Folge 12: Kühne und der HSV (mit Henning Bleyl)
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Beschreibung
vor 3 Wochen
Klaus-Michael Kühne – HSV-Aktionär und Geldgeber – dürfte
insgesamt einen neunstelligen Betrag in den HSV investiert haben.
In Hamburg auch bekannt durch die Kühne-Stiftung, investiert
Kühne in die in der Hafencity ansässige Kühne Logistics
University oder in die Elbphilharmonie. Jüngstes Prestigeprojekt
ist der Bau einer neuen Oper, für das die Stiftung bis zu 340
Millionen Euro bereitstellt.
Kühnes Vermögen wird auf ca. 38,9 Milliarden Dollar geschätzt.
Damit ist er der zweitreichste Deutsche. Doch wo kommt all das
Geld her?
Kühne ist Mehrheitsgesellschafter der Kühne + Nagel Gruppe, einem
der größten Transport- und Logistikunternehmen der Welt. 1890
gegründet, stieg das Speditionsunternehmen im 20. Jh. rasant auf.
Strukturell wichtig für die heutige Stellung ist ausgerechnet:
die Zeit des Nationalsozialismus.
Als NS-Musterbetrieb ausgezeichnet, stellte sich Kühne + Nagel
unter der Leitung von Kühnes Vater Alfred und seinem Onkel Werner
in den Dienst des NS-Regimes. Die Brüder Kühne traten bereits am
1. Mai 1933 in die NSDAP ein und drängten im selben Jahr den
jüdischen Hauptanteilseigner Adolf Maass aus der Firma. Adolf
Maass wurde in Auschwitz ermordet.
Kühne + Nagel profitierte von der Verwertung Eigentums jüdischer
Deportierter aus den besetzten Gebieten – der sogenannten
M-Aktion. Mit logistischer Unterstützung der Firma wurden ab 1942
die Besitztümer zehntausender deportierter Jüdinnen und Juden
nach Deutschland transportiert. Die Möbel wurden unter Wert
auktioniert oder an Ausgebombte verteilt, um die Kriegsmoral der
Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
Alfred und Werner Kühne wurden auch deshalb nach dem 2. Weltkrieg
im Prozess der “Entnazifizierung” Westdeutschlands in der
zweithöchsten Belastungskategorie als “Aktivist und Nutznießer”
geführt, ehe sie auf Initiative der US-Militärregierung als
“Mitläufer” entlastet wurden. Schon 1948 durften sie wieder ihre
Firma führen und die Internationalisierung des Unternehmens auf
Grundlage der zur NS-Zeit geschaffenen Infrastruktur
vorantreiben.
Die Firma Kühne + Nagel war damit einer der Hauptprofiteure der
sog. „Arisierungs“-Politik der Nazis, hat an der massenhaften
Verfolgung, dem Raub und der letztendlichen Ermordung von
Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit verdient und war somit
Mittäter.
Und was sagt Klaus-Michael Kühne dazu? Bis heute gibt es nur
zaghafte Bekundungen zur Rolle des Unternehmens in der NS-Zeit.
Eine angemessene Aufarbeitung fand bislang nicht statt.
Was folgt daraus? Es stellt sich explizit nicht die Frage, welche
Schuld Klaus-Michael Kühne an den Verbrechen der Nazis trägt.
Hierfür trägt er selbstverständlich keine Schuld, er war zur
NS-Zeit noch ein Kind. Es geht um seine Verantwortung in der
heutigen Zeit, mit der Schuld seines Vaters, Onkels und
Unternehmens und seinem maßgeblich auch hieraus folgenden
Wohlstand umzugehen. Und es geht darum, was das für uns als
Hamburger Zivilgesellschaft und den HSV und seine Fans bedeutet.
“(00:00) Einleitung”
"(05:14) Gespräch mit Henning Bleyl"
"(07:00) NS-Vergangenheit Kühne + Nagel"
"(13:00) Adolf Maass"
"(22:56) Kühne-Oper"
"(26:34) Kühne und der HSV (inkl. Interview HSV))"
"(48:50) Lehren aus anderen erinnerungspolitischen „Kämpfen“"
"(54:26) Abschließende Worte"
Moderation: Freddy, Ulrike und Jakob
Gesprächspartner: Henning Bleyl (Journalist) und Cornelius Göbel
(HSV)
Schnitt: Ole
Anmerkung: Adolf Maass wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Ob
er bereits 1944 oder erst 1945 ermordet wurde, ist ungeklärt.
Text von Forza Hamburg:
https://nordtribuene-hamburg.de/alt-reich-uneinsichtig-der-fall-kuehnenagel-und-der-nationalsozialismus/
Interview der TAZ mit Henning Bleyl:
https://taz.de/Journalist-Henning-Bleyl-ueber-Kuehne-Oper/!6101732/
Jingle: slow groove.wav by THE_bizniss --
https://freesound.org/s/58193/ -- License: Attribution 3.0
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