Hohe Proteinzufuhr, Ketose und Mortalität: Eine kritische Einordnung aktueller Ernährungsstudien

Hohe Proteinzufuhr, Ketose und Mortalität: Eine kritische Einordnung aktueller Ernährungsstudien

37 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

Protein gilt als Held unserer Zeit: Es macht satt, baut Muskeln
auf, stabilisiert den Blutzucker – und ist fester Bestandteil von
Fitness-, Low-Carb- und Keto-Narrativen. Gleichzeitig sorgen
große Ernährungsstudien regelmäßig für Schlagzeilen wie „Zu
viel Protein verkürzt das Leben“ oder „Low Carb erhöht
die Sterblichkeit“. Was stimmt denn nun?


In dieser Folge räumen wir zuerst mit einem grundlegenden
Missverständnis auf: Ernährungsstudien liefern selten klare
Antworten – nicht weil die Wissenschaft schlecht ist, sondern
weil Ernährung extrem schwer sauber zu messen ist. Wir sprechen
über Erinnerungsfehler, Healthy-User-Bias, statistische
Spielräume und darüber, warum man mit denselben Datensätzen
nahezu jede Ernährungsform „tödlich rechnen“ kann. Wer John
Ioannidis kennt, weiß: Nutritional Epidemiology ist kein
Skalpell, sondern oft eher ein Ouija-Brett.


Darauf aufbauend nehmen wir uns eine der meistzitierten Studien
der letzten Jahre vor: die Longo/Levine-Arbeit aus Cell
Metabolism. Sie wird häufig als Beweis gegen hohe Proteinzufuhr
herangezogen – doch bei genauerem Hinsehen erzählt sie eine
deutlich komplexere Geschichte. Wir sprechen darüber, warum der
Zusammenhang fast ausschließlich bei tierischem Protein auftritt,
welche Rolle Bewegungsmangel und Muskelmasse spielen, warum der
Alterscut bei 65 Jahren biologisch plausibel, aber methodisch
heikel ist – und weshalb „viel Protein“ nicht automatisch
dasselbe bedeutet wie „viel Steak“.


Dann gehen wir eine Ebene tiefer: Was macht Protein eigentlich in
unserem Körper? Warum senkt es den Hunger so zuverlässig? Wir
erklären, wie GLP-1, CCK, PYY und Ghrelin zusammenspielen, warum
proteinreiche Mahlzeiten das Belohnungssystem beruhigen und wieso
sie weniger Lust auf süß-fettige Snacks machen. Dabei wird klar:
Protein wirkt nicht nur über Kalorien, sondern über Hormone,
Neurotransmitter und Stoffwechsel-Signale.


Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist die ketogene Ernährung –
jenseits von Biohacking-Mythen. Wir sprechen über ketogene
metabolische Therapien bei Krebs, insbesondere bei stark
glykolytischen Tumoren, über den Glukose-Keton-Index, laufende
klinische Studien und darüber, warum Ketose kein Heilversprechen
ist, aber ein spannendes therapeutisches Werkzeug sein kann. Auch
Alzheimer und kognitive Leistungsfähigkeit kommen zur Sprache:
Ketone als alternative Energiequelle für ein energiearmes Gehirn
– mit realistischen Erwartungen und klaren Grenzen.


Am Ende ziehen wir ein Fazit, das bewusst undogmatisch ist:
Protein ist kein Gift – aber auch kein Freifahrtschein.
Entscheidend sind Quelle, Alter, Bewegung, metabolischer Zustand
und Kontext. Eine proteinreiche Ernährung kann Hunger regulieren,
Muskelmasse schützen und beim Abnehmen helfen. Sie kann aber in
einem bewegungsarmen, fleischlastigen Gesamtmuster auch Teil
eines Problems sein.


Wenn dich Ernährung jenseits von Schlagzeilen interessiert, wenn
du Studien nicht glauben, sondern verstehen willst – und wenn du
wissen möchtest, warum Biologie wichtiger ist als Dogmen – dann
ist diese Folge für dich.

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