"Aus der Haft wollte ich mit roten Lippen gehen"

"Aus der Haft wollte ich mit roten Lippen gehen"

Fünf Jahre saß die belarussische Dissidentin und Musikerin Maria Kalesnikava in Lukaschenkos Kerker ein. Dann kam sie dank eines Deals frei. Erstmals seit ihrer Ankunft in Deutschland spricht sie über ihre Haft und was sie gerettet hat.
47 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat
Über fünf Jahre hatten wir auf dieses Interview mit Maria
Kalesnikava kaum zu hoffen gewagt. Kalesnikava hatte sich mit zwei
anderen Frauen 2020 dem belarussischen Diktator Alexander
Lukaschenko entgegengestellt. In Belarus protestierten
Hunderttausende friedlich gegen die gefälschte Wahl, Kalesnikavas
Mitstreiterinnen flohen aufgrund der Bedrohung außer Landes – Maria
Kalesnikava aber blieb. Sie zahlte dafür einen hohen Preis. Im
September 2020 wurde sie mitten in Minsk verschleppt, tauchte Tage
später in einem belarussischen Gefängnis auf und wurde schließlich
zu elf Jahren Lagerhaft verurteilt. In all der Zeit bemühten wir
uns, mit ihr in Kontakt zu bleiben – vergeblich. Denn von den fünf
Jahren war Maria Kalesnikava drei Jahre lang verschwunden. Es
erreichten sie keine Briefe mehr. Nicht einmal ihre Familie wusste,
ob sie noch lebt. Sie befand sich in Isolationshaft. Im Dezember
dann die Freilassung von 123 politischen Gefangenen dank eines
Deals Lukaschenkos mit den Amerikanern. Maria Kalesnikava war
dabei. In dieser Ostcast-Folge sprechen Michael Thumann und Alice
Bota über ihre Begegnung mit Maria Kalesnikava und ihre
erstaunliche Resilienz. Denn erstmals seit ihrer Ankunft in
Deutschland hat Kalesnikava mit einem deutschen Medium gesprochen.
Darüber, warum sie sich selbst im Kerker frei fühlte, wie sie
Kunst und Kultur gerettet haben und warum sie nun darum kämpft,
politische Gefangene in Belarus zu befreien.  Alice Bota und
Michael Thumann ordnen Kalesnikavas Erlebnisse ein, sprechen über
ihre außergewöhnliche Resilienz sowie den Widerstand anderer
politischer Gefangener wie Alexej Nawalny. Und sie blicken auf
Kalesnikavas Forderung, die Isolation von Belarus aufzugeben
und mit Alexander Lukaschenko zu reden, damit weitere politische
Gefangene aus belarussischen Kerkern freikommen. Alle drei Wochen
sprechen wir im Ostcast über Politik und Gesellschaft der
osteuropäischen Länder. Alice Bota berichtet von ihren
Gesprächen und Erfahrungen in Osteuropa, Michael Thumann erzählt
von seinen Begegnungen und Reisen in Russland und den
Nachbarländern. Unter ostcast@zeit.de erreichen Sie das
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