SCHLAFMITTEL & ABHÄNGIGKEIT: Was die Medizin heute wirklich empfiehlt
25 Minuten
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Beschreibung
vor 4 Wochen
Schlafmittel und Schlaftabletten werden häufig eingesetzt, oft
jedoch unterschätzt, was Nutzen und Risiken betrifft. In dieser
Folge von „Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker“ spricht Prof. Dr.
med. Harald Schmidt evidenzbasiert über chemische Schlafmittel,
ihre Wirkmechanismen und die zentrale Frage der Abhängigkeit.
In Deutschland gelten rund zwei Millionen Menschen als abhängig
von Schlafmitteln, jedes Jahr kommen Hunderttausende neue Fälle
hinzu. Besonders problematisch ist die längerfristige Einnahme
ohne klare medizinische Indikation. Viele Schlafmittel wirken bis
in den nächsten Tag hinein und beeinträchtigen Konzentration,
Reaktionsfähigkeit und Leistungsvermögen. Nicht selten wird das
Schlafmittel selbst zur Ursache der Schlafstörung.
Diese Episode konzentriert sich bewusst ausschließlich auf
chemische Substanzen. Pflanzliche Schlafmittel werden in einer
separaten Folge besprochen. Im Mittelpunkt stehen aktueller
medizinischer Kenntnisstand, klare ärztliche Einordnung und
praktische Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang.
Aus ärztlicher Sicht gibt es nur wenige sinnvolle Einsatzgebiete
für Schlafmittel, etwa bei ausgeprägtem Jetlag oder in akuten
emotionalen Ausnahmesituationen. Für die Selbstbehandlung oder
zur Bewältigung von Stress, Prüfungsangst oder alltäglichen
Einschlafproblemen sind sie nicht geeignet. Ohne klare ärztliche
Anleitung sollten Schlafmittel nicht länger als wenige Tage bis
maximal eine Woche eingenommen werden.
Besprochen werden unter anderem Benzodiazepine, sogenannte
Z-Substanzen, trizyklische Antidepressiva, antihistaminhaltige
Schlafmittel und Melatonin. Viele dieser Substanzen wirken über
den GABA-A-Rezeptor im Gehirn. Sie führen zwar zu Sedierung,
verändern jedoch die Schlafarchitektur, unterdrücken REM- und
Tiefschlaf und verhindern damit erholsamen Schlaf. Nach dem
Absetzen kann es zu einer ausgeprägten Rebound-Insomnie kommen.
Auch Alkohol wirkt über diesen Mechanismus und ist deshalb kein
geeignetes Schlafmittel.
Die zentrale Botschaft dieser Folge lautet: Schlafhygiene und
nicht-medikamentöse Maßnahmen stehen immer an erster Stelle.
Schlafmittel kommen nur kurzfristig, klar begrenzt und mit von
Beginn an geplanter Absetz-Strategie infrage. Bei wiederholten
Verordnungen ohne sorgfältige Abklärung ist ein Arztwechsel
sinnvoll. Unterstützung bieten Schlafmedizinerinnen und
Schlafmediziner sowie Suchthilfestellen.
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