Gelegenheitstäter & Co – Die Psychologie der Wirtschaftskriminalität
20 Minuten
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Beschreibung
vor 4 Monaten
Wirtschaftskriminalität ist kein Randphänomen – sie betrifft
jedes Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche. Doch wer
sind die Menschen hinter den Delikten? Sind es die „bösen
Masterminds“, die gezielt in Firmen eindringen? Oder eher die
ganz normalen Mitarbeitenden, die in einer schwierigen Situation
plötzlich schwach werden?
In dieser Folge von Fraud decoded – Fraud, Fakten, Leadership
gehe ich dieser Frage nach und stelle euch ein faszinierendes
Forschungsmodell vor: die Tätertypologie von Prof. Dr.
Gerhard Blickle (Universität Bonn, vormals Universität
Konstanz) und Dr. Andreas Schlegel (Universität
Konstanz, später Bundeskriminalamt Wiesbaden). Die
beiden haben in mehreren Studien seit 2006 hunderte verurteilte
Wirtschaftsstraftäter analysiert und dabei ein klares Muster
entdeckt. Ihre Arbeiten gehören zu den fundiertesten
psychologisch-kriminologischen Untersuchungen im
deutschsprachigen Raum.
Zentrale Quellen:
Blickle, G., Schlegel, A., Fassbender, P., & Klein, U.
(2006): Some Personality Correlates of Business White-Collar
Crime. Applied Psychology, 55(2), 220–233.
Blickle, G., Schlegel, A., & Kramer, J. (2009):
Personality and White-Collar Crime. Personality and
Individual Differences, 46(2), 142–147.
Schlegel, A., Blickle, G., & Diekmann, C. (2019):
Narcissism and the Propensity to Commit White-Collar Crime.
Current Psychology, 38, 1–10.
Das Ergebnis dieser Forschung: Es gibt nicht den
„typischen“ Wirtschaftsstraftäter, sondern drei verschiedene
Typen – jeder mit eigenen Mustern, Motiven und
Schwachstellen.
Der Gelegenheitstäter
Ganz normale Mitarbeitende, die in einer persönlichen Notlage
spontan handeln – und durch eine offene Gelegenheit stolpern. Sie
rationalisieren („Ich gebe es ja zurück“) und wären ohne die
Lücke im System niemals kriminell geworden.
Der Gewohnheitstäter
Er beginnt oft als Gelegenheitstäter, entwickelt dann aber
systematische Betrugsmodelle. Über Jahre baut er Strukturen auf,
tarnt sich als Musterangestellter und sorgt dafür, dass niemand
in „seinen Bereich“ Einblick bekommt. Sein Motto: Kontrolle ist
Macht.
Der professionelle Täter
Die „Königsklasse“: strategisch, skrupellos, oft international
vernetzt. Sie bewerben sich gezielt auf Schlüsselpositionen,
fälschen Unterlagen, manipulieren Menschen und Systeme und kennen
keine Skrupel, wenn es um Millionen geht. In den Medien begegnen
wir ihnen oft – in der Realität sind sie zwar seltener, dafür
aber besonders gefährlich.
Was heißt das für Unternehmen?
Jede Tätergruppe erfordert andere Präventionsmaßnahmen.
Gelegenheitstäter lassen sich durch einfache, wirksame
Kontrollen stoppen – etwa Vier-Augen-Prinzipien oder eine
offene Gesprächskultur.
Gewohnheitstäter brauchen systematische Funktionstrennungen,
Rotation und analytisches Monitoring.
Professionelle Täter erfordern Backgroundchecks, unabhängige
Revision und prozessunabhängige Kontrollen.
Mein Fazit: Fraud Prevention ist kein Standardpaket – sie muss so
differenziert sein wie die Täter selbst.
Die Forschung von Blickle und Schlegel zeigt eindrucksvoll, dass
Psychologie und Kriminologie unverzichtbare Bausteine in der
Betrugsprävention sind.
Am Ende dieser Folge bekommst du meine
Top-3-Handlungsempfehlungen für den Umgang mit
Tätertypologien in der Praxis. Denn: Auch wenn wir nicht jede
Motivation kennen oder jede Persönlichkeit durchschauen – wir
können systematisch Lücken schließen, Risiken reduzieren und
Mitarbeitende sensibilisieren.
Hör rein und erfahre, warum Gelegenheitstäter, Gewohnheitstäter
und Profis so unterschiedlich ticken – und wie du dein
Unternehmen gegen alle drei schützen kannst.
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