Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 9 Monaten
Bernadette Spitzer berichtet für radio
klassik Stephansdom vom Lehár Festival in Bad Ischl:
Zu Orpheus in der Unterwelt habe ich eine durchaus
persönliche Erinnerung, war es doch die erste Operette, die ich
sah. Ich war noch im Kindergarten, als mich meine Eltern in eine
Aufführung der Musikuniversität ins Wiener Schlosstheater
mitnahmen. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem der Cancan,
und besonders amüsiert haben mich die eitle öffentliche Meinung,
der fette Jupiter, der sich als Fliege verkleidet und der
weinerliche Prinz von Arkadien. Würde ich all das in Bad Ischl
wieder erleben? Die Antwort lautet: Zum Glück schon. / Intendant
und Regisseur Thomas Enzinger hat für seine Produktion keine
Kosten gescheut. Es ist erstaunlich, was sich alles mit der
kleinen Bühne im schmucklosen Kongresshaus machen lässt.
Offenbach hat seine 90-minütige Urfassung aus 1858 später
deutlich auf vier Stunden erweitert. Für Bad Ischl ist eine
Mischung aus beiden erstellt worden, eine Art Bad Ischler
Fassung, die rund 3 Stunden dauert.
Die römische Götterwelt, die Offenbach ins 19. Jahrhundert holte,
um seine Zeitgenossen zu karikieren, schafft es glaubwürdig auch
ins 21. Im Zentrum steht die alles dirigierende Öffentliche
Meinung, die zeitgemäß eine Influencerin ist. In grellpinken
Jeans, mit langen Fingernägeln und Girlie-Gehabe brilliert Eva
Schöler. Man ist direkt verwundert, als diese piepsende Tussi,
die ständig ihr pinkes Handy am Selfie-Stick vor sich herträgt,
und alles auf Instagram streamt, plötzlich in einem wunderschön
vollen Opernmezzo zu singen beginnt.
Ebenso hervorragend ist das Brüderpaar Jupiter und Pluto. Martin
Achrainer als Jupiter glänzt nicht nur stimmlich – als Fliege
beweist er sein komisches Talent und seine körperliche Fitness.
Pluto Peter Bording mimt den Gott der Unterwelt ebenso
stimmgewaltig wie diabolisch.
Seltsam ist ja, dass der Titel der Operette eigentlich
irreführend ist. Um Orpheus in der Unterwelt geht es nur ganz
kurz, denn im Mittelpunkt stehen die Götter. Orpheus hat
eigentlich eine Nebenrolle. Die wird aber sehr charmant
ausgefüllt von Robert Bartneck, der den verklemmten Geigenlehrer
sehr mitleidserregend und mit voller Stimme verkörpert.
Selbstredend fügt Regisseur Enzinger ständig aktuelle Bezüge ein.
So ist Jupiter etwa bestrebt, das Image des Olymp mit
Merchandise-Artikeln und dem Slogan „Make Olymp great again“ zu
verbessern.
Am meisten zu tun hat aber neben dem Orchester unter der Leitung
von Laszlo Gyüker – das Ballett. Die drei Damen und drei Herren,
Ischl-Profis bereits aus früheren Produktionen bekannt, haben
fast immer was zu tun auf der Bühne und beeindrucken durch
Einsatz und Eleganz. Der Cancan am Schluss ist auch ein Kind
unserer Zeit, denn getanzt wird er vom gesamten
Tanzensemble.
Der Abend endet, yeah Bro, mit viel Applaus und einem gut
gelaunten Publikum.
Weitere Episoden
4 Minuten
vor 1 Monat
27 Minuten
vor 1 Monat
5 Minuten
vor 2 Monaten
26 Minuten
vor 2 Monaten
26 Minuten
vor 2 Monaten
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.