#2 2026 Über Trump, Venezuela und die Folgen - mit Martin Weiss

#2 2026 Über Trump, Venezuela und die Folgen - mit Martin Weiss

In dieser Folge spricht Stefan Kaltenbrunner mit Martin Weiss, Präsident von "Salzburg Global" und ehemaliger österreichischer Botschafter in den USA, über die radikal veränderte Außenpolitik der Vereinigten Staaten unter Donald Trump – von Venezuela über
51 Minuten

Beschreibung

vor 2 Tagen

Im Gespräch mit Host Stefan Kaltenbrunner schildert Martin Weiss
zunächst die außenpolitischen Tabubrüche der USA – etwa das
Vorgehen in Venezuela, die Drohung einer Annexion Grönlands und
das Aufbringen eines russischen Tankers – und ordnet sie als neue
Qualität US-amerikanischer Machtpolitik ein. Er erklärt, warum
diese Schritte zwar an historische Konstanten wie die
Monroe-Doktrin anschließen, aber in Tempo, Brutalität und
Völkerrechtsbruch eine neue Dimension darstellen.



Aus europäischer Perspektive beschreibt Weiss, wie sehr die
Sicherheitsarchitektur unter Druck steht, weil Trump die
Beistandspflicht der NATO de facto infrage stellt und Europa
militärisch wie politisch lange im Windschatten der USA gelebt
hat. Gleichzeitig sieht er in dieser Krise die Chance, dass die
EU endlich entscheidungsfähig wird, in der Verteidigungspolitik
aufholt und gegenüber Washington aus einer stärkeren Position
auftritt.



Im Gespräch zur Ukraine betont Weiss, dass Russland militärisch
weit weniger Geländegewinne erzielt hat, als oft angenommen, aber
der Westen dennoch seine Glaubwürdigkeit verspielt, sollte die
Ukraine politisch oder militärisch vollständig unterliegen. Er
hält ein mögliches Waffenstillstands- oder Arrangementszenario
rund um 2026 für denkbar, weil sowohl Russland als auch die
Ukraine und ihre Unterstützer unter der immensen Last des Krieges
ächzen.



Mit Blick auf China warnt Weiss vor einer Fehleinschätzung der
USA: Wenn Peking aus Ukraine, Venezuela und anderen Konflikten
lernt, dass Fakten schaffen belohnt wird, könnte ein Angriff auf
Taiwan eine globale Eskalation auslösen. Parallel dazu skizziert
er, wie innenpolitisch viele Amerikaner Außenpolitik nur am Rand
interessiert, während steigende Lebenshaltungskosten Trumps
Popularität massiv unter Druck setzen.
Weiss beschreibt
Bruchlinien innerhalb der Republikaner, die Loyalität zu Trump
gegen ihren eigenen Ruf abwägen müssen, und schildert, wie der
Präsident trotz seiner harten Linie zunehmend zur „lame duck“
werden könnte – vor allem bei krachend verlorenen Midterms. Auf
demokratischer Seite nennt er unter anderem Kaliforniens
Gouverneur Gavin Newsom als Beispiel dafür, wie sich mögliche
Gegenkandidaten zu Trump inhaltlich und strategisch
positionieren.



Im Nahen Osten sieht Weiss den Iran in einer existenziellen
Krise: Verbündete wie Hisbollah und Hamas seien geschwächt,
wirtschaftliche Probleme und Wassermangel verschärften den
innenpolitischen Druck, wodurch auch dort bis 2026 dramatische
Umbrüche möglich erscheinen. Insgesamt zeichnet er das Bild einer
multipolaren Welt ohne stabile Ordnung, in der Fehler der
Großmächte – von Washington über Moskau bis Peking – jederzeit in
einen Flächenbrand münden könnten, während Europa versucht,
zwischen Eigenständigkeit und Abhängigkeit seinen Platz neu zu
definieren.


Links zur Folge:


Salzburg Global


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