Kritik: Martines: Isacco

Kritik: Martines: Isacco

vor 10 Monaten
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Beschreibung

vor 10 Monaten

Das Oratorium „Isacco“ der einst
erfolgreichenBarockkomponistin Marianna Martines wurde gestern
als Oper in der Kammeroperpräsentiert. Unser Opernexperte Richard
Schmitz berichtet.


 


Tatsächlich entpuppt sich dieses Oratorium von PietroMetastasio
durchaus als bühnentauglich. Anfangs lässt uns die
RegisseurinEva-Maria Hockmayr im Glauben, es handle sich um ein
Konzert. Die fünf Solistensitzen und warten auf ihren Einsatz.
Doch bald beginnen sie ihre Rollen auch zuspielen. Der Raum
weitet sich zu einer spärlich möblierten Gründerzeit-Wohnung,in
der Abraham und Isaak, Sara, Abrahams Frau, und Gamari - anfangs
Freund Isaaks,später sein älterer Bruder, das bekannte biblische
Geschehen reflektieren. Sehrsensibel – mit Kreuzen und einem
Christbaum - wird auch zum Ausdruck gebracht,dass auch Gott
seinen eigenen Sohn am Kreuze geopfert hat.


Christian Senn schildert mit seiner angenehmen Stimme dieQualen
des Vaters, der von Gott angeleitet wird, den eigenen Sohn zu
opfern. SophieGordeladze differenziert ihre Gefühle als Mutter
Sara mit viel Ausdruck. Dawird das Drama spürbar. Der Sopranist
Dennis Orellana macht aus dem gehorsamenSohn, der bereit ist zu
sterben, eine Person, mit der man mitleidet. Alle dreibringen
aber auch die emotionalen Zwischentöne, die in Metastasios Text
stehen,zum Ausdruck. Auch Anle Gou als Gamari kann da mithalten.
Andjela Spaic singtden Engel mit klarer Stimme. Die Dirigentin
Chiara Cattani unterstützt mit demBach-Consort Wien die Sänger
bei ihrem Bemühen und bringt die Partitur zumBlühen.


Metastasio hat nicht nur diesen großartigen Textgeschrieben,
sondern auch an der Entwicklung der Komponistin
entscheidendenEinfluss geübt. Seine Förderung reichte über seinen
Tod hinaus, weil er sieauch finanziell sicherstellte, sodass sie
bis an ihr Lebensende freikomponieren konnte. Die Uraufführung
des Oratoriums im Hofburgtheater (!) warein großer Erfolg. Und
das wundert mich nach dem gestrigen Abend nicht.Musikalisch geht
das Werk über viele der wiederentdeckten Barockopern hinaus.Die
zahlreichen Koloraturen dienen dem Text und nicht der
Präsentation vonVirtuosität. Schön, dass diese Musik entdeckt
wurde. Unser Freund Otto Biba warda auch nicht ganz
unbeteiligt.  


Dieser Abend zeigt, dass es schon zu Mozarts
Zeitenaußergewöhnliche Komponistinnen gegeben hat und dass eine
Regisseurin, eineDirigentin und die Primadonna ein Werk zum
Erfolg machen können. Nicht nurFeministinnen sollten hingehen.
Sie werden ebenso zufrieden sein wie dasPremierenpublikum. 


 Wertnote: 8,4


Foto (c) Herwig Prammer/Musiktheater an der Wien
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