Harry und Sally ... und noch schrägere Paare

Harry und Sally ... und noch schrägere Paare

43 Minuten

Beschreibung

vor 2 Monaten

Seltsame Bettgenossen  
 Die RomCom als aktuelle Spielart der uralten Filmgattung
„romantische Komödie“ steht heute zunächst im Mittelpunkt: der
Witz ist mit den Liebenden. Dem zweiten Paar hilft er nicht, denn
da haben wir es mit schwarzem Humor zu tun.
 
 A) Harry und Sally / When Harry Met Sally

Romantische Hollywood-Komödie von 1989
 
Der leichtlebige Hobby-Philosoph Harry (Billy Crystal) lässt sich
als Mitfahrer von Sally (Meg Ryan), der besten Freundin seiner
Partnerin, von Chicago nach New York mitnehmen. Die beiden sind
auf kritische Weise fasziniert voneinander, verlieren sich aber
erst einmal aus den Augen. Als sie sich in längeren Abständen
wiedertreffen, erblicken sie im jeweils anderen schließlich eine
verwandte Seele. Doch eine sexuelle Beziehung wollen sie nicht
riskieren, um ihre Freundschaft nicht zu gefährden. 
Ab jetzt wartet das Publikum darauf, was aus Harrys früh
verkündeter These wird, nach der Männer und Frauen niemals
Freunde sein könnten, weil ihnen der Sex doch immer in die Quere
komme. Wie sich herausstellt: sogar der, den man nicht hat

 
Rob Reiner, der bald darauf in „Misery“ ein anderes, noch
schrägeres Paar in Szene setzen sollte, schuf mit „Harry und
Sally“ zweierlei: ein frühes Beispiel für die vor der
Jahrtausendwende so beliebte Gattung der romantischen Komödie,
das auf der immer längeren Liste der Beiträge erhalten blieb; und
natürlich die oft herauskopierte Cafeteria-Szene mit Meg Ryans
vorgetäuschtem Orgasmus. Letztere ermunterte Til Schweiger –
Deutschlands Verkörperung des Genres – zu dem Hinweis, dies sei
die beste schauspielerische Leistung der Filmgeschichte. Vor
solchem Lob sollte man „Harry und Sally“ auf jeden Fall in Schutz
nehmen.  
 


B) Haus der Schatten / The Night Digger
Englisches Thrillerdrama von 1971
 


Die verhärmte Maura Prince lebt mit ihrer blinden, tyrannischen
Adoptivmutter in einem verfallenden Landsitz in der englischen
Provinz. Als Mutter gegen ihren Willen den jungen Vagabunden
Billy als Gärtner einstellt, macht der sich schnell im Haushalt
unentbehrlich. Bald entwickelt sich eine gegenseitige
Abhängigkeit zwischen Maura und Billy, die in eine Romanze
übergeht. Gemeinsam wollen die beiden ausbrechen: sie aus ihrem
tristen Dasein zwischen Kirchengemeinde, Arbeit im Krankenhaus
und der Ausbeutung durch ihre Mutter, er aus dem Sog eines noch
weitaus dunkleren Geheimnisses …
 
In keinem Drehbuch, das der Kinderbuch- und
Kurzgeschichtenmeister Roald Dahl verfasst hat, ist sein schräger
schwarzer Humor so lebendig wie in dieser Adaption einer
Erzählung von Joy Cowley. Und nur hier erleben wir seine
Spezialität im bewegten Bild: den Zuschauer in einem maximal
empfindlichen Moment alleinzulassen. Dahls Ehefrau Patricia Neal
und der theatererfahrene Jungschauspieler Nicholas Clay liefern
eine berührende Darstellung, die bestens mit den skurrilen
britischen Kleinbürgerchargen interagiert, die sie umgeben. 
 
 
 In der nächsten Woche: Breakfast Club – Der
Frühstücksclub und Zu heiß gebadet

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