Netzwerk - Der Podcast vom Netz E

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Episoden

Folge 12: Kühne und der HSV (mit Henning Bleyl)
27.01.2026
1 Minute
Klaus-Michael Kühne – HSV-Aktionär und Geldgeber – dürfte insgesamt einen neunstelligen Betrag in den HSV investiert haben. In Hamburg auch bekannt durch die Kühne-Stiftung, investiert Kühne in die in der Hafencity ansässige Kühne Logistics University oder in die Elbphilharmonie. Jüngstes Prestigeprojekt ist der Bau einer neuen Oper, für das die Stiftung bis zu 340 Millionen Euro bereitstellt. Kühnes Vermögen wird auf ca. 38,9 Milliarden Dollar geschätzt. Damit ist er der zweitreichste Deutsche. Doch wo kommt all das Geld her? Kühne ist Mehrheitsgesellschafter der Kühne + Nagel Gruppe, einem der größten Transport- und Logistikunternehmen der Welt. 1890 gegründet, stieg das Speditionsunternehmen im 20. Jh. rasant auf. Strukturell wichtig für die heutige Stellung ist ausgerechnet: die Zeit des Nationalsozialismus. Als NS-Musterbetrieb ausgezeichnet, stellte sich Kühne + Nagel unter der Leitung von Kühnes Vater Alfred und seinem Onkel Werner in den Dienst des NS-Regimes. Die Brüder Kühne traten bereits am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein und drängten im selben Jahr den jüdischen Hauptanteilseigner Adolf Maass aus der Firma. Adolf Maass wurde in Auschwitz ermordet. Kühne + Nagel profitierte von der Verwertung Eigentums jüdischer Deportierter aus den besetzten Gebieten – der sogenannten M-Aktion. Mit logistischer Unterstützung der Firma wurden ab 1942 die Besitztümer zehntausender deportierter Jüdinnen und Juden nach Deutschland transportiert. Die Möbel wurden unter Wert auktioniert oder an Ausgebombte verteilt, um die Kriegsmoral der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Alfred und Werner Kühne wurden auch deshalb nach dem 2. Weltkrieg im Prozess der “Entnazifizierung” Westdeutschlands in der zweithöchsten Belastungskategorie als “Aktivist und Nutznießer” geführt, ehe sie auf Initiative der US-Militärregierung als “Mitläufer” entlastet wurden. Schon 1948 durften sie wieder ihre Firma führen und die Internationalisierung des Unternehmens auf Grundlage der zur NS-Zeit geschaffenen Infrastruktur vorantreiben. Die Firma Kühne + Nagel war damit einer der Hauptprofiteure der sog. „Arisierungs“-Politik der Nazis, hat an der massenhaften Verfolgung, dem Raub und der letztendlichen Ermordung von Jüdinnen und Juden in der NS-Zeit verdient und war somit Mittäter. Und was sagt Klaus-Michael Kühne dazu? Bis heute gibt es nur zaghafte Bekundungen zur Rolle des Unternehmens in der NS-Zeit. Eine angemessene Aufarbeitung fand bislang nicht statt. Was folgt daraus? Es stellt sich explizit nicht die Frage, welche Schuld Klaus-Michael Kühne an den Verbrechen der Nazis trägt. Hierfür trägt er selbstverständlich keine Schuld, er war zur NS-Zeit noch ein Kind. Es geht um seine Verantwortung in der heutigen Zeit, mit der Schuld seines Vaters, Onkels und Unternehmens und seinem maßgeblich auch hieraus folgenden Wohlstand umzugehen. Und es geht darum, was das für uns als Hamburger Zivilgesellschaft und den HSV und seine Fans bedeutet.  “(00:00) Einleitung” "(05:14) Gespräch mit Henning Bleyl" "(07:00) NS-Vergangenheit Kühne + Nagel" "(13:00) Adolf Maass" "(22:56) Kühne-Oper" "(26:34) Kühne und der HSV (inkl. Interview HSV))" "(48:50) Lehren aus anderen erinnerungspolitischen „Kämpfen“" "(54:26) Abschließende Worte" Moderation: Freddy, Ulrike und Jakob Gesprächspartner: Henning Bleyl (Journalist) und Cornelius Göbel (HSV) Schnitt: Ole Anmerkung: Adolf Maass wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. Ob er bereits 1944 oder erst 1945 ermordet wurde, ist ungeklärt. Text von Forza Hamburg: https://nordtribuene-hamburg.de/alt-reich-uneinsichtig-der-fall-kuehnenagel-und-der-nationalsozialismus/ Interview der TAZ mit Henning Bleyl: https://taz.de/Journalist-Henning-Bleyl-ueber-Kuehne-Oper/!6101732/ Jingle: slow groove.wav by THE_bizniss -- https://freesound.org/s/58193/ -- License: Attribution 3.0
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Folge 11: Nie wieder ist jetzt - Erinnerungsarbeit im HSV
27.01.2025
1 Stunde 1 Minute
Folge 11: Nie wieder ist jetzt - Erinnerungsarbeit beim HSV Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Dieser Tag ist in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, und auch im Fußball findet seit einigen Jahren rund um das Datum von Fußballvereinen und Fanszenen ein Gedenken statt. Das war nicht immer so. Jahrzehntelang wurde die Geschichte verdrängt und Biografien von Verfolgten gerieten in Vergessenheit. Wir schauen in dieser Folge auf unseren Verein: Was ist in den letzten 80 Jahre Erinnerungsarbeit beim HSV passiert? Wir haben uns dafür mit verschiedenen Person vom Verein, aus Gremien und von der Fanszene getroffen, aber hört am besten selbst! (00:00) Einleitung (07:00) Kriegerdenkmal (16:52) Traditionspflege (22:28) Politische Situation in den 1980ern (25:35) Fanprojekt als wichtiger Akteur (28:24) Gründung Supporters Club (31:40) HSV-Museum (37:08) Gründung Netz E (40:14) Gedenktafel (45:23) Antidiskriminierungsparagraph (48:32) Aktuelle Situation (56:54) Wie geht es weiter? Nie Wieder ist jetzt - Ankündigung der Förderkreis Nordtribüne: https://nordtribuene-hamburg.de/nie-wieder-ist-jetzt-erinnerungstag-beim-hsv/ Kampagnentext zum 21. Erinnerungstag von !Nie Wieder: https://niewieder.info/aktivieren/download/Erinnerungstag20250127_Kampagnentext Ausstellung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zum Hamburger Fußball im Nationalsozialismus: https://www.lernwerkstatt-neuengamme.de/de/weitereausstellungen/weitereausstellungen_rathausausstellungen_startseite/rathausausstellung_2016_fussball_startseite Ankündigung zur Ausstellung “Ins rechte Licht gerückt - Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er Jahre”: https://www.hsv.de/news/eroeffnung-der-sonderausstellung-ins-rechte-licht-gerueckt Mehr zur Geschichte des HSV im Nationalsozialismus erfahrt ihr unter anderem in der Vereinschronik „Mit der Raute im Herzen“ von Werner Skrentny und Jens R. Prüß und im (leider vergriffenen) Ausstellungskatalog „Die Raute unter dem Hakenkreuz“. Jingle: slow groove.wav by THE_bizniss -- https://freesound.org/s/58193/ -- License: Attribution 3.0
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Folge 10 - NS-Zwangsarbeit, Fußball & der HSV
28.01.2024
54 Minuten
Anlässlich des internationalen Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar veröffentlichen wir eine neue Podcast-Folge. In ihr widmen wir uns einer Betroffenengruppe, die jahrzehntelang kaum Beachtung in der deutschen Erinnerungskultur erhalten hat: Menschen, die als Zwangsarbeiter*innen im Deutschen Reich eingesetzt waren. Wir wollten wissen, was Zwangsarbeit im Nationalsozialismus mit Fußball und vor allem mit dem HSV zu tun hat. Kommt mit auf unsere Spurensuche! Zwangsarbeiterlager Lederstraße (Minute 5:40 bis 8:46) Weitere Informationen über das Zwangsarbeiterlager Lederstraße: http://www.geschichtswerkstatt.lurup.de/Lederstra%DFe.htm Karte der Zwangsarbeiterlager in Hamburg “Hamburger Zwangsarbeiterlager in der Lederstraße 1939-1945” (2010) von Anke Schulz “Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft” 1939-1945 (2006) von Friederike Littmann Holger Artus über italienische Militärinternierte im Volksparkstadion (Minute 9:50 bis 21:47) Projektgruppe italienische Militärinternierte siehe auch “Mit der Raute im Herzen” (2008) von Werner Skrentny und Jens Prüß, S. 182 Tina Schröter über das Projekt “Von einem Ort des Unrechts zu einem Ort des Jubels” (Minute 21:48 bis 25:45) Instagram: jubelstaetten_unrechtsorte Twitter: @OrteDesJubels Kontakt: sportplatz@augustaschacht.de Uwe Leps und Holger Bruns von der Willi-Bredel-Gesellschaft zu den Zwangsarbeiterbaracken in Fuhlsbüttel (Minute 27:32 bis 37:36) Homepage der Willi-Bredel-Gesellschaft: http://bredelgesellschaft.de/ Infos zu den Zwangsarbeiterbaracken in Fuhlsbüttel Kontakt: willi-bredel-gesellschaft@t-online.de Ausstellungstafel über den ehemaligen Zwangsarbeiter Cor de Bruin Ralf Klee zu Zwangsarbeitern beim HSV (Minute 37:37 bis 51:06) Ausstellung “Hamburger Fußball im Nationalsozialismus” von 2016 in Erscheinung: "Die Raute unterm Hakenkreuz - Der HSV im Nationalsozialismus", herausgegeben von Werner Skrentny Weitere Informationen zu im Podcast erwähnten Orten der Zwangsarbeit: Geschichtliche Recherche zu den Themen Sportflächen südlich der Waidmannstraße, Zwangsarbeit auf dem ThyssenKrupp Areal und Sammellager auf dem Jahn-Sportplatz (2023) von Holmer Stahnke "... daß der alte Geist im ETV noch lebt." (2010) von Sven Fritz, über die Geschichte des ETV, wo auch die Unterbringung der Zwangsarbeiter in der Turnhalle erwähnt wird
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Folge 09 - Rechte Gewalt in den 1980ern in Hamburg
23.05.2022
1 Stunde 26 Minuten
Mitschnitt der Podiumsveranstaltung "Rechte Gewalt in den 1980ern in Hamburg - und was heißt das für uns heute?" vom 10.5.22 im Haus des Sports, Teil des Begleitprogramms der Ausstellung "Ins rechte Licht gerückt - Der Einfluss von rechts auf die HSV-Fanszene der 1980er Jahre".  Immer wieder werden Personen in Deutschland aus rassistischen Motiven beleidigt und angegriffen. 1985 starben Mehmet Kaymakçı und Ramazan Avcı nach Angriffen, bei denen die Täter teilweise aus der HSV-Fanszene kamen. Solingen, Mölln, Halle und Hanau waren keine Einzelfälle, sondern rechte Gewalt passiert alltäglich. In der Vergangenheit wurde viel darüber geschwiegen, auch im Fußball und beim HSV. Was heißt das für uns heute? Was können wir tun?   Auf dem Podium waren:  Ibrahim Arslan ist Opfer und Überlebender der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, Bildungsaktivist und Mitgründer des Freundeskreises für das Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992.   Ünal Zeran lebt seit Beginn der 1980er in Hamburg, ist fußballbegeisterter Fachanwalt für Migrationsrecht, engagiert sich seit 35 Jahren gegen Rassismus in verschiedenster Ausprägung und unterstützt Opfer rechter Gewalt.  Geneviève Favé arbeitet seit 1986 im HSV-Fanprojekt, hat während dieser Zeit verschiedenste Projekte gegen Diskriminierung mit unterschiedlichen Fans durchgeführt und engagiert sich im Netzwerk Erinnerungsarbeit.   Florian Schubert beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Diskriminierung, rechter Gewalt und Initiativen in Fanszenen und Vereinen dagegen, ist Lehrer an einer Stadtteilschule und hat zu Antisemitismus im Fußball promoviert.   Moderation:  Paula Scholz, ist Teil des Netzwerk Erinnerungsarbeit und des Ausstellungsteams.   Weiterführende Infos: Ünal Zeran erzählt, dass die Prozessakten des Prozesses gegen Beteiligte am Mord an Razam Avcı im „Schwarzmarkt“ anzusehen sind. Den Infoladen Schwarzmarkt findet man unter der Adresse Kleiner Schäferkamp 46 in Hamburg. Die Initiative zum Gedenken an Ramazan Avcı findet Ihr hier:  Informationen zum Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân aus der Halskestraße 72 könnt Ihr hier finden: https://inihalskestrasse.blackblogs.org/ Am 21. Mai 2022 wurde der Dichterin und Arbeiterin Semra Ertan zu ihrem 40. Todestag gedacht. In diesem Jahr fand die Gedenkveranstaltung von 14 – 14:30 Uhr an der Kreuzung Simon-von-Utrecht-Straße / Detlev-Bremer-Straße und von 15 – 17:00 Uhr im Arrivati-Park stattf. Die Initiative ist hier zu finden: https://semraertaninitiative.wordpress.com/ Zum Gedenken an die Opfer des Anschlags von Mölln findet Ihr hier alle wichtigen informationen: https://gedenkenmoelln1992.wordpress.com/ Begleitprogramm zur Ausstellung "Ins rechte Licht gerückt": https://www.hsv.de/fileadmin/user_upload/Bilder_HSV.de/Bundesliga/Verein/Begleitprogramm.pdf
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Folge 08 - Sexualisierte Gewalt im Fußball
08.03.2022
59 Minuten
Viele Frauen erleben beim Fußball sexualisierte Gewalt - wenige sprechen bisher darüber. Wieso das so ist, was sexualisierte Gewalt mit Sexismus zu tun hat und was für Umgangsstrategien es bisher dazu gibt, darum geht es in dieser Folge. Wir durften dafür Rebekka vom Frauennotruf Hamburg interviewen und sprechen über den Ankerplatz, das Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt und die Situation in den aktiven Fanszenen. Vielen Dank an Rebekka und alle anderen, die bei dieser Folge mitgewirkt haben! Und danke an alle, die sich seit Jahren gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt beim Fußball stark machen! --- Sexualisierte Gewalt beim HSV - Wir wollen nicht länger wegschauen!: http://netzwerk-erinnerungsarbeit.de/?p=520 Frauennotruf Hamburg: https://www.frauennotruf-hamburg.de/ Anlauf- und Schutzstelle Ankerplatz: https://www.hsv.de/fans/fanbeauftragte/projekte/anlauf-und-schutzstelle-ankerplatz Netzwerk gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt: https://www.fussball-gegen-sexismus.de/ Handlungskonzept gegen sexualisierte Gewalt im Zuschauer*innensport Fußball: https://www.fussball-gegen-sexismus.de/wp-content/uploads/2019/12/Brosch%c3%bcre_Handlungskonzept_Auflage_3.pdf Online-Podium zu Sexualisierte Gewalt im Fußball: https://m.facebook.com/Homophobie/videos/onlinetalk-sexualisierte-gewalt-im-fu%C3%9Fball/1040885113075607/ Die Idee mit den Sprachnachrichten haben wir von einem anderen Podcast geklaut: https://open.spotify.com/episode/5R92Iz2gVDbzD3ITU9k0HM
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Über diesen Podcast

Das Netzwerk Erinnerungsarbeit (Netz E) ist ein Zusammenschluss von HSVer*innen mit dem Ziel, Erinnerungsarbeit, NS-Aufarbeitung und Projekte gegen Diskriminierung voranzubringen. Mit „Netzwerk – Der Podcast vom Netz E“ bietet das Netz E ein eigenes Podcast-Format an. In unregelmäßigen Abständen wird sich unser Moderations-Team mit Gästen zu den vielfältigsten Themen rund um Antidiskriminierungs- und Erinnerungsarbeit im Fußballkontext – natürlich mit speziellem Fokus auf unseren HSV - austauschen.

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