#39 Die Pest
1 Stunde 2 Minuten
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Beschreibung
vor 18 Stunden
Mit Stefan Leenen:
1331 brach die Pest im heutigen China aus und wanderte von dort
aus westwärts. Sie brauchte 15 Jahre bis sie die Küste der Krim
erreichte. In Caffa betrieben Händler aus Genua einen Stützpunkt.
Sie handelten mit Getreide und transportierten es über das
Schwarze Meer nach Westeuropa.
1346 hatten12 genuesische Galeeren nicht nur Getreide, sondern
auch die Pest an Bord und nahmen Kurs auf Süditalien. Sie
verursachten die bisher größte medizinische Katastrophe in der
europäischen Geschichte. Zwischen 20 und 50 Millionen Menschen
fielen der Pest zum Opfer. Etwa ein Drittel der Bevölkerung.
Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 2 Kilometern pro
Tag verbreitete sich die Pest in alle Richtungen: nach Spanien,
Frankreich Deutschland.
Die Lungenpest führte innerhalb weniger Stunden nach der
Ansteckung zum Tod. Die Beulenpest brauchte etwas länger. Die
Patienten litten noch zwei bis drei Tage bevor sie starben.
Die Krankheit traf arme und reiche, junge und alte, Frauen und
Männer gleichermaßen und breitete sich unaufhaltsam aus. Sie
schob die Horrormeldungen vor sich her. Die lösten schon
Massenhysterien aus, lange bevor die Pest tatsächlich zuschlug.
In vielen deutschen Städten brachen Judenpogrome aus. Die
Verfolgung der jüdischen Einwohner durch aufgebrachte Massen trat
das erste Mal in der Provence auf. Die Hysterie begann lange
bevor die Seuche selbst das Land erreichte. Schon die Nachricht
vom Schwarzen Tod und die Phantasie, dass Juden die Brunnen
vergiftet hätten, reichte für tödliche Hetzjagden. In Basel und
Straßburg töteten blutrünstige Bürger 1349 große Teile der
jüdischen Bevölkerung. Stadträte, die mäßigend einwirken wollten,
wurden von den aufgepeitschten Mordlustigen vertrieben. In Worms,
Frankfurt und Mainz verübten die jüdischen Gemeinden nach
anfänglicher Gegenwehr Massenselbstmorde.
Es waren die bis dahin schlimmsten Pogrome gegen Juden in
Deutschland. In unserer Geschichte nur noch übertroffen vom
Holocaust. Mit dem Auftreten der Pest wurden fast alle jüdischen
Gemeinden in Deutschland vernichtet oder vertrieben. Damit war
das jüdische Leben für fast 400 Jahre in Deutschland zerstört.
Über Flagellanten, die Ratlosigkeit der Gelehrten, das große
Sterben und die anschließende Wirtschaftskrise spreche ich mit
Dr. Stefan Leenen, dem Kurator der letzten großen Pestausstellung
in Deutschland.
Seine Reisetipps und Bilder findet Ihr hier:
www.99xgeschichte.de
Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner
Plattform "Deutschstunde" an.
"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der
Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und
Mittelalter.digital.
#Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa
1331 brach die Pest im heutigen China aus und wanderte von dort
aus westwärts. Sie brauchte 15 Jahre bis sie die Küste der Krim
erreichte. In Caffa betrieben Händler aus Genua einen Stützpunkt.
Sie handelten mit Getreide und transportierten es über das
Schwarze Meer nach Westeuropa.
1346 hatten12 genuesische Galeeren nicht nur Getreide, sondern
auch die Pest an Bord und nahmen Kurs auf Süditalien. Sie
verursachten die bisher größte medizinische Katastrophe in der
europäischen Geschichte. Zwischen 20 und 50 Millionen Menschen
fielen der Pest zum Opfer. Etwa ein Drittel der Bevölkerung.
Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 2 Kilometern pro
Tag verbreitete sich die Pest in alle Richtungen: nach Spanien,
Frankreich Deutschland.
Die Lungenpest führte innerhalb weniger Stunden nach der
Ansteckung zum Tod. Die Beulenpest brauchte etwas länger. Die
Patienten litten noch zwei bis drei Tage bevor sie starben.
Die Krankheit traf arme und reiche, junge und alte, Frauen und
Männer gleichermaßen und breitete sich unaufhaltsam aus. Sie
schob die Horrormeldungen vor sich her. Die lösten schon
Massenhysterien aus, lange bevor die Pest tatsächlich zuschlug.
In vielen deutschen Städten brachen Judenpogrome aus. Die
Verfolgung der jüdischen Einwohner durch aufgebrachte Massen trat
das erste Mal in der Provence auf. Die Hysterie begann lange
bevor die Seuche selbst das Land erreichte. Schon die Nachricht
vom Schwarzen Tod und die Phantasie, dass Juden die Brunnen
vergiftet hätten, reichte für tödliche Hetzjagden. In Basel und
Straßburg töteten blutrünstige Bürger 1349 große Teile der
jüdischen Bevölkerung. Stadträte, die mäßigend einwirken wollten,
wurden von den aufgepeitschten Mordlustigen vertrieben. In Worms,
Frankfurt und Mainz verübten die jüdischen Gemeinden nach
anfänglicher Gegenwehr Massenselbstmorde.
Es waren die bis dahin schlimmsten Pogrome gegen Juden in
Deutschland. In unserer Geschichte nur noch übertroffen vom
Holocaust. Mit dem Auftreten der Pest wurden fast alle jüdischen
Gemeinden in Deutschland vernichtet oder vertrieben. Damit war
das jüdische Leben für fast 400 Jahre in Deutschland zerstört.
Über Flagellanten, die Ratlosigkeit der Gelehrten, das große
Sterben und die anschließende Wirtschaftskrise spreche ich mit
Dr. Stefan Leenen, dem Kurator der letzten großen Pestausstellung
in Deutschland.
Seine Reisetipps und Bilder findet Ihr hier:
www.99xgeschichte.de
Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner
Plattform "Deutschstunde" an.
"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der
Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und
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#Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa
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