Die Offenbarung und die Flamme

Die Offenbarung und die Flamme

58 Minuten
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Lese- und Studienkreis zu Sri Aurobindos Hauptwerk: Savitri – Eine Legende und ein Symbol

Beschreibung

vor 1 Woche

Studienkreis: SAVITRI – DAS SONNENWORT


Thema: Der Gesang des Unendlichen und Ewigen || Auszüge aus Sri
Aurobindos Savitri


Titel: Die Offenbarung und die Flamme


Buch I – Das Buch von den Anfängen


Canto 1 – Das Sinnbild Morgendämmerung


Zeilen 48–101


Autor und Sprecher: Wilfried Schuh


Die Offenbarung und die Flamme


Ein ungeformtes Bewusstsein wünschte Licht
Und ein bloßes Ahnen sehnte sich nach ferner Wandlung.


Als mahnte ein kindlich Finger, auf eine Wange gelegt,
Die unachtsame Mutter des Universums
An die unaufhörliche Bedürftigkeit der Dinge,
So umklammerte eine junge Sehnsucht die düstere Weite.


Unmerklich begann irgendwo ein Bruch:
Eine lange einsame Linie zögernder Färbung
Gleich einem vagen Lächeln, das lockt ein verödet Herz,
Wühlte auf den fernen Saum des Lebens dunklen Schlaf.


Von der anderen Seite der Grenzenlosigkeit angelangt,
Spähte ein Gottheitsauge durch die stummen Untiefen;
Ein Späher auf Erkundung von der Sonne her,
So schien es inmitten einer schweren kosmischen Ruhe,
Der Erstarrung einer kranken und überdrüssigen Welt,
Nach einem einsamen und verzweifelten Geist zu suchen,
Zu tief gefallen, um sich vergessener Seligkeit zu erinnern.


Eingreifend in ein mentalloses Universum,
Schlich seine Botschaft durch die widerstrebende Stille,
Rufend das Abenteuer des Bewusstseins und der Freude,
Und, erobernd der Natur ernüchterte Brust,
Erzwang erneute Zustimmung zum Sehen und Fühlen.


Ein Gedanke ward gesät in der klanglosen Leere,
Ein Sinn ward geboren in den Tiefen der Finsternis,
Eine Erinnerung erbebte im Herzen der Zeit
Als würde eine längst verstorbene Seele zum Leben erweckt:
Doch das Vergessen, das dem Falle folgt,
Hatte die vollen Tafeln der Vergangenheit gelöscht,
Und alles, was vernichtet wurde, musste neu errichtet
Und alte Erfahrung neu erarbeitet werden.


Alles kann getan werden, wenn da die Hand Gottes ist.


Eine Hoffnung stahl sich ein, die kaum zu sein sich wagte
In der trostlosen Gleichgültigkeit der Nacht.


Als ob es sich anbot in einer fremden Welt
Scheu und verwegen mit unwillkürlicher Anmut,
Verwaist und hinausgetrieben ein Heim zu suchen,
Ein umherirrend Wunderbares ohne einen Platz zum Leben,
So kam in einen entlegenen Winkel des Himmels
Die leise flehentliche Bitte einer zögerlich wundersamen Geste.


Die anhaltende Erregung einer verklärenden Berührung
Überzeugte die träge schwarze Stille
Und Schönheit und Wunder brachten Gottes Gefilde durcheinander.


Eine schweifende Hand aus blass zauberhaftem Lichte,
Die an der Schwelle eines dahinschwindenden Augenblicks
erglühte,
Errichtete aus goldnen Paneelen und schillernden
Scharnieren
Ein Tor aus Träumen, halb offen zur Schwelle des Mysteriums.


Eine lichte Ecke, die das Verborgene sichtbar machte,
Zwang die blinde Unermesslichkeit der Welt zum Sehen.


Die Dunkelheit verging und glitt wie ein fallender Umhang
Vom ruhenden Körper eines Gottes ab.


Dann, durch den schmalen Spalt, der zunächst
Kaum groß genug erschien für einen Rinnsal von den Sonnen,
Ergossen sich die Offenbarung und die Flamme.


Das flüchtige immerwährende Zeichen tauchte oben wieder auf.


I.1.48-101
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