SWR Bestenliste März 2026

SWR Bestenliste März 2026

1 Stunde 13 Minuten
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Hier finden Sie die Beiträge aus den SWR Kultur Literatursendungen an einem Ort: Die SWR Bestenliste und die SWR Kultur lesenswert Sendungen Feature, Magazin, Kritik und Gespräch. Mit Buchtipps, Diskussionen, Rezensionen und Neuigkeiten.

Beschreibung

vor 7 Stunden
Ein vielleicht gar nicht mal so überraschendes Ergebnis lieferte
die Bestenliste-Runde im Freiburger Literaturhaus. Werke, die auf
die Vergangenheit zurückblicken, führten nicht selten zu hitzigen
Diskussionen über die Gegenwart. Meike Feßmann, Eberhard Falcke und
Jörg Magenau diskutierten über vier auf der SWR Bestenliste im März
verzeichneten Werke. Auf Platz 4 steht ein Buch aus der Friedenauer
Presse, nämlich Banines „Liebe ist Dir verboten. Ernst Jünger und
ich. Aufzeichnungen 1942-1991“. Die von Alexander Pschera
übersetzten, eingeleiteten und herausgegebenen Reflexionen der in
Baku geborenen Schriftstellerin führten zur kontrovers
beantworteten Frage, wie neben der geistigen Anziehung das
erotische Verhältnis, insbesondere ein sexueller Übergriff Jüngers
zu bewerten sei. Safae el Khannoussis Roman „Oroppa“ in der
deutschen Fassung von Stefanie Ochel wird durchweg gelobt. Das Buch
der marokkanisch-niederländischen Autorin, das im Hanser Verlag
erschienen ist, steht auf Platz 3 der März-Bestenliste und zeichnet
sich vor allem durch eine vielschichtige und zunächst nicht leicht
zu lesende Mehrstimmigkeit aus. Trotzdem oder auch gerade deshalb
wird es als „Meisterwerk“ gefeiert. Kurios, komisch und surreal ist
Dorota Masłowskas Episodenroman „Im Paradies“, den Olaf Kühl für
den Rowohlt Berlin Verlag aus dem Polnischen ins Deutsche
übertragen hat. Die ästhetischen Mittel der Autorin und das
Roman-Etikett werden innerhalb der Jury unterschiedlich bewertet,
genau wie die Frage, ob „Im Paradies“ (Platz 2) auch als
Gesellschaftsportrait Polens zu lesen sei. Äußerst kritische
Anmerkungen gab es zu Judith Hermanns Erinnerungsbuch „Ich möchte
zurückgehen in der Zeit (S. Fischer Verlag). Hermann begibt sich
auf Spurensuche in Polen. Dort möchte sie mehr über ihren Großvater
erfahren, der Mitglied der SS und mutmaßlich an Verbrechen der
Besatzer beteiligt war. Doch die Recherche verläuft im Dunklen.
Worum geht es in dem Text? Handelt es sich um eine literarische
Familienaufstellung? Wie fügt sich der Besuch der Erzählerin bei
der Schwester in Neapel in die Gesamtkonstruktion ein? Welche Rolle
spielt der Stil der Autorin bei Einordnung des Buchs? Es wurden
viele Fragen gestellt, die zu heftiger Kritik der Jury führten. Ein
Buch, das auf Platz 1 der SWR Bestenliste steht, das Publikum
nachdenklich stimmt und Debatten über die Gegenwart der
Vergangenheit auslöst. Aus den vier Büchern lasen Antje Keil und
Sebastian Mirow. Durch den Abend führte Carsten Otte.

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