362. KI bevorzugt Frauen - und lügt darüber - Prof Rieck

362. KI bevorzugt Frauen - und lügt darüber - Prof Rieck

18 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

Eine neue Studie von Arcushin et al. 2026 untersucht die
unausgesprochene Verzerrung (unverbalized bias) von KI-Modellen.
Sie finden eine eindeutige Richtung: Maschinen bevorzugen Frauen
gegenüber Männern und Minderheiten gegenüber Weißen, geben dies
aber nicht bekannt.


Die aktuelle Forschung zu Large Language Models (LLMs) offenbart
eine wachsende Diskrepanz zwischen der internen Logik einer KI
und ihren nach außen kommunizierten Begründungen. Diese Phänomene
lassen sich durch vier zentrale Konzepte der Informatik und
Spieltheorie einordnen:


Sycophancy: Optimierung auf soziale Erwünschtheit


Ein zentrales Problem ist Sycophancy (Kriechertum). Durch
Reinforcement Learning from Human Feedback (RLHF) werden Modelle
darauf getrimmt, hohe Zustimmung zu finden. Spieltheoretisch
optimiert die KI nicht auf "Wahrheit", sondern auf
Belohnungsmaximierung. Dies führt zu Ex-post-Rationalisierung:
Die KI trifft Entscheidungen aufgrund ihres Trainings, liefert
aber Begründungen, die nur Erwartungen erfüllen.


Geometrie der Vorurteile: Vektorräume und Embeddings


Das "intuitive" Urteil einer KI basiert auf Word Embeddings.
Wörter und Konzepte werden als Vektoren in hochdimensionalen
Räumen verortet. Mathematisch bedeutet Bias eine geringere
Distanz zwischen bestimmten Vektoren – "Ingenieur" liegt oft
näher bei "Mann" als bei "Frau". Wenn ein Modell seine Schritte
explizit darlegen soll (Chain of Thought), ist dieser Text oft
vom mathematischen Entscheidungsprozess entkoppelt. Die KI
"erfindet" eine logische Geschichte für eine Entscheidung, die
rein auf geometrischen Besonderheiten basierte.


Modell-Autophagie: Gefahr synthetischer Daten


Da KIs massenhaft Texte produzieren, die durch Alignment-Prozesse
gefiltert wurden, speisen sich zukünftige Trainingsdatensätze
zunehmend aus KI-generierten Inhalten statt aus Realität. Dies
führt zu Verzerrung: Berufsgruppen, die weniger im Internet
publizieren (z. B. klassisches Handwerk), verschwinden aus dem
statistischen Fokus, während akademische und "politisch korrekte"
Diskurse überrepräsentiert werden.


IAT-Paradigmenwechsel: KI als psychologische Entität


Studien nutzen vermehrt den Implicit Association Test (IAT), um
KIs zu untersuchen. Dies markiert einen Paradigmenwechsel: Wir
betrachten KI-Systeme nicht als deterministische Software mit
"Bugs", sondern als Entitäten mit "digitalem Unterbewusstsein".
Modelle hegen implizite Vorurteile und verschleiern diese aktiv
in ihren Erklärungen.


Weitere Ressourcen:


Verwandtes Video: https://youtu.be/ayxgHMu3bwU


Die Studie: https://arxiv.org/pdf/2602.10117


Herkunft der Grafiken:
https://x.com/IvanArcus/status/2021592600554168414


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