Luther wurde danach zum
Bauernfeind. In der Flugschrift „Wider die mörderischen und
räuberischen Rotten der Bauern“ rief er die Landesherren auf:
„man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und
öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen
muss“. 


Die Phalanx des Adels stand.  In der größten Schlacht
des Bauernkrieges im thüringischen Frankenhausen metzelte ein
Fürstenheer aus Hessen, Sachsen und Braunschweig 6000 Bauern
nieder.


Im Südwesten bekämpfte Georg Truchsess von Waldburg-Zeil mit 9000
Fußsoldaten und 1500 gepanzerten Reitern die Bauern.


Schätzungsweise kamen insgesamt 75.000 Bauern ums Leben.


Nicht nur die Bauern kämpften in dieser Zeit gegen die Obrigkeit,
auch die Ritter versuchten ihren Platz in der Gesellschaft mit
Gewalt zu verteidigen. Götz von Berlichingen verbündete sich mit
den Bauern und wurde im Odenwald ihr Hauptmann. Franz von
Sickingen führte einen der größten Ritteraufstände an und
überfiel mit 23.000 Kriegern die Reichsstadt Metz. Er überzog
Worms und Frankfurt am Main mit Fehden und erpresste den
Landgrafen von Hessen um 35.000 Goldgulden. Auch er starb, als
der Hochadel zum gemeinsamen Gegenschlag ansetzte.


Was trieb die Bauern und Ritter an? Warum wurden sie zu den
Verlieren der Neuzeit? Und wieso hatte Martin Luther kein
Mitleid?


Diese Fragen bespreche ich mit Hiram Kümper, Professor für die
Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit an der Uni
Mannheim.


Die Reisetipps und mehr Bilder und Infos findet Ihr hier:


www.99xgeschichte.de


Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner
Plattform "Deutschstunde" an.


Auch bei L.I.S.A. dem Wissenschaftspotal der Gerda Henkel
Stiftung ist diese Podcastserie vertreten.


"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der
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