361. Streik-Wahnsinn: Warum rationale Verhandlungen scheitern MÜSSEN - Prof Rieck

361. Streik-Wahnsinn: Warum rationale Verhandlungen scheitern MÜSSEN - Prof Rieck

Beschreibung

vor 2 Wochen

Wieso gibt es Streiks? Rationale Spieler könnten doch das
Ergebnis des Streiks vorwegnehmen und gleich dorthin springen.
Was passiert während eines Streiks aus Sicht der Rationaltheorie?
Diese und weitere spieltheoretische Fragen zu Streik und
Verhandlung behandelt diese Episode.


Zum Webinar über spieltheoretisches Verhandeln:
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WEITERE INFORMATIONEN


Das Hicks-Paradoxon: Warum Streiks ökonomisch irrational scheinen


Aus Sicht der klassischen Spieltheorie ist ein Streik ein Symptom
kollektiver Ineffizienz. Das nach Sir John Hicks benannte
Hicks-Paradoxon postuliert: Da ein Streik den zu verteilenden
„Kuchen" (die ökonomische Rente) durch Produktionsausfälle
verkleinert, müssten rationale Akteure, die das Endergebnis
antizipieren, dieses sofort akzeptieren. Man würde die
Streikkosten sparen und das identische Resultat ohne
Wohlstandsverluste erzielen.


Dass Streiks dennoch stattfinden, ist primär auf asymmetrische
Informationen zurückzuführen. In einem Szenario unvollständiger
Information fungiert der Streik als kostspieliges
Signaling-Device. Da Lippenbekenntnisse in Verhandlungen billig
sind („Cheap Talk"), nutzen Parteien den Streik, um die
„Wahrheit" über die Schmerzgrenze der Gegenseite zu erzwingen.
Nur ein wirtschaftlich schwaches Unternehmen gibt schnell nach;
nur eine wirklich entschlossene Gewerkschaft hält lange durch.
Der ökonomische Verlust ist somit der Preis für die Offenbarung
privater Informationen über die tatsächliche Machtverteilung.


Externe Effekte und „Parasitäre Kooperation"


Ein gravierendes Problem bei Streiks in der kritischen
Infrastruktur ist die Divergenz zwischen privaten und sozialen
Kosten. Während in der Industrie die Streikkosten weitgehend
internalisiert werden (Gewinneinbußen vs. Lohnverzicht),
beobachten wir im Transportsektor massive negative externe
Effekte.


Wenn Akteure eine Einigung erzielen, deren Kosten durch
Effizienzverluste der Gesamtwirtschaft getragen werden, sprechen
wir spieltheoretisch von einer Kooperation zu Lasten Dritter. Die
Beteiligten nutzen ihre strategische Position, um Renten zu
extrahieren, die nicht aus eigener Produktivität stammen, sondern
aus der „Geiselnahme" gesamtwirtschaftlicher
Wertschöpfungsketten. Der Streik wird zum Hebel, um Ressourcen
von Unbeteiligten anzuzapfen.


Strategische Selektivität: Die Macht des Flaschenhalses


Das „Bottleneck-Problem" folgt der Logik der Verhandlungsmacht in
komplexen Netzwerken. Besetzt eine kleine Gruppe einen
unverzichtbaren Knotenpunkt (z. B. Stellwerker), steigt ihr
strategischer Wert massiv an – nicht durch ihre Arbeitsleistung,
sondern durch ihre Fähigkeit, den maximalen Stillstand zu
erzwingen. Dies führt zu einer Verzerrung der Lohnstrukturen:
Nicht Produktivität bestimmt das Gehalt, sondern die
„Veto-Macht".


Der Beamtenstatus als strategisches Bindemittel


Die Forderung nach Verbeamtung ist der Versuch, das Spiel durch
ein Commitment-Device zu beenden. Der Staat garantiert
lebenslange Sicherheit; im Gegenzug verzichtet der Akteur auf
sein strategisches Instrument, das Streikrecht. Auch falls diese
Konstruktion juristisch Bestand haben sollte, bleibt die
Herausforderung: Wie schafft man Leistungsanreize in einem System
ohne Wettbewerb und ohne die Drohkulisse des Arbeitskampfes? Die
Verbeamtung tauscht spieltheoretische Instabilität gegen
administrative Starrheit.


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