Aggression als Gespräch. Wie Aggression fruchtbar sein kann mit Thomas Scheskat
45 Minuten
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Beschreibung
vor 3 Wochen
Aggression als destruktive Gewalt oder als lebendige Kraft für
Wandel und Gerechtigkeit? In dieser Folge von „Feministisch
katholisch jetzt“ spricht Jonathan mit Aggressionsexperte Thomas
Scheskat darüber, wie Aggression als neutrale Energie verstanden
und verantwortungsvoll genutzt werden kann.
Es geht um Aggressionskompetenz in Beziehungen, Empowerment und
Geschlechtergerechtigkeit, aber auch um Körperarbeit und
Gewaltprävention, sowie innere Widersprüche von Männern und
Frauen und darum, warum eine Kirche ohne Angst auch einen anderen
Umgang mit Macht und Aggression braucht.
Vom Prügelknaben zum Aggressionsdialog
Thomas Scheskat wuchs in einer Arbeiterstadt auf, erlebte früh
Bedrohung, körperliche Angriffe und das Gefühl, „immer den
Kürzeren zu ziehen“. Parallel prägten ihn ein katholisches
Elternhaus, ein liberal-humanistisches Weltbild – und eine innere
Arroganz gegenüber „den Gewalttätigen“. Später fand er in
körperorientierter Psychotherapie, Männerarbeit und der
forensischen Psychiatrie zu seinem Thema: Aggression als
Vorwärtskraft. Heute arbeitet er mit Männern, Frauen und Menschen
aller Geschlechter an Aggressionsbalance, Empowerment und
Selbstverantwortung – von Intensivkursen in freier Praxis bis hin
zur Arbeit mit straffällig gewordenen Menschen in der Forensik.
„Aggression ist zu kriegen, was man will“ – oder doch
nicht?
Aggression beschreibt für Thomas zunächst eine neutrale
Vorwärtsbewegung: „herangehen, auf etwas zugehen“. Ob daraus
Gewalt oder Wachstum entsteht, entscheidet der Umgang damit. In
seinen Kursen wird Aggression über den Körper erfahrbar – beim
Ringen, Boxen oder der Schlagklotz-Übung – immer gekoppelt an
Dialog, Achtsamkeit und klare Zustimmung. Wer „zu brav“
sozialisiert wurde, entdeckt darin Handlungsmacht, wer zu
impulsiv ist, lernt Regulierung und Empathie. Scheskat spricht
von Aggressionsbalance statt Unterdrückung, von einem schwingen
können zwischen Verteidigungsbereitschaft und Sanftheit.
Unterdrückte Lebendigkeit kehrt sonst als verzerrte Gewalt zurück
– in Beziehungen, Konsum, gesellschaftlichen Strukturen und auch
in der Kirche.
Verantwortung versteht er als „Antwort geben können“: erklären,
warum ich etwas tue, Konflikte bewusst austragen, statt zu
fliehen oder zu explodieren. Gerade für feministische Anliegen
und Geschlechtergerechtigkeit sieht er Aggression als Ressource
des Empowerments, um Rechte einzufordern und „sich nicht länger
brav an die Seitenlinie stellen zu lassen“.
Feminismus, Kirche und die Lust auf Kraft
Aus seiner Perspektive blickt Thomas kritisch auf patriarchale
Strukturen, Missbrauch und Angstkultur in der Kirche. Für ihn ist
klar: ohne bewussten Umgang mit Aggression, Macht und Sexualität
bleibt Gewalt im System. Bewegungen wie Out in Church oder die
Bewerbung von Frauen bei Priesterseminaren liest er als
selbstbewusste Aggressionsakte im besten Sinn – to get what you
want. Eine wirklich feministische Kirche müsste Aggression nicht
moralisch verdrängen, sondern als Kraft für Gerechtigkeit,
Angstfreiheit und Konfliktfähigkeit ernst nehmen. „Nur brav sein
ist Verrat am Leben“, sagt Thomas, und lädt dazu ein, die innere
Tigerin, den inneren Krieger verantwortungsvoll zu kultivieren –
auch im Glaubenskontext.
Weitere Infos:
Website zur Aggressions-Dialog-Arbeit:
https://www.aggressions-dialog-arbeit.de/
Infos zu Thomas Scheskat
(https://www.maennerbildung.de/referenten.html) und seine
Angebote zur Aggressionsdialogarbeit (Seminare, Workshops,
Männerarbeit, Aggressionskompetenz)
(https://maennerbildung.de/tagungsworkshops.html)
Literatur und das Buch von Thomas Scheskat: „Aggression als
Ressource – Eine verkannte Kraft neu erleben“
https://www.maennerbildung.de/publikationen.html
Hinweis auf die Podcastfolge zur Bewerbung katholischer
Theologiestudierender als Priesterinnen (frühere Episode von
„Feministisch katholisch jetzt“)
https://open.spotify.com/show/18WSs1iYz4wKTcl4qSnLNl
Webseite der Aktion
„feministisch.katholisch.jetzt?!“(www.ebfr.de/feminismus)
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