Vom Schlaf der Vernunft

Vom Schlaf der Vernunft

38 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

im Rahmen der internationalen Studienwoche an der Hochschule
Luzern


Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,


Sie hören’s schon an der Anrede: Ich gehöre einer untergehenden
Welt an. Tatsächlich ist das ein Thema, das mich seit langer,
langer Zeit begleitet – und wenn Sie sich in dieser Studienwoche
mit der »Frage der sozialen Arbeit angesichts antidemokratischer
Gesellschaftstendenzen« beschäftigen, dann sehen wir, dass eine
dunkle Woke über uns heraufgezogen ist, aber es gibt kaum
jemanden, der plausibel erklären kann, warum das eigentlich
passiert ist. Dieses große Warum zu erhellen und der Frage nach
den Gründen für das grassierende Unbehagen in unserer Kultur
nachzugehen, wäre die Aufgabe – denn ist die Krankheit unbekannt,
sieht’s mit der Behandlung doch eher schlecht aus. Da laboriert
man halt an den Symptomen… Also: Warum? Und was ist da eigentlich
passiert? Von Goya gibt es einen wunderbaren Bildtitel, nämlich:
»Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer«. Wenn wir das für
einen Moment einmal, als gedankliche Hypothese, stehenlassen,
dann wäre abzuleiten, dass sich unsere derzeitigen Kalamitäten
auf einen Schlaf der Vernunft zurückführen lassen. Das führt uns
gleich zu einem weiteren großen Psychologen, Nietzsche nämlich,
der den wunderbaren Gedanken notiert hat: »Wer mit Ungeheuern
kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und
wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch
in dich hinein.« Das ist, wie ich denke, eine präzise
Beschreibung unserer heutigen politischen Diskurse. Denn wenn Sie
sich umschauen, dann sehen Sie, ob links oder rechts, lauter
Menschen, die sich an irgendwelchen Ungeheuern festhalten – und
die sich dabei selbst, ganz unversehens, dem annähern, was sie da
eigentlich bekämpfen wollen. Man könnte das, mit Hans Magnus
Enzensberger, einen »molekularen Bürgerkrieg« nennen – in jedem
Fall haben wir es mit einem Verlust an Zivilität zu tun, den ich
in meinem ganzen, nicht mehr ganz jungen Leben so zuvor nicht
habe feststellen können. Aber ich will mich hier gar nicht mit
Details aufhalten, sondern möchte gleich ins abgründige Thema
hineinspringen: Was ist passiert? Oder genauer: Was haben wir
eigentlich verschlafen? Wenn wir das so nehmen, wird die
Geschichte plötzlich interessant. Denn es stellt sich die Frage,
ob die Erzählung, die wir als Wirklichkeit ausgeben, überhaupt
noch Relevanz besitzt – und Sie mit lebbaren, praxistüchtigen
Handlungsoptionen ausstattet. Hier schon setzt mein erster
Zweifel an. Denn wenn Sie einen Zeitgenossen, genauer: einen
Intellektuellen fragen, wie er sich unsere Welt in 10, 20 Jahren
wohl ausmalen wird, wird er Ihnen entgegnen, dass er schön froh
wäre, wenn er das nächste Jahr überblickte. Ein Beispiel: ich
habe vor nicht allzulanger Zeit, im Rahmen eines Symposions zur
Zukunft der Bildung, vor gut 100 Bildungsphilosophen einen
Vortrag gehalten – und das Bemerkenswerte war: ich war der
einzige, der eine positive Vision entworfen hat – wohingegen die
Titel der anderen Vortragenden lauteten: Die Zukunft schrumpft,
oder ärger noch: Wer hat mir meine Zukunft gestohlen? Ruft man
sich ins Gedächtnis, dass die Aufgabe des Bildungsphilosophen
darin bestünde, sich über der Lernen der Zukunft im Klaren zu
sein, ist das Schrumpfen der Aufmerksamkeitsspanne auf die reine
Gegenwart, ärger noch, das Abgleiten ins Ressentiment, fast
grotesk – kann eine jede Rede darüber nur wortreiche Maskierung
einer Unterlassungssünde sein. Diese Gedankenblockade artikuliert
sich als Lähmung, so als wachte man gerade aus einem Alptraum
auf. Ja, es scheint geradezu, als ob viele Menschen die Gegenwart
überhaupt als eine Art Alptraum auffassten – was ein Philosoph
auf die paradoxe Formel gebracht, nämlich, dass es einfacher sei,
sich das Ende der Welt vorzustellen, als das Ende des
Kapitalismus. So betrachtet erscheint die Apokalypse, das Ende
der Welt, wie eine Wunschvorstellung ist – der Wunsch, dass
dieser Alptraum, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint,
endlich ein Ende haben möge.


Aber ich will mich gar nicht lange mit Spekulationen aufhalten.
Ich würde behaupten, dass der tiefste Grund für unser Unbehagen
die Erschütterung ist, die mit der digitalen Kultur einhergeht –
und weil ich einige Bücher zur Philosophie und zur
Kulturgeschichte der Maschine geschrieben habe, bin ich mir
deutlich bewusst, dass unseren Eliten noch nicht einmal in
Ansätzen klar ist, was ihnen da widerfahren ist. Dies nebenbei
ist der Grund, warum die Grundsätze, die man Ihnen in der Schule
hat beibringen wollen, keine wirkliche Vorbereitung sind für das,
was Ihnen in den nächsten Jahren bevorstehen wird. Wenn wir uns
vor Augen halten, dass die KI einen nicht geringen Teil unserer
White Collar Jobs überflüssig machen, genauer: sie in den
Arbeitsspeicher, ins Museum der Arbeit überführen wird, ist klar,
dass plötzlich große Teile unserer Gesellschaft mit einer höchst
realen Entwertungsdrohung konfrontiert sind. Und das ist nicht
einmal ein ferner Zukunftsprospekt, sondern widerfährt Ihnen
schon jetzt. Wenn der Professor, dem Sie eine Bachelor- oder
Master-Arbeit vorlegen, diese nicht liest, weil er ohnehin davon
überzeugt ist, dass sie mit ChatGPT verfasst worden ist, stellt
sich die Frage, ob die Zeugnisse, die man Ihnen am Ende
aushändigt, noch das Papier wert sind, auf das sie gedruckt sind
– was, wenn Sie wie in Amerika üblich, mit zweihunderttausend
Dollar Schulden aus Studiengebühren dastehen, eine durchaus
existenzielle Frage sein kann. Lassen Sie mich dazu eine kleine
Geschichte erzählen, die deutlich macht, dass nicht einmal
diejenigen, die sich unsere schöne, vernetzte Welt ausgedacht
haben, sich über die Konsequenzen im Klaren waren. Die Geschichte
handelt von Robert Metcalfe, der unsere Computerwelt mit dem
Ethernet bestückt hat – also der materiellen Voraussetzung
dessen, was sich dann später in Gestalt des Internets realisiert
hat. Metcalfe ist im übrigen auch dafür verantwortlich, was wir
den Netzwerkeffekt nennen, oder je nachdem, scalability,
Skalierbarkeit. Dem wohnt, was den meisten Menschen nicht klar
ist, durchaus eine politische Dimension inne. Nicht wahr, wenn
Sie sich die Welt Ihrer Eltern, die Welt der Repräsentation in
Erinnerung rufen, da gab es soetwas wie eine top-down-Logik –
one-to-many, und da gab es die Eliten, die sich als Wächter des
guten Geschmacks usw. betätigt haben. In unserer vernetzten Welt
gelten diese Regeln nicht mehr. Denn nunmehr kann jedermann sich
nach Belieben artikulieren und – nicht selten hinter einer
digitalen Tarnkappe versteckt – die wildesten Dinge in die Welt
hinausposaunen. Man nennt das, je nachdem, ein bottom-up oder
dezentrales Kommunikationssystem - und das ist die Welt, in die
Sie als digital natives hineingeboren sind. Aber was ist hier,
neben der Tatsache, dass wir es mit einer totalen, doch
eigentlich begrüßenswerten Demokratisierung der Öffentlichkeit zu
haben, das Neue? Gehen wir’s systematisch an. Wenn ich mich mit
einem anderen Menschen vernetze – dann verfügen wir beide, er und
ich, über genau eine Verbindung. Stellen wir uns nun vor, es käme
ein Dritter hinzu, hätten wir genau drei Verbindungen. Bei Vieren
wären es 6, bei 5 Personen 10 Verbindungen. Tatsächlich können
wir das mathematisch formalisieren: Wir nehmen die Anzahl der
Verbindungen – sagen wir hundert - und multiplizieren dies mit
x-1, das wären also 100*99 = 9900 – und wenn wir das durch 2
teilen, haben wir die genaue Zahl von Verbindungen vor uns, die
in diesem Netzwerk möglich sind, nämlich 4450. Das klingt noch
nicht sonderlich beeindruckend, aber wenn Sie eine Stadt wie
Luzern nehmen, die 85.534 Einwohner zählt, dann ergibt dies grob
3 Milliarden 658 Millionen Verbindungen. Vergleichen Sie das mit
der alten Welt. Wenn Sie die Auflage der Luzerner Zeitung nehmen,
die früher einmal Waldstädterbote hieß, haben Sie 98.000
Verbindungen – und diese Zahl nimmt sich, verglichen mit 3,7
Milliarden potenzieller Luzerner Kommunikationbsverbindungen
geradezu lächerlich aus. In jedem Fall sehen wir uns einem
Medienbruch gegenüber, einer medialen Disruption. Lassen Sie uns
für einen Moment vorstellen, die Stadt Luzern hätte nun einen
veritablen Influencer-Star, der nicht bloß (wie Leon Isek)
Kissenschlachten für einen TikTok-Ruhm organisiert, sondern allen
Luzernern am Herzen läge, so sehr, dass jeder seinen Account
subskribiert hätte – dann hätte dieser Account mit seinen
potenziell 3,7 Milliarden Verbindungen ein unglaubliches Gewicht.
Und dieses geht schwerlich mit dem Gleichheitsgrundsatz der
Demokratie, der Logik des One Man One Vote zusammen. Ich bin
ziemlich sicher, auch wenn Ihnen der Netzwerkeffekt und die
Formel dahinter unbekannt, so wissen Sie allesamt, wovon ich
rede. Wenn ein großer Prozentsatz Ihrer Generation, nach dem
Berufswunsch gefragt, erklärt, man wolle Influencer werden, so
haben Sie diese Logik, nein, nicht mit der Muttermilch, sondern
über Ihr Smartphone-Display in sich aufgenommen. Zurück aber
jetzt zu Robert Metcalfe, der dies technisch möglich gemacht hat.
Der war, als er die Computer vernetzen wollte, das war um 1971
herum, ein junger Mann von gerade 25 Jahren - und er arbeitete in
einem Computerlabor des Kopiermaschinenherstellers Xerox in Palo
Alto. Außer ihm waren da eine ganze Reihe anderer Computernerds
präsent: da waren die beide Adobe Gründer Warnock und Geschke, da
war der Ur-Programmierer des Word-Textverarbeitungsprogramms
Charles Simonyi usw. Man hätte sich also durchaus vorstellen
können, dass all diese Computernerds begeistert, ja, geradezu
enthusiasmiert auf die Möglichkeit, sich lokal zu vernetzen,
reagiert hätten. Aber das war keineswegs der Fall. Im Gegenteil:
Man unternahm alles, um dem bedauernswerten Robert Metcalfe das
Leben schwer zu machen. Und warum? Was war der Grund für diese
Animosität? Auch das ist nicht schwer zu beantworten. Stellen Sie
sich einmal vor, Sie hätten da in Palo Alto gesessen und hätten
die letzten Monate, wie Charles Simonyi, an einem
Textverarbeitungsprogramm herumprogrammiert. Was passiert nun
wohl, wenn man Ihren Computer mit dem Ihres Tischnachbarn
vernetzt. Nunmehr kann der, wann immer ihm danach ist, in Ihren
Computer eindringen und sich ganz nach Belieben die Frucht Ihrer
langen, ermüdenden Arbeit auf seine Maschine herunterladen. Genau
dies hat jeden der Mitarbeiter verschreckt, so sehr, dass niemand
wirklich auf die Vernetzung der Computer erpicht war. Bis zu
einem gewissen Grade kann man diese Reserviertheit durchaus
verstehen, haben wir es nun doch, nach dem Jäger und Sammler, mit
dem postmodernen Copy-Paster zu tun – einem Spezimen, das als
solches noch nicht wirklich erforscht worden ist. Die Folgen
dieser Praxis sind mit den Händen zu greifen. Denn mit dem Akt
des Copy-Pasting ist die Vorstellung einer individuell
zuschreibbaren Leistung dispensiert, und dies stellt eine tiefe
Krise unseres Wertesystems dar, eine Krise, die bis heute noch
nicht in unser Bewusstsein vorgedrungen ist. Gleichwohl: Robert
Metcalfe konnte sich in Xerox Park durchsetzen – und urplötzlich
waren all diese Nerds miteinander vernetzt. Und weil sie sich
bald miteinander auszutauschen begannen, sich Emails zu schreiben
z.B. - das @-Zeichen entspringt diesem Umfeld –, waren sie in
kurzer Zeit allesamt miteinander vernetzt. Was der große Triumph
des Robert Metcalfe war – denn als das Netz einmal ausfiel,
standen kaum fünf Minuten später die ganzen Mitarbeiter in seinem
Büro und fragten: Wo bleibt das Netz?


Wenn man sich mit der Geschichte der Digitalisierung beschäftigt,
entwickelt man im Laufe der Zeit einen wirklich grundfremden
Blick – denn man sieht, dass ein jedermann, auch wenn er sich all
der neuen Techniken bedient, noch immer alten, nicht mehr ganz
realitätstüchtigen Vorstellungen anhängt. Bildlich gesprochen,
könnte man sagen, dass es sich die Gesellschaft in einem
ideologischen Heimatmuseum bequem gemacht hat. Dies fällt auch
deswegen so leicht, weil man nicht bloß einen Copy-Paste auslösen
kann, sondern über das Netz alle erdenklichen Dinge in die
eigenen vier Wände gestreamt bekommt. Was das Paradies der
Konsumenten sein mag, ist für all diejenigen, die sich ihren
Platz in der Welt erarbeiten müssen, eine fast unüberwindliche
Schwierigkeit – denn all die Dinge, die man dereinst für wertvoll
gehalten hat, haben in den letzten Dekaden eine schleichende
Entwertung erlebt. Der britisch-amerikanische Ökonom Angus Deaton
hat sich vor Jahren schon mit der Entwertung der Arbeit
beschäftiggt – und inwiefern diese mit der Opioid-Krise
zusammenhängt. Sein Buch Deaths by Despear beschreibt eine
post-industrielle Welt, die den Verlust ihres Selbstwertgefühl
nur mit der Hilfe von Drogen sedieren kann, und am Ende in eine
regelrechte Selbstzerstörungsorgie einmündet. Dass dies nicht
bloß das Schicksal der Proletarier ist, sondern der Vorschein
einer grundlegenden, die ganze Gesellschaft betreffenden Krise,
wird evident, wenn Sie sich die Grundformel der digitalen Welt
vor Augen führen, die George Boole, der Gründervater der binären
Logik, in seinen Laws of Thought im Jahr 1854 niedergelegt hat.
Sonderbar ist daran, dass diese Formel, obwohl ein jeder
Programmierer mit seinen Booleans arbeitet, als solche weitgehend
unbekannt ist – deswegen also eine kurze Einführung. Wenn Sie
eine Null mit sich selbst multiplizieren, kommt, wie sie in de
Schule gelernt haben, immer Null heraus, und das gleiche gilt
auch für die Eins: das Ergebnis ist immer Eins. Diese
Besonderheit gilt nur für diese beiden Königszahlen der
Mathematik, wie Erwin Schrödinger die Null und die Eins genannt
hat – und aus diesem Grund konnte Boole sich anschicken, die
ganze Welt, und nicht nur die Welt der Zahlen, auf diese Ordnung
zurückzuführen. Die Folgen sind uns vertraut: Was immer
elektrifiziert werden kann, lässt sich digitalisieren und ist
damit dieser Ordnung einverleibt. Im Grunde ist es egal, worum es
sich handelt; das mögen die Geo-Positionsdaten eines Wals sein,
aber ebenso die Wisch-und-Web-Bewegung, mit der sie auf Tinder
die unerwünschten Partner aussortieren: Name it! Und weil Boole
bestrebt war, den Repräsentanten aus der Mathematik zu entfernen,
hat er sich nun daran gesetzt und das Gemeinsame der Null und der
Eins herauspräpariert. Lassen Sie uns die Null und die Eins durch
ein x ersetzen, dann steht auf der anderen Seite: xn (also das
Ding, das sich nach Belieben vervielfältigen lässt) – und dies
wiederum ergibt die Formel: x= xn. Ich muss gestehen, dass ich,
als ich diese Formel zum ersten Mal zu Gesicht bekommen haben,
von einem heillosen Erschrecken heimgesucht worden bin. Denn das
ist nichts anderes als eine Proliferationsdrohung – oder noch
präziser gesagt: die Logik der totalen Entwertung. Denn ein Gut,
das sich nach Belieben vervielfältigen lässt, können Sie nicht
mehr verkaufen – und genau dies haben die Popmusiker, als sie mit
Napster konfrontiert waren, leidvoll erlebt. Wenn ich eben davon
gesprochen haben, dass dem Digitalisierungsprozess ein
Elektrifizierungsprozess vorausgeht, dann besagt dies, dass sie
nicht mehr mit der trägen Masse, sondern mit Elektronen
hantieren. Und dies bedeutet, dass ein Kopierprozess in
Lichtgeschwindigkeit abläuft – und dass die Elektrizität nur
Sekundenbruchteile braucht, um ganze Kontinente zu überwinden.
Könnte man dies in schöner Doppeldeutigkeit die Entfernung der
Welt nennen, hat man es in der Praxis mit einem Kopierprozess zu
tun, der in Lichtgeschwindigkeit läuft und die Artefakte in
Sekundenbruchteilen ans andere Ende der Welt teleportiert:
Anything, Anytime, Anytime.


Jetzt fragen Sie sich wahrscheinlich schon eine ganze Weile, was
dies mit der Gefährdung unserer Demokratie – oder der Zukunft der
sozialen Arbeit zu tun hat. Ich würde sagen: unendlich viel. Wenn
ich meinerseits, in der Konfrontation mit den Booleschen
Gedanken, aber auch über die Arbeit im Tonstudio, beim Filmen und
beim Programmieren, nicht mehr vom Individuum spreche, sondern
vom Dividuum, also demjenigen, der sich an seiner Teilung und
seinem Mitteilungsdrang erhält, so ist dies nichts als die
Feststellung, dass die überkommenen Identitäten das Zeitliche
gesegnet haben. Nicht, dass sie falsch, unnütz oder moralisch
fragwürdig gewesen wäre – aber unser Betriebssystem hat sich
gewandelt und damit auch unser Gesellschaftskostüm. Hier nähern
wir uns einer Einsicht, die nicht sonderlich verbreitet ist. Wenn
Sie den Tugendkanon nehmen, den man unsereins eingebläut hat,
sieht man, dass bestimmte Tugenden (Pünktlichkeit, Taktgefühl)
sich dem Umgang mit einer Maschine verdanken, der Mechanischen
Uhr, dem Räderwerkautomaten des Mittelalters. Selbst die
Aufführungen unserer Symphonieorchester, ja, dass Zusammenspiel
all der Instrumentalisten, die einer streng durchgetakteten
Partitur folgen, ist ein Ausfluss dieser Ordnung – und blieb
jenen Weltgegenden, die dieser Ordnung nicht ausgesetzt waren,
unbekannt. Von daher wäre es höchst verwunderlich, wenn die
Arbeit mit der neuen, digitalen Maschine sich nicht auch in
unserem Selbstverständnis niederschlagen sollte. Aber ist das
wirklich geschehen? Haben wir soetwas wie ein neues
Persönlichkeitsmodell für unsere digital natives geschaffen?
Nein, das Gegenteil ist geschehen! Anstatt sich der veränderten
Weltlage anzupassen, hat man sich allerorten in einem geistigen
Heimatmuseum eingerichtet. Man zieht die Kostüme der
Vergangenheit über, verbarrikadiert sich in dieser oder jener
Identitätsfestung, und skandiert ein Great Again! Oscar Wilde hat
diese Maßnahme als eine Form des Ausverkaufs erfasst: A
sentimentalist, so sagt er, is simply one who desires to have the
luxury of an emotion without paying for it. Ein Gefühlsmensch,
das ist jemand, der den Luxus einer großen Emotion haben möchte,
ohne den Preis dafür entrichten zu wollen. - Eine Identität zum
Schnäppchenpreis, wenn sie so wollen. In eine solche Rüstung
gezwängt, glaubt man sich die unangenehmen Realitäten vom Leibe
halten zu können. Aber weil man selbst nicht so dran glauben
will, ist man genötigt, ein Ungeheuer herbei zu imaginieren. Auf
eine kuriose Weise ist das eine Wiederauflage des Don Quixote de
la Mancha, der gegen die Windmühlen anritt, weil er glaubte,
gegen Riesen antreten zu müssen – nur dass unsere Zeitgenossen
nicht gegen Windmühlen anreiten, sondern gegen die
Lichtgeschwindigkeit der Elektronen ankämpfen, vulgo
Computerchips. Man mag diesem Kampf das heroische Etikett einer
digitalen Souveränität anheften, de facto jedoch ist jeder
Kombattant, wie Don Quixote, zum Scheitern verurteilt. Warum?
Weil wir’s hier mit dem Betriebssystem unserer Welt zu tun haben
– und ein solches hat man nicht im Griff wie man einen Hammer im
Griff hat. Das wird schon sichtbar daran, dass die Zeitgenossen,
welche mit der Reklamation einer digitalen Souveränität die
Zahlung des Einkaufspreises verweigern, überall dort, wo sie als
Konsumenten agieren, diese Welt mit größter
Selbstverständlichkeit, ja mit Begeisterung akzeptieren. Das
führt in eine merkwürdig schizophrene Gesellschaftsverfassung
hinein – denn da will, wie es in der Bibel heißt, die Linke nicht
sehen, was die Rechte so tut. Diese Schizophrenie lässt sich
allerorten beobachten – und ich fürchte, dass es vor allem der
Umgang mit dieser Spaltung ist, von dem die Gefährdung unserer
Demokratie ausgeht. Die Frage ist: Wie geht man um mit den
Widersprüchen, die sich im eigenen Denken auftun? Schauen wir uns
um, ist der Mechanismus unendlich simpel. Denn ist man nicht
bereit, der eigenen Widersprüchlichkeit ins Auge zu schauen, wird
man alles tun, um den Widerspruch selbst mundtot zu machen – und
genau das ist der Drive, der unsere Cancel Culture antreibt. In
gewisser Hinsicht beantwortet dieser Mechanismus die Frage, die
das Matthäus-Evangelium aufwirft: Wie kommt es, dass du den
Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem
eigenen Auge nicht bemerkst? Wo die Frage der Identität auf dem
Spiel steht (die bereits, wie Oscar Wilde bemerkt hat, eine
Anmaßung ist), gibt es nichts Bedrohlicheres als die Einsicht,
dass man derlei nur deswegen beschwört, weil sie schon nicht mehr
existiert. Fundamentalismus, so habe ich andernorts gesagt,
entsteht überall dort, wo die Fundamente ins Rutschen geraten
sind. Wenn der Kampf gegen Hass und Hetze, gegen den
metaphysischen Nazi unterdes zu einem Volkssport geworden ist,
mit dem sich Geld verdienen lässt, wenn Meldeportale aufblühen,
bei denen die Denunziation von Mitbürgern auf der Tagesordnung
steht – und wenn andererseits sich eine Schärfe und
Unversöhnlichkeit in die Debatten einmischt, die einen
zivilisierten Dialog unmöglich macht, dann sind all dies Symptome
einer langsamen Dekomposition, eines gesellschaftlichen Zerfalls.
Tatsächlich ist es unleugbar, dass wir es mit antidemokratischen
Gesellschaftstendenzen zu tun haben, aber die größte Gefahr, so
fürchte ich, besteht darin, dass man, anstatt der eigenen
Widersprüchlichkeit ins Auge zu sehen, sich ins Identitäre
hineinflüchtet. Ganz nebenbei, da wir schon die Demokratie auf
dem Prüfstand haben, wäre es schon hilfreich, sich an ihre
Anfänge zu erinnern. So sagt Herodot, der die Hochzeit der
griechischen Polis, also der Demokratie erlebt hat, dass nicht
das Mehrheitsprinzip ihr vornehmstes Kennzeichen ist, sondern
dass alle Menschen gleich sind vor dem Gesetz – was bei den
Griechen isonomia hieß. Dieses Moment der isonomia aber wird in
dem Moment dispensiert, wo dem Satz: Alle Tiere sind gleich – die
Einschränkung folgt: Aber manche sind gleicher als die anderen.
Damit ist nicht bloß der Gleichheitsgrundsatz der Demokratie
außer Kraft gesetzt, sondern derjenige, der sich hier
Sonderrechte anmaßt, mag sich einreden, dass das Gesetzt nicht
ist, was über ihm steht. Insofern wäre es schon hilfreich, sich
den Anfang der Demokratie, nämlich die Herrschaft des Gesetzes,
vor Augen zu führen. Sie beginnt in dem Augenblick, wo Drakon –
also der mit den drakonischen Maßnahmen – die Gesetze auf
Holztafeln schreiben lässt. Denn dies läuft daraus hinaus, dass
auch der Inhaber der Macht dem Gesetz, genauer: der Schrift
untertan ist. Genau aus diesem Grund erweist sich der Begriff der
digitalen Souveränität als eigentlich undemokratisch – denn
urplötzlich wollen (nicht selten digital nicht sonderlich
alphabetisierte) Einzelpersonen darüber befinden, was Sache ist
und was nicht, res publica. Wie absurd das ist, wird ihnen
aufgehen, wenn wir der digitalen Souveränität die alphabetische
oder die mechanische Souveränität an die Seite stellen – denn
niemand, der halbwegs bei Sinnen ist, käme auf diesen Gedanken.


Die digitale Ordnung ist, ob wir das wollen oder nicht, unser
gemeinsames Schicksal: res publica. Jetzt könnten Sie, die
Schreckgestalt der Künstlichen Intelligenz vor Augen, einwenden,
das dies eine wirklich gruselige Zukunftsperspektive ist. Ich
würde darauf entgegen, dass dies nur deswegen gruselig ist, weil
wir darauf insistieren, mit den Mitteln der Vergangenheit der
Zukunft zu begegnen zu können – und uns darüber in den ärgsten
Widersprüchen verheddern. Und weil man sich nur ungern dabei
ertappen lässt, versucht man den Widerspruch mundtot zu machen
und ergeht sich im Schlaf der Vernunft, oder ärger noch: man
imaginiert jene Ungeheuer herbei, denen wir uns dann
schlussendlich selbst annähern. Und wenn du lange in einen
Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.
Meinerseits würde ich der eigenen Widersprüchlichkeit ins Auge
blicken wollen. Nun ist dies alles andere als eine Nabelbeschau,
denn es hier darum, sich über das materielle Triebwerk unserer
Welt im Klaren zu sein – und sein eigenes Handeln darauf zu
befragen, ob man wirklich auf der Höhe der Zeit agiert. Und da
ist man plötzlich – das ist das Wesen der digitalen
Erschütterung, der wir uns gegenübersehen – mit der Möglichkeit
konfrontiert, dass die Identitäten und Gewissheiten von ehedem
das Zeitliche gesegnet haben, dass die Welt sich zur terra
incognita zurückverwandelt hat. Rainer Maria Rilke hat das in
seinem Malte Laurids Brigge ganz wunderbar erfasst. Da stellt er
die Frage:


Ist es möglich, denkt es, daß man noch nichts Wirkliches und
Wichtiges gesehen, erkannt und gesagt hat? Ist es möglich, daß
man Jahrtausende Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und
aufzuzeichnen, und daß man die Jahrtausende hat vergehen lassen
wie eine Schulpause, in der man sein Butterbrot ißt und einen
Apfel?


Das ist, so denke ich, die Situation, der Sie sich
gegenübersehen, wenn Sie die Frage der sozialen Arbeit wirklich
ernst nehmen wollen. Die Empfehlungen der Altvorderen, der
Boomer-Generation, werden Ihnen nicht weiterhelfen, so wenig, wie
das Gebaren eines Don Quixote nachahmenswert ist. Mögen die
gutversorgten Rentner sich darum nicht weiter bekümmern, so ist
das Eingeständnis ihres geistigen Bankrottes doch überfällig.
Wenn dies nicht geschieht, so deswegen, weil die Privilegien der
Vergangenheit in klingenden Münze bezahlt werden, wohingegen das
Neue, Unerprobte wenig Fürsprecher hat. Ich will Sie nicht mit
Märchenerzählungen langweilen, also etwas ganz Praktisches. Es
hat sich unterdessen herumgesprochen, dass unser Bildungssystem
in einem katastrophalen Zustand ist, ja nachgerade:
unreformierbar. Man kann jetzt herumschreien, Brandbriefe
schreiben und Ausschau nach Sündenböcken halten, aber das wird,
solange es keine wirklichen Konsequenzen gibt, den Missstand
nicht ändern. Die Frage aber ist: Was würde wohl passieren, wenn
man neben jeder alten Schule eine neue aufmacht, in der man den
Lehrern Freiheit gibt, ganz unabhängig von Lehrplänen und der
verwalteten Welt, ihren Unterricht frei zu gestalten? Damit täten
sich ganz neue und wunderbare Handlungsoptionen auf, ein
Freiheitsraum, der, weil Sie selbst ihn gestalten, die
Möglichkeit gibt, Erfahrungen zu machen. Denn nur die Erfahrung,
die wirklich erlebt worden ist, trägt zur Geistesgegenwart bei.
Ich habe diesen Konflikt zwischen der alten und der neuen Welt am
eigenen Leib erlebt. Ich war ein junger Autor und wollte dicke,
voluminöse Bücher schreiben, wie Thomas Mann das getan hat,
während ich andererseits, weil ich lange das Klavierspiel
exerziert hatte, mit der Idee spielte, komponieren zu wollen.
Gleichwohl war mir doch, als ich entschied, vom Schreiben leben
zu wollen, sehr bald schon bewusst, dass die Idee des Autors, der
als Originalgenie die Welt erklärt, kein probates Lebensmodell
mehr ist. Und dann stand ich irgendwann, weil ich mich dem
Hörspiel zugewandt hatte (aus ökonomischen Gründen, denn von
irgendwas muss der Hungerkünstler ja leben) im Tonstudio eines
Musikers von Tangerine Dream, mit dem ich dann über Jahre
zusammengearbeitet habe – und begriff, dass jeder Sound, der sich
digitalisieren lässt, zu einem Musikinstrument sich verwandelt,
ja, dass die ganze Welt ein einziges Musikinstrument darstellt.
Das war eine wahrhaft beglückende Erfahrung – auch wenn ich mich
gefragt habe, warum ich, wenn man mit einem kleinen Slider das
Anschlagstempo des Keyboards in aberwitzige Höhen herauftunen
kann, mich jahrelang mit Fingerübungen, Tonleitern und Czernys
Schule der Geläufigkeit herumgeschlagen habe. Kurzum: Da war auf
der einen Seite eines tiefes Entwertungsgefühl – die Entwertung
der Virtuosität –, auf der anderen Seite ein unendlicher Gewinn,
die Möglichkeit, in eine Welt der Klänge eintauchen zu wollen.
Und dieser Gewinn – die offene Zukunft – wog viel mehr als die
Zwangsjacke einer überkommenen Welt. Und genau da begann auch
mein Einstieg in die Theorie – wollte ich verstehen, was es mit
der Welt der Computer auf sich hat. Eine Einsicht war: In der
Virtualität ist der Virtuose passé – ebenso wie der Großliterat
vom Schlage eines Thomas Mann kein Lebensmodell mehr sein kann.
In diesem Kontext stelle ich gerne zwei Zitate gegeneinander,
über die sich das Schisma zwischen alter und neuen Welt,
Repräsentation und Simulation verdeutlichen lässt. Das erste
Zitat geht auf einen Wissenschaftsphilosophen zurück, Nicholas
Murray Butler, der die gedankliche Engführung der Virtuosität und
der Spezialisierung wunderbar auf den Begriff gebracht hat. Ein
Experte, so lautet das Zitat, ist jemand, der immer mehr über
immer weniger weiß, bis er alles über nichts weiß. Ich denke, Sie
kennen den Typus, das ist der Fachidiot, dem man eingeredet hat,
dass man, um beruflich reüssieren zu können, sich spezialisieren
muss. Das andere Zitat, das eine ganze andere Welt, ja, eine neue
Denkweise eröffnet, stammt von Samuel Beckett – und man könnte es
als das Motto dieser neuen terra incognita auffassen: I tried, I
failed, I tried again, I failed better. Was man erlernen muss –
und her würde ich die soziale Arbeit der Zukunft sehen -, ist
nichts Geringeres als eine Kunst des Scheiterns.


Mit dieser Maxime im Gepäck können wir dem Begriff der sozialen
Arbeit eine neue Bedeutung verleihen. Wenn die AI alle
erdenklichen repetitiven Arbeiten erledigt, haben sich viele
hochspezialisierte Arbeiten von selber erledigt. Wenn ein Jurist,
der 2000 Dollar für eine Stunde einfordert, nichts anderes tut,
als vorgefertigte Textbausteine aneinanderzukleben, dann wird
diese Tätigkeit recht bald schon von einer künstlichen
Intelligenz übernommen. Mehrwert, so hat Marx einmal höchst
treffend gesagt, schafft nur der Mensch – und von daher könnten
Sie sich schon einmal beglückwünschen, haben Sie sich doch einen
Sektor herausgesucht, in dem die Rationalisierungsdrohung der
Künstlichen Intelligenz erst spät, wenn überhaupt ankommen wird.
Was Marx, der seinen Mehrwertsatz über die Gegenüberstellung von
Mensch und Maschine formuliert hat, vergessen hat zu erwähnen:
ein Mensch, der eine Arbeit tut, welche eine Maschine nicht zu
leisten imstande ist. Denn nur das, was eine Maschine nicht zu
leisten vermag, wird als Mehrwert gelten – und dementsprechend
entgolten. Wenn wir uns dies vor Augen halten, so bekommt der
Begriff der sozialen Arbeit eine neue, unverhoffte Bedeutung.
Denn es hieße nichts anderes, als dass man den Menschen, als homo
digitalis, in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zur Kenntnis
nehmen muss. Und umgekehrt wäre es höchst fahrlässig, wenn man
diese Widersprüche verleugnet und behauptet, man hätte als
wahres, authentisches Wesen mit alledem nichts zu tun. Und so
sind wir, sind Sie doch wieder in die Welt der Booleschen
Gleichung hinübergerutscht – oder genauer: mit der Frage
konfrontiert, wie man unsere Widersprüchlichkeiten auflösen kann,
wie man unsere Gegenwart, unsere Institutionen intelligenter und
menschenfreundlicher noch zu gestalten vermag. Und ich fürchte,
dass die Modelle der Vergangenheit nicht nur nicht hilfreich,
sondern eher schädlich sein werden. Das Persönlichkeitsbild, was
sich mit dem Dividuum und der Kunst des Scheitern auftut, ist der
Generalist, der bestrebt ist, die verschiedensten Aktivität in
ein Sinngefüge zu übersetzen, Praktiken, die dem eigenen Leben,
aber auch dem der Nächsten und Fernsten zugute kommen. Ist es
das, was wir unter sozialer Arbeit verstehen, muss man sich davor
hüten, den anderen zu instrumentalisieren, ihn zum Rad im
Getriebe herabzuwürdigen. Aber am Gefährlichsten wohl sind die
Ungeheuer der Vergangenheit. Wenn wir uns vor Augen halten, dass
die Künstliche Intelligenz Bilder von ungeheurer Perfektion in
die Welt entlässt, ja, dass nicht wenige Menschen sich
Schönheitsoperationen unterziehen, um dem eigenen Profilbild
ähnlich zu sehen – dann ist die digitale Alphabetisierung
tatsächlich ein Überlebensprinzip. Denn wenn Sie sich darüber
bewusst sind, dass man hier mit Phantasien operiert, laufen sie
nicht Gefahr, die Phantasie für bare Münze zu nehmen. Wie
schädlich, ja wie verletzend es ist, an der Perfektion gemessen
zu werden, werden Sie wohl – als body shaming – am eigenen Leibe
erlebt habt. Und wenn man in den sozialen Medien, 24/7, der
Bewertung der anderen ausgesetzt ist, so geht dies nicht nur mit
einem ungeheuren Konformitätsdruck einher, sondern ist Quelle
einer nichtendenwollenden Depression. Vieles, was wir heute als
demokratiegefährdend erachten, ist ein Ausfluss dieser
Panoptikumslogik – der Zwang, dem eigenen Image, genauer: einer
nicht einlösbaren Perfektion entsprechen zu müssen. Wenn Sie sich
klar darüber werden, dass die Identität ein Gefängnis ist – und
dass das Dividuum, die Kunst des Scheitern den Ausweg
bereitstellt, dann wird man sich nicht mehr dem Ressentiment und
antidemokratischen Gesellschaftstendenzen hingeben, sondern
allein dem Gelingen.


In diesem Sinn


ein gutes Gelingen


und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit


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