#45 Sigismund, Jan Hus und das Konzil von Konstanz
59 Minuten
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Beschreibung
vor 1 Woche
Mit Julia Burkhardt:
Als Sigismund 1411 König wurde, war er 43 Jahre alt. Ein bewegtes
Leben lag bereits hinter ihm. Seit 24 Jahren war er König von
Ungarn und hatte gelernt sich machtpolitisch durchzusetzen.
Als römisch-deutscher König stellte er sich der Aufgabe, das
große Schisma, also die Teilung der Kirche unter drei Päpste, zu
überwinden.
Sigismund lud im November 1414 Vertreter der gesamten
Christenheit zum Konzil nach Konstanz. Schätzungsweise waren es
mehr als 50.000 Konzilsteilnehmer, die in die kleine Stadt am
Bodensee strömten. 33 Kardinäle, 300 Bischöfe, 500 Äbte,
Heerscharen von Gelehrten, Unterhändlern und Bodyguards. Sogar
700 Prostituierte wurden offiziell registriert. Die 50.000
Menschen blieben jahrelang. Konstanz war für diesen Andrang gar
nicht geschaffen.
4 Jahre dauerte der Ausnahmezustand am Bodensee. Eine bewegte
Verhandlungszeit. Der Papst aus Pisa floh nach 5 Monaten
verkleidet als Stallknecht nach Freiburg. Der Papst aus Rom trat
freiwillig zurück und der aus Avignon wurde abgesetzt. Damit war
der Weg für eine neue Papstwahl frei. Die fand gleich in Konstanz
am Hafen statt. Das Gebäude steht heute immer noch. Ein
Warenlager funktionierte man zum Konklave um und einigte sich
endlich auf nur einen Papst: Martin V. Das große Schisma war
beendet. 7 Jahre nach seiner Königswahl hatte Sigismund sein Ziel
erreicht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Umso erstaunlicher, dass das Schicksal eines einfachen
tschechischen Predigers, das restliche Leben von Sigismund
dominieren sollte. Die Kirche machte dem Reformgelehrten Jan Hus
während des Konzils in Konstanz den Prozeß. Jan Hus starb auf dem
Scheiterhaufen, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit
zugesichert hatte. Daraufhin brachen in Böhmen die Hussitenkriege
aus, die Sigismund und die Reichspolitik Jahrzehnte in Atem
hielten.
Ich spreche mit der Julia Brukhardt, Professorin für
mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität
München, über den zupackenden König- und Kaiser und die
Voraussehbarkeit der Revolte in Böhmen.
Die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
www.99xgeschichte.de
Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner
Plattform "Deutschstunde" an.
"Wer wir sind und warum das nicht klappte..." ist Teil der
Netzwerke Wissenschaftspodcasts.de, #Historytelling und
Mittelalter.digital.
#Mittelalter #Deutschland # Westeuropa #Europa
Als Sigismund 1411 König wurde, war er 43 Jahre alt. Ein bewegtes
Leben lag bereits hinter ihm. Seit 24 Jahren war er König von
Ungarn und hatte gelernt sich machtpolitisch durchzusetzen.
Als römisch-deutscher König stellte er sich der Aufgabe, das
große Schisma, also die Teilung der Kirche unter drei Päpste, zu
überwinden.
Sigismund lud im November 1414 Vertreter der gesamten
Christenheit zum Konzil nach Konstanz. Schätzungsweise waren es
mehr als 50.000 Konzilsteilnehmer, die in die kleine Stadt am
Bodensee strömten. 33 Kardinäle, 300 Bischöfe, 500 Äbte,
Heerscharen von Gelehrten, Unterhändlern und Bodyguards. Sogar
700 Prostituierte wurden offiziell registriert. Die 50.000
Menschen blieben jahrelang. Konstanz war für diesen Andrang gar
nicht geschaffen.
4 Jahre dauerte der Ausnahmezustand am Bodensee. Eine bewegte
Verhandlungszeit. Der Papst aus Pisa floh nach 5 Monaten
verkleidet als Stallknecht nach Freiburg. Der Papst aus Rom trat
freiwillig zurück und der aus Avignon wurde abgesetzt. Damit war
der Weg für eine neue Papstwahl frei. Die fand gleich in Konstanz
am Hafen statt. Das Gebäude steht heute immer noch. Ein
Warenlager funktionierte man zum Konklave um und einigte sich
endlich auf nur einen Papst: Martin V. Das große Schisma war
beendet. 7 Jahre nach seiner Königswahl hatte Sigismund sein Ziel
erreicht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Macht.
Umso erstaunlicher, dass das Schicksal eines einfachen
tschechischen Predigers, das restliche Leben von Sigismund
dominieren sollte. Die Kirche machte dem Reformgelehrten Jan Hus
während des Konzils in Konstanz den Prozeß. Jan Hus starb auf dem
Scheiterhaufen, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit
zugesichert hatte. Daraufhin brachen in Böhmen die Hussitenkriege
aus, die Sigismund und die Reichspolitik Jahrzehnte in Atem
hielten.
Ich spreche mit der Julia Brukhardt, Professorin für
mittelalterliche Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität
München, über den zupackenden König- und Kaiser und die
Voraussehbarkeit der Revolte in Böhmen.
Die Reisetipps und viele Bilder findet Ihr hier:
www.99xgeschichte.de
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