Sascha Pallenberg hat keine Lust mehr auf Hype: KI ist keine Sensation

Sascha Pallenberg hat keine Lust mehr auf Hype: KI ist keine Sensation

42 Minuten

Beschreibung

vor 1 Tag

2025 war ein Ausnahmejahr. Die Welt taumelte zwischen
technologischem Fortschritt und geopolitischer Unsicherheit,
zwischen KI-Euphorie und wachsendem Zweifel. Während im
Monatsrhythmus neue Large-Language-Modelle (LLM) vorgestellt
wurden, verdichtete sich zugleich das Gefühl, dass wir als
Gesellschaft kaum noch hinterherkommen. Weder mit Denken noch mit
Regulieren.


Jetzt steht 2026 vor der Tür. Ein Jahr, das viele Antworten
liefern muss: Wird KI zum Wirtschaftsmotor oder zur Luftnummer?
Was passiert mit dem deutschen Industriemodell? Und kann Europa
im globalen Tech-Wettbewerb überhaupt noch mitreden?


Sascha Pallenberg hat keine Lust mehr auf Hype. Der Tech-Experte,
Ex-Daimler-Manager und langjährige Blogger lebt mittlerweile im
südlich gelegenen Taichung in Taiwan "Etwas ländlicher, zwei
Millionen Einwohner, größtes Kohlekraftwerk der Welt", wie er
trocken bemerkt. Von dort aus beobachtet er, wie sich Deutschland
und Europa durch ein Jahr voller technologischer Umbrüche,
geopolitischer Spannungen und industriepolitischer
Fehlentscheidungen manövriert haben.


Sein Fazit: Wir stehen vor einem fundamentalen Wandel, aber
feiern noch immer die falschen Dinge.


"Zwei Wochen nach dem Release von ChatGPT 5.02 rief die Welt: Das
ist jetzt das beste KI-Modell der Welt! Drei Wochen vorher rief
sie das über Gemini 3 von Google. Und nächstes Jahr geht das
wieder so los", sagt Pallenberg. Für ihn ist Künstliche
Intelligenz längst keine disruptive Sensation mehr, sondern eine
technologische Normalität mit massiven Nebenwirkungen. "Wir
müssen uns das einfach mal abgewöhnen. Das ist nichts mehr
weltbewegend Neues."


"Warum bauen die so verdammt gut Autos?"


Deutlich fällt seine Kritik an der deutschen Autoindustrie aus.
Seiner Meinung nach hat sie die digitale Transformation
verschlafen. Während man in Wolfsburg und Stuttgart die Modelle
von gestern verteidigt, nehmen chinesische Hersteller wie BYD mit
Tempo und Tech-Offensive Europa ins Visier. "Wir hätten uns schon
damals fragen müssen: Warum bauen die so verdammt gute Autos?"


Dass BYD bis 2030 ein Händlernetz auf Audi-Niveau in Deutschland
aufbauen will, sei kein Zufall, sagt Pallenberg. Es ist eine
Kampfansage. Der frühere Daimler-Manager glaubt, dass es nicht
nur um Technologie geht, sondern auch um Denkweisen: Während in
Europa immer noch vom Lenkrad aus gedacht wird, verstehen
chinesische Hersteller das Auto längst als Teil eines vernetzten
Ökosystems. Das Smartphone auf Rädern ist dort Realität. Und
Deutschland? "Hier reden wir immer noch über Radioempfang".


Auch in der geopolitischen Großwetterlage sieht er Europa an
einem Scheideweg. Die EU dürfe sich nicht erpressbar machen, wenn
es um ihre Digitalgesetze wie den DMA oder DSA geht. "Das
Regelwerk der EU ist das stabilste, was wir weltweit haben. Das
ist aus gutem Grund so".


Dass die USA Strafzölle als Druckmittel einsetzen, um Lockerungen
zu erreichen, hält er für brandgefährlich. Sein Ausblick?
Ernüchternd, aber klar: "2026 wird heftig für unsere
Gesellschaften, für unsere Industrien und für unseren
Arbeitsmarkt."


Und trotz aller Tech-Begeisterung bleibt ihm ein Wunsch für die
nächsten Jahre: Er wolle keine KI, die sich seine Texte schnappt,
sondern eine, "die meine Küche aufräumt".


Sie haben Fragen für Frauke Holzmeier und Andreas Laukat? Dann
schreiben Sie eine E-Mail an sotechtdeutschland@ntv.de


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