#1506 Inside Wirtschaft - Cornelia Schleime im Salon Schinkelplatz: „Unabhängig vom Staat, Männern und Kunstbetrieb"

#1506 Inside Wirtschaft - Cornelia Schleime im Salon Schinkelplatz: „Unabhängig vom Staat, Männern und Kunstbetrieb"

vor 3 Tagen
„Der Markt ist heute Markt, morgen vergessen“
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Beschreibung

vor 3 Tagen
Cornelia Schleime (72) ist Malerin, Filmemacherin, Autorin – und,
wenn man so will, auch Überlebenskünstlerin. Sie ist 1984 aus der
DDR mit ihrem kleinen Sohn Moritz an der Hand ausgereist, hat ihr
gesamtes Frühwerk von 100 Arbeiten verloren und ist sich bei der
Neufindung immer treu geblieben. Eine Frau, die sich nie hat
kleinmachen lassen — nicht vom DDR-Staat, nicht von Männern und
auch nicht vom Kunstbetrieb. Im Salon Schinkelplatz spricht
Gastgeber Manuel Koch über ihre Zeit in der DDR. Gleich zu Beginn
wird deutlich, wie hart die Jahre vor der Ausreise waren: „Ich
hatte ja gar keine Berufsmöglichkeit mehr. Also ich hatte
Ausstellungsverbot, dann gründeten wir die Punkband, dann hatten
wir Auftrittsverbot.“ Auch ihre innere Haltung wird klar:
„Sozialistischer Realismus hat mich nicht interessiert. Mich hat
Poesie interessiert.“ Sehr offen spricht Schleime auch über das
Lebensgefühl jener Zeit und über Sexualität: „Sexualität hat ja
auch eine große Rolle in der DDR gespielt, weil ja sonst nichts
weiter passierte.“ Und über die Frauen im Osten heißt es
selbstbewusst: „Die Frau in der DDR, die hat sich sowieso alles
genommen, was sie wollte.“ Auch über ihre heutige Situation spricht
Schleime sehr offen. Auf die Frage nach ihrer Rente antwortet sie
knapp: „Ich bekomme 380 Euro Rente.“ Gleichzeitig macht sie
deutlich, dass sie heute künstlerisch breiter aufgestellt ist: „Ein
eingeschränkter Blick auf meine Person war über die Jahre
entstanden, den hat man jetzt wieder geöffnet, auch dank der
Galerie Judin.“ Besonders eindrucksvoll wird es zum Schluss bei der
Frage, ob Kunst unsterblich macht. Schleime antwortet darauf mit
Blick auf das große Ganze: „Was hab ich denn davon? Da bin ich im
schwarzen Loch.“ Sie schaut lieber auf die Welt: „Was ich manchmal
gedacht habe, ist: ‚Oh Gott, was ist, wenn der Louvre – wenn da mal
eine Bombe reinfällt?‘ Dann wäre alles viel schlimmer.“ Der gesamte
Talk von Salon-Gastgeber Manuel Koch und mehr Infos zum Salon
Schinkelplatz auf https://www.salon-schinkelplatz.de
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