SWR Bestenliste Februar
1 Stunde 9 Minuten
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Hier finden Sie die Beiträge aus den SWR Kultur Literatursendungen an einem Ort: Die SWR Bestenliste und die SWR Kultur lesenswert Sendungen Feature, Magazin, Kritik und Gespräch. Mit Buchtipps, Diskussionen, Rezensionen und Neuigkeiten.
Beschreibung
vor 3 Wochen
Traumlogik und Erinnerungsarbeit: Martina Läubli, Judith von
Sternburg und Christoph Schröder diskutierten in der Bühler
Mediathek vier Werke, die auf der SWR Bestenliste im Februar
verzeichnet sind. Auf dem Programm standen mit „Vaim“ der neue
Roman von Literaturnobelpreisträger Jon Fosse (Platz 5), mit „Ein
Jahr in der Natur“ von Josephine Johnson eine Erstübersetzung aus
dem Jahre 1969 (Platz 3), mit „Trag das Feuer weiter“ der Abschluss
einer Familientrilogie von Leïla Slimani (Platz 2) und mit
„Abschied(e)“ von Julian Barnes ein Buch über Erinnerungsarbeit
angesichts des nahenden Todes. Begeistert zeigte sich die Jury von
Jon Fosses „Vaim“ in der deutschen Fassung von Hinrich Schmidt
Henkel aus dem Rowohlt Verlag. Drei Männer erzählen, eine Frau
entscheidet. Fosses Prosa in kapitellangen Sätzen, die von
Einsamkeit in der norwegischen Provinz erzählen, von Freundschaften
und fatalen Beziehungen, überzeugte selbst einen ehemaligen
Kritiker des Autors. Ein Text, getragen von einer melancholischen
„Traumlogik“, erklärte Jury-Mitglied Christoph Schröder.
Fosse-Kennerin Martina Läubli ordnete die Geschichte, in der am
Ende fast alle Figuren gestorben sind, in das Gesamtwerk des
Nobelpreisträgers ein. Die bislang jüngste Pulitzer-Preisträgerin
wird in Deutschland wiederentdeckt, dank einer hochwertigen Edition
in der Anderen Bibliothek. Josephine Johnsons „Ein Jahr in der
Natur“ in der Übersetzung von Bettina Abarbanell und mit
Illustrationen von Andrea Wan wird von der Bestenliste-Jury aber
durchaus kontrovers diskutiert. Die Genauigkeit der
Naturbeschreibungen, die niemals zu sprachlichen Überhöhungen der
Flora und Fauna führen, wird gelobt. Doch die jahreszeitlichen
Naturbetrachtungen seien zuweilen etwas erwartbar, sagt Judith von
Sternburg. Auch die Schärfe und Aktualität der politischen Analyse
ist Gegenstand des Gesprächs, webt die Autorin in ihre Chronik doch
immer wieder Kommentare zum damaligen Vietnam-Krieg ein. Je länger
der Abend, desto schärfer die Diskussion der Jury. Leïla Slimanis
„Trag das Feuer weiter“ in der Übersetzung von Amelie Thoma aus dem
Luchterhand Verlag wurde von Judith von Sternburg vorgestellt. Nach
der Lesung aus dem Roman, in der es um die Zerrissenheit der
Hauptfigur zwischen Marokko und Frankreich ging, kam Christoph
Schröder auf die sprachlichen Schwächen zu sprechen. Während Läubli
und von Sternburg ein Buch mit ambivalent gezeichneten Figuren
gelesen haben wollen, kritisierte Schröder die seiner Meinung nach
offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei, den willkürlichen
Perspektivwechsel und die auf „Thrill“ angelegte Ästhetik selbst in
einer Missbrauchsszene: „An diesem Buch stört mich so gut wie
alles.“ Der Spitzenreiter der SWR Bestenliste im Februar ist Julian
Barnes vermutlich letztes Buch „Abschied(e)“, das Gertraude Krueger
für Kiepenheuer und Witsch ins Deutsche übertragen hat.
Sternburg und Christoph Schröder diskutierten in der Bühler
Mediathek vier Werke, die auf der SWR Bestenliste im Februar
verzeichnet sind. Auf dem Programm standen mit „Vaim“ der neue
Roman von Literaturnobelpreisträger Jon Fosse (Platz 5), mit „Ein
Jahr in der Natur“ von Josephine Johnson eine Erstübersetzung aus
dem Jahre 1969 (Platz 3), mit „Trag das Feuer weiter“ der Abschluss
einer Familientrilogie von Leïla Slimani (Platz 2) und mit
„Abschied(e)“ von Julian Barnes ein Buch über Erinnerungsarbeit
angesichts des nahenden Todes. Begeistert zeigte sich die Jury von
Jon Fosses „Vaim“ in der deutschen Fassung von Hinrich Schmidt
Henkel aus dem Rowohlt Verlag. Drei Männer erzählen, eine Frau
entscheidet. Fosses Prosa in kapitellangen Sätzen, die von
Einsamkeit in der norwegischen Provinz erzählen, von Freundschaften
und fatalen Beziehungen, überzeugte selbst einen ehemaligen
Kritiker des Autors. Ein Text, getragen von einer melancholischen
„Traumlogik“, erklärte Jury-Mitglied Christoph Schröder.
Fosse-Kennerin Martina Läubli ordnete die Geschichte, in der am
Ende fast alle Figuren gestorben sind, in das Gesamtwerk des
Nobelpreisträgers ein. Die bislang jüngste Pulitzer-Preisträgerin
wird in Deutschland wiederentdeckt, dank einer hochwertigen Edition
in der Anderen Bibliothek. Josephine Johnsons „Ein Jahr in der
Natur“ in der Übersetzung von Bettina Abarbanell und mit
Illustrationen von Andrea Wan wird von der Bestenliste-Jury aber
durchaus kontrovers diskutiert. Die Genauigkeit der
Naturbeschreibungen, die niemals zu sprachlichen Überhöhungen der
Flora und Fauna führen, wird gelobt. Doch die jahreszeitlichen
Naturbetrachtungen seien zuweilen etwas erwartbar, sagt Judith von
Sternburg. Auch die Schärfe und Aktualität der politischen Analyse
ist Gegenstand des Gesprächs, webt die Autorin in ihre Chronik doch
immer wieder Kommentare zum damaligen Vietnam-Krieg ein. Je länger
der Abend, desto schärfer die Diskussion der Jury. Leïla Slimanis
„Trag das Feuer weiter“ in der Übersetzung von Amelie Thoma aus dem
Luchterhand Verlag wurde von Judith von Sternburg vorgestellt. Nach
der Lesung aus dem Roman, in der es um die Zerrissenheit der
Hauptfigur zwischen Marokko und Frankreich ging, kam Christoph
Schröder auf die sprachlichen Schwächen zu sprechen. Während Läubli
und von Sternburg ein Buch mit ambivalent gezeichneten Figuren
gelesen haben wollen, kritisierte Schröder die seiner Meinung nach
offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei, den willkürlichen
Perspektivwechsel und die auf „Thrill“ angelegte Ästhetik selbst in
einer Missbrauchsszene: „An diesem Buch stört mich so gut wie
alles.“ Der Spitzenreiter der SWR Bestenliste im Februar ist Julian
Barnes vermutlich letztes Buch „Abschied(e)“, das Gertraude Krueger
für Kiepenheuer und Witsch ins Deutsche übertragen hat.
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